{"id":5123,"date":"2026-01-27T03:08:55","date_gmt":"2026-01-27T02:08:55","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5123"},"modified":"2026-01-27T03:11:14","modified_gmt":"2026-01-27T02:11:14","slug":"die-sonnenmutter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-sonnenmutter\/","title":{"rendered":"Die Sonnenmutter"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Sonnenmutter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zigeunerm\u00e4rchen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Vor vielen, vielen Jahren, als der Wolkenk\u00f6nig noch jung war, lebte er mit dem Sonnenk\u00f6nig in guter Freundschaft. Das waren gl\u00fcckliche Zeiten damals. Wenn der Sonnenk\u00f6nig m\u00fcde von seiner langen Fahrt heimkehrte, so kam der Wolkenk\u00f6nig herbei und befahl seinem Diener, dem Regen, die Erde zu bew\u00e4ssern. So geschah es niemals, dass die Sonne schien, wenn die Leute um Regen beteten, oder dass es regnete, wenn sie um Sonnenschein baten.<\/p>\n\n\n\n<p>An einem Nachmittag begegnete der Sonnenk\u00f6nig seinem Freund, dem Wolkenk\u00f6nig, und sagte zu ihm: &#8222;Lieber Freund, ich bin heute sehr m\u00fcde geworden, denn ich habe viel gearbeitet. Ich war in einem Lande, wo es in der Nacht f\u00fcrchterlich geregnet hatte, und da musste ich mich gewaltig anstrengen, um die Erde zu trocknen, denn sonst h\u00e4tten die armen Menschen eine Missernte gehabt. Sei so gut und schicke deinen Diener Regen einmal eine Nacht lang nicht dorthin.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das werde ich doch tun!&#8220; entgegnete der Wolkenk\u00f6nig. &#8222;Ich bin gerade auf der Fahrt in dieses Land. Du h\u00e4ttest dich mit dem Trocknen der Erde<\/p>\n\n\n\n<p>nicht anstrengen sollen, denn ich will, dass es in dem Lande neun Wochen lang fortw\u00e4hrend regnen soll.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Warum willst du denn den armen Leuten das antun?&#8220; fragte der Sonnenk\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;In dem Lande herrscht ein K\u00f6nig, der eine wundersch\u00f6ne Tochter hat&#8220;, erz\u00e4hlte der Wolkenk\u00f6nig. &#8222;Ich wollte seine Tochter zur Frau nehmen, aber der K\u00f6nig, ihr Vater, wies mich ab und sagte, dass er f\u00fcr einen Wolkenk\u00f6nig keine Tochter zu vergeben habe. Nun will ich den Leuten zeigen, wer ich bin. Ich nehme alle meine Diener mit: den Regen, den Wind, den Blitz und den Donner, den Hagel und den Schnee, und lasse alle auf einmal los, damit sie sich einmal nach Herzenslust austoben k\u00f6nnen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die armen Leute haben dir doch aber nichts getan, und wenn dich ihr K\u00f6nig beleidigt hat, so darfst du doch nicht alle Leute im Lande strafen und zu Grunde richten wollen!&#8220; sagte darauf der Sonnenk\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das geht mich nichts an!&#8220; erwiderte der Wolkenk\u00f6nig. &#8222;Wer kann es mir verbieten?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich!&#8220; entgegnete der Sonnenk\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;So? Das m\u00f6chte ich doch einmal sehen!&#8220; sagte der Wolkenk\u00f6nig und eilte davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Der gute Sonnenk\u00f6nig sch\u00fcttelte alle M\u00fcdigkeit von sich, kehrte um und erreichte noch fr\u00fcher als der Wolkenk\u00f6nig das Land. Als der mit allen seinen Dienern heranzog, konnte er nichts ausrichten, denn die Sonne schien so hei\u00df, dass alle seine Diener sich nur mit knapper Not vor dem Feuertod retten konnten. Der Wolkenk\u00f6nig war au\u00dfer sich vor Wut und zog mit seinen halb- verbrannten Dienern in seine Heimat zur\u00fcck, ins h\u00f6chste Gebirge der Welt, um ein andermal von neuem sein Gl\u00fcck zu versuchen. Aber so oft er mit seinen schrecklichen Dienern im Land zu wirtschaften begann, erschien auch gleich der gute Sonnenk\u00f6nig und vertrieb die b\u00f6sen Dienerscharen des Wolkenk\u00f6nigs.<\/p>\n\n\n\n<p>Das verdross den Wolkenk\u00f6nig gar sehr, und er sann nach, wie er den Sonnenk\u00f6nig unsch\u00e4dlich machen k\u00f6nne. Als er einmal seine Absicht seinen Dienern mitteilte, sagte der Wind: &#8222;Ich wei\u00df einen Rat! Ihr wisst alle, dass unser gemeinsamer Feind, der Sonnenk\u00f6nig, zeitig in der Fr\u00fche als kleines Kind in die Welt hinausfliegt, zu Mittag ein Mann wird und abends als schwacher Greis heimkehrt, um im Scho\u00df seiner Mutter zu schlafen. Schl\u00e4ft er nicht im Scho\u00df seiner Mutter, so bleibt er ein Greis, der keine Kraft hat. Und dann kann er nicht in die Welt hinaus fliegen. Wir m\u00fcssen also die Sonnenmutter<\/p>\n\n\n\n<p>gefangen nehmen, dann kann uns ihr Sohn, der Sonnenk\u00f6nig, nicht mehr schaden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da freuten sich alle gar sehr und schrien wie toll durcheinander. Der Schnee<br>und der Hagel riefen: &#8222;Knarr! Klirr! Das ist ein trefflicher Rat!&#8220; Der Blitz lief aus einem Winkel in den andern und rief fortw\u00e4hrend: &#8222;Zickzack! Zick, zickzack! Das wird eine Freude geben! Zick, zickzack!&#8220; Der Donner brummte:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Bumbara, bumbara, bumm! Das gibt einen Hauptspa\u00df!&#8220; Der Regen fl\u00fcsterte: &#8222;Tritsch, tratsch! Wind, du bist mein Bruder! Du bist gescheit!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Weile sagte der Wolkenk\u00f6nig: &#8222;Der Rat ist gut! Ich will versuchen, die Sonnenmutter einzufangen!&#8220; Darauf begab er sich zur Wohnung<\/p>\n\n\n\n<p>des Sonnenk\u00f6nigs. Auf dem Wege verwandelte er sich in ein sch\u00f6nes, graues Pferd, und als er an das goldene Haus des Sonnenk\u00f6nigs kam, der gerade weit vom Hause weg irgendwo in der Welt herumwanderte, sagte er Zur Sonnenmutter, die vor dem Tor sa\u00df: &#8222;Guten Tag, liebe Frau! Ich bin das Windpferd, und dein Sohn, der Sonnenk\u00f6nig, schickt mich zu dir und l\u00e4sst dich bitten, schleunigst zu ihm zu kommen. Er ist in einem \u00fcberschwemmten Lande und hat nicht mehr die Kraft, die Erde zu trocknen. Er will eine Stunde lang in deinem Scho\u00df schlafen und dadurch neue Kr\u00e4fte sammeln!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das hat mein Sohn nie von mir gew\u00fcnscht!&#8220; entgegnete die Sonnenmutter. &#8222;Aber wenn es so ist, so will ich gern zu ihm eilen. Erlaube mir, dass ich mich auf deinen R\u00fccken setze!&#8220; Das war dem Wolkenk\u00f6nig eben recht. Die Sonnenmutter setzte sich auf das Pferd, das sie wie der Wind so schnell in eine H\u00f6hle f\u00fchrte, wo es sich in den Wolkenk\u00f6nig zur\u00fcckverwandelte. Der aber sperrte die Sonnenmutter in die H\u00f6hle ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun der Sonnenk\u00f6nig abends als m\u00fcder Greis nach Hause kam, fand er seine Mutter nicht vor, Und da er in ihrem Scho\u00df nicht schlafen konnte, wurde er so schwach, dass er am n\u00e4chsten Tage nicht auszufliegen vermochte. Nun schien die Sonne nicht mehr, Dunkelheit herrschte \u00fcberall, und der Wolkenk\u00f6nig konnte ungest\u00f6rt mit seinen Dienern wirtschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nicht lange dauerte ihre Herrlichkeit, denn die Sonnenmutter lie\u00df sich die N\u00e4gel an den Fingern wachsen und grub sich aus der H\u00f6hle heraus. Sie eilte zu ihrem Sohn, der endlich wieder in ihrem Scho\u00df schlafen konnte und dann mit frischer Kraft in die Welt hinausflog und den Wolkenk\u00f6nig vertrieb. Seit der Zeit aber hat alle Freundschaft zwischen dem Wolkenk\u00f6nig und dem Sonnenk\u00f6nig aufgeh\u00f6rt<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor vielen, vielen Jahren, als der Wolkenk\u00f6nig noch jung war, lebte er mit dem Sonnenk\u00f6nig in guter Freundschaft. Das waren gl\u00fcckliche Zeiten damals. Wenn der Sonnenk\u00f6nig m\u00fcde von seiner langen Fahrt heimkehrte, so kam der Wolkenk\u00f6nig herbei und befahl seinem Diener, dem Regen, die Erde zu bew\u00e4ssern. So geschah es niemals, dass die Sonne schien, wenn die Leute um Regen beteten, oder dass es regnete, wenn sie um Sonnenschein baten.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5125,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,133,211],"tags":[],"class_list":["post-5123","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-maerchen","category-maerchen-weltweit","category-zigeunermaerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5123","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5123"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5123\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5124,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5123\/revisions\/5124"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5125"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5123"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5123"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5123"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}