{"id":5118,"date":"2026-01-27T03:03:47","date_gmt":"2026-01-27T02:03:47","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5118"},"modified":"2026-01-27T03:06:06","modified_gmt":"2026-01-27T02:06:06","slug":"vom-sonnenkinde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/vom-sonnenkinde\/","title":{"rendered":"Vom Sonnenkinde"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Vom Sonnenkinde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4rchen aus Griechenland<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal eine Frau, die bekam keine Kinder und war dar\u00fcber sehr betr\u00fcbt. Da sprach sie eines Tages zu dem Sonnenball: \u00bblieber Sonnenball, schenke mir ein M\u00e4dchen, und wenn es zw\u00f6lf Jahre alt ist, magst du es zur\u00fccknehmen.\u00ab Darauf schenkte ihr der Sonnenball ein M\u00e4dchen, das nannte die Frau Letiko und pflegte es mit gro\u00dfer Liebe, bis es zw\u00f6lf Jahre alt war. Als nun eines Tages Letiko beim Kr\u00e4utersuchen war, da kam der Sonnenball zu ihr und sprach: \u00bbLetiko, wenn du nach Hause kommst, so sage deiner Mutter, sie solle an das denken, was sie mir gelobt habe.\u00ab Da ging die Letiko nach Hause und sprach zu ihrer Mutter: \u00bbw\u00e4hrend ich Kr\u00e4uter suchte, ist ein gro\u00dfer Herr zu mir gekommen und hat mir aufgetragen, dir zu sagen, dass du dich an das erinnern solltest, was du ihm gelobt hast.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Frau das h\u00f6rte, erschrak sie sehr und verschloss sogleich die T\u00fcre und die Fenster des Hauses, verstopfte auch alle Risse und L\u00f6cher, und hielt die Letiko versteckt, damit der Sonnenball nicht kommen und sie holen k\u00f6nne. Aber sie verga\u00df das Schl\u00fcsselloch zu verstopfen, und durch dieses schickte der Sonnenball einen Strahl in das Haus, der packte das M\u00e4dchen und brachte es zu ihm. Eines Tages schickte er sie in die Strohh\u00fctte, um Stroh zu holen; das M\u00e4dchen aber setzte sich auf den Strohhaufen und klagte: \u00bbwie dieses Stroh unter meinen F\u00fc\u00dfen seufzt, so seufzt mein Herzchen nach meinem M\u00fctterchen\u00ab; und dar\u00fcber blieb sie so lange weg, dass sie der Sonnenball fragte: \u00bbei Letiko, wo warst du denn so lange?\u00ab \u2013 \u00bbMeine Pantoffeln sind mir zu gro\u00df und ich konnte damit nicht gehen.\u00ab \u2013 Da machte ihr der Sonnenball die Pantoffeln k\u00fcrzer.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein andermal schickte er sie um Wasser zu holen, und als sie zu der Quelle kam, setzte sie sich hin und klagte: \u00bbsowie dies Wasser flie\u00dft, ebenso flie\u00dft mein Herzchen aus Sehnsucht nach meinem M\u00fctterchen.\u00ab Sie blieb aber wieder so lange aus, dass sie der Sonnenball fragte: \u00bbei Letiko, warum bist du denn so lange ausgeblieben?\u00ab \u2013 \u00bbMein \u00dcberkleid ist so lang und hinderte mich am Gehen.\u00ab \u2013 Da schnitt ihr der Sonnenball das \u00dcberkleid ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf schickte sie der Sonnenball wieder einmal aus, ihm ein Paar Sandalen zu holen, und als das M\u00e4dchen diese in der Hand trug, da fing es an zu klagen: \u00bbwie dies Leder knirscht, so knirscht mein Herzchen nach meinem M\u00fctterchen.\u00ab Als sie darauf nach Hause kam, fragte sie der Sonnenball: \u00bbei Letiko, warum kommst du denn so sp\u00e4t?\u00ab \u2013 \u00bbMeine Rotm\u00fctze ist mir zu weit und fiel mir \u00fcber die Augen, und darum konnte ich nicht schnell gehen.\u00ab \u2013 Da machte er ihr auch die M\u00fctze enger.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber am Ende merkte der Sonnenball doch, dass Letiko traurig sei; er schickte sie also wieder Stroh zu holen, und schlich ihr nach und h\u00f6rte, wie sie um ihre Mutter klagte. Da ging er nach Hause, rief zwei F\u00fcchse und fragte sie: \u00bbwollt ihr die Letiko nach Hause bringen?\u00ab \u2013 \u00bbEi, warum nicht?\u00ab \u2013 \u00bbWas wollt ihr aber essen und trinken, wenn ihr unterwegs hungrig und durstig werdet?\u00ab \u2013 \u00bbDa werden wir von ihrem Fleische essen und von ihrem Blute trinken.\u00ab \u2013 Als der Sonnenball das h\u00f6rte, sagte er: \u00bbihr taugt nicht zu diesem Gesch\u00e4fte\u00ab, schickte sie wieder weg und rief zwei Hasen: \u00bbwollt ihr die Letiko zu ihrer Mutter bringen?\u00ab \u2013 \u00bbEi, warum nicht?\u00ab \u2013 \u00bbWas wollt ihr aber essen und trinken, wenn ihr unterwegs hungrig und durstig werdet?\u00ab \u2013 \u00bbWir werden Gr\u00e4schen fressen und Quellchen trinken.\u00ab \u2013 \u00bbDa nehmt sie und bringt sie hin.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da machten sich die Hasen mit der Letiko auf, weil es aber weit bis zu ihrem Hause war, bekamen sie unterwegs Hunger, sie sagten also zu dem M\u00e4dchen: \u00bbsteige auf jenen Baum, lieb Letiko, und bleibe so lange oben, bis wir uns satt gefressen haben.\u00ab Da stieg Letiko auf den Baum und die Hasen gingen grasen. Es dauerte aber nicht lange, so kam eine Lamia unter den Baum und rief: \u00bbLetiko, Letiko, komm herunter und sieh die sch\u00f6nen Schuhe, die ich anhabe.\u00ab \u2013 \u00bbOh! Meine Schuhe sind viel sch\u00f6ner als deine.\u00ab \u2013 \u00bbKomm herunter, ich habe Eile, denn mein Haus ist noch nicht gekehrt.\u00ab \u2013 \u00bbSo gehe hin und kehre es, und komme wieder, wenn du fertig bist.\u00ab \u2013 Da ging die Lamia weg und kehrte ihr Haus, und als sie damit fertig war, kam sie wieder und rief: \u00bbLetiko, Letiko, komme herunter und sieh, was ich f\u00fcr eine sch\u00f6ne Sch\u00fcrze habe.\u00ab \u2013 \u00bbOh, meine Sch\u00fcrze ist viel sch\u00f6ner als deine.\u00ab \u2013 \u00bbWenn du nicht herunter kommst, so haue ich den Baum um und fresse dich.\u00ab \u2013 \u00bbTue das und friss mich dann.\u00ab \u2013 Da hieb die Lamia aus allen Kr\u00e4ften in den Baum und konnte ihn doch nicht umhauen, und als sie das einsah, rief sie: \u00bbLetiko, Letiko, komme herunter, denn ich muss meine Kinder s\u00e4ugen.\u00ab \u2013 \u00bbSo gehe hin, s\u00e4uge sie, und komme wieder, wenn du damit fertig bist.\u00ab \u2013 Da ging die Lamia wieder weg, die Letiko aber rief: \u00bbH\u00e4schen! H\u00e4schen!\u00ab Da sagte der eine Hase zu dem andern: \u00bbh\u00f6re, die Letiko ruft\u00ab, und nun liefen sie zu ihr so schnell sie konnten. Letiko stieg vom Baume und nun gings weiter. Die Lamia aber lief ihnen nach um sie einzuholen, und kam an einem Acker vorbei, auf welchem Leute arbeiteten. Da fragte die Lamia: \u00bbhabt ihr Niemanden hier vor\u00fcberkommen sehen?\u00ab Die aber antworteten: \u00bbwir legen Bohnen.\u00ab \u2013 \u00bbEi was! ich frage nicht danach, sondern ob Niemand hier vor\u00fcber gekommen ist?\u00ab \u2013 Die Leute aber antworteten: \u00bbbist du etwa taub? Bohnen, Bohnen, Bohnen legen wir.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Letiko in die N\u00e4he ihres Hauses kam, da gewahrte sie der Hund und rief: \u00bbhamm! hamm! siehe da kommt die Letiko\u00ab, und die Mutter sagte: \u00bbHust! du Ungl\u00fcckstier! willst du mich vor Kummer bersten machen?\u00ab Darauf gewahrte sie der Kater auf dem Dache und rief: \u00bbmiau! miau! siehe da kommt die Letiko\u00ab, und die Mutter sagte: \u00bbZutu! du Ungl\u00fcckstier! willst du mich vor Kummer bersten machen?\u00ab Da gewahrte sie der Haushahn und rief: \u00bbkakaiku! kakaiku! siehe da kommt die Letiko\u00ab, und die Mutter sagte: \u00bbSiu! du Ungl\u00fcckstier! willst du mich vor Kummer bersten machen?\u00ab \u2013 Je n\u00e4her die drei aber dem Hause kamen, desto n\u00e4her kam ihnen auch die Lamia, und als der Hase zur Haust\u00fcre hineinschl\u00fcpfen wollte, da packte sie ihn an seinem Schw\u00e4nzchen und riss es aus. Als nun der Hase hereinkam, stand die Mutter auf und sprach zu ihm: \u00bbsei willkommen, liebes H\u00e4schen! daf\u00fcr dass du mir die Letiko gebracht hast, will ich dir auch dein Schw\u00e4nzchen versilbern\u00ab; und das tat sie auch und lebte von da an mit ihrem T\u00f6chterchen gl\u00fccklich und zufrieden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal eine Frau, die bekam keine Kinder und war dar\u00fcber sehr betr\u00fcbt. 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