{"id":5105,"date":"2026-01-27T02:48:36","date_gmt":"2026-01-27T01:48:36","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5105"},"modified":"2026-01-27T02:48:36","modified_gmt":"2026-01-27T01:48:36","slug":"sonne-mond-und-morgenstern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/sonne-mond-und-morgenstern\/","title":{"rendered":"Sonne, Mond und Morgenstern"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Sonne, Mond und Morgenstern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es waren einmal ein alter Mann und eine alte Frau, und die hatten drei T\u00f6chter und waren sehr arm. Die M\u00e4dchen mussten, um ihren Unterhalt zu verdienen, bis tief in die Nacht hinein arbeiten, und gleichwohl hatten sie oft nicht satt zu essen. Daher sagte eines Abends, als sie bei der Arbeit sa\u00dfen, die \u00e4lteste zu den beiden anderen: &#8222;Ich wollte, ich h\u00e4tte den Koch des K\u00f6nigs zum Manne, um von allen guten Speisen seiner Tafel zu essen.&#8220; Da sprach die zweite: &#8222;Da wollte ich lieber seinen Schatzmeister haben, damit ich Geld vollauf h\u00e4tte.&#8220; Die j\u00fcngste aber sagte: &#8222;Wenn ich den Sohn des K\u00f6nigs zum Mann h\u00e4tte, so w\u00fcrde ich ihm drei Kinder geb\u00e4ren, die Sonne, den Mond und den Morgenstern.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade an jenem Abend hatte sich aber der K\u00f6nigssohn zur Kurzweil verkleidet, und durchzog so, nur von einem Diener begleitet, die Stadt, um zu h\u00f6ren, was die Leute redeten, und er stand gerade vor dem Hause der drei Schwestern, als diese von ihren W\u00fcnschen sprachen, und er erstaunte \u00fcber die Sch\u00f6nheit der j\u00fcngsten. Er dr\u00fcckte also sein Siegel an die T\u00fcre, um das Haus am Tage wiederzuerkennen, und lie\u00df am andern Morgen die drei M\u00e4dchen holen und fragte sie, was sie am Abend vorher miteinander gesprochen h\u00e4tten. Diese sch\u00e4mten sich anfangs und wollten es nicht gestehen, aber er setzte ihnen so lange zu, bis eine jede ihren Wunsch wieder holte, und darauf verheiratete er die eine mit seinem Koche, die andere mit seinem Schatzmeister, und die j\u00fcngste wollte er selbst nehmen, doch seine Mutter war sehr dagegen und tat, was sie konnte, um ihn davon abzuhalten. Endlich verm\u00e4hlte er sich doch mit ihr, aber bald darauf musste er in den Krieg gehen, und zog fort. Als nun die Zeit kam, dass die junge Frau ein Kind geb\u00e4ren sollte, da holte die Schwiegermutter ein H\u00fcndchen, ein K\u00e4tzchen und ein M\u00e4uschen, und gab, als die Schwiegertochter gebar, die Tiere der Hebamme und befahl ihr, das erste Kind mit dem H\u00fcndchen, das zweite mit dem K\u00e4tzchen und das dritte mit dem M\u00e4uschen zu vertauschen, und die drei Kinder in den Fluss zu werfen. Unterwegs aber empfand die Amme Mitleid mit den armen W\u00fcrmern und legte sie also in einen Binsenstrauch. In dieser Gegend lebte ein Hirt, der keine Kinder hatte, und er bemerkte, dass jeden Morgen, wenn er mit seiner Herde ausfuhr, eine Ziege abseits ging und mit leerem Euter wiederkam. Da wollte der Hirt sehen, was sie mit ihrer Milch anfinge; er ging ihr also nach und fand, dass sie drei Kinder s\u00e4uge, die wundersch\u00f6n waren. Er freute sich sehr \u00fcber diesen Fund und brachte die Kinder zu seiner Frau, und diese pflegte sie mit gro\u00dfer Sorge. Als aber die Kinder heranwuchsen, baute ihnen der Hirt einen Turm und setzte sie hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mutter dieser Kinder hatte es unterdessen viel schlechter; denn sobald die Kinder beiseite geschafft waren, nahm sie die Schwiegermutter und setzte sie in den H\u00fchnerstall, und als der K\u00f6nig von dem Feldzug zur\u00fcckkehrte und nach seiner Frau fragte, da rief Sie: &#8222;O Jammer, mein Sohn! Anstatt der Sonne, des Mondes und des Morgensternes, die sie dir versprochen, hat sie einen Hund, eine Katze und eine Maus geboren. Dar\u00fcber wurde der Mann so traurig, dass er gar nicht fragte, was aus seiner Frau geworden sei, und h\u00e4rmte sich so sehr, dass er siech wurde und lange Zeit nicht genesen wollte. Eines Tages raffte er sich auf und machte einen Spazierritt, und da erblickte er von ferne den Turm, worin die Kinder wohnten, und vor demselben die beiden J\u00fcnglinge, wie sie ihre Pferde tummelten, und ihre Schwester, die am Fenster stand und ihnen zusah. Als sie aber der K\u00f6nig erblickte, rief er: &#8222;Ach! Diese Kinder sind wie jene, welche mir meine Frau versprochen hatte&#8220;, und sah ihnen zu, solange sie spielten; als es aber Abend wurde, verbeugten sich die J\u00fcnglinge vor dem K\u00f6nig und gingen in den Turm,<\/p>\n\n\n\n<p>und der K\u00f6nig ritt zu seinem Palaste, und das war nach langer Zeit seine erste Freude; darum erz\u00e4hlte er auch, als er heimkam, seiner Mutter von den Kindern und sprach: &#8222;O Mutter! Heute habe ich zwei J\u00fcnglinge gesehen, welche ganz denjenigen glichen, die mir meine Frau versprochen hatte.&#8220; Diese aber erwiderte: &#8222;H\u00fcte dich vor ihnen, mein Sohn, damit du keinen Schaden von ihnen hast, denn das sind ja keine Menschen, sondern Elfen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Morgen rief die alte K\u00f6nigin die Hebamme zu sich und sagte zu ihr: &#8222;0h, was hast du mit den drei Kindern gemacht? Mein Sohn hat sie gesehen und ist wie verzaubert von ihnen.&#8220; Da antwortete diese: ,&#8220;Sei ohne Sorge, ich werde sie aus dem Wege r\u00e4umen.&#8220; Darauf verkleidete sich die Hebamme als alte Bettlerin, ging in der Dunkelheit zu dem Turme und jammerte dort so lange, bis das Gesinde fragte, was ihr fehle. Da klagte sie, dass sie sich verirrt habe und nun die Nacht hereingebrochen sei und sie nicht wisse, wo sie bleiben solle. Sie erbarmten sich ihrer und behielten sie \u00fcber Nacht, und am anderen Morgen bat sie die M\u00e4gde, sie zu ihrer Herrin zu f\u00fchren, um sich bei dieser f\u00fcr das Genossene zu bedanken. Sie f\u00fchrten sie also zu der Jungfrau auf den Turm, und nachdem sie deren Sch\u00f6nheit bewundert und gelobt hatte, sagte sie zu ihr: &#8222;Du f\u00fchrst deinen Namen mit Recht, denn du bist so sch\u00f6n wie die Sonne, aber um ganz gl\u00fccklich zu sein, fehlt dir noch ein Ding.&#8220; Da fragte die Jungfrau, was das sei, und die Alte antwortete: &#8222;Der Zweig, welcher Musik macht&#8220;, und damit nahm die Alte Abschied und ging ihrer Wege. Von nun an dachte die Jungfrau nur noch an den Zweig, welcher Musik macht, und sehnte sich so sehr danach, dass sie krank wurde und sich ins Bett legen musste. Da kamen ihre Br\u00fcder und fragten sie, was ihr fehle; sie wollte es aber nicht eingestehen, und nur mit vieler M\u00fche konnten die Br\u00fcder aus ihr herausbringen, dass sie sich nach dem Zweige sehne, der Musik macht. Die Br\u00fcder aber bedachten sich nicht lange und machten sich auf, um diesen zu holen. Auf ihrem Wege begegneten sie einem M\u00f6nche; sie begr\u00fc\u00dften ihn und erz\u00e4hlten ihm im Gespr\u00e4che, dass sie nach dem Zweige aus seien, der Musik macht. Als der M\u00f6nch das h\u00f6rte, rief: &#8222;Ach, Ihr lieben Kinder! Schade um Eure Sch\u00f6nheit, denn dabei m\u00fcsst Ihr zugrunde gehen; dem Zweig nach sind schon viele Helden und Prinzen ausgezogen und sind dabei s\u00e4mtlich verungl\u00fcckt.&#8220; Die Br\u00fcder aber antworteten: &#8222;Unserer Schwester zuliebe wollen wir es versuchen, und Sollten wir auch dar\u00fcber zugrunde gehen.&#8220; Da dauerte den M\u00f6nch das junge Blut, und er sprach: &#8222;Wenn es denn nicht anders ist, so will ich Euch wenigstens sagen, wie Ihr es zu machen habt. Dieser Zweig wird von zwei Drachen bewacht, und diesen d\u00fcrft Ihr bei Tage nicht nahe kommen, denn sonst verschlucken sie Euch, w\u00e4hrend sie den Atem einziehen. Ihr m\u00fcsst bis Mitternacht warten, und wenn sie schlafen, so schnarchen sie mit offenem Rachen; dann m\u00fcsst Ihr Euch herbeischleichen und ihnen in den Rachen hinein schie\u00dfen, daran werden sie verenden, und Ihr k\u00f6nnt den Zweig brechen. Da machten es die J\u00fcnglinge, wie ihnen der M\u00f6nch gesagt hatte, brachen den Zweig, nachdem sie die Drachen erschossen hatten, und brachten ihn ihrer Schwester, und diese wurde vor Freuden wieder gesund.<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig aber ritt jeden Abend vergebens nach dem Turme, er konnte die J\u00fcnglinge nicht mehr zu Gesicht bekommen und verfiel dar\u00fcber von neuem in Schwermut und klagte seiner Mutter sein Leid. Da sprach diese: &#8222;Sei doch vern\u00fcnftig, lieber Sohn, ich habe dir ja gesagt, dass es Elfen seien, du aber wolltest es nicht glauben.&#8220; Doch der K\u00f6nig konnte die J\u00fcnglinge nicht vergessen und ritt immer wieder nach dem Turme, und als diese endlich von ihrer Heerfahrt zur\u00fcckkehrten und am anderen Tage wieder vor dem Turme ihre Pferde tummelten, da freute sich der K\u00f6nig und erz\u00e4hlte bei seiner R\u00fcckkehr der alten K\u00f6nigin, dass die J\u00fcnglinge wieder da seien. Diese aber sagte: &#8222;Siehst du nun, dass ich recht hatte, es sind Elfengeister, die bald erscheinen und bald verschwinden.&#8220; Am anderen Morgen aber lie\u00df sie die Hebamme rufen und zankte, dass sie ihr Versprechen nicht gehalten habe, denn die Kinder seien wieder zur\u00fcckgekehrt. Diese aber sagte:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Gr\u00e4me dich nicht und lass mich machen.&#8220; Darauf verkleidete sie sich abermals in eine Alte, ging zu dem Turme, und brachte es wie das erste Mal dahin, dass sie dort schlafen durfte und am anderen Morgen zu dem M\u00e4dchen gef\u00fchrt wurde. Als diese die Alte erblickte, erkannte sie sie und rief ihr zu: &#8222;Siehe, Alte, da ist der Zweig, der Musik macht, meine Br\u00fcder haben ihn mir geholt&#8220;, und dabei zeigte sie ihr vom Fenster aus den Baum, der aus dem Zweige geworden,<\/p>\n\n\n\n<p>denn sie hatte ihn vor der T\u00fcre in die Erde gepflanzt, und er war rasch herangewachsen, fl\u00f6tete ohne Unterlass und trug jeden Morgen eine Sch\u00fcssel voll Edelsteine. Nachdem die Alte den Baum sattsam bewundert hatte, sprach sie: &#8222;Du bist die Allersch\u00f6nste und hast nun auch den Zweig, der Musik macht, es fehlt dir aber noch etwas.&#8220; Da fragte das M\u00e4dchen, was es sei, und die Alte sagte: &#8222;Das ist ein Spiegel, in dem du alle St\u00e4dte, alle D\u00f6rfer, alle L\u00e4nder und alle Prinzen sehen kannst.&#8220; Darauf ging die Alte fort, und das M\u00e4dchen wurde wieder krank vor lauter Sehnsucht nach dem Spiegel, und ihre Br\u00fcder setzten ihr wiederum so lange zu, bis sie ihnen sagte, dass sie den Spiegel m\u00f6chte, in dem man die ganze Welt sehen kann. Da sagten diese, sie solle sich nicht gr\u00e4men, sie wollten ihr denselben schon bringen. Die J\u00fcnglinge machten sich also auf und wanderten einen Monat, zwei Monate, drei Monate, bis sie an den Ort kamen, wo jener M\u00f6nch wohnte, und der fragte sie wieder, wo sie hin wollten, und sie erz\u00e4hlten ihm, dass sie auf der Suche nach jenem Spiegel w\u00e4ren. Da sagte der M\u00f6nch: &#8222;Ach, liebe Kinder, wie dauert Ihr mich! Denn dabei werdet Ihr unfehlbar zugrunde gehen.&#8220; Die J\u00fcnglinge aber meinten, dass sie es darauf ankommen lassen wollten, und der Alte erwiderte: &#8222;Weil ich Euch nicht abhalten kann, so will ich Euch wenigstens sagen, was Ihr machen m\u00fcsst. Dort, wo der Spiegel steht, sind vierzig Drachen zu seiner Bewachung, zwanzig an der einen und zwanzig an der anderen Seite. Nachts schlafen sie in einer Reihe. Wenn sie um Mitternacht schnarchen, dass die Berge davon widerhallen, m\u00fcsst Ihr mit gro\u00dfer Vorsicht \u00fcber einen nach dem anderen wegsteigen, so dass Ihr keinen ber\u00fchrt.&#8220; Die J\u00fcnglinge kamen zu dem Orte, wo der Spiegel stand, und machten es, wie ihnen der M\u00f6nch gesagt hatte, und w\u00e4hrend der eine Wache hielt, stieg der andere \u00fcber die zwanzig Drachen und holte den Spiegel und brachte ihn der Schwester.<\/p>\n\n\n\n<p>Tags darauf tummelten sie ihre Pferde wiederum vor dem Turme, und wie sie der K\u00f6nig auf seinem Spazierritt erblickte, hatte er gro\u00dfe Freude und erz\u00e4hlte es abermals seiner Mutter. Diese blieb dabei, dass es keine Menschen, sondern Elfengeister w\u00e4ren, und des anderen Morgens lie\u00df sie wieder die Hebamme kommen und zankte mit ihr, weil die J\u00fcnglinge zur\u00fcckgekehrt waren. Die Amme aber bat, sie solle sich beruhigen, denn nun werde sie sie ohne Fehl zugrunde richten. Darauf verkleidete sie sich wieder, ging zum Turme und machte es wiederum so, dass sie dort schlafen und am anderen Morgen die Jungfrau sehen durfte. Als diese ihr den neuen Spiegel zeigte, sagte sie: &#8222;Ach, liebes Fr\u00e4ulein, du bist so sch\u00f6n, dass sie dich Sonne nennen; den Zweig, der Musik macht, hast du; den Spiegel, in dem du die Welt sehen kannst, hast du, nun fehlt dir nur noch eines.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und als die Jungfrau fragte, was das sei, da sagte sie: &#8222;Das ist der Vogel Dikjeretto. Wenn der in den Spiegel sieht, so sagt er dir, was die Menschen auf der ganzen Welt sprechen, weil er alle Sprachen der Weit versteht.&#8220; Darauf ging die Alte weg, und das M\u00e4dchen wurde wiederum krank vor lauter Sehnsucht nach diesem Vogel, und als ihre Br\u00fcder sie fragten, was ihr fehle, sagte sie: &#8222;Mich verlangt nach dem Vogel Dikjeretto.&#8220; Als das die Br\u00fcder h\u00f6rten, da ahnten sie, dass sie bei dieser Aufgabe zugrunde gehen w\u00fcrden. Sie gaben daher ihrer Schwester zwei Hemden und sagten, dass sie diese t\u00e4glich betrachten solle, denn wenn sie schwarz w\u00fcrden, so seien sie auf ihrer Fahrt verungl\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf machten sich die Br\u00fcder auf, zogen \u00fcber Berg und Tal und kamen wiederum zu dem M\u00f6nche, und der fragte sie, wohin sie wollten; als er aber h\u00f6rte, dass sie nach dem Vogel Dikjeretto aus w\u00e4ren, da wurde er zornig und rief:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;F\u00fcr die Launen eurer Schwester wollt Ihr euer Leben opfern?&#8220; Er sagte ihnen nicht, auf welche Weise sie den Vogel fangen k\u00f6nnten. Und die Br\u00fcder gingen an den Ort, wo dieser Vogel lebte, und als sie ihn erblickten, ging der eine hin, um ihn zu greifen; da wandte sich der Vogel nach ihm um und sah ihn an, und sofort wurde er zu Stein. Da kam auch der andere heran, und dem ging es geradeso.<\/p>\n\n\n\n<p>Sobald aber die Br\u00fcder zu Stein geworden, wurden die beiden Hemden, die sie der Schwester gegeben, kohlschwarz, und da rief diese: &#8222;O Jammer! Meine Br\u00fcder sind meinetwegen zugrunde gegangen und darum will ich auch nicht l\u00e4nger leben, sondern mit ihnen sterben.&#8220; Da stieg das M\u00e4dchen auf ihr Pferd und zog einen Monat, zwei Monate drei Monate, bis sie an den Ort kam, wo jener M\u00f6nch wohnte. Als sie ihn erblickte, begr\u00fc\u00dfte sie ihn und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Guten Tag, V\u00e4terchen!&#8220; und er antwortete: &#8222;Guten Tag, mein Kind! Wo willst du denn hin?&#8220; Da rief sie: &#8222;Ach! Ich hatte zwei Br\u00fcder und die sind meinetwegen zugrunde gegangen, und darum will ich sie suchen und mit ihnen sterben.&#8220; Der M\u00f6nch hatte Erbarmen, weil sie gar so sch\u00f6n war, und er sagte: &#8222;Wenn du dorthin kommst, so musst du dich ausziehen, wie dich Gott erschaffen hat, von hinten an den Vogel heranschleichen und ihn an den F\u00fc\u00dfen packen. Gehst du in deinen Kleidern hin, so knistern diese in den Str\u00e4uchern oder rauschen vom Winde, und wenn der Vogel dich vorher gewahr wird, so wirst du ebenso gut zu Stein wie deine Br\u00fcder und viele andere, die in ihren Kleidern hingingen, um ihn zu packen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da dankte das M\u00e4dchen dem M\u00f6nche f\u00fcr seinen Rat und zog wieder \u00fcber Berg und Tal, bis sie an den Ort kam, wo der Vogel lebte. Dort machte sie es, wie der M\u00f6nch gesagt hatte; sie zog sich nackt aus, schlich sich von hinten her an den Vogel, ohne dass er es merkte, und packte ihn bei den F\u00fc\u00dfen. Und als sie ihn gefangen hatte, fragte sie ihn, wo ihre Br\u00fcder seien, und er sagte: &#8222;Da steht der eine und dort der andere, und in jenem Berge, der sich jeden Mittag auftut, ist eine Quelle, und wenn du schnell genug bist, aus dieser das Lebenswasser zu sch\u00f6pfen und wieder herauszukommen, bevor sich der Berg schlie\u00dft, so sind sie alle erl\u00f6st; wenn du aber nicht zeitig genug herauskommst und der Berg schlie\u00dft sich, bevor du wieder heraus bist, so sind wir beide verloren.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Mittag ging das M\u00e4dchen mit dem Vogel auf der Hand in den Berg und lief, so schnell sie konnte, zur Quelle, sch\u00f6pfte das Wasser und lief wieder heraus, und der Berg schloss sich so dicht hinter ihr, dass er ein St\u00fcck ihres Kleides packte. Das M\u00e4dchen aber besann sich nicht lange, sondern zog sein Schwert, schnitt dieses St\u00fcck ab, und ging da hin, wo seine Br\u00fcder standen, besprengte sie mit dem Wasser des Lebens, und sofort wurden sie wieder lebendig, dehnten und reckten sich wie einer, der aus dem Schlaf erwacht, und riefen: &#8222;Ach, wie fest haben wir geschlafen und wie leicht sind wir aufgewacht.&#8220; Da erz\u00e4hlte ihnen ihre Schwester, was vorgegangen; sie herzten und k\u00fcssten sich und besprengten nun auch alle anderen, welche dort versteinert waren, und machten sie wieder lebendig, und zum Danke begleiteten sie diese alle miteinander bis zu dem Turme, in welchem das M\u00e4dchen wohnte. Als sie dort ankamen, freute sich der Hirt, welcher der Pflegevater der Kinder war, so sehr \u00fcber ihre R\u00fcckkehr, dass er vierzig L\u00e4mmer schlachtete und so viel Wein herbeischaffte, als sie trinken mochten. Da a\u00dfen und tranken sie drei Tage und drei N\u00e4chte lang. &#8211; Als der K\u00f6nig von dem Fest im Turme h\u00f6rte, wurde er neugierig. Er nahm zum Vorwand, dass er sich ein wenig zerstreuen m\u00fcsse, und ging hin. Dort erwiesen sie dem K\u00f6nig gro\u00dfe Ehre, und als das Fest vor\u00fcber war, kehrten die entzauberten G\u00e4ste in ihre Heimat zur\u00fcck, der K\u00f6nig aber blieb noch im Turme, und das M\u00e4dchen f\u00fchrte ihn darin herum und zeigte ihm den Zweig, der Musik macht, den Spiegel, in welchem man die ganze Welt sieht, und den Vogel, der Antwort gab auf alles, was man ihn fragte. Dann nahm er Abschied und lud die drei Geschwister auf den n\u00e4chsten Sonntag bei sich zu Gast.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er nach Hause zur\u00fcckkam, sagte er seiner Mutter, dass er auf den n\u00e4chsten Sonntag die Kinder eingeladen habe, und bestellte die besten Speisen f\u00fcr sie. Diese erschrak, als sie das h\u00f6rte; aber sie wusste nun nicht mehr, was sie dagegen tun sollte. Als am Sonntag die Kinder fortgehen wollten, rief der Vogel:&#8220; Nehmt mich auch mit, nehmt mich auch mit, denn der K\u00f6nig ist euer Vater.&#8220; Die Kinder wollten das nicht glauben. Der Vogel aber sprach: &#8222;Ihr m\u00f6gt es nun glauben oder nicht, tut, was ich sage. Das M\u00e4dchen soll eine Frucht mit Diamanten f\u00fcllen, und wenn ihr der K\u00f6nig Speise vorlegt, so soll sie die Frucht auf den Teller des K\u00f6nigs legen und ihn bitten, auch von ihrer Speise zu essen, und wenn Ihr dort seid, so lasst alle T\u00fcren verschlie\u00dfen.,&#8216; Die Geschwister taten, wie ihnen der Vogel gesagt hatte, und nahmen ihn mit zum K\u00f6nige. Dort setzten sie sich zur Tafel mit des K\u00f6nigs Mutter, der Hebamme und allen Hausleuten. Als nun der K\u00f6nig dem M\u00e4dchen Essen vorlegte, holte diese die Frucht hervor, legte sie auf des K\u00f6nigs Teller und sprach: &#8222;Versucht auch etwas aus meiner K\u00fcche.&#8220; Da sagte die Mutter des K\u00f6nigs heimlich zu ihm: &#8222;Habe ich dir es nicht gesagt, dass es Elfen sind, die dich mit ihren Speisen verzaubern wollen?&#8220; Der Vogel aber, dessen K\u00e4fig sie \u00fcber der Tafel aufgeh\u00e4ngt hatten, fing an zu lachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun der K\u00f6nig die Frucht aufschnitt, fand er lauter Diamanten und rief aus: &#8222;Wie ist es m\u00f6glich, dass eine Frucht mit lauter Diamanten gef\u00fcllt ist?&#8220; und sogleich erwiderte der Vogel und sprach: &#8222;Es ist freilich nicht m\u00f6glich, dass es eine mit Diamanten gef\u00fcllte Frucht gebe; ist es aber m\u00f6glich, dass eine Frau ein H\u00fcndchen, ein K\u00e4tzchen und ein M\u00e4uschen gebare?&#8220; &#8222;Jawohl, jawohl&#8220;, rief der K\u00f6nig, &#8222;denn meiner eigenen Frau ist das widerfahren.&#8220; Als die K\u00f6nigsmutter und die Hebamme dieses Gespr\u00e4ch h\u00f6rten, wollten sie aufstehen und weggehen, aber der Vogel befahl ihnen zu bleiben und sprach zum K\u00f6nig: &#8222;Siehe hier, O Herr, die Sonne, den Mond und den Morgenstern, welche dir deine Frau geboren hat; deine Mutter aber hat sie mit einem H\u00fcndchen, einem K\u00e4tzchen und einem M\u00e4uschen vertauscht und deine Frau in den H\u00fchnerstall gesperrt.&#8220; Da sprang der K\u00f6nig auf und k\u00fcsste und herzte seine Kinder und lie\u00df auch seine Frau aus dem H\u00fchnerstall holen und mit k\u00f6niglichen Kleidern schm\u00fccken und zu ihren Kindern f\u00fchren. Der Hebamme aber wurde der Kopf abgeschlagen und die K\u00f6nigsmutter aus dem Palaste verbannt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonne, Mond und Morgenstern Es waren einmal ein alter Mann und eine alte Frau, und die hatten drei T\u00f6chter und waren sehr arm. Die M\u00e4dchen mussten, um ihren Unterhalt zu verdienen, bis tief in die Nacht hinein arbeiten, und gleichwohl hatten sie oft nicht satt zu essen. 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