{"id":5094,"date":"2026-01-27T02:30:08","date_gmt":"2026-01-27T01:30:08","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5094"},"modified":"2026-01-27T02:31:19","modified_gmt":"2026-01-27T01:31:19","slug":"der-singende-knochen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-singende-knochen\/","title":{"rendered":"Der singende Knochen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der singende Knochen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gebr. Grimm<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal in einem Lande gro\u00dfe Klage \u00fcber ein Wildschwein, das den Bauern die \u00c4cker umw\u00fchlte, das Vieh t\u00f6tete und den Menschen mit seinen Hauern den Leib aufriss. Der K\u00f6nig versprach einem jeden, der das Land von dieser Plage befreien w\u00fcrde, eine gro\u00dfe Belohnung: aber das Tier war so gro\u00df und stark, dass sich niemand in die N\u00e4he des Waldes wagte, worin es hauste. Endlich lie\u00df der K\u00f6nig bekanntmachen, wer das Wildschwein einfange oder t\u00f6te, solle seine einzige Tochter zur Gemahlin haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun lebten zwei Br\u00fcder in dem Lande, S\u00f6hne eines armen Mannes, die meldeten sich und wollten das Wagnis \u00fcbernehmen. Der \u00e4lteste, der listig und klug war, tat es aus Hochmut, der j\u00fcngste, der unschuldig und dumm war, aus gutem Herzen. Der K\u00f6nig sagte &#8218;damit ihr desto sicherer das Tier findet, so sollt ihr von entgegengesetzten Seiten in den Wald gehen.&#8216; Da ging der \u00e4lteste von Abend und der j\u00fcngste von Morgen hinein. Und als der j\u00fcngste ein Weilchen gegangen war, so trat ein kleines M\u00e4nnlein zu ihm, das hielt einen schwarzen Spie\u00df in der Hand und sprach &#8218;diesen Spie\u00df gebe ich dir, weil dein Herz unschuldig und gut ist: damit kannst du getrost auf das wilde Schwein eingehen, es wird dir keinen Schaden zuf\u00fcgen.&#8216; Er dankte dem M\u00e4nnlein, nahm den Spie\u00df auf die Schultern und ging ohne Furcht weiter. Nicht lange, so erblickte er das Tier, das auf ihn losrannte, er hielt ihm aber den Spie\u00df entgegen, und in seiner blinden Wut rannte es so gewaltig hinein, dass ihm das Herz entzweigeschnitten ward. Da nahm er das Unget\u00fcm auf die Schulter, ging heimw\u00e4rts und wollte es dem K\u00f6nige bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er auf der andern Seite des Waldes herauskam, stand da am Eingang ein Haus, wo die Leute sich mit Tanz und Wein lustig machten. Sein \u00e4Itester Bruder war da eingetreten und hatte gedacht, das Schwein liefe ihm doch nicht fort, erst wollte er sich einen rechten Mut trinken. Als er nun den j\u00fcngsten erblickte, der mit seiner Beute beladen aus dem Wald kam, so lie\u00df ihm sein neidisches und boshaftes Herz keine Ruhe. Er rief ihm zu &#8218;komm doch herein, lieber Bruder, ruhe dich aus und st\u00e4rke dich mit einem Becher Wein.&#8216; Der j\u00fcngste, der nichts Arges dahinter vermutete, ging hinein und erz\u00e4hlte ihm von dem guten M\u00e4nnlein, das ihm einen Spie\u00df gegeben, womit er das Schwein get\u00f6tet h\u00e4tte. Der \u00e4Iteste hielt ihn bis zum Abend zur\u00fcck, da gingen sie zusammen fort. Als sie aber in der Dunkelheit zu der Br\u00fccke \u00fcber einen Bach kamen, lie\u00df der \u00e4lteste den j\u00fcngsten vorangehen, und als er mitten \u00fcber dem Wasser war, gab er ihm von hinten einen Schlag, dass er tot hinab st\u00fcrzte. Er begrub ihn unter der Br\u00fccke, nahm dann das Schwein und brachte es dem K\u00f6nig mit dem Vorgeben, er h\u00e4tte es get\u00f6tet; worauf er die Tochter des K\u00f6nigs zur Gemahlin erhielt. Als der j\u00fcngste Bruder nicht wiederkommen wollte, sagte er &#8218;das Schwein wird ihm den Leib aufgerissen haben,&#8216; und das glaubte jedermann.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil aber vor Gott nichts verborgen bleibt, sollte auch diese schwarze Tat ans Licht kommen. Nach langen Jahren trieb ein Hirt einmal seine Herde \u00fcber die Br\u00fccke und sah unten im Sande ein schneewei\u00dfes Kn\u00f6chlein liegen und dachte, das g\u00e4be ein gutes Mundst\u00fcck. Da stieg er herab, hob es auf und schnitzte ein Mundst\u00fcck daraus f\u00fcr sein Horn. Als er zum ersten Mal darauf geblasen hatte, so fing das Kn\u00f6chlein zu gro\u00dfer Verwunderung des Hirten von selbst an zu singen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8218;Ach, du liebes Hirtelein,<br>du bl\u00e4st auf meinem Kn\u00f6chelein,<br>mein Bruder hat mich erschlagen,<br>unter der Br\u00fccke begraben,<br>um das wilde Schwein,<br>f\u00fcr des K\u00f6nigs T\u00f6chterlein.&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;Was f\u00fcr ein wunderliches H\u00f6rnchen,&#8216; sagte der Hirt, &#8218;das von selber singt, das muss ich dem Herrn K\u00f6nig bringen.&#8216; Als er damit vor den K\u00f6nig kam, fing das H\u00f6rnchen abermals an sein Liedchen zu singen. Der K\u00f6nig verstand es wohl, und lie\u00df die Erde unter der Br\u00fccke aufgraben, da kam das ganze Gerippe des Erschlagenen zum Vorschein. Der b\u00f6se Bruder konnte die Tat nicht leugnen, ward in einen Sack gen\u00e4ht und lebendig ers\u00e4uft, die Gebeine des Gemordeten aber wurden auf den Kirchhof in ein sch\u00f6nes Grab zur Ruhe gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal in einem Lande gro\u00dfe Klage \u00fcber ein Wildschwein, das den Bauern die \u00c4cker umw\u00fchlte, das Vieh t\u00f6tete und den Menschen mit seinen Hauern den Leib aufriss. 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