{"id":5092,"date":"2026-01-27T02:27:25","date_gmt":"2026-01-27T01:27:25","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5092"},"modified":"2026-01-27T02:27:44","modified_gmt":"2026-01-27T01:27:44","slug":"simeliberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/simeliberg\/","title":{"rendered":"Simeliberg"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Simeliberg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gebr\u00fcder Grimm<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es waren zwei Br\u00fcder, einer war reich, der andere arm. Der Reiche aber gab dem Armen nichts, und er musste sich vom Kornhandel k\u00fcmmerlich ern\u00e4hren; da ging es ihm oft so schlecht, dass er f\u00fcr seine Frau und Kinder kein Brot hatte. Einmal fuhr er mit seinem Karren durch den Wald, da erblickte er zur Seite einen gro\u00dfen, kahlen Berg, und weil er den noch nie gesehen hatte, hielt er still und betrachtete ihn mit Verwunderung. Wie er so stand, sah er zw\u00f6lf wilde, gro\u00dfe M\u00e4nner daherkommen; weil er nun glaubte, das w\u00e4ren R\u00e4uber, schob er seinen Karren ins Geb\u00fcsch und stieg auf einen Baum und wartete, was da geschehen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zw\u00f6lf M\u00e4nner gingen aber vor den Berg und riefen: \u00bbBerg Semsi, Berg Semsi, tu dich auf. \u00ab Alsbald tat sich der kahle Berg in der Mitte voneinander, und die zw\u00f6lfe gingen hinein, und wie sie drin waren, schloss er sich zu. \u00dcber eine kleine Weile aber tat er sich wieder auf, und die M\u00e4nner kamen heraus und trugen schwere S\u00e4cke auf den R\u00fccken, und wie sie alle wieder am Tageslicht waren, sprachen sie: \u00bbBerg Semsi, Berg Semsi, tu dich zu.\u00ab Da fuhr der Berg zusammen, und war kein Eingang mehr an ihm zu sehen, und die zw\u00f6lfe gingen fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie ihm nun ganz aus den Augen waren, stieg der Arme vom Baum herunter und war neugierig, was wohl im Berg Heimliches verborgen w\u00e4re. Also ging er davor und sprach: \u00bbBerg Semsi, Berg Semsi, tu dich auf\u00ab, und der Berg tat sich auch vor ihm auf. Da trat er hinein, und der ganze Berg war eine H\u00f6hle voll Silber und Gold, und hinten lagen gro\u00dfe Haufen Perlen und blitzende Edelsteine, wie Korn aufgesch\u00fcttet. Der Arme wusste gar nicht, was er anfangen sollte und ob er sich etwas von den Sch\u00e4tzen nehmen d\u00fcrfte; endlich f\u00fcllte er sich die Taschen mit Gold, die Perlen und Edelsteine aber lie\u00df er liegen. Als er wieder herauskam, sprach er gleichfalls: \u00bbBerg Semsi, Berg Semsi, tu dich zu\u00ab, da schloss sich der Berg, und er fuhr mit seinem Karren nach Haus.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun brauchte er nicht mehr zu sorgen und konnte mit seinem Golde f\u00fcr Frau und Kind Brot und auch Wein dazu kaufen, lebte fr\u00f6hlich und redlich, gab den Armen und tat jedermann Gutes. Als aber das Geld zu Ende war, ging er zu seinem Bruder, lieh einen Scheffel und holte sich von neuem; doch r\u00fchrte er von den gro\u00dfen Sch\u00e4tzen nichts an. Wie er sich zum dritten Mal etwas holen wollte, borgte er bei seinem Bruder abermals den Scheffel.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Reiche war aber schon lange neidisch \u00fcber sein Verm\u00f6gen und den sch\u00f6nen Haushalt, den er sich eingerichtet hatte, und konnte nicht begreifen, woher der Reichtum k\u00e4me und was sein Bruder mit dem Scheffel anfinge. Da dachte er eine List aus und bestrich den Boden mit Pech, und wie er das Ma\u00df zur\u00fcckbekam, so war ein Goldst\u00fcck darin h\u00e4ngengeblieben. Alsbald ging er zu seinem Bruder und fragte ihn: \u00bbWas hast du mit dem Scheffel gemessen? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbKorn und Gerste\u00ab, sagte der andere. Da zeigte er ihm das Goldst\u00fcck und drohte ihm, wenn er nicht die Wahrheit sagte, so wollt er ihn beim Gericht verklagen. Er erz\u00e4hlte ihm nun alles, wie es zugegangen war. Der Reiche aber lie\u00df gleich einen Wagen anspannen, fuhr hinaus, wollte die Gelegenheit besser benutzen und ganz andere Sch\u00e4tze mitbringen. Wie er vor den Berg kam, rief er: \u00bbBerg Semsi, Berg Semsi, tu dich auf. \u00ab Der Berg tat sich auf, und er ging hinein. Da lagen die Reicht\u00fcmer alle vor ihm, und er wusste lange nicht, wozu er am ersten greifen sollte, endlich lud er Edelsteine auf, soviel er tragen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er wollte seine Last hinausbringen, weil aber Herz und Sinn ganz voll von den Sch\u00e4tzen waren, hatte er dar\u00fcber den Namen des Berges vergessen und rief: \u00bbBerg Simeli, Berg Simeli, tu dich auf. \u00ab Aber das war der rechte Name nicht, und der Berg regte sich nicht und blieb verschlossen. Da ward ihm angst, aber je l\u00e4nger er nachsann, desto mehr verwirrten sich seine Gedanken, und halfen ihm alle Sch\u00e4tze nichts mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend tat sich der Berg auf, und die zw\u00f6lf R\u00e4uber kamen herein, und als sie ihn sahen, lachten sie und riefen: \u00bbVogel, haben wir dich endlich, meinst du, wir h\u00e4tten&#8217;s nicht gemerkt, dass du zweimal hereingekommen bist, aber wir konnten dich nicht fangen, zum dritten Mal sollst du nicht wieder heraus.\u00ab Da rief er: \u00bbIch war&#8217;s nicht, mein Bruder war&#8217;s\u00ab, aber er mochte bitten um sein Leben und sagen, was er wollte, sie schlugen ihm das Haupt ab.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es waren zwei Br\u00fcder, einer war reich, der andere arm. 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