{"id":5083,"date":"2026-01-27T01:52:44","date_gmt":"2026-01-27T00:52:44","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5083"},"modified":"2026-01-27T01:52:44","modified_gmt":"2026-01-27T00:52:44","slug":"siebenschoen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/siebenschoen\/","title":{"rendered":"Siebensch\u00f6n"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Siebensch\u00f6n<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ludwig Bechstein<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es waren einmal in einem Dorfe ein paar arme Leute, die hatten ein kleines H\u00e4uschen und nur eine einzige Tochter, die war wundersch\u00f6n und gut \u00fcber alle Ma\u00dfen. Sie arbeitete, fegte, wusch, spann und n\u00e4hte f\u00fcr sieben und war so sch\u00f6n wie sieben zusammen, darum ward sie Siebensch\u00f6n gehei\u00dfen. Aber weil sie ob ihrer Sch\u00f6nheit immer von den Leuten angestaunt wurde, sch\u00e4mte sie sich und nahm sonntags, wenn sie in die Kirche ging &#8211; denn Siebensch\u00f6n war auch fr\u00f6mmer als sieben andre, und das war ihre gr\u00f6\u00dfte Sch\u00f6nheit -, einen Schleier vor ihr Gesicht. So sah sie einstens der K\u00f6nigssohn und hatte seine Freude \u00fcber ihre edle Gestalt, ihren herrlichen Wuchs, so schlank wie eine junge Tanne, aber es war ihm leid, dass er vor dem Schleier nicht auch ihr Gesicht sah, und fragte seiner Diener einen: \u00bbWie kommt es, dass wir Siebensch\u00f6ns Gesicht nicht sehen?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas kommt daher\u00ab antwortete der Diener, \u00bbweil Siebensch\u00f6n so sittsam ist. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf sagte der K\u00f6nigssohn: \u00bbIst Siebensch\u00f6n so sittsam zu ihrer Sch\u00f6nheit, so will ich sie lieben mein Leben lang und will sie heiraten. Gehe du hin und bringe ihr diesen goldnen Ring von mir und sage ihr, ich habe mit ihr zu reden, sie solle abends zu der gro\u00dfen Eiche kommen. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Diener tat, wie ihm befohlen war, und Siebensch\u00f6n glaubte, der K\u00f6nigssohn wolle ein St\u00fcck Arbeit bei ihr bestellen, ging daher zur gro\u00dfen Eiche, und da sagte ihr der Prinz, dass er sie lieb habe um ihrer gro\u00dfen Sittsamkeit und Tugend willen und sie zur Frau nehmen wolle; Siebensch\u00f6n aber sagte: \u00bbIch bin ein armes M\u00e4dchen, und du bist ein reicher Prinz, dein Vater w\u00fcrde sehr b\u00f6se werden, wenn du mich wolltest zur Frau nehmen.\u00ab Der Prinz drang aber noch mehr in sie, und da sagte sie endlich, sie wolle sich&#8217;s bedenken, er solle ihr ein paar Tage Bedenkzeit g\u00f6nnen. Der K\u00f6nigssohn konnte aber unm\u00f6glich ein paar Tage warten, er schickte schon am folgenden Tage Siebensch\u00f6n ein Paar silberne Schuhe und lie\u00df sie bitten, noch einmal unter die gro\u00dfe Eiche zu kommen. Da sie nun kam, so fragte er schon, ob sie sich besonnen habe? Sie aber sagte, sie habe noch keine Zeit gehabt, sich zu besinnen, es gebe im Haushalt gar viel zu tun, und sie sei ja doch ein armes M\u00e4dchen und er ein reicher Prinz, und sein Vater werde sehr b\u00f6se werden, wenn er, der Prinz, sie zur Frau nehmen wolle. Aber der Prinz bat von neuem und immer mehr, bis Siebensch\u00f6n versprach, sich gewiss zu bedenken und ihren Eltern zu sagen, was der Prinz im Wfflen habe. Als der folgende Tag kam, da schickte der K\u00f6nigssohn ihr ein Kleid, das war ganz von Goldstoff, und lie\u00df sie abermals zu der Eiche bitten. Aber als nun Siebensch\u00f6n dahin kam und der Prinz wieder fragte, da musste sie wieder sagen und klagen, dass sie abermals gar zu viel und den ganzen Tag zu tun gehabt und keine Zeit zum Bedenken, und dass sie mit ihren Eltern von dieser Sache auch nicht habe reden k\u00f6nnen, und wiederholte auch noch einmal, was sie dem Prinzen schon zweimal gesagt hatte, dass sie arm, er aber reich sei und dass er seinen Vater nur erz\u00fcrnen werde. Aber der Prinz sagte ihr, das alles habe nichts auf sich, sie solle nur seine Frau werden, so werde sie sp\u00e4ter auch K\u00f6nigin, und da sie sah, wie aufrichtig der Prinz es mit ihr meinte, so sagte sie endlich ja und kam nun jeden Abend zu der Eiche und zu dem K\u00f6nigssohne &#8211; auch sollte der K\u00f6nig noch nichts davon erfahren. Aber da war am Hofe eine alte h\u00e4ssliche Hofmeisterin, die lauerte dem K\u00f6nigssohn auf, kam hinter sein Geheimnis und sagte es dem K\u00f6nige an. Der K\u00f6nig ergrimmte, sandte Diener aus und lie\u00df das H\u00e4uschen, worin Siebensch\u00f6ns Eltern wohnten, in Brand stecken, damit sie darin anbrenne. Sie tat dies aber nicht, sie sprang, als sie das Feuer merkte, heraus und alsbald in einen leeren Brunnen hinein, ihre Eltern aber, die armen alten Leute, verbrannten in dem H\u00e4uschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sa\u00df nun Siebensch\u00f6n drunten im Brunnen und gr\u00e4mte sich und weinte sehr, konnt&#8217;s aber zuletzt doch nicht auf die L\u00e4nge drunten im Brunnen aushalten, krabbelte herauf, fand im Schutt des H\u00e4uschens noch etwas Brauchbares, machte es zu Geld und kaufte daf\u00fcr Mannskleider, ging als ein frischer Bub an des K\u00f6nigs Hof und bot sich zu einem Bedienten an. Der K\u00f6nig fragte den jungen Diener nach dem Namen, da erhielt er die Antwort: \u00bbUngl\u00fcck! \u00ab und dem K\u00f6nig gefiel der junge Diener also wohl, dass er ihn gleich annahm und auch bald vor allen andern Dienern gut leiden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der K\u00f6nigssohn erfuhr, dass Siebensch\u00f6ns H\u00e4uschen verbrannt war, wurde er sehr traurig, glaubte nicht anders, als Siebensch\u00f6n sei mit verbrannt, und der K\u00f6nig glaubte das auch und wollte haben, dass sein Sohn nun endlich eine Prinzessin heirate, und musste dieser nun eines benachbarten K\u00f6nigs Tochter freien. Da musste auch der ganze Hof und die ganze Dienerschaft mit zur Hochzeit ziehen, und f\u00fcr Ungl\u00fcck war das am traurigsten, es lag ihm wie ein Stein auf dem Herzen. Er ritt auch mit hintennach als der Letzte im Zuge und sang wehklagend mit klarer Stimme:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSiebensch\u00f6n war ich genannt, Ungl\u00fcck ist mir jetzt bekannt. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das h\u00f6rte der Prinz von weitem und fiel ihm auf und er hielt und fragte: \u00bbEi, wer singt doch da so sch\u00f6n? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEs wird wohl mein Bedienter, der Ungl\u00fcck, sein\u00ab, antwortete der K\u00f6nig, \u00bbden ich zum Diener angenommen habe. \u00ab Da h\u00f6rten sie noch einmal den Gesang:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSiebensch\u00f6n war ich genannt, Ungl\u00fcck ist mir jetzt bekannt. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da fragte der Prinz noch einmal, ob das wirklich niemand anders sei als des K\u00f6nigs Diener. Und der K\u00f6nig sagte, er wisse es nicht anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun der Zug ganz nahe an das Schloss der neuen Braut kam, erklang noch einmal die sch\u00f6ne klare Stimme:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSiebensch\u00f6n war ich genannt, Ungl\u00fcck ist mir jetzt bekannt. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt wartete der Prinz keinen Augenblick l\u00e4nger, er spornte sein Pferd und ritt wie ein Offizier l\u00e4ngs des ganzen Zugs in gestrecktem Galopp hin, bis er an Ungl\u00fcck kam und Siebensch\u00f6n erkannte. Da nickte er ihr freundlich zu und jagte wieder an die Spitze des Zuges und zog in das Schloss ein. Da nun alle G\u00e4ste und alles Gefolge im gro\u00dfen Saal versammelt waren und die Verlobung vor sich gehen sollte, so sagte der Prinz zu seinem k\u00fcnftigen Schwiegervater: \u00bbHerr K\u00f6nig, ehe ich mit Eurer Prinzessin Tochter mich feierlich verlobe, wollet mir erst ein kleines R\u00e4tsel l\u00f6sen. Ich besitze einen sch\u00f6nen Schrank, dazu verlor ich vor einiger Zeit den Schl\u00fcssel, kaufte mir also einen neuen; bald darauf fand ich den alten wieder, jetzt saget mir Herr K\u00f6nig, wessen Schl\u00fcssel ich mich bedienen soll? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEi, nat\u00fcrlich des alten wieder! \u00ab antwortete der K\u00f6nig, \u00bbdas Alte soll man in Ehren halten und es \u00fcber Neuem nicht hintansetzen. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbGanz wohl, Herr K\u00f6nig\u00ab, antwortete nun der Prinz, \u00bbso z\u00fcrnt mir nicht, wenn ich Eure Prinzessin Tochter nicht freien kann, sie ist der neue Schl\u00fcssel und dort steht der alte. \u00ab Und nahm Siebensch\u00f6n an der Hand und f\u00fchrte sie zu seinem Vater, indem er sagte: \u00bbSiehe Vater, das ist meine Braut. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der alte K\u00f6nig rief ganz erstaunt und erschrocken aus: \u00bbAch lieber Sohn, das ist ja Ungl\u00fcck, und mein Diener! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und viele Hofleute schrien: \u00bbHerr Gott, das ist ja ein Ungl\u00fcck! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNein! \u00ab sagte der K\u00f6nigssohn, \u00bbhier ist gar kein Ungl\u00fcck, sondern hier ist Siebensch\u00f6n, meine liebe Braut. \u00ab Und nahm Urlaub von der Versammlung und f\u00fchrte Siebensch\u00f6n als Herrin und Frau auf sein sch\u00f6nstes Schloss.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es waren einmal in einem Dorfe ein paar arme Leute, die hatten ein kleines H\u00e4uschen und nur eine einzige Tochter, die war wundersch\u00f6n und gut \u00fcber alle Ma\u00dfen. 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