{"id":5069,"date":"2026-01-26T18:56:36","date_gmt":"2026-01-26T17:56:36","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5069"},"modified":"2026-01-26T18:56:36","modified_gmt":"2026-01-26T17:56:36","slug":"wie-aus-einem-schweinehirten-ein-koenig-ward","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wie-aus-einem-schweinehirten-ein-koenig-ward\/","title":{"rendered":"Wie aus einem Schweinehirten ein K\u00f6nig ward"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Wie aus einem Schweinehirten ein K\u00f6nig ward<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Volksm\u00e4rchen aus Pommern und R\u00fcgen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein Kuhhirt, dem wurde vom lieben Gott gro\u00dfe Freude beschert, denn die Bauern machten seinen einzigen Sohn zu ihrem Schweinehirten. W\u00e4hrend der Vater die Rinder auf die Weide trieb, zog nun der Junge, das gro\u00dfe Tuthorn auf dem Nacken, mit den Schweinen in den Wald, dass sie dort mit Eicheln und Bucheckern sich m\u00e4steten. Unweit des Waldessaumes lag ein Pfuhl, mit schwarzem, moorigem Grunde. Dahin richteten die Schweine des Mittags ihren Lauf, wenn die Sonne am h\u00f6chsten stand, und gruben sich tief ein in den k\u00fchlen Schlamm; und der Junge war das wohl zufrieden, denn die Tiere waren faul und blieben Stunden lang in dem Moraste liegen, und er war auch faul und streckte sich in das weiche Moos und hing seinen Gedanken nach, bis er einschlief. Eines Tages tr\u00e4umte ihm an dem Pfuhle, dass eine Stimme ihm zurief: \u00bbMach dich auf und eile davon, denn du sollst noch einmal in Sibirien K\u00f6nig werden!\u00ab \u2013 \u00bbDas ist ja ein sonderbarer Traum,\u00ab dachte er, als er erwachte; aber noch mehr verwunderte er sich, als am folgenden Tage wiederum die Stimme zu ihm im Traume sprach: \u00bbMach dich auf und eile davon, denn du sollst noch einmal in Sibirien K\u00f6nig werden!\u00ab \u2013 \u00bbDas hat etwas zu bedeuten,\u00ab sagte er bei sich, \u00bbdu willst aber doch noch den dritten Tag abwarten.\u00ab Und richtig, auch den dritten Tag sprach die Stimme, w\u00e4hrend er abseits von der Herde im Moose lag und schlief, zu ihm im Traume: \u00bbMach dich auf und eile davon, denn du sollst noch einmal in Sibirien K\u00f6nig werden!\u00ab Da sprang der Junge auf und rief: \u00bbWas dreimal getr\u00e4umt ist, muss wahr sein!\u00ab warf sein Tuthorn zu den Schweinen in den Teich und lief auf und davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber so sehr er auch lief, der Wald wollte kein Ende nehmen, und er musste seinen Hunger mit Waldbeeren und Wurzeln stillen und seinen Durst mit dem klaren Quellwasser l\u00f6schen; und wenn er m\u00fcde war, kletterte er auf einen Baum und band sich mit der Peitschenschnur an einem Aste fest, damit er nicht herunter fiele und die wilden, rei\u00dfenden Tiere ihn f\u00e4nden und fr\u00e4\u00dfen. Eines Nachts lag er wiederum hoch oben auf dem Ast eines Baumes und schaute in die Tiefe, da sah er, wie sich unter ihm der Wachholderbusch pl\u00f6tzlich ganz sachte, sachte in die H\u00f6he hob und wie nach einander zw\u00f6lf starke, wilde Kerle unter ihm hervortraten und dann zwischen den B\u00e4umen verschwanden. Am andern Morgen, als die Sonne aufging, kehrten sie wieder zur\u00fcck, zogen den Wachholderbusch in die H\u00f6he, und einer nach dem andern verschwand in der Tiefe.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Junge hatte auf alles genau Obacht gegeben und war neugierig, was die da unten trieben; er hielt sich darum den Tag \u00fcber in der Gegend auf und kletterte nach Sonnenuntergang auf denselben Baum, auf dem er die Nacht vorher zugebracht hatte. Es dauerte auch gar nicht lange, so hob sich der Wachholderbusch wieder in die H\u00f6he, und die zw\u00f6lf Kerle kamen heraus. Kaum waren sie im Waldesdunkel verschwunden, so kletterte der Junge rasch, wie eine Katze, den Stamm hinunter und eilte zu dem Wachholderbusch, hob ihn in die H\u00f6he und siehe, da f\u00fchrte unter seinen Wurzeln eine Steintreppe in die Tiefe. Vorsichtig stieg er die steinernen Stufen hinunter, und als er unten war und eine T\u00fcre ge\u00f6ffnet hatte, befand er sich in einem gro\u00dfen, hell erleuchteten Saal. An den W\u00e4nden standen Ruhebetten, und in der Mitte war eine lange, reich mit Braten und Wein besetzte Tafel gedeckt. Dar\u00fcber machte er sich her, und die leckeren Bissen mundeten ihm besser, als die Waldbeeren und harten Wurzeln. Kaum hatte er aber f\u00fcr den ersten Hunger genug, so vernahm er Tritte die Treppe herab, und voll Angst kroch er unter eins der Betten und schmiegte sich mit dem K\u00f6rper hart an die Wand, dass ihn niemand entdecken m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Indem \u00f6ffneten die Kerle die T\u00fcre , und der erste von ihnen, der wohl ihr Hauptmann sein mochte, sprach zu den andern: \u00bbDas war ein schlechter Spa\u00df, dass man uns mitten im Handwerk st\u00f6rte; so hat wohl keiner etwas erwischen k\u00f6nnen.\u00ab \u2013 \u00bbO doch,\u00ab entgegnete einer, \u00bbich habe hier ein Paar Stiefeln erbeutet, die wohl wert sind, gestohlen zu werden; denn wer sie anzieht, legt mit jedem Schritte nicht mehr und nicht minder als sieben Meilen zur\u00fcck.\u00ab \u2013 \u00bbDas lob ich mir,\u00ab schmunzelte der Hauptmann, \u00bbdas ist ja ein pr\u00e4chtiger Fang.\u00ab \u2013 \u00bbIch gebe dem meinen den Vorzug,\u00ab fiel ihm ein anderer R\u00e4uber ins Wort, \u00bbich habe diese Nacht einen S\u00e4bel erbeutet; wer den schwingt, richtet damit mehr aus, wie ein ganzes Regiment.\u00ab \u2013 \u00bbUnd ich,\u00ab hub ein dritter an zu schreien, \u00bbkann doch das beste vorzeigen; ich habe einen Dreimaster gestohlen seltener Art. Wer den auf den Kopf setzt und dreht ihn auf die eine Kante, so krachen drei Kanonensch\u00fcsse; dreht er ihn auf die zweite Kante, so blitzen ihrer sechs, und dreht er ihn endlich auf die dritte Kante, so fallen gar neun Sch\u00fcsse. Und was das Wunderbarste ist, keiner der Sch\u00fcsse verfehlt je sein Ziel.\u00ab \u2013 \u00bbWer will uns denn von nun an etwas anhaben!\u00ab rief der Hauptmann erfreut; \u00bbDie Nacht lobe ich mir, das war eine gesegnete Nacht!\u00ab Darauf setzten sie sich nieder und a\u00dfen und tranken, und als sie m\u00fcde geworden waren, legten sie sich nieder und schliefen bald ein und schnarchten, dass die W\u00e4nde zitterten.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf hatte der Junge gewartet. Ganz leise kroch er unter seinem Bette hervor, und schnell, wie der Wind, hatte er Stiefeln, S\u00e4bel und Dreimaster ergriffen; dann schlich er ger\u00e4uschlos die Treppe herauf, hob den Wachholderbusch in die H\u00f6he und stand drau\u00dfen im Walde. Dort zog er die Stiefeln \u00fcber die F\u00fc\u00dfe, schnallte den S\u00e4bel um und setzte den Dreimaster auf den Kopf, und nun schritt er aus, und ihr k\u00f6nnt euch denken, wie viele hundert Stunden er zur\u00fcckgelegt hat mit seinen Siebenmeilenstiefeln, als er am andern Morgen endlich halt machte. Er befand sich gerade dicht vor einer gro\u00dfen Stadt; darum zog er die Stiefel aus und fragte einen Bauer, der mit seinem Karren zu Markte zog, wo er denn w\u00e4re und wie die Stadt hie\u00dfe. \u00bbHier ist das gro\u00dfe K\u00f6nigreich Sibirien, und diese Stadt ist die Hauptstadt davon,\u00ab antwortete der Mann und zog seiner Strasse. Der Junge war \u00fcber diese Rede von ganzem Herzen froh, und da er nichts Besseres zu tun wusste, so ging er auf das k\u00f6nigliche Schloss und fragte dort an, ob er nicht in das Heer des K\u00f6nigs eintreten k\u00f6nnte. Da er schlank und schier gewachsen war, so willfahrte ihm der K\u00f6nig gern und steckte ihn unter das Fu\u00dfvolk; doch da wollte es ihm nimmer gefallen, und weil er es so w\u00fcnschte, ward er unter die Reiter versetzt und diente dort einige Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages nun sagte der Nachbark\u00f6nig dem K\u00f6nig von Sibirien den Krieg an, und die beiden Heere r\u00fcckten gegen einander. Der feindliche K\u00f6nig befehligte aber weit mehr Soldaten, als der K\u00f6nig von Sibirien, und so kam es, dass das Heer des letzteren sich allgemach zur Flucht wandte. Schon schien alles verloren, da riss dem Schweinehirten die Geduld, ganz allein sprengte er vor und stellte sich dem Feinde entgegen; dann drehte er seinen Dreimaster, so schnell er konnte, nach allen Ecken und Enden herum, und: Krach! Krach! Krach! fielen Sch\u00fcsse \u00fcber Sch\u00fcsse, und ein jeder Schuss traf seinen Mann. Die feindlichen Soldaten stutzten mitten in dem Siegeslauf; aber je l\u00e4nger sie stille standen, um so gr\u00f6\u00dfer wurde das Verderben. Da l\u00f6sten sie sich endlich in wilder Flucht auf, und der Schweinehirt ritt hinter ihnen drein mit seinem wundersamen S\u00e4bel, und wo er hin zielte, da flogen K\u00f6pfe rechts und K\u00f6pfe links und rollten in den Sand. Da sah der feindliche K\u00f6nig ein, dass alles verloren war, und er bat um Gnade, und der Schweinehirt gew\u00e4hrte ihm dieselbe auch unter der Bedingung, dass er fortan dem K\u00f6nig von Sibirien untertan werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Krieg zu Ende war, ritt der K\u00f6nig von Sibirien vor allen Soldaten auf den Schweinehirten zu und ernannte ihn zu seinem Feldmarschall, weil er allein den Sieg errungen hatte; dann fragte er ihn, ob er seine Tochter heiraten und sein Schwiegersohn werden wolle. Das war dem Schweinehirten schon recht, und es wurde eine pr\u00e4chtige Hochzeit gefeiert; und als der alte K\u00f6nig nach einigen Jahren starb, folgte der Schweinehirt ihm auf dem Throne nach und ward Herrscher von ganz Sibirien.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun war die junge K\u00f6nigin, ehe sie den Schweinehirten geheiratet, mit einem General verlobt gewesen, und sie liebte ihn noch immer und hatte mit ihm Umgang, obgleich sie mit einem andern in die Ehe getreten war. Eines Tages, als der junge K\u00f6nig gerade abwesend war, ging der General wieder zur K\u00f6nigin und fragte dieselbe, worin denn eigentlich ihres Mannes Kraft l\u00e4ge, da er doch nicht anders auss\u00e4he, wie sonst die Menschenkinder. \u00bbSeine gro\u00dfe Kraft liegt in seinem S\u00e4bel, in dem Dreimaster und in den Siebenmeilenstiefeln,\u00ab entgegnete die K\u00f6nigin. \u00bbHat er die mitgenommen?\u00ab fragte der General weiter. \u00bbDas hat er nicht getan,\u00ab erwiderte die K\u00f6nigin, \u00bbdie Wunschdinge liegen oben auf dem Spind in der Schlafkammer.\u00ab Da rieb sich der b\u00f6se General vor Freuden die H\u00e4nde, ging mit der K\u00f6nigin in die Schlafkammer und fand auch wirklich dort den S\u00e4bel, den Dreimaster und die Stiefel auf dem Spinde liegen. Schnell schnallte er den S\u00e4bel um und st\u00fclpte den Wunschhut auf den Kopf, dann ging er zum Schlosse heraus dem jungen K\u00f6nig entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er den K\u00f6nig traf, schritt er auf ihn zu und schrie ihn an: \u00bbWarum hast du mir meine Braut geraubt?\u00ab Der K\u00f6nig dachte anfangs, der General w\u00e4re von Sinnen; als derselbe aber nicht nachlie\u00df, zu schimpfen und zu schelten, erkannte er wohl, wie alles gekommen sei; zudem sah er den Dreimaster auf des Generals Haupte und den S\u00e4bel an seiner Seite. \u00bbDie Macht ist jetzt bei dir,\u00ab antwortete er darum, \u00bbund wenn ich dich um etwas bitten darf, so bitte ich dich, dass du mir das Leben schenkst und mir erlaubst, aus dem Lande zu gehen.\u00ab Damit war der General einverstanden, und der junge K\u00f6nig verlie\u00df das Land, das er vor kurzer Zeit aus der Kriegsgefahr errettet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die falsche K\u00f6nigin mit dem schlechten General Hochzeit feierte und vergn\u00fcgt und guter Dinge lebte, wanderte der rechtm\u00e4\u00dfige K\u00f6nig einsam im Walde umher und musste sich, wie damals, von Waldbeeren und wilden Wurzeln n\u00e4hren. Am Abend des dritten Tages stie\u00df er, zum Tode matt, auf einen umgefallenen Fichtenbaum. \u00bbIn dessen Zopf wirst du dich legen, da schl\u00e4fst du weich, und die wilden Tiere finden dich nicht,\u00ab dachte er bei sich. Gedacht, getan, er legte sich nieder und wollte eben einschlafen, da rief eine Stimme: \u00bbJoseph, Joseph!\u00ab so hie\u00df n\u00e4mlich der Schweinehirt. Der junge K\u00f6nig schaute sich nach allen Seiten um, doch da er niemand erblickte, dachte er: \u00bbDu hast dich get\u00e4uscht!\u00ab und schloss wieder die Augen. Da rief es zum zweiten Male mit lauter, heller Stimme: \u00bbJoseph, Joseph!\u00ab Er schaute nach rechts und nach links, nach oben und nach unten, aber auch diesmal konnte er nichts erblicken und \u00fcberlie\u00df sich wieder dem Schlafe. Ehe er aber fest eingeschlafen war, rief es zum dritten Male ganz laut und deutlich: \u00bbJoseph, Joseph!\u00ab Jetzt war ihm kein Zweifel mehr, er sprang auf und untersuchte den ganzen Baum, und siehe, da hatte sich um den Stamm eine allm\u00e4chtig gro\u00dfe Schlange gewickelt, die war&#8217;s gewesen, die ihn dreimal beim Namen gerufen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas liegt da unten zu deinen F\u00fcssen?\u00ab fragte die Schlange. \u00bbEine Pferdedecke,\u00ab gab der K\u00f6nig zur Antwort. \u00bbNun, dann nimm sie und wirf sie um dich!\u00ab versetzte die Schlange; und kaum hatte der junge K\u00f6nig dem Befehle gehorcht, so verwandelte er sich auch allsogleich in einen herrlichen Schimmel, wie man ihn sich sch\u00f6ner nicht denken konnte, und im Maule trug er einen kostbaren Zaum. \u00bbF\u00fcrchte dich nicht,\u00ab sprach jetzt die Schlange, \u00bbwas ich dir geraten habe, habe ich dir zu deinem Wohle geraten! Nun sprenge davon in das n\u00e4chste Dorf und lass dich von einem Bauer greifen; dann bitte ihn, dass er dich auf den Pferdemarkt bringt und zehntausend Taler f\u00fcr dich verlangt. Kein anderer als der General wird das geben, und in deiner Macht steht es dann, dich an deinem Feinde zu r\u00e4chen. Sorge aber daf\u00fcr, dass der Bauer den Zaum nicht mitverkauft, sonst bist du verloren.\u00ab Als der Schimmel das h\u00f6rte, wieherte er vor Freuden hell auf und lief in das n\u00e4chste Dorf. Kaum hatten die Bauern das sch\u00f6ne Tier gesehen, so jagten sie allesamt hinter ihm drein, aber keiner vermochte den Schimmel zu fangen. Endlich lief er dem einen Bauer freiwillig entgegen und sprach zu ihm: \u00bbErschrick nicht, dass ich reden kann, wie ein Mensch; ich will mich dir zu Eigen geben, unter der Bedingung, dass du mich morgen zu Markte bringst und f\u00fcr zehntausend Taler ausbietest. Sollte mich jemand kaufen wollen, so darfst du aber ja nicht den Zaum mit verkaufen, sondern den musst du f\u00fcr dich behalten.\u00ab Der Bauer war damit einverstanden und versprach dem Schimmel, dass er ihn f\u00fcr zehntausend Taler ausbieten wolle und dass er den Zaum nicht mit verkaufen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Morgen stand der Bauer mit dem Schimmel auf dem Markt, und als die Juden ihn sahen, kamen sie sogleich herbeigelaufen und boten ihm 5000 Taler f\u00fcr das herrliche Tier. \u00bbDaf\u00fcr ist er mir nicht feil,\u00ab antwortete der Bauer, \u00bbder Schimmel kostet 10000 Taler, und da wird kein Pfennig abgelassen.\u00ab Da wurden die Juden traurig und traten zur\u00fcck, denn so viel Geld mochten sie nicht an das eine Tier wagen. Indem kam der General mit zwei Dienern \u00fcber den Markt gegangen, erblickte den Schimmel und fragte nach seinem Preis. Als er geh\u00f6rt hatte, was das Pferd kosten sollte, d\u00fcnkte ihn die Summe nicht zu hoch. \u00bbDer Kauf ist gemacht, Bauer,\u00ab sagte er, \u00bbder eine Diener mag dir das Geld vom Schlosse holen, derweil der andere das Tier in den Stall f\u00fchrt.\u00ab Da dachte der Bauer an die Worte, die der Schimmel zu ihm gesprochen, und sagte: \u00bbHerr, der Schimmel ist Euer, aber der Zaum ist mein!\u00ab \u2013 \u00bbEr Schelmenbauer,\u00ab antwortete der General, \u00bbder Zaum geh\u00f6rt zum Pferde. Da er aber nicht anders will, so werde ich ihm f\u00fcr den Zaum noch 100 Taler obendrein geben.\u00ab Das Geld tat es dem Manne an, und er willigte ein, und der Schimmel wurde von dem Diener mit samt dem Zaume in den k\u00f6niglichen Marstall gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der General zu Hause war, sprach er zu der jungen K\u00f6nigin: \u00bbHeute habe ich einen guten Handel gemacht; ich habe einen Schimmel gekauft, wie es keinen sch\u00f6neren auf der ganzen Welt gibt.\u00ab Da ward die K\u00f6nigin neugierig und ging mit dem General in den Stall; doch kaum hatte sie den Schimmel erblickt, so rief sie aus: \u00bbDas ist ja mein Mann! Lass schnell B\u00e4ume umhauen und einen Scheiterhaufen errichten, und morgen muss der Henker kommen und den Schimmel tot stechen und ihn auf dem Scheiterhaufen zu Asche verbrennen!\u00ab Der General erschrak \u00fcber die Reden seiner Frau und gab den Befehl, dass man ihren Worten gehorche.<\/p>\n\n\n\n<p>So stand nun der sch\u00f6ne Schimmel mit gesenktem Haupte vor der silbernen Krippe und sah traurig vor sich hin. Da \u00f6ffnete sich die Stallt\u00fcre , und die Kindsmagd, welche des K\u00f6nigs kleinen Sohn, den ihm die falsche K\u00f6nigin geboren, zu pflegen hatte, trat mit demselben herein, um das pr\u00e4chtige Pferd zu beschauen. \u00bbMein Kind,\u00ab sagte darauf der Schimmel, \u00bbf\u00fcrchte dich nicht, ich bin dein Herr und Gebieter. Willst du mir helfen, so nimm morgen, wenn der Henker mich vor dem Scheiterhaufen ersticht, ein Sp\u00e4nlein Holz und tunke es in mein Blut. Bis auf den Abend musst du es bei dir tragen und nach Sonnenuntergang \u00fcber die Mauer in den Garten werfen; es wird dein Gl\u00fcck sein.\u00ab Die Kindsmagd versprach dem Schimmel zu tun, was er ihr gesagt hatte, und fand sich auch richtig am andern Morgen vor dem Scheiterhaufen ein. Als der Henker den Schimmel erstach, steckte sie unvermerkt ein Sp\u00e4nlein in das rieselnde Blut und behielt es bei sich bis auf den Abend; dann warf sie es \u00fcber die Mauer in den Garten. Der Henker aber legte den Leichnam des Pferdes auf den Scheiterhaufen, goss Teer auf das Holz und z\u00fcndete es an; und der ganze Stoss brannte nieder, und es blieb nichts \u00fcbrig, als ein H\u00e4ufchen wei\u00dfer Asche.<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Morgen stie\u00df der General, als er erwachte, die K\u00f6nigin in die Seiten und rief: \u00bbFrau, steh geschwind auf, in unserm Garten ist \u00fcber Nacht ein herrlicher Birnbaum mit goldenen Bl\u00e4ttern und goldenen Fr\u00fcchten gewachsen!\u00ab \u2013 \u00bbWo?\u00ab rief die K\u00f6nigin und sprang aus dem Bette, um das Wunder zu schauen; als sie aber den Birnbaum erblickte, sprach sie: \u00bbDas ist kein Birnbaum, das ist ja mein Mann! Der Baum muss auf der Stelle abgehauen und zu Asche verbrannt werden.\u00ab Dem General kam das sauer an, denn der sch\u00f6ne Baum gefiel ihm \u00fcber die Massen, aber er wagte es nicht, der K\u00f6nigin zu widersprechen; darum zog er sich an und befahl Arbeitern, den Baum umzuhauen und zu Asche zu verbrennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kindsmagd hatte auch von dem sch\u00f6nen Birnbaum mit den goldenen Bl\u00e4ttern und Fr\u00fcchten geh\u00f6rt; darum lief sie mit dem jungen Prinzen in den Garten, um ihn anzusehen. Kaum war sie an den Baum getreten, so regte und bewegte es sich in den Zweigen, und eine Stimme sprach zu ihr: \u00bbF\u00fcrchte dich nicht, mein Kind, ich bin dein Herr und K\u00f6nig; wenn die Arbeiter kommen und mich umhauen, so gib gut acht und nimm ein Zweiglein oder ein Splitterchen von meinem Holze und verwahre es gut, und nach Sonnenuntergang wirf es in den Teich; es wird dein Gl\u00fcck sein.\u00ab Das M\u00e4dchen versprach dem Baum, dass es gehorchen wolle; und als die Arbeiter kamen und den goldenen Baum f\u00e4llten, raffte sie flink ein Zweiglein auf und steckte es zu sich und behielt es bei sich bis auf den Abend. Dann warf sie es in den Schlossteich. Die Arbeiter aber spalteten den goldenen Baum in kleine St\u00fccke, schichteten sie hoch auf zu einem gro\u00dfen Haufen und z\u00fcndeten ihn an, und als er niedergebrannt war, blieb nichts \u00fcbrig, als ein H\u00e4ufchen wei\u00dfer Asche.<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Morgen lustwandelte der General in dem Schlossgarten, und wie er an den Teich kam, sah er auf dem Wasser einen Erpel schwimmen, der hatte Federn von lauterem Golde, die gl\u00e4nzten so sch\u00f6n, dass es eine Lust war, den Vogel zu schauen. \u00bbDen Erpel musst du haben, es koste, was es will!\u00ab sprach er bei sich; dann zog er Semmelkrumen aus der Tasche und warf sie dem sch\u00f6nen Tiere zu. Doch der goldene Erpel war schlau, schnappte wohl dann und wann ein Br\u00f6cklein auf, kam aber niemals so nahe, dass der General ihn erwischen konnte. Da dachte der General: \u00bbHier sieht dich niemand, und den Vogel musst du haben,\u00ab und dann schnallte er den wundersamen S\u00e4bel ab, tat seine Kleider von sich und legte den Dreimaster auf den Rasen und watete in das Wasser. Der Erpel schwamm dicht vor ihm her und lockte ihn immer tiefer in den Teich hinein; pl\u00f6tzlich schwang er sich in die Luft, und ehe der General es sich versah, lie\u00df er sich an dem Teichrand nieder, und wer war es da? Der junge K\u00f6nig, wie er leibte und lebte!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDu schlechter Gesell,\u00ab rief er dem General entgegen, nachdem er sich den Wunderhut aufgesetzt und den S\u00e4bel umgeschnallt hatte, \u00bbwillst du jetzt heraus kommen, oder soll ich dich im Wasser erschie\u00dfen?\u00ab \u2013 \u00bbIch werde heraus kommen,\u00ab antwortete der General trotzig und watete wirklich aus dem Wasser heraus; und als er vor dem K\u00f6nig stand, zuckte dieser den S\u00e4bel, und sogleich rollte sein Haupt in den gr\u00fcnen Rasen. Nachdem der schlechte General get\u00f6tet war, ging der K\u00f6nig hinauf aufs Schloss und fragte seine Frau, warum sie sich so sch\u00e4ndlich an ihm vergangen habe. Und da sie sich nicht verantworten konnte, so lie\u00df er den Henker kommen und befahl ihm, dass er die falsche K\u00f6nigin mit vier Ochsen auseinander triebe. Die brave Kindsmagd aber wurde an ihrer Statt von dem K\u00f6nig zu seiner Gemahlin erhoben, und sie lebten lange Jahre zusammen in Gl\u00fcck und in Frieden; und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie heute noch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie aus einem Schweinehirten ein K\u00f6nig ward Volksm\u00e4rchen aus Pommern und R\u00fcgen Es war einmal ein Kuhhirt, dem wurde vom lieben Gott gro\u00dfe Freude beschert, denn die Bauern machten seinen einzigen Sohn zu ihrem Schweinehirten. 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