{"id":5057,"date":"2026-01-26T17:26:01","date_gmt":"2026-01-26T16:26:01","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5057"},"modified":"2026-01-26T17:26:44","modified_gmt":"2026-01-26T16:26:44","slug":"schweigen-ist-gold","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/schweigen-ist-gold\/","title":{"rendered":"Schweigen ist Gold"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Schweigen ist Gold<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bergbau-M\u00e4rchen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Ein altes Sprichwort sagt:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Schweigen hat selten geschadet, Schw\u00e4tzen aber \u00fcbel geratet. Heute hei\u00dft es auch oft:<\/p>\n\n\n\n<p>..Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>dass in diesen S\u00e4tzen viel Wahrheit verborgen ist, das hat einmal ein Bergmann erfahren m\u00fcssen, der sich mit seinem Reden gro\u00dfes Gl\u00fcck verscherzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fchmorgens war er zur Tagschicht eingefahren und hatte treu und redlich bis zum Fr\u00fchst\u00fcck gebohrt, als pl\u00f6tzlich sein Grubenlicht, das er im Gestein aufgeh\u00e4ngt hatte, erlosch. Nun war finstere Nacht umher, und die Kameraden waren weit. Dennoch machte sich der Bergmann auf den Weg, um \u00d6l zu borgen, ehe der Steiger vor Ort kam. M\u00fchsam tappte er durch die Finsternis, stie\u00df immer wieder mit dem Kopf gegen das Hangende und merkte schlie\u00dflich, dass der Gang gar kein Ende nehmen wollte. Bald wusste er auch nicht mehr, in welche Richtung er ging; er hatte sich gr\u00fcndlich im Labyrinth des Berges verirrt. Nun stand er still und lauschte, ob er nicht in der Ferne den F\u00e4ustelschlag der Kameraden h\u00f6ren konnte. Es war totenstill. Nur irgendwo im Berge h\u00f6rte er ein dumpfes Pochen, als wenn der Berggeist ein Ungl\u00fcck im Schacht ank\u00fcnde.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich merkte der Bergmann, dass er vor einer hohen Felswand stand, und aus einem engen Spalt schimmerte Licht. Es wurde heller und heller und schlie\u00dflich so hell, dass der Erschrockene geblendet die Augen abwenden musste. Als er sich an das Licht gew\u00f6hnt hatte, sah er eine Riesengestalt vor sich stehen. Von ihrem Kinn wallte ein langer Bart und in der Hand trug sie ein gro\u00dfes Grubenlicht &#8211; das gab einen so hellen Schein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bergmann zitterte und bebte, dass ihm die Knie schlotterten und sein Kittel, wie vom Winde bewegt, \u00fcber dem Herzen auf und nieder ging. Denn der da vor ihm stand, das war er &#8211; der Gef\u00fcrchtete, der Berggeist selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Der aber hatte ein Herz f\u00fcr das arme, zitternde Menschlein, beugte sich freundlich zu ihm hinab und sprach mit Grabesstimme:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Du bist in arger Bedr\u00e4ngnis. Ich will dir helfen. Entz\u00fcnde dein Licht an meinem, so wird es k\u00fcnftig auch ohne \u00d6l brennen, solange &#8211; du schweigen kannst! Aus meinem Reich darfst du kein Geheimnis mit hinaus unter die Menschen nehmen. Du w\u00fcrdest es gewiss bereuen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Worten hielt er dem Bergmann sein gro\u00dfes Grubenlicht hin, tr\u00e4ufelte ein wenig von seinem eigenen \u00d6l in die leere Lampe. Dann entz\u00fcndete er das Licht des Bergmanns von neuem, und es gab nun einen ebenso hellen Schein, wie das Licht des Berggeistes, der unversehens in der Felsspalte verschwunden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Freude des Bergmanns war gro\u00df. Er hatte ein helleres Licht als alle Kameraden, und was das sch\u00f6nste war &#8211; er brauchte tats\u00e4chlich nie mehr \u00d6l nachzuf\u00fcllen. Und was f\u00fcr Sch\u00e4tze fand er im Schein seiner Lampe! Der Steiger staunte dar\u00fcber und bewilligte unserem Bergmann bald einen h\u00f6heren Lohn.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Jahre lang hat dieser sein Geheimnis treulich geh\u00fctet. Gern h\u00e4tte er einmal davon erz\u00e4hlt. Doch allen neugierigen Fragen, sogar denen seiner geliebten Frau, wich er best\u00e4ndig aus und h\u00fcllte sich in Schweigen. Und mit sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit fand er zu jeder Schicht seine Lampe bereit, und sie leuchtete in alle Winkel hinein, wo die besten und sch\u00f6nsten Erze waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Da, an einem Sonntag, als er in sehr heiterer Stimmung im Wirtshause sa\u00df, um den Sch\u00fctzenk\u00f6nig samt der Frau K\u00f6nigin hochleben zu lassen, haben ihm die neidischen Kameraden sein Geheimnis von der Zunge gestohlen, und er hat alles haarklein erz\u00e4hlt, wie er zu dem hellen, immerw\u00e4hrenden, wunderbaren Licht gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Da haben sie alle, die da mit trunkenen K\u00f6pfen und w\u00e4ssrigen Augen sa\u00dfen, in vorweggenommener Schadenfreude gejohlt. Und richtig &#8211; als der redselige Bergmann am n\u00e4chsten Morgen mit schwerem Kopf zur Schicht fahren wollte, erschrak er ganz f\u00fcrchterlich: die Lampe brannte nicht. Der Docht war so trocken, als ob er jahrelang keinen Tropfen \u00d6l mehr gezogen h\u00e4tte. Und die besten und sch\u00f6nsten Erze, die fielen nun wieder den anderen zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bergmann aber hat sich bis an sein Lebensende schwer placken m\u00fcssen, denn er hatte die Gunst der Berggeister f\u00fcr immer in einem leichtsinnigen Augenblick verscherzt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schweigen ist Gold Bergbau-M\u00e4rchen Ein altes Sprichwort sagt: &#8222;Schweigen hat selten geschadet, Schw\u00e4tzen aber \u00fcbel geratet. Heute hei\u00dft es auch oft: ..Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.&#8220; dass in diesen S\u00e4tzen viel Wahrheit verborgen ist, das hat einmal ein Bergmann erfahren m\u00fcssen, der sich mit seinem Reden gro\u00dfes Gl\u00fcck verscherzte. 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