{"id":5055,"date":"2026-01-26T17:24:24","date_gmt":"2026-01-26T16:24:24","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5055"},"modified":"2026-01-26T17:24:24","modified_gmt":"2026-01-26T16:24:24","slug":"das-maedchen-mit-den-schwefelhoelzern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-maedchen-mit-den-schwefelhoelzern\/","title":{"rendered":"Das M\u00e4dchen mit den Schwefelh\u00f6lzern"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das M\u00e4dchen mit den Schwefelh\u00f6lzern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hans-Christian Andersen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war entsetzlich kalt; es schneite, und der Abend dunkelte bereits; es war der letzte Abend im Jahre, Silvesterabend. In dieser K\u00e4lte und in dieser Finsternis ging auf der Stra\u00dfe ein kleines armes M\u00e4dchen mit blo\u00dfen Kopfe und nackten F\u00fc\u00dfen. Es hatte wohl freilich Pantoffel angehabt, als es von Hause fortging, aber was konnte das helfen! Es waren sehr gro\u00dfe Pantoffeln, sie waren fr\u00fcher von seiner Mutter gebraucht worden, so gro\u00df waren sie, und diese hatte die Kleine verloren, als sie \u00fcber die Stra\u00dfe eilte, w\u00e4hrend zwei Wagen in rasender Eile vor\u00fcberjagten; der eine Pantoffel war nicht wiederaufzufinden und mit dem anderen machte sich ein Knabe aus dem Staube, welcher versprach, ihn als Wiege zu benutzen, wenn er einmal Kinder bek\u00e4me.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ging nun das kleine M\u00e4dchen auf den nackten z\u00e4rtlichen F\u00fc\u00dfchen, die vor K\u00e4lte ganz rot und blau waren. In ihrer alten Sch\u00fcrze trug sie eine Menge Schwefelh\u00f6lzer und ein Bund hielt sie in der Hand. W\u00e4hrend des ganzen Tages hatte ihr niemand etwas abgekauft, niemand ein Almosen gereicht. Hungrig und frostig schleppte sich die arme Kleine weiter und sah schon ganz verzagt und eingesch\u00fcchtert aus. Die Schneeflocken fielen auf ihr langes blondes Haar, das sch\u00f6n gelockt \u00fcber ihren Nacken hinabfloss, aber bei diesem Schmucke weilten ihre Gedanken wahrlich nicht. Aus allen Fenstern strahlte heller Lichterglanz und \u00fcber alle Stra\u00dfen verbreitete sich der Geruch von k\u00f6stlichem G\u00e4nsebraten. Es war ja Silvesterabend, und dieser Gedanke erf\u00fcllte alle Sinne des kleinen M\u00e4dchens.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Winkel zwischen zwei H\u00e4usern, von denen das eine etwas weiter in die Stra\u00dfe vorsprang als das andere, kauerte es sich nieder. Seine kleinen Beinchen hatte es unter sich gezogen, aber es fror nur noch mehr und wagte es trotzdem nicht, nach Hause zu gehen, da es noch kein Sch\u00e4chtelchen mit Streichh\u00f6lzern verkauft, noch keinen Heller erhalten hatte. Es h\u00e4tte gewiss vom Vater Schl\u00e4ge bekommen, und kalt war es zu Hause ja auch; sie hatten das blo\u00dfe Dach gerade \u00fcber sich, und der Wind pfiff schneidend hinein, obgleich Stroh und Lumpen in die gr\u00f6\u00dften Ritzen gestopft waren. Ach, wie gut musste ein Schwefelh\u00f6lzchen tun! Wenn es nur wagen d\u00fcrfte, eins aus dem Sch\u00e4chtelchen herauszunehmen, es gegen die Wand zu streichen und die Finger daran zu w\u00e4rmen! Endlich zog das Kind eins heraus. Ritsch! wie spr\u00fchte es, wie brannte es. Das Schwefelholz strahlte eine warme helle Flamme aus, wie ein kleines Licht, als es das H\u00e4ndchen um dasselbe hielt. Es war ein merkw\u00fcrdiges Licht; es kam dem kleinen M\u00e4dchen vor, als s\u00e4\u00dfe es vor einem gro\u00dfen eisernen Ofen mit Messingbeschl\u00e4gen und Messingverzierungen; das Feuer brannte so sch\u00f6n und w\u00e4rmte so wohltuend! Die kleine streckte schon die F\u00fc\u00dfe aus, um auch diese zu w\u00e4rmen &#8211; da erlosch die Flamme. Der Ofen verschwand &#8211; sie sa\u00df mit einem St\u00fcmpchen des ausgebrannten Schwefelholzes in der Hand da.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein neues wurde angestrichen, es brannte, es leuchtete, und an der Stelle der Mauer, auf welche der Schein fiel, wurde sie durchsichtig wie ein Flor. Die Kleine sah gerade in die Stube hinein, wo der Tisch mit einem blendend wei\u00dfen Tischtuch und feinem Porzellan gedeckt stand, und k\u00f6stlich dampfte die mit Pflaumen und \u00c4pfeln gef\u00fcllte, gebratene Gans darauf. Und was noch herrlicher war, die Gans sprang aus der Sch\u00fcssel und watschelte mit Gabel und Messer im R\u00fccken \u00fcber den Fu\u00dfboden hin; gerade die Richtung auf das arme M\u00e4dchen schlug sie ein. Da erlosch das Schwefelholz, und nur die dicke kalte Mauer war zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie z\u00fcndete ein neues an. Da sa\u00df die Kleine unter dem herrlichsten Weihnachtsbaum; er war noch gr\u00f6\u00dfer und weit reicher ausgeputzt als der, den sie am Heiligabend bei dem reichen Kaufmann durch die Glast\u00fcr gesehen hatte. Tausende von Lichtern brannten auf den gr\u00fcnen Zweigen, und bunte Bilder, wie die, welche in den Ladenfenstern ausgestellt werden, schauten auf sie hernieder, die Kleine streckte beide H\u00e4nde nach ihnen in die H\u00f6he &#8211; da erlosch das Schwefelholz. Die vielen Weihnachtslichter stiegen h\u00f6her und h\u00f6her, und sie sah jetzt erst, dass es die hellen Sterne waren. Einer von ihnen fiel herab und zog einen langen Feuerstreifen \u00fcber den Himmel.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Jetzt stirbt jemand!&#8220; sagte die Kleine, denn die alte Gro\u00dfmutter, die sie allein freundlich behandelt hatte, jetzt aber l\u00e4ngst tot war, hatte gesagt: &#8222;Wenn ein Stern f\u00e4llt, steigt eine Seele zu Gott empor!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie strich wieder ein Schwefelholz gegen die Mauer; es warf einen weiten Lichtschein ringsumher, und im Glanze desselben stand die alte Gro\u00dfmutter hell beleuchtet mild und freundlich da.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Gro\u00dfmutter!&#8220; rief die Kleine, &#8222;oh, nimm mich mit dir! Ich wei\u00df, dass du verschwindest, sobald das Schwefelholz ausgeht, verschwindest, wie der warme Kachelofen, der k\u00f6stliche G\u00e4nsebraten und der gro\u00dfe flimmernde Weihnachtsbaum!&#8220; Schnell strich sie den ganzen Rest der Schwefelh\u00f6lzer an, die sich noch im Sch\u00e4chtelchen befanden, sie wollte die Gro\u00dfmutter festhalten; und die Schwefelh\u00f6lzer verbreiteten einen solchen Glanz, dass es heller war als am lichten Tag. So sch\u00f6n, so gro\u00df war die Gro\u00dfmutter nie gewesen; sie nahm das kleine M\u00e4dchen auf ihren Arm, und hoch schwebten sie empor in Glanz und Freude; K\u00e4lte, Hunger und Angst wichen von ihm &#8211; sie war bei Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber im Winkel am Hause sa\u00df in der kalten Morgenstunde das kleine M\u00e4dchen mit roten Wangen, mit L\u00e4cheln um den Mund &#8211; tot, erfroren am letzten Tage des alten Jahres. Der Morgen des neuen Jahres ging \u00fcber der kleinen Leiche auf, die mit den Schwefelh\u00f6lzern, wovon fast ein Sch\u00e4chtelchen verbrannt war, dasa\u00df. &#8222;Sie hat sich w\u00e4rmen wollen!&#8220; sagte man. Niemand wusste, was sie sch\u00f6nes gesehen hatte, in welchem Glanze sie mit der alten Gro\u00dfmutter zur Neujahrsfreude eingegangen war.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das M\u00e4dchen mit den Schwefelh\u00f6lzern Hans-Christian Andersen Es war entsetzlich kalt; es schneite, und der Abend dunkelte bereits; es war der letzte Abend im Jahre, Silvesterabend. In dieser K\u00e4lte und in dieser Finsternis ging auf der Stra\u00dfe ein kleines armes M\u00e4dchen mit blo\u00dfen Kopfe und nackten F\u00fc\u00dfen. Es hatte wohl freilich Pantoffel angehabt, als es [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[88,85],"tags":[],"class_list":["post-5055","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hans-chr-andersen","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5055","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5055"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5055\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5056,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5055\/revisions\/5056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5055"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}