{"id":504,"date":"2015-10-08T02:34:14","date_gmt":"2015-10-08T00:34:14","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=504"},"modified":"2026-01-24T21:23:15","modified_gmt":"2026-01-24T20:23:15","slug":"das-gewuerzgaertlein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-gewuerzgaertlein\/","title":{"rendered":"Das Gew\u00fcrzg\u00e4rtlein"},"content":{"rendered":"\n<p>Aachener M\u00e4rchen<br><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\"><span style=\"font-size: medium;\">Es gibt viele L\u00e4nder auf der Erde, und alle sind ganz verschieden. Das Land, in dem der Knabe gro\u00df geworden ist, dessen Geschichte ich erz\u00e4hlen will, ist ganz anders als das unsere. Da scheint die Sonne so warm, dass die Blumen so gro\u00df wie B\u00e4ume werden, sie bl\u00fchen in vielen und herrlichen Farben, und dar\u00fcber gaukeln Schmetterlinge, deren Fl\u00fcgel wie kunstvolle Stickereien aussehen.<\/span> <\/span><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Das Gew\u00fcrzg\u00e4rtlein: M\u00e4rchen aus Aachen | H\u00f6rbuch zum Einschlafen\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/gfpcQapHV-Q?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Vor vielen, vielen Jahren wohnte dort in einem kleinen H\u00e4uschen ein Knabe im Alter von f\u00fcnfzehn oder sechzehn Jahren. Seine Eltern waren tot, und er wohnte ganz alleine dort. Sein Gesicht war braun und schmal mit klugen, gro\u00dfen Augen, die an sehr dunklen Samt erinnerten. Fr\u00fcher war er einmal sehr gl\u00fccklich gewesen, aber jetzt war er zumeist bedr\u00fcckt, weil er so einsam war. Fr\u00fcher war Tanja \u00f6fter her\u00fcbergekommen, die Tochter des Nachbarn. Er hatte ihr Puppen geschnitzt und M\u00e4rchen erz\u00e4hlt. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Eines Tages zog sie mit ihren Eltern fort und kam nicht mehr wieder. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Oft ging Murei, so hie\u00df der Knabe, vor die T\u00fcr des Hauses und sah der Stra\u00dfe nach, die in einem gro\u00dfen, dichten Wald endete. Er dachte daran, auf Wanderschaft zu gehen und packte also seine Habseligkeiten in ein gro\u00dfes, buntes Tuch. Er w\u00e4hlte die Dinge, die er mitnahm, sehr sorgf\u00e4ltig aus, damit es nicht zu schwer wurde. Dennoch fehlte nicht eine kleine Puppe, die das M\u00e4dchen einmal bei ihm liegen lie\u00df. Er hatte sie selbst geschnitzt und h\u00fcbsch bemalt. Sie trug ein dunkelrotes Kleidchen, das Tanjas Hand mit vielen bunten F\u00e4den bestickt hatte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">W\u00e4hrend Murei die T\u00fcr des Hauses schloss, fiel sein Blick auf den kleinen Gew\u00fcrzgarten seiner Mutter, und er ging hin, brach einige Kr\u00e4utlein ab, \u00f6ffnete das B\u00fcndel und legte sie noch hinzu. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Und nun ging es auf die Wanderschaft, immer weiter, immer weiter. Doch sein Herz blieb unruhig und traurig. Er spielte hier und da ein Lied auf seiner Fl\u00f6te, und das machte ihn dann wieder etwas fr\u00f6hlicher. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">In einer gro\u00dfen Stadt auf dem Marktplatz sah er einen gro\u00dfen J\u00fcngling mit hellen Haaren und blauen Augen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Murei erschrak sehr, einen solchen Menschen hatte er noch nicht gesehen. Er nahm in seiner Verwirrung die Fl\u00f6te, und da wurde ein Lied aus seinem Schrecken, das geschah oft so. Er hatte ja niemanden, dem er etwas mitteilen konnte, und da er nur die Fl\u00f6te besa\u00df, wurde aus seinem Denken gleich eine kleine Musik. Der blonde Mann horchte auf, er wandte sich um und stand pl\u00f6tzlich vor dem Knaben. Nach einer geraumen Zeit sprachen sie miteinander. Sie hatten sich viel zu erz\u00e4hlen, jeder sprach von seiner Heimat. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Es ist so wundersch\u00f6n hier&#8220;, sagte der fremde J\u00fcngling, &#8222;aber etwas fehlt hier, der Schnee, ohne ihn w\u00fcrde ich sterben.&#8220; In demselben Augenblick h\u00f6rte man ein lautes Geschrei, m\u00f6glich, dass irgendwo auf dem Markt ein Streit entstanden war. Es war aber ein solches Gedr\u00e4nge, so dass die beiden auseinandergerissen wurden. So sehr sie nacheinander suchten, sie fanden sich nicht mehr. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">So setzte Murei seine Wanderung fort. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Schnee&#8220;, dachte er, &#8222;was mag das sein, Schnee?&#8220; &#8211; Es lie\u00df ihm keine Ruhe, wenn er mit irgend jemand sprach, <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">fragte er sogleich: &#8222;Wei\u00dft du, was Schnee ist?&#8220; Doch niemand wusste es. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">So traf es sich, dass er einmal bei einem weisen, alten Mann \u00fcbernachtete, zu dem die Leute von weit her kamen, um sich einen guten Rat zu holen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Lieber, weiser Mann&#8220;, sprach Murei, &#8222;kannst du mir nicht sagen, was Schnee ist?&#8220; &#8211; Der alte Mann l\u00e4chelte. &#8222;Schnee&#8220;, sagte er nachdenklich, &#8222;das ist so, als wenn Tausende von winzigen Bl\u00fcten auf die Erde fallen, sie sind wei\u00df, und alles wird wei\u00df davon, die D\u00e4cher, die B\u00e4ume, die Erde, alles. Und es f\u00fchlt sich kalt an wie nasse Steine.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Augen des Knaben wurden immer gr\u00f6\u00dfer. &#8222;Wie sch\u00f6n&#8220;, fl\u00fcsterte er, &#8222;das muss ich sehen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Aber nimm dich in acht&#8220;, sprach der alte Mann, &#8222;legst du dich in den Schnee hinein und schl\u00e4fst, so bist du am Morgen selbst wie ein Stein, starr und kalt.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Seit diesem Tage lebte Murei wie in einer Verzauberung, er dachte nur noch an den Schnee. So kam er immer mehr nach Norden, und als es Herbst wurde, wollte es der Zufall, dass er in die Kaiserstadt Aachen gelangte. Es war schon dunkel, als er durch das Stadttor schritt. <\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<div id=\"amazon_widget_DE_8006_0\" class=\"amazon_widget_DE_8006_0\">\n<div id=\"amzn_wdgt_t_8006_0\" class=\"amzn_wdgt\">\n<div id=\"wdgt_brdr\">\n<div class=\"amzn_wdgt_cloud\"><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Das-Jahr-auf-dem-Bauernhof\/dp\/3896001191\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das Jahr auf dem Bau\u2026<\/a>&nbsp;<wbr><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Das-Vehikel-Karla-Schneider\/dp\/3794160525\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das Vehikel<\/a>&nbsp;<wbr><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Das-gro%C3%9Fe-Buch-Modellbahnanlagen-MIBA-Redaktion\/dp\/3828953611\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das gro\u00dfe Buch der M\u2026<\/a>&nbsp;<wbr><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Der-perfekte-Heimhandwerker-Otto-Fischer\/dp\/3625107015\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der perfekte Heimhan\u2026<\/a>&nbsp;<wbr><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-K%C3%A4nguru-Chroniken-Live-und-ungek%C3%BCrzt\/dp\/B008MNSYFK\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die K\u00e4nguru-Chronike\u2026<\/a>&nbsp;<wbr><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-Leseratte-Ponyhofgeschichten-Leselube-R%C3%A4tselseiten\/dp\/B00SD7ZJGM\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Leseratte &#8211; Pony\u2026<\/a>&nbsp;<wbr><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Ein-ganz-neues-Leben\/dp\/B0153FZOC0\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ein ganz neues Leben<\/a>&nbsp;<wbr><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Er-ist-wieder-da\/dp\/B009EWANTS\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Er ist wieder da<\/a>&nbsp;<wbr><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Grey-Shades-Christian-selbst-erz%C3%A4hlt\/dp\/B011S3SFPO\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Grey: Fifty Shades o\u2026<\/a>&nbsp;<wbr><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Komme-gleich-Saskia-Hula\/dp\/3794152026\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Komme gleich<\/a>&nbsp;<wbr><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/K%C3%B6stliche-Naturk%C3%BCche-Illustrierte-Lizenzausgabe-ungek%C3%BCrzt\/dp\/B002BSXAJW\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">K\u00f6stliche Naturk\u00fcche\u2026<\/a>&nbsp;<wbr><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Lass-uns-kichern-Soundbuch-\/dp\/3867661936\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lass uns kichern &#8211; S\u2026<\/a>&nbsp;<wbr><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Mikrowelle-leicht-gut-ganze-Jahr\/dp\/3812230283\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mikrowelle leicht un\u2026<\/a>&nbsp;<wbr><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Olga-verdreht-Elisabeth-Vera-Rathenb%C3%B6ck\/dp\/3794152115\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Olga ist verdreht<\/a><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"wdgt_ft\" class=\"wdgt_ft\">\n<div class=\"ft_cnt\"><a href=\"http:\/\/widgets.amazon.de\/\/Amazon-Product-Cloud-Widget\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/wms.assoc-amazon.de\/DE\/img\/btn-get-widget_tpng.png\" alt=\"Get Widget\" width=\"95\" height=\"18\" border=\"0\"><\/a><a href=\"http:\/\/rcm-eu.amazon-adsystem.com\/e\/cm\/privacy-policy.html\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?o=3&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Information<\/a><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/wms.assoc-amazon.de\/DE\/img\/amazon-logo-b_tpng.png\" alt=\"Amazon.de\" width=\"88\" height=\"26\" border=\"0\"><\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Er h\u00f6rte einen sehr sch\u00f6nen Gesang und folgte diesem Klang, bis er ihn ganz erreichte. Pl\u00f6tzlich stand er im Kreuzgang des Domes, dieser war von vielen Kerzen ganz erleuchtet. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Menschen standen dicht aneinandergedr\u00e4ngt in sch\u00f6nen samtnen und seidenen Gew\u00e4ndern. Sie waren von der Musik so ergriffen, dass sie den Knaben nicht sahen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als die Feier beendet war, dr\u00e4ngte alles dem Ausgange zu, und Murei schl\u00fcpfte unbemerkt hinaus. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Das muss ja wohl das Land sein, wo der Schnee f\u00e4llt&#8220;, dachte er gl\u00fccklich, &#8222;ja, das muss es sein!&#8220; &#8211; Nun kam er in eine Gasse, die sehr eng war, er klopfte an ein <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Tor, das sogleich ge\u00f6ffnet wurde. Ein Mann mit einem langen schwarzen Bart fragte,. was er wolle. Murei fragte nach Arbeit, und der Mann nickte gutm\u00fctig und lie\u00df ihn ein. Eine sehr sch\u00f6ne junge Frau gab ihm zu essen, sie wies ihm darauf eine Stube an, darin ein sauberes Bett stand und ein wei\u00df gescheuerter Tisch mit B\u00fcchern. Bevor Murei einschlief, sah er hinein, er konnte die Buchstaben nicht lesen, aber sie waren so wunderbar gemalt, oft mit Gold unterlegt, darin kleine Engel schwebten und Blumen- ranken darum, dass es eine Lust war, sie anzusehen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Am n\u00e4chsten Tage nun sah er, dass der Mann ein B\u00e4cker war. Murei half ihm, den Teig zubereiten. Der Mann war sehr schweigsam, man sah, dass ihn etwas dr\u00fcckte. Er kostete oft von dem Teig und sch\u00fcttelte unmutig den Kopf. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Es fehlt etwas in den Printen&#8220;, sagte er am Mittag zu seiner Frau, &#8222;es m\u00fcsste noch etwas Besonderes hinein, aber ich habe alles versucht, ich wei\u00df nichts mehr.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Der Ratsherr wird schon zufrieden sein&#8220;, sagte die junge Frau, &#8222;und zudem bei seiner eigenen Hochzeit wird er am wenigsten an die Printen denken. Vielleicht wird er noch nicht einmal merken, dass es ein ganz neues und besonderes Geb\u00e4ck ist. Bis Weihnachten hast du ja noch Zeit, da wird uns schon etwas einfallen.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der B\u00e4cker hatte auch eine kleine Tochter, die der Mutter an Sch\u00f6nheit nicht nachstand, aber so schlicht und lieb war, dass Murei sie sofort in sein Herz schloss. Sie erinnerte ihn ein wenig an die kleine Tanja. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">An den langen Abenden spielte Murei auf seiner Fl\u00f6te, und die Kleine sa\u00df vertraulich neben ihm. Murei erz\u00e4hlte nun M\u00e4rchen, wenn es ernst und traurig war, liefen Tr\u00e4nen \u00fcber die kleinen Wangen, und war es fr\u00f6hlich, so klatschte sie in die H\u00e4nde und lachte. Das war ein so feines und silberhelles Lachen, dass Mureis nachtdunkle Augen aufschimmerten, sie waren dann nicht mehr mit Samt zu vergleichen, sondern mit einer schweren gl\u00e4nzenden Seide. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Wenn der Wind dann durch den Kamin sauste, schmiegte sich die Kleine an ihn, und er streichelte \u00fcber ihr dunkles Haar. So ging es immer n\u00e4her auf Weihnachten zu. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ich wei\u00df nicht&#8220;, sagte der B\u00e4cker zu seiner Frau, &#8222;in Mureis Zimmer ist ein so wunderlicher Duft, ich k\u00f6nnte dauernd meine Nase hineinstecken, so sch\u00f6n finde ich das. Du m\u00fcsstest doch einmal nachsehen, was er in seinem B\u00fcndel hat.&#8220; Die Frau wollte es nicht. &#8222;Das geht uns gar nichts an!&#8220; sagte sie. Als sie einmal ganz alleine im Hause war, dachte sie: &#8222;Ob ich nicht einmal nachsehen soll? Schlie\u00dflich ist er doch wie unser eigenes Kind.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da fand sie nun die Kr\u00e4utlein aus dem Garten seiner Mutter. Und da kam ihr ein sonderbarer Gedanke. Sie nahm die Kr\u00e4uter mit in die K\u00fcche, zerschnitt sie in winzige St\u00fcckchen und mischte sie unter den Printenteig, der fertig und zubereitet in K\u00fcbeln stand. Mit gro\u00dfer Freude sog sie am fr\u00fchen Morgen den Duft ein, der das ganze Haus von den frischgebackenen Printen erf\u00fcllte. &#8222;Wie ist denn das&#8220;, rief der Mann, &#8222;nun schmecken die Printen so, wie ich sie mir immer vorgestellt habe. Und sonderbarerweise schmecken sie nach dem Duft in Mureis Zimmer.&#8220; Da erz\u00e4hlte die Frau, was sie gemacht hatte, und der Mann war gl\u00fccklich und ganz ger\u00fchrt \u00fcber die Liebe und Klugheit seiner Frau. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als sie nun Murei wecken wollten, war er verschwunden, auch das B\u00fcndelchen war fort. Die Frau weinte sehr, und der Mann z\u00fcndete eine Laterne an, um Murei zu suchen, denn es war noch dunkel drau\u00dfen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Er ging durch die ganze Stadt, nirgendwo fand er Murei. So gelangte er auf den Lousberg, eine bewaldete Anh\u00f6he ganz in der N\u00e4he der Stadt. Er war ganz verzweifelt und dachte \u00fcber vieles nach. Da fing es an zu schneien, zuerst nur ein paar tanzende d\u00fcnne Flocken, aber dann wurde der Schnee immer dichter, so dass kein Weg mehr zu erkennen war. Der Mann war schon ganz mutlos, er stolperte \u00fcber einen kleinen H\u00fcgel, jedoch beim n\u00e4heren Hinsehen bemerkte er, dass es Murei war. Seine Gestalt war fast v\u00f6llig eingeschneit. Der Mann nahm den Knaben in seine Arme und trug ihn nach Hause. Dort legten sie Murei in ein gro\u00dfes geschnitztes Bett und deckten ihn sorgf\u00e4ltig zu, doch Murei erwachte nicht. Er lag ganz still da, die gro\u00dfen Augen waren fest geschlossen. Das kleine M\u00e4dchen sa\u00df stumm vor seinem Bett und r\u00fchrte sich nicht, es wollte weder essen noch trinken und blickte unverwandt in sein trauriges Gesicht. Die Mutter bem\u00fchte sich sehr um Murei, doch er erwachte nicht. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Es ging immer n\u00e4her auf Weihnachten zu. In der Stadt herrschte ein fr\u00f6hliches Treiben. Der junge Ratsherr hielt Hochzeit, und er war so gl\u00fccklich, dass er F\u00e4sser Wein unter die Leute verteilte. Eine Menge von Kindern stand vor dem Rathaus und sang. Als der Ratsherr und seine Braut von den Printen kosteten, sahen sie einander verwundert an. &#8222;Hast du schon so etwas gegessen?&#8220; fragte er. Die Braut sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;So etwas Feines noch nicht&#8220;, antwortete sie, &#8222;wer hat das gebacken?&#8220; &#8222;Unser lieber Aachener B\u00e4cker&#8220;, sagte der Ratsherr, &#8222;aber solche Printen hat er noch nie gebacken, sie schmecken so eigenartig. Wei\u00dft du, ich war einmal sehr weit fort von hier, in einem Land, wo immer die Sonne scheint. Daran erinnert mich das seltsame Geb\u00e4ck; w\u00fcsste ich nur, woher das kommt?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Darauf nahm er einen gro\u00dfen Korb Printen, ging an das Fenster, \u00f6ffnete es und st\u00fclpte den Korb um, gerade dort, wo die <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Kinder standen. Die verteilten die Printen untereinander und liefen singend nach Hause. Am Abend sprach man \u00fcberall von den neuen Printen. Der Ratsherr \u00fcbersandte dem B\u00e4ckermeister zum Dank zwei wundersch\u00f6ne wei\u00dfe Schimmel mit einem Wagen aus Silber. Die kleinen Fenster waren mit schmalen Goldstreifen abgesetzt, die von leuchtenden Perlen \u00fcbers\u00e4t waren. Doch der B\u00e4cker blieb traurig, denn Murei schlief immer noch, und die junge Frau schlich mit verweinten Augen durch das Haus. Das kleine M\u00e4dchen sa\u00df auf der Bettkante und hielt des Knaben H\u00e4nde ganz fest, als m\u00fcsse er dadurch erwachen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da begannen die Glocken des Domes zu l\u00e4uten, sehr laut und feierlich. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Frau nahm sich ein Herz, sie griff nach ihrem Gebetbuch und einer sch\u00f6nen Wachskerze und ging in die Kirche. Der Mann folgte ihr schweigend. Das Gel\u00e4ute der Glocken wurde immer m\u00e4chtiger, fast erbebten die kleinen H\u00e4user davon, und die Fenster klirrten ein wenig, gerade, als wenn sie sich mitfreuten. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da geschah es, dass Murei die Augen aufschlug. Er sah zuerst in die veilchenblauen Augen des M\u00e4dchens. Murei l\u00e4chelte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Hab ich so lange geschlafen?&#8220; fragte er, denn er erinnerte sich an nichts mehr. Da erz\u00e4hlte ihm das kleine M\u00e4dchen alles, was geschehen war, und Murei h\u00f6rte aufmerksam zu. Er richtete sich in seinem Bett auf und sagte: &#8222;So hat meine liebe Mutter es doch gut mit mir gemeint. Ich dachte schon, sie h\u00e4tte mich verlassen, da ihre Kr\u00e4utlein pl\u00f6tzlich in dem B\u00fcndel fehlten. Aber was ist es so dunkel hier, willst du nicht die Vorh\u00e4nge vor den Fenstern ein wenig zur\u00fcckziehen?&#8220; Das M\u00e4dchen sprang auf Lind schob das schwere blaue Tuch von den Scheiben. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Zur gleichen Zeit fing es drau\u00dfen an zu schneien. Mureis H\u00e4nde zitterten, er sah verwundert in die wei\u00dfe Welt hinaus. &#8222;Schnee&#8220;, &#8211; sagte er leise, &#8222;das ist der Schnee!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Das M\u00e4dchen nickte. &#8222;Der Schnee ist sch\u00f6n&#8220;, sagte es sinnend, &#8222;aber sag mal, Murei, was ist eigentlich Schnee?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Knabe \u00fcberlegte und sprach: &#8222;Bl\u00fcten sind es, lauter kleine Bl\u00fcten.&#8220; &#8222;Bl\u00fcten?&#8220; fl\u00fcsterte das M\u00e4dchen. &#8222;Mutter sagt, es sind Sterne.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Wenn es Bl\u00fcten sind, fallen sie wohl aus dem Himmelsgarten, <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">wenn es dort Fr\u00fchling ist, und dann erfrieren sie in der Luft und werden so, wie sie jetzt sind. Sch\u00f6n, dass sie aus dem Himmel zu uns kommen!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da \u00f6ffnete sich die T\u00fcr, und die Eltern traten in die Stube. Sie waren sehr gl\u00fccklich, als sie die beiden so fr\u00f6hlich vor sich sahen. Sie setzten sich zu ihnen und erz\u00e4hlten von dem silbernen Wagen mit den wei\u00dfen Pferden. In diesem Wagen sollte Murei jedes Jahr in seine Heimat fahren und ihn ganz mit den Kr\u00e4utlein aus seiner Mutter Garten f\u00fcllen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Knabe freute sich dar\u00fcber sehr, und das M\u00e4dchen fragte: <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Nimmst du mich denn mit?&#8220; Murei nickte. &#8222;Du musst es mir versprechen!&#8220; rief das M\u00e4dchen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Murei \u00f6ffnete sein B\u00fcndelchen, nahm die kleine, geschnitzte Puppe heraus und legte sie in die Arme des M\u00e4dchens. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Das will ich dir schenken&#8220;, sagte er, &#8222;wenn du wirklich glaubst, dass ich dich mitnehme!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der sanfte Blick des M\u00e4dchens wurde ganz tief und klar. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ach wie sch\u00f6n&#8220;, sagte es, &#8222;die Puppe hat deine Augen.&#8220; &#8211; Darauf ging es hinaus, und kurz hernach h\u00f6rte man drau\u00dfen ihr helles Stimmchen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Murei sah drau\u00dfen vor dem Fenster den silbernen Wagen stehen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Auf dem ersten Schimmel sa\u00df das M\u00e4dchen. Es hatte die Puppe in ein St\u00fcck gelbe Seide eingeschlagen, aber das St\u00fcck war viel zu lang und hing bis auf den Boden hernieder, schr\u00e4g \u00fcber ihr hellblaues Kleidchen, das am Rande mit einer zarten hellroten Ranke bestickt war. Die wei\u00dfen Schneeflocken tanzten durch die Luft, dass es fast wie schwebende Bl\u00fcten aussah. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da schloss der Knabe einen Augenblick lang die Augen, um das, was er sah, festzuhalten. Und er bewahrte es sein Leben lang wie eine kleine Kostbarkeit in seinem Herzen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aachener M\u00e4rchen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,144,133],"tags":[],"class_list":["post-504","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-aachen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/504","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=504"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/504\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1364,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/504\/revisions\/1364"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=504"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=504"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=504"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}