{"id":5018,"date":"2026-01-26T16:57:18","date_gmt":"2026-01-26T15:57:18","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5018"},"modified":"2026-01-26T16:57:18","modified_gmt":"2026-01-26T15:57:18","slug":"das-vergessene-dorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-vergessene-dorf\/","title":{"rendered":"Das vergessene Dorf"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das vergessene Dorf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es war einmal in einem engen Tal ein Dorf. Die Sonne schaute Tag f\u00fcr Tag deshalb immer nur sehr fl\u00fcchtig vorbei. Und vielleicht war auch das der Grund daf\u00fcr, dass zu wenig W\u00e4rme in den Herzen entstehen konnte. Durch das Tal schl\u00e4ngelte sich ein Fluss, der diesem Dorf einst den Namen gegeben hatte. Gegr\u00fcndet wurde das Dorf von einigen gl\u00fccklosen Goldsuchern. M\u00fcde von der Suche lie\u00dfen sie schlie\u00dflich vom Gold ab, f\u00e4llten B\u00e4ume und wurden so die ersten Dorfbewohner. Als das Dorf schon gro\u00df war, begab sich eines Tages ein Steinmetz zu seiner Arbeit. Diese lag an einem gro\u00dfen Felsen im Wald. Dort n\u00e4mlich, wo die Quelle des Flusses entsprang. . Als er in den Stein mit Kling und Klang den Mei\u00dfel einschlug, fing der Fels zu st\u00f6hnen an:<\/p>\n\n\n\n<p>Halt&#8216; ein, du Narr &#8211; es soll dein Schaden nicht sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Steinmetz war im Wald immer allein und wunderte sich deshalb, warum er pl\u00f6tzlich eine Stimme h\u00f6rte. Doch beruhigt stellte er fest, dass nur der Stein gesprochen hatte. So war er froh, einen sprechenden Stein gefunden zu haben. Wer wei\u00df? &#8211; vielleicht konnte er dem Stein alle seine Lieder beibringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Willst Du mein Gesangspartner sein, so sollst du mir willkommen sein,<\/p>\n\n\n\n<p>antwortete er unbek\u00fcmmert dem Felsgestein und machte gleich seine Vesperpause. Er hub zu singen an. Und siehe da, der Fels sang im Kanon mit, so dass noch die weit weg arbeitenden Holzf\u00e4ller verwundert ihre \u00c4xte aus der Hand legten und zuh\u00f6rten wie der Steinschl\u00e4ger mit einem Echo um die Wette sang.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Dorfvolk lebte nicht im \u00dcberfluss. Bestenfalls Ziegen fanden einige Kr\u00e4uter an den H\u00e4ngen in diesem kargen Tal. Es herrschte in Kriegszeiten besonders bittere Not. Einige schreckten nicht zur\u00fcck und fra\u00dfen dann sogar Hunde. Oft reichte die Milch und die Butter der Bergziege nur aus, damit der Ern\u00e4hrer einer Familie nicht am n\u00e4chsten Tag bei der Arbeit vor Schw\u00e4che umkippte. Zuerst bekam also der Vater zu essen. Der Rest war f\u00fcr die Frau und Kinder. So hart und streng war das Leben. Die Kinder hatten selten Schuhe und nur wenn der erste Schnee kam, bekamen sie welche. Daf\u00fcr mussten sie sehr fr\u00fch das Vieh im Stall versorgen, erst dann durften sie in die Schule gehen. Trotzdem feierte das Dorfvolk ausgiebig ihre fr\u00f6hlichen Feste. Im Winter hatten sie auch sehr viel Zeit dazu. Wie das so ist, einige Bewohner waren gottesf\u00fcrchtig und andere nicht. Die Kirche stand durchaus nicht mitten im Dorf sondern weit unten im Tal. Daf\u00fcr war im oberen Teil auf dem Dach eines Hauses schon einmal eine Glocke angebracht, damit keiner die Mahnung zur Fr\u00f6mmigkeit \u00fcberh\u00f6rte. Aber auch b\u00f6se Menschen kannte das Tal, die keine Lieder sangen und keine Gebete kannten. Es waren diese b\u00f6sen Menschen, die einen fremden G\u00f6tzen huldigten und allen sagten, wer diesen anbetet, nur dem w\u00fcrde es eines Tages besser gehen. Und sie beobachteten genau, welche ihm nun huldigten. Sie f\u00fchrten Listen, um diejenigen heimlich aufzuschreiben, die den G\u00f6tzen verachteten. Eines Tages kamen tats\u00e4chlich baumlange schwarze Krieger des fernen G\u00f6tzenf\u00fcrsten ins Dorf und die B\u00f6sen zeigten mit Fingern auf die Aufgeschriebenen und damit auch auf den S\u00e4nger. So wurde der S\u00e4nger mit den anderen ins Gef\u00e4ngnis gesperrt. Viele beeilten sich, dem G\u00f6tzen wenigstens jetzt zu huldigen und keiner half dem S\u00e4nger, denn jeder war mit sich selbst besch\u00e4ftigt. Des S\u00e4ngers Familie beschlich indessen gro\u00dfe Not. Seine Frau mit Kindern verdingten sich als Wirtshaushilfe. Die G\u00e4ste trieben allerlei Schabernack mit den Kindern. Den Nacken schaben stand buchst\u00e4blich f\u00fcr diese Untaten, denn man hing eines der Kinder zum Spa\u00df am Jackenkragen an einen der Garderobenhaken in der Schankstube auf. Das hundefressende Wirtshausvolk gr\u00f6lte dabei, kippte literweise Bier in sich hinein und \u00fcbte das H\u00e4ngen, denn die Zeiten wurden rauher mit dem neuen G\u00f6tzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch der singende Felsen an der Quelle des Flusses befreite den S\u00e4nger. Die Steine der Gef\u00e4ngnismauer, die aus seinem Tal stammten, brachen an ihrer dicksten Stelle auf und der Steins\u00e4nger entkam. Noch in der Nacht fl\u00fcchtete der Mann mit seiner Familie aus dem Dorf. Es gab eine versteckt liegende Steintreppe mit 365 Stufen hinter dem Hause, die aus dem Tal \u00fcber den Berg f\u00fchrte. Kinderf\u00fc\u00dfe laufen im Schnee langsamer als barfuss auf den bunten Sommerwiesen. Sie kamen nur m\u00fchsam voran. Aber der Herr des Quellenfelsens half ihnen auch bei der Flucht. Schnell verdeckte frischer Schnee ihre Spuren.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch der Felsengeist bestrafte die lockeren Dorfbewohner und lie\u00df ihren Flussdamm zerbersten. Das Wasser mit den losgerissenen Baumst\u00e4mmen zerst\u00f6rte viele H\u00e4user und diese wiederum begruben viele schuldige und unschuldige Bewohner unter den Tr\u00fcmmern. Doch nicht genug, angelockt von dem vielen Treibgut brach eine durchziehende gierige Kriegshorde in das Dorf ein. Es war schlie\u00dflich die Zeit des hundertj\u00e4hrigen Hasses aufeinander. Wollte einer der Vertriebenen noch eilig mit festem Schuhwerk fliehen, musste er diese wieder ausziehen. Alle mussten froh sein, dass sie ihr Leben mitnehmen durften, denn sonst durften sie nichts aus dem Dorf forttragen. Sie wurden alle aus dem Dorf gejagt. Warum hatten sie nicht rechtzeitig auf den S\u00e4nger geh\u00f6rt gehabt. Die Spur im Schnee war jetzt sehr breit von den vielen F\u00fc\u00dfen. So mussten sie alle dem Pfad des S\u00e4ngers folgen. Die H\u00e4user des Tales zogen ihre D\u00e4cher tiefer ins Gesicht und schauten erschrocken den Leuten nach. Die Glocke auf dem Dachstuhl dachte, sie m\u00fcsste &#8211; wie bei einem Begr\u00e4bnis- jetzt l\u00e4uten, dabei fiel sie herunter und zerbarst mit einem schrillen letzten Klang. Doch ohne Glocke ist ein Dorf kein Dorf mehr und wird deshalb schnell vergessen. Auch hatte das Dorf zu wenig Sonne abbekommen, sagte man sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das vergessene Dorf Es war einmal in einem engen Tal ein Dorf. Die Sonne schaute Tag f\u00fcr Tag deshalb immer nur sehr fl\u00fcchtig vorbei. Und vielleicht war auch das der Grund daf\u00fcr, dass zu wenig W\u00e4rme in den Herzen entstehen konnte. 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