{"id":5008,"date":"2026-01-26T16:47:20","date_gmt":"2026-01-26T15:47:20","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=5008"},"modified":"2026-01-26T16:47:20","modified_gmt":"2026-01-26T15:47:20","slug":"die-unglueckliche-prinzessin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-unglueckliche-prinzessin\/","title":{"rendered":"Die ungl\u00fcckliche Prinzessin"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die ungl\u00fcckliche Prinzessin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es war einmal eine K\u00f6nigin, die hatte drei T\u00f6chter, und sie konnte sie nicht versorgen. Die K\u00f6nigin hatte gro\u00dfen Kummer, weil alle anderen jungen M\u00e4dchen heirateten, und ihre, die doch K\u00f6nigst\u00f6chter waren, sollten wom\u00f6glich ohne Mann alt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages ging eine Bettlerin am Schloss vorbei und bat um ein Almosen. Als sie die K\u00f6nigin so bedr\u00fcckt sah, fragte sie, was ihr fehle und sie erz\u00e4hlte ihren Kummer. Darauf sagte die Bettlerin: \u00bbH\u00f6re was ich dir sage. Nachts, wenn deine T\u00f6chter schlafen, musst du sie beobachten und sehen, wie sie liegen. Und das musst du mir sagen. \u00ab Das tat die K\u00f6nigin. Nachts beobachtete sie die M\u00e4dchen und sah dass ihre \u00e4lteste Tochter die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf hielt, die zweit gekreuzt \u00fcber der Brust und die dritte zusammengelegt zwischen den Knien.<\/p>\n\n\n\n<p>Als am n\u00e4chsten Tag die Bettlerin kam und sie fragte, erz\u00e4hlte sie ihr, was sie beobachtet hatte. Da sagte die Bettlerin zu ihr: \u00bbH\u00f6r mich, Frau K\u00f6nigin. Die dritte, die im Schlaf die H\u00e4nde zusammen gelegt zwischen den Knien hielt, die hat das schlimme Schicksal. Und ihr Schicksal steht dem Schicksal der anderen im Wege.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Bettlerin fortgegangen war, blieb die K\u00f6nigin in Gedanke versunken. \u00bbIch will dir etwas sagen, Mutter\u00ab, sagte die j\u00fcngst Tochter zu ihr, \u00bbsorge dich nicht, ich habe geh\u00f6rt und verstanden dass ich auch f\u00fcr meine beiden Schwestern das Hindernis f\u00fcr ihr Heirat bin. Gib mir meine ganze Mitgift in Dukaten und n\u00e4he sie mir in den Saum meines Rockes und lass mich ziehen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00f6nigin wollte sie nicht ziehen lassen und sagte zu ihr: \u00bbWohin willst du denn gehen, meine liebe Kleine?\u00ab, aber sie h\u00f6rte nicht. Sie kleidete sich als Nonne und brach auf, nachdem sie von ihrer Mutter Abschied genommen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie durch das Tor des Schlosses davonging, kamen zwei Freie f\u00fcr ihre Schwestern hinauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ungl\u00fcckliche ging und ging, bis sie am Abend in ein Dorf kam Dort klopfte sie an die T\u00fcr eines H\u00e4ndlers und bat ihn, sie in seinem Haus die Nacht verbringen zu lassen. Der sagte ihr, sie m\u00f6chte i seine Wohnung hinaufsteigen, aber sie lehnte ab und bestand darauf im Keller zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Nacht nun kam ihre Schicksalsfrau und fing an, die Stoffe, die dort unten aufbewahrt wurden, in Fetzen zu rei\u00dfen, und brachte alles durcheinander, obwohl das M\u00e4dchen sie inst\u00e4ndig bat, Ruhe zu halten. Aber wie h\u00e4tte die Schicksalsfrau darauf h\u00f6ren sollen? Sie drohte ihr vielmehr, dass sie auch noch sie selbst zerrei\u00dfen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es Tag wurde, kam der H\u00e4ndler herab, um nach der Nonne zu sehen, aber als er all das Unheil sah, all seine Ware verdorben und alles auf den Kopf gestellt, sagte er zu dem M\u00e4dchen: \u00bbOh, Frau Nonne! Was hast du mir Schlimmes angetan! Du hast mich zugrunde gerichtet! Was soll jetzt aus mir werden?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSei nur ruhig\u00ab, sagte sie und \u00f6ffnete ihren Rocksaum und holte Golddukaten heraus und sagte zu ihm: \u00bbGen\u00fcgt dir das?\u00ab &#8211; \u00bbGenug, genug.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und so nahm sie Abschied von ihm und machte sich wieder auf den Weg. Sie ging und ging, bis sie wieder von der Nacht \u00fcberrascht wurde und im Haus eines Glaswarenh\u00e4ndlers blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort wieder dasselbe. Sie bat, im Keller bleiben zu d\u00fcrfen, und wieder kam nachts ihre Moira und lie\u00df nichts heil.<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Morgen kam der H\u00e4ndler, um nach der Nonne zu schauen, und sah die Katastrophe. Er fing an zu schreien und zu klagen, aber als sie auch ihm die H\u00e4nde mit Golddukaten f\u00fcllte, gab er Ruhe und lie\u00df die Nonne ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder machte sich die Ungl\u00fcckliche auf den Weg, bis sie zum K\u00f6nigsschloss jenes Landes kam. Dort verlangte sie, die K\u00f6nigin zu sehen, und bat sie, ihr Arbeit zu geben. Die K\u00f6nigin als kluge Frau, die sie war, merkte gleich, dass sich unter der Kutte eine Herrentochter verbarg, und fragte sie, ob sie die Perlenstickerei verst\u00fcnde. Sie antwortete, dass sie sehr gut mit Perlen arbeiten k\u00f6nne, und so behielt die K\u00f6nigin sie bei sich. Aber als die Ungl\u00fcckliche sa\u00df und stickte, stiegen die Gestalten aus den Bildern von den W\u00e4nden herab, nahmen ihr die Perlen weg, qu\u00e4lten sie und lie\u00dfen ihr keinen Augenblick Ruhe.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles sah die K\u00f6nigin und bekam Mitleid mit ihr, und oft, wenn die M\u00e4gde sich beklagten, dass nachts das Tafelgeschirr zerspr\u00e4nge, und behaupteten, dass jene es zerbr\u00e4che, sagte die K\u00f6nigin zu ihnen: \u00bbSeid ihr still, seid still, denn sie ist eine Prinzessin und Herrentochter, aber die Arme hat ein b\u00f6ses Schicksal.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich sagte eines Tages die K\u00f6nigin zu ihr: \u00bbH\u00f6re, liebes Kind was ich dir sagen m\u00f6chte. Auf diese Weise kommst du mit deinem Leben nicht zurecht, da dich deine Moira hetzt, du musst vielmehr sehen, einen Weg zu finden, dass sie dir ein neues Schicksal zuteilt. \u00ab &#8211; \u00bbAber was soll ich machen?\u00ab sagte das M\u00e4dchen. &#8222;Was muss ich denn tun, dass sie mir ein neues Schicksal zuteilt?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbKomm, ich will es dir sagen. Siehst du den hohen Berg, den man in der Ferne erkennt? Dort sind alle Schicksalsfrauen der Welt versammelt. Dort ist ihr Schloss, und das ist der Weg, den du nehmen musst. Geh auf die Spitze des Berges, um deine Moira zu finden, und reiche ihr das Brot, das ich dir mitgeben werde. Dann sage zu ihr: &gt;Liebe Moira, die du mir mein Schicksal zugeteilt hast, tausch es mir um&lt;, und du darfst nicht fortgehen, was sie dir auch antun mag, sondern musst zusehen, dass sie das Brot in ihren H\u00e4nden beh\u00e4lt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>So tat denn auch die Prinzessin. Sie nahm das Brot und machte sich auf den Weg, ging den Fu\u00dfsteig, bis sie oben auf die Spitze des Berges kam. Sie klopft an die Gartenpforte, und ein wundersch\u00f6nes, wohlgepflegtes M\u00e4dchen \u00f6ffnet und tritt heraus. \u00bbOh, du geh\u00f6rst nicht zu mir\u00ab, sagt sie und geht wieder hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach kurzer Zeit kommt eine andere heraus, ebenso h\u00fcbsch und sch\u00f6n. \u00bbIch kenne dich nicht, mein liebes M\u00e4dchen\u00ab, sagte sie zur Prinzessin und ging fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kam noch eine und noch eine, und viele traten heraus, aber keine erkannte sie als zu ihr geh\u00f6rig, bis eine ungek\u00e4mmte, zerlumpte, schmutzige an der T\u00fcr erschien. \u00bbWas willst du, Kind, warum bist du hier hergekommen?\u00ab sagte sie zur Prinzessin. \u00bbPack dich, mach, dass du fortkommst, geh, ich werde dich t\u00f6ten!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ungl\u00fcckliche gab ihr das Brot und sagte zu ihr: \u00bbLiebe Moira, die du mir mein Schicksal zugeteilt hast, tausch es mir um.\u00ab &#8211; \u00bbWeh dir! Geh zu deiner Mutter und lass dich noch einmal zur Welt bringen, lass dich an ihre Brust legen und dich in Schlaf singen, dann kannst du kommen, und ich werde dir dein Schicksal umtauschen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die anderen Moiren sagten zu der schlimmen: \u00bbGib doch der Ungl\u00fccklichen ein anderes Schicksal! Sie geh\u00f6rt zu dir und taumelt dahin und ist doch eine K\u00f6nigstochter. Gib es ihr, gib es ihr.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch kann nicht, sie soll machen, dass sie fortkommt!\u00ab Und sie nimmt das Brot, wirft es ihr an den Kopf, und es rollt zu Boden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das M\u00e4dchen hob es auf und trat wieder an sie heran und sagte zu ihr: \u00bbNimm es, meine gute Moira, nimm es, und tausche mein Schicksal um.\u00ab Aber die trieb sie fort und warf sie mit Steinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuallerletzt, war es der Zuspruch der einen Moira oder einer anderen, war es die Beharrlichkeit des M\u00e4dchens, die ihr das Brot reichte, mit einem Mal wurde die b\u00f6se Moira anderen Sinnes und sagte zu ihr: \u00bbGib es mir\u00ab, und griff nach dem Brot.<\/p>\n\n\n\n<p>Zitternd stand das M\u00e4dchen vor ihr, voll Furcht, sie w\u00fcrde es wieder von sich werfen, aber sie hielt es fest und sagte zur Prinzessin: \u00bbH\u00f6re, was ich dir sage! Nimm dieses Kn\u00e4uel\u00ab, und sie wirft ihr ein Kn\u00e4uel Seide zu, \u00bbund bewahre es gut. Du darfst es weder verkaufen noch verschenken, sondern wenn jemand es von dir haben will, darfst du es nur weggeben f\u00fcr das, was es selbst wiegt. Nun geh und mach deine Sache gut.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das M\u00e4dchen nahm das Kn\u00e4uel und ging zur\u00fcck zur K\u00f6nigin. Jetzt st\u00f6rte sie nichts mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Nachbarland heiratete der K\u00f6nig, und f\u00fcr das Kleid der Braut fehlte es an Seide, die genau zu dem Kleid passen musste. Die Schlossleute fragten nun \u00fcberall herum, ob sie irgend etwas Passendes finden k\u00f6nnten. Sie hatten geh\u00f6rt, dass im benachbarten K\u00f6nigreich ein M\u00e4dchen war, das ein Kn\u00e4uel Seide besa\u00df. Also gingen sie zu ihr und baten sie, mit dem Kn\u00e4uel zum Schloss der Braut zu kommen, damit sie pr\u00fcfen k\u00f6nnten, ob die Seide zum Kleid passe.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie angekommen waren, hielten sie das Kn\u00e4uel an das Kleid und sahen, dass es ohne jeden Unterschied genau passte. Da fragten sie das M\u00e4dchen, was sie verlange, denn sie wollten die Seide kaufen. Da antwortete sie, dass sie es nicht verkaufe, sondern nur aufwiegen lie\u00dfe. Sie legten es also auf die Waage, und auf die andere Seite legten sie Dukaten, aber die Waage r\u00fchrte sich nicht. Sie legten immer mehr Dukaten dazu, aber umsonst.<\/p>\n\n\n\n<p>Da stieg der K\u00f6nigssohn selbst auf die Waage, und so war die Seide aufgewogen. Nun sagte der K\u00f6nigssohn: \u00bbDa nun deine Seide soviel wiegt wie ich selbst, musst du, damit wir das Seidenkn\u00e4uel nehmen k\u00f6nnen, mich nehmen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und so geschah es, der K\u00f6nigssohn heiratete die Prinzessin, und sie feierten ein gro\u00dfes Fest und lebten gut und wir noch besser.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ungl\u00fcckliche Prinzessin Es war einmal eine K\u00f6nigin, die hatte drei T\u00f6chter, und sie konnte sie nicht versorgen. 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