{"id":4992,"date":"2026-01-26T16:35:44","date_gmt":"2026-01-26T15:35:44","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4992"},"modified":"2026-01-26T16:35:44","modified_gmt":"2026-01-26T15:35:44","slug":"undank-ist-der-welt-lohn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/undank-ist-der-welt-lohn\/","title":{"rendered":"Undank ist der Welt Lohn"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Undank ist der Welt Lohn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ludwig Bechstein<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein armer B\u00e4ckergeselle, der kam mit seinem Herrn in Streit, weil der Geselle immer die Semmeln und Fastenbrezeln dem Herrn zu gro\u00df machte und der Herr dieselben stets unchristlich klein haben wollte. Der Geselle war der bravste und ehrlichste Bursche von der Welt und hatte durch seine Heiterkeit und durch Flei\u00df seinem Meister vielen Zuschlag verschafft, allein das half ihm alles nichts, und der Meister sprach: \u00bbIch bin der Meister, und vor der T\u00fcr ist dein. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da seufzte der Bursche: \u00bbJawohl, Meister!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Semmeln bleiben klein,<br>Und vor der T\u00fcr ist mein. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Er schn\u00fcrte darauf sein B\u00fcndel und zog von dannen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da der B\u00e4ckergeselle eine Weile gewandert war, sah er einen Wanderer schwerf\u00e4lligen Schrittes und gebeugten Ganges sich entgegenkommen, gr\u00fc\u00dfte ihn und fragte ihn, was er sei und wohin er gedenke. Der Wanderer hatte so vielen Freimut, das offen zu bekennen, was so mancher Mann um keinen Preis der Welt von sich sagen w\u00fcrde, indem er sprach:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAch Freund! Ich bin ein armer alter Esel. Lange Zeit habe ich meinem Herrn, einem M\u00fcller, treu gedient, die schweren S\u00e4cke fort und fort geschleppt, Korn in die M\u00fchle, Mehl aus der M\u00fchle, habe viele Schl\u00e4ge bekommen hin und viele Schl\u00e4ge her, bin dar\u00fcber alt und kraftlos geworden, und darum hat mich der M\u00fcller fortgejagt, denn: Undank ist der Welt Lohn.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbGing mir&#8217;s doch kaum besser als dir, armes Langohr! \u00ab sagte der B\u00e4ckergeselle. \u00bbKomm, lass uns zusammen wandern, M\u00fcllerl\u00f6we. B\u00e4cker und M\u00fcller geh\u00f6ren zusammen. \u00ab Die beiden Reisegef\u00e4hrten waren noch nicht weit miteinander fortgegangen, als ihnen ein Hund aufstie\u00df, der ganz erb\u00e4rmlich winselte, denn ihn fror und hungerte zu gleicher Zeit. Er lag am Wege, konnte kaum fort und blickte aus matten, doch treuherzigen Augen die beiden Wanderer an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDir scheint es auch nicht zum besten zu gehen, alter Sultan, oder wie du sonst hei\u00dfen magst, scheinst f\u00fcrwahr ein kranker Mann zu sein; siehst aus, als w\u00e4re dir schon dein letztes Brot gebacken! \u00ab sprach der B\u00e4cker zum Hunde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAch, wenn du doch wahr spr\u00e4chst! \u00ab seufzte der Hund, \u00bbwenn doch nur ein St\u00fcckchen Brot f\u00fcr mich gebacken w\u00e4re, m\u00f6cht es immerhin mein letztes sein, dass ich nur nicht Hungers sterben m\u00fcsste! Lange Jahre bewachte ich meines Herrn Haus und Hof, rettete ihm mit Gefahr meines eigenen Lebens das seine vor der Hand eines Raubm\u00f6rders, aber nun, da meine Stimme schwach und heiser geworden ist vom vielen Bellen, meine Z\u00e4hne stumpf sind und meine Morgenstunde nicht mehr Gold im Munde hat, sondern Schlaf, so hat mich mein Herr mit Pr\u00fcgeln von seinem Hause und Hofe hinweggejagt, denn: Undank ist der Welt Lohn!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDu armer Hund, du armer Schlucker! \u00ab bedauerte der B\u00e4ckergeselle, indem er ihm ein St\u00fcck Brot reichte, den Hund. \u00bbKomm, geselle dich zu uns, denn gleich und gleich gesellt sich gern.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Mit neubelebter Kraft durch das Brot schloss sich der Hund den beiden Wanderern an.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie nun alle drei weiter schritten, erblickten sie auf einem Seitenwege, der von einem andern Orte her nach der Hauptstra\u00dfe zog und in diese ausm\u00fcndete, ein seltsames P\u00e4rchen daher geschritten kommen, und blieben vor Verwunderung alle drei stehen. Es waren eine alte Katze und ein alter Gockelhahn, der fast nur noch eine Feder in seinem Schweife hatte. Beide Wanderer waren sehr ermattet und vermochten nicht rasch zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die drei Wanderer mit den zweien, die ihnen jetzt aufstie\u00dfen, die Gr\u00fc\u00dfe der H\u00f6flichkeit gewechselt hatten, klagte die Katze, welche sehr d\u00fcrr aussah und nicht blo\u00df so aussah, sondern auch wirklich \u00e4u\u00dferst d\u00fcrr war, dass sie mit der gr\u00f6\u00dften T\u00e4tigkeit und voller Flei\u00df und Eifer die M\u00e4use im Hause einer Frau weggefangen habe, aber nun, da die M\u00e4use alle seien und sie, die Katze, alt geworden sei, habe die Frau sich eingebildet, eine Katze lebe stets nur von M\u00e4usen, und habe ihr nicht das mindeste zu essen gegeben. Da nun sie, die Katze, vollends aus Hunger und schrecklichem Durst den Versuch gewagt habe, etwas weniges aus einem Milchtopf zu naschen, wor\u00fcber, da die Frau sie bei diesem Versuch ertappt habe, durch ihren Schrecken und ganz ohne Vorsatz der Milchtopf umgefallen, so sei die Frau wie eine Furie auf sie, die arme unschuldige Katze, losgefahren und habe auf sie losgeschlagen, erst mit dem Besen, hernach mit der Ofengabel und mit der eisernen Feuerzange, so dass Frau Mienz nur dadurch ihr Leben habe retten k\u00f6nnen, dass sie durch eine Fensterscheibe hindurchgebrochen, wobei sie sich Nase, Ohren und F\u00fc\u00dfe an dem Glase j\u00e4mmerlich zerschunden habe. \u00bbAch!\u00ab so schloss die Katze mit einem tiefen Seufzer, \u00bbUndank ist der Welt Lohn!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun die Katze mit der Erz\u00e4hlung ihres letzten traurigen Schicksals zu Ende war, begann der Hahn zu sprechen und berichtete, wie er allezeit munter und wachsam, auch tapfer, furchtlos und treu auf seinem Hofe gewesen, weil aber das H\u00fchnervolk aus Faulheit und Auflehnungssucht und ganz ohne sein, des Gockels, Verschulden nicht mehr recht Eier legen wollen, und das faule Gesinde, wenn es sich verschlafen gehabt, die Schuld auf ihn geschoben und gesagt, er wecke sie nicht mehr durch sein Kr\u00e4hen, er schlafe selbst zu lange, so sei ein junger Hahn voll Kraft und Mut und Feuer angeschafft worden, der habe ihn alsbald vom Hofe und von den Hennen weggebissen, und die K\u00f6chin habe gesagt: \u00bbDen alten Gockel kann man nun schlachten; sein Fleisch wird zwar nicht zwischen die Z\u00e4hne taugen, vielmehr zu z\u00e4h sein, aber eine gute H\u00fchnersuppe gibt es doch noch.\u00ab \u2013 \u00bbAls ich das h\u00f6rte\u00ab, schloss der Hahn betr\u00fcbt seine Erz\u00e4hlung, \u00bbbeschloss ich auszuwandern und stie\u00df unfern des Dorfes, wo ich wohnte, auf meine Gef\u00e4hrtin, die Katze. Wir klagten uns unser gemeinsames Leiden und seufzten oft: Undank ist der Welt Lohn! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Den guten B\u00e4ckergesellen r\u00fchrte gar sehr das traurige Schicksal dieser Tiere, das mit dem seinigen einige \u00c4hnlichkeit hatte, und er beschloss, ihre Gesellschaft beizubehalten und zu sehen, ob ihm vielleicht Gelegenheit w\u00fcrde, zu pr\u00fcfen, ob die Tiere nicht dankbarer seien als die Menschen, denn er hatte einmal ein M\u00e4rchen gelesen, betitelt: \u00bbDie dankbaren Tiere\u00ab, dessen er sich noch gar wohl erinnerte und worin die Dankbarkeit mehrerer Tiere gegen\u00fcber der des Menschen geschildert war.<\/p>\n\n\n\n<p>Da nun die kleineren Tiere sehr schlecht auf den Beinen waren, der Hahn als bespornter Ritter gro\u00dfe M\u00e4rsche nie gemacht hatte, der Katze die zerschundenen Pfoten, in denen noch einige Glassplitterchen steckten, heftig schmerzten, und dem Hunde alle Knochen im Leibe wehtaten, so redete der B\u00e4cker dem Esel lieblich zu, er m\u00f6ge doch den Hund auf sich reiten lassen, und der Esel sagte: \u00bbJa \u2013 meinetwegen. Der Hund ist noch lange nicht so schwer als drei S\u00e4cke Korn, auch nicht so schwer als einer, auch r\u00fchmte mein M\u00fcllermeister stets, wenn er fr\u00fchmorgens, nachdem er abends vorher zu viel getrunken, den Katzenjammer hatte, man m\u00fcsse Hundshaare auflegen, Hundshaare seien sehr heilsam.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Also sprach der Esel, der Hund kletterte auf seinen R\u00fccken, setzte sich fest und lachte seit langer Zeit zum ersten Male wieder und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDaheim schlief ich immer bei dem Pferde, jetzt trifft an mir das Sprichwort zu: Er ist vom Pferde auf den Esel gekommen. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNun aber wirst du die Katze tragen\u00ab, sagte der B\u00e4ckergeselle zum Hunde; dies war dem nicht ganz lieb; er schabte sich mit seiner rechten Vorderpfote hinter dem linken Ohre und antwortete:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbF\u00fcrchtest du nicht, dass wir uns miteinander vertragen werden wie Hund und Katze? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNein\u00ab, meinte der B\u00e4ckergeselle, \u00bbihr m\u00fcsst euch gut und anst\u00e4ndig betragen, denn das Sprichwort sagt: Die Katz kommt \u00fcber den Hund. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf tat die Katze zwei S\u00e4tze, einen auf den Esel und den zweiten auf den Hund, lachte und rief: \u00bbDas Sprichwort sagt: Kommt man \u00fcber den Hund, so kommt man auch \u00fcber den Schwanz! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wollte der Hahn auch aufsitzen, und zwar auf die Katze, die machte aber einen garstigen Katzenbuckel und sagte: \u00bbEs steht nirgends davon geschrieben, und es ist auch kein Sprichwort dar\u00fcber vorhanden, das den Hahn mit der Katze in Verbindung bringt. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbTue es nur, und w\u00e4r&#8216; es mir zuliebe! \u00ab redete der B\u00e4cker zu.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbGut, ich will es tun, aber unter folgenden drei Friedensbedingungen: Erstens muss er sich ganz anst\u00e4ndig auff\u00fchren, da ich ein Tier bin, welches die Reinlichkeit \u00fcber alles liebt; zweitens darf er mich nicht krallen, sonst kralle ich ihn wieder, denn es steht geschrieben: Wie du mir, so ich dir. Drittens darf er sich nicht einfallen lassen zu kr\u00e4hen, denn sein Gesang beleidigt mein Zartgef\u00fchl und verletzt meine Nerven. Ein ganz anderes w\u00e4re es, wenn er, der Hahn, so wonnevoll und wundersch\u00f6n zu singen verst\u00e4nde wie ich, zumal in M\u00e4rz- und Maimondn\u00e4chten, in denen vor meinem melodischen Ges\u00e4nge selbst die hochgepriesenen Nachtigallen verstummen und mir bewundernd zuh\u00f6ren, was eine allbekannte Sache ist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIah! \u00ab schrie der Esel! \u00bbDieses hat seine Richtigkeit. \u00bbAch so \u2013 auch ich bin ein Gesangvirtuose, aber die Nachtigall ist ein neidischer Vogel, das hat schon ein ber\u00fchmter deutscher Dichter, des Namens B\u00fcrger, ausgesprochen, denn dieser schrieb:<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt viel Esel, welche wollen,<br>Dass Nachtigallen tragen sollen<br>Des Esels S\u00e4cke hin und her;<br>Ob nun mit Recht, f\u00e4llt mir zu sagen schwer.<br>Dies wei\u00df ich: Nachtigallen wollen<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht, dass die Esel singen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so werden sie es ohne Zweifel mit den Katzen auch halten. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nach diesen Wechselreden kam der Friedensvertrag zustande, nach dem Sprichworte: Eintracht macht stark, dass der Esel den Hund, der Hund die Katze, die Katze den Hahn tragen solle, doch nur auf ihrem Buckel, nicht auf dem Kopfe, und es war lustig anzusehen, wie sich die Viere nun so eintr\u00e4chtig betrugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile stellte sich die Nacht ein; Hunger und Durst hatten sich indessen schon fr\u00fcher bei den vier Wandergef\u00e4hrten eingestellt, aber weit und breit zeigte sich kein wirtliches Dach zur Einkehr und Labung; der Weg f\u00fchrte durch einen unwirtbaren Wald. Endlich spitzte die Katze die Ohren und rief: \u00bbIch h\u00f6re von ferne einen L\u00e4rm, der fast wie der Jubel eines Gelages klingt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da schnupperte der Hund mit seiner Nase in die Luft und sprach: \u00bbIch rieche schon den Braten! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und der Esel stimmte bei: \u00bbIch schmecke schon im voraus die gute Abendmahlzeit und die S\u00fc\u00dfigkeit der Nachtruhe! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbFreunde!\u00ab rief der B\u00e4ckergesell, \u00bbdas ist alles recht sch\u00f6n und gut, ich f\u00fchle ganz eure angenehmen Empfindungen, allein der Katze H\u00f6ren, des Hundes Riechen, des Esels ahnungsvolles Schmecken und mein F\u00fchlen hilft uns nichts, wenn wir nicht sehen, wohin wir uns wenden sollen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Hahn diese Rede vernahm, flog er vom R\u00fccken der Katze hinweg auf einen Baum und kr\u00e4hte fr\u00f6hlich: \u00bbKikeriki! Ich sehe ein Haus, darin alle Fenster lichthell sind, und darin sicherlich ein Schmaus gehalten wird! Kikeriki!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWohlan! \u00ab rief der B\u00e4ckergeselle, \u00bbdorthin wollen wir uns wenden! \u00ab Und rasch nahm der Hahn die bisher behauptete hohe Stellung auf dem R\u00fccken des Katzenbuckels, wie ein Affe auf dem Kamel, wieder ein, und Meister Baldewein, der Esel, trabte sachte mit seiner tierischen Pyramide nach jenem Hause, das der Hahn gesehen hatte, welches mitten in einer tiefen und trostlosen Ein\u00f6de lag, von rauem Wald und steilen Felsen umgeben, und allwo es grausig und unheimlich war. Dieses Haus war ein einsames Waldwirtshaus, nur von einem Wirte bewohnt, und man wusste darin, was man bisweilen nicht wei\u00df, sehr genau, n\u00e4mlich wer Koch oder Kellner sei, weil der Wirt beide W\u00fcrden in seiner eigenen Person vereinigte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn aber jemand ernstlich Hunger hat, so fragt er weder nach Heimlichkeit noch nach Unheimlichkeit eines Hauses, sondern geht geradezu. Nun wurde in diesem Hause wirklich ein Fest gefeiert: Die F\u00fcchse hielten allda eine Hochzeit, und auf dieser ging es hoch her; es fehlte nicht an allerhand Braten und sonstigen guten Sachen und auch nicht an allgemeiner Heiterkeit. Welch ein Schreck entstand aber, als die Wandergesellschaft pl\u00f6tzlich in die Festhalle trat und mitten unter die Generalversammlung der Beisassen des Hochzeitsmahles! Durch Fenster und T\u00fcren gab alles Fersengeld, selbst der Wirt entfloh, denn derselbe dachte, der Teufel k\u00e4me leibhaftig in Gestalt eines grotesken Monstrums oder Wundergesch\u00f6pfes, und den B\u00e4ckergesellen hielten die F\u00fcchse f\u00fcr einen wilden J\u00e4ger.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter dem Hause war eine recht schaudervolle Stelle, an welcher die F\u00fcchse insgemein einander gute Nacht sagten, dies taten sie denn nun auch heute ganz besonders betr\u00fcbt und zerstreuten sich in die B\u00fcsche; der Wirt aber wusste gar nicht, was er au\u00dferhalb seines Hauses beginnen sollte \u2013 um so besser aber wussten seine f\u00fcnf ungebetenen G\u00e4ste, was sie innerhalb desselben beginnen sollten, n\u00e4mlich sich&#8217;s sattsam gut schmecken und vergn\u00fcglich wohl sein zu lassen, und als sie zur Gen\u00fcge getrunken und gegessen hatten, suchte jeder Gast die f\u00fcr ihn geeignete Schlafst\u00e4tte. Der B\u00e4ckergeselle legte sich in das Bette des Wirtes, die Katze w\u00e4hlte die Ofenbank, der Hund die T\u00fcrschwelle vor der Kammer, in welcher sein Schutzherr schlief, der Hahn klomm die Stiege des H\u00fchnerhauses hinan, und der Esel trabte bed\u00e4chtig dem offenen Stalle zu; alle befanden sich, jedes an seinem Orte, v\u00f6llig wohl.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun aber kam der Wirt geschlichen, der wollte doch sehen, wie es um sein Hauswesen stehe, ob es \u00fcberhaupt noch stehe und ob sich mit dem b\u00f6sen Feinde, der darin Besitz genommen, nicht ein Abkommen und \u00dcbereinkommen treffen lasse. So wie der Wirt aber in seinen Hof trat, kr\u00e4hte der Hahn; davon erwachte der Hund, und als der Wirt in den Flur des Hauses trat, biss ihn der erstere t\u00fcchtig in das Bein; der Wirt fl\u00fcchtete in die Stube, da fuhr die Katze fauchend auf ihn ein und kratzte ihn \u2013 eiligst entfloh der Wirt und suchte im Stalle Schutz, da stand der Esel und feuerte hinten hinaus und schlug den Wirt, dass ihm gar wehe ward, er wieder von dannen rannte und den letzten F\u00fcchsen in des H\u00e4uschens N\u00e4he sein Leid klagte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es nun Tag geworden war, so erwachte der B\u00e4cker, und die Tiere erz\u00e4hlten ihm, was es in der Nacht noch zwischen dem Wirt und ihnen f\u00fcr ein Spektakel gegeben habe und wie schlimm jenem von ihnen mitgespielt worden sei. Der B\u00e4cker tadelte dieses feindselige Benehmen gegen den rechtm\u00e4\u00dfigen Besitzer des Waldh\u00e4uschens und entsandte den Hund, den Wirt zu suchen und herbeizubringen. Da nun der Wirt mit Zittern und Beben wieder erschien, so entschuldigte der B\u00e4ckergeselle sich h\u00f6flich f\u00fcr das Vorgefallene und sagte, er sei mit seinen Tieren gar nicht in feindseliger Absicht gekommen, es h\u00e4tte niemand davonzulaufen gebraucht. Der Wirt sollte die Wirtschaft in dem stillen Waldh\u00e4uschen nur auf Rechnung des B\u00e4ckers fortf\u00fchren, aber, des Hahnes wegen, den F\u00fcchsen das Haus fernerhin verbieten, denn der Hahn m\u00fcsse g\u00e4nzlich in Ruhe bleiben, kr\u00e4hen oder nicht kr\u00e4hen d\u00fcrfen, wie es ihm als wohlbestallten Emeritus gefalle. Der Esel solle im Stalle Gnadenheu und Gnadenhafer erhalten, und gutes Stroh zur Streu, falls er sich w\u00e4lzen wolle, oder auch zum Spaziergang eine gr\u00fcne Wiese. Die Katze solle durch ihre w\u00fcrdige Haltung M\u00e4use und Ratten in geh\u00f6riger respektvoller Entfernung vom Hause halten und alle Tage Weck und Milch speisen. Der Hund aber solle und d\u00fcrfe, so lange es ihm beliebe, in der Sonne liegen und mit dem Monde sprechen. Der B\u00e4cker aber wolle f\u00fcr alle arbeiten, das Brot backen, dem Wirte beim Bierbrauen und Biertrinken helfen, auch den K\u00fcchengarten bestellen und mit gekochtem Essen umgehen. Das waren alle Beteiligten wohl zufrieden. Zum Andenken ihrer Wanderung und des neugeschlossenen B\u00fcndnisses pflanzte der B\u00e4ckergeselle in den Haus- und K\u00fcchengarten Schmackedusen &#8211; und L\u00f6ffelkraut, Hahnenkamm, Katzenpf\u00f6tchen, Hundszunge und Eselsgurken, und alle lebten fortan vergn\u00fcglich beisammen und verga\u00dfen den schn\u00f6den Lohn der Welt, den schn\u00f6den Undank.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Undank ist der Welt Lohn Ludwig Bechstein Es war einmal ein armer B\u00e4ckergeselle, der kam mit seinem Herrn in Streit, weil der Geselle immer die Semmeln und Fastenbrezeln dem Herrn zu gro\u00df machte und der Herr dieselben stets unchristlich klein haben wollte. 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