{"id":4988,"date":"2026-01-26T16:31:39","date_gmt":"2026-01-26T15:31:39","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4988"},"modified":"2026-01-26T16:31:39","modified_gmt":"2026-01-26T15:31:39","slug":"der-tuerke-der-italiener-und-der-armenier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-tuerke-der-italiener-und-der-armenier\/","title":{"rendered":"Der T\u00fcrke, der Italiener und der Armenier"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der T\u00fcrke, der Italiener und der Armenier<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Viele, viele Jahre ist es her, da kamen einmal mit einem Schiff Viele Kaufleute nach Naxos. Sie gingen an Land, um ihre Eink\u00e4ufe zu t\u00e4tigen, und unter ihnen waren drei M\u00e4nner, ein T\u00fcrke, ein Italiener und ein Armenier, die hatten sich auf der Fahrt kennen gelernt, und so gingen sie zusammen an Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie gingen von einem Ort zum andern und machten ihre Gesch\u00e4fte, aber vom Herumlaufen wurden sie hungrig und durstig, und als sie zwischen zwei D\u00f6rfern waren, sahen sie einen Feigenbaum. Es war gerade die Zeit, da die Fr\u00fcchte reif waren, und da die drei M\u00e4nner Lust hatten, ihren Hunger zu stillen, fragten sie nicht weiter, wem dieser Baum geh\u00f6re, sondern sie gingen in die Umz\u00e4unung hinein, wo der Baum stand, und fingen an, von den Feigen zu essen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber sie blieben dabei nicht unbeobachtet, sondern ein junger Bursche, der dort in der N\u00e4he die Ziegen h\u00fctete, sah sie, und er lief gleich zu dem Besitzer jenes Gartens und sagte: \u00bbIn deinem Garten sind drei M\u00e4nner und essen von deinen Feigen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Besitzer rief: \u00bb0 diese Diebe! Die werden wir ergreifen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und er ging und holte einige Nachbarn, und alle liefen zu dem Garten, wo der T\u00fcrke, der Italiener und der Armenier sich von den Feigen nahmen und sie a\u00dfen, und sie wollten mit Kn\u00fcppeln und \u00c4xten \u00fcber sie herfallen, aber der Armenier sagte. \u00bbGute Leute, wir m\u00f6gen gefehlt haben, aber daf\u00fcr mag man uns vor Gericht stellen, und nicht hier an Ort und Stelle verpr\u00fcgeln.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Dorfleute sahen das ein, und sie nahmen die drei und f\u00fchrten sie zum Hause des Dorfrichters.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Dorfrichter aber sagte: \u00bbEs sind Fremde, und wir d\u00fcrfen sie nicht so richten, wie es bei uns \u00fcblich ist, sondern wir m\u00fcssen sie so richten, wie es bei ihnen zu Hause der Brauch ist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und er fragte als ersten den T\u00fcrken: \u00bbWie bestraft man bei dir daheim die Diebe? Sag es aufrichtig und l\u00fcge nicht!\u00ab &#8211; \u00bbBei uns\u00ab, sagte der T\u00fcrke stotternd, \u00bbgibt man dem Dieb zwanzig Hiebe auf die Fu\u00dfsohlen.\u00ab &#8211; \u00bbSo soll es geschehen!\u00ab sagte der Richter, und sie nahmen den Feigendieb und vollstreckten sogleich das Urteil.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNun zu dir\u00ab, sagte der Richter zum Italiener, \u00bbwie bestraft man bei dir daheim die Diebe? Sag es aufrichtig und l\u00fcge nicht!\u00ab &#8211; \u00bbIn meinem Lande\u00ab, sagte der Italiener zitternd, \u00bbbekommt man soviel auf den Hintern, wie man gestohlen hat.\u00ab &#8211; \u00bbSo soll es geschehen!\u00ab sagte der Richter, \u00bbgebt ihm zwanzig Hiebe auf den Hintern!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und damit wandte er sich dem Armenier zu, der alles gelassen beobachtet hatte. \u00bbWie bestraft man bei dir daheim die Feigendiebe?\u00ab sagte der Richter, \u00bbsag es aufrichtig und l\u00fcge nicht!\u00ab &#8211; \u00bbBei uns daheim\u00ab, sagte der schlaue Armenier, \u00bbist es so der Brauch: zuerst sucht man einen, der noch nie im Leben gestohlen hat; dann gibt man ihm einen armdicken Kn\u00fcppel, und dann l\u00e4sst man ihn so lange zu schlagen, bis er m\u00fcde wird.\u00ab &#8211; \u00bbDein Land\u00ab, sagte der Richter, \u00bbkennt eine sehr strenge Gerechtigkeit, und nach deinem Recht sollst du gerichtet werden. \u00ab Und er wandte sich den Leuten zu und rief: \u00bbGeht und sucht einen, der noch nie im Leben gestohlen hat!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leute rannten hierhin und sie rannten dorthin, aber sie fanden keinen, der h\u00e4tte behaupten wollen, noch niemals gestohlen zu haben. Und sie wussten nicht, was sie machen sollten, denn auch der Richter selbst wagte nicht, von sich zu behaupten, er h\u00e4tte noch nie etwas unrechtm\u00e4\u00dfig an sich genommen. Zuletzt aber nahmen sie ein kleines Kind, einen Buben, der noch nicht sprechen konnte. Und dem gaben sie ein St\u00f6ckchen in die Hand und bedeuteten ihm, er solle den Armenier schlagen. Aber der Kleine betrachtete alles nur als einen Spa\u00df und ein Spiel, und er streichelte mit seiner Gerte den Armenier mehr als dass er ihn geschlagen h\u00e4tte, und der Armenier hatte selbst sein Vergn\u00fcgen an dieser Sache. Und sobald das Kind m\u00fcde geworden war, lie\u00df man den Armenier frei, und der ging lachend auf sein Schiff, indessen der Italiener gebeugt davonschlich und der T\u00fcrke sich tragen lassen musste.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der T\u00fcrke, der Italiener und der Armenier Viele, viele Jahre ist es her, da kamen einmal mit einem Schiff Viele Kaufleute nach Naxos. 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