{"id":4984,"date":"2026-01-26T16:28:39","date_gmt":"2026-01-26T15:28:39","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4984"},"modified":"2026-01-26T16:28:40","modified_gmt":"2026-01-26T15:28:40","slug":"der-trommler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-trommler\/","title":{"rendered":"Der Trommler"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Trommler<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gebr. Grimm<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Eines Abends ging ein junger Trommler ganz allein auf dem Feld und kam an einen See. Da sah er an dem Ufer drei St\u00fcckchen wei\u00dfe Leinewand liegen. &#8222;Was f\u00fcr feines Leinen&#8220;, sprach er und steckte eins davon in die Tasche. Er ging heim, dachte nicht weiter an seinen Fund und legte sich zu Bett. Als er eben einschlafen wollte, war es ihm, als nennte jemand seinen Namen. Er horchte und vernahm eine leise Stimme, die ihm zurief: &#8222;Trommeler, Trommeler, wach auf!&#8220; Er konnte, da es finstere Nacht war, niemand sehen, aber es kam ihm vor, als schwebte eine Gestalt vor seinem Bett auf und ab. &#8222;Was willst du?&#8220; fragte er. &#8222;Gib mir mein Hemdchen zur\u00fcck&#8220;, antwortete die Stimme, &#8222;das du mir gestern abend am See weggenommen hast.&#8220; &#8211; &#8222;Du sollst es wieder haben&#8220;, sprach der Trommler, &#8222;wenn du mir sagst, wer du bist.&#8220; &#8211; &#8222;Ach&#8220;, erwiderte die Stimme, &#8222;ich bin die Tochter eines m\u00e4chtigen K\u00f6nigs, aber ich bin in die Gewalt einer Hexe geraten und bin auf den Glasberg gebannt. Jeden Tag muss ich mich mit meinen zwei Schwestern im See baden, aber ohne mein Hemdchen kann ich nicht wieder fortfliegen. Meine Schwestern haben sich fortgemacht, ich aber habe zur\u00fcckbleiben m\u00fcssen. Ich bitte dich, gib mir mein Hemdchen wieder.&#8220; &#8211; &#8222;Sei ruhig, armes Kind&#8220;, sprach der Trommler, &#8222;ich will dir&#8217;s gerne zur\u00fcckgeben.&#8220; Er holte es aus seiner Tasche und reichte es ihr in der Dunkelheit hin. Sie erfasste es hastig und wollte damit fort. &#8222;Weile einen Augenblick,&#8220; sagte er, &#8222;vielleicht kann ich dir helfen.&#8220; &#8211; &#8222;Helfen kannst du mir nur, wenn du auf den Glasberg steigst und mich aus der Gewalt der Hexe befreist. Aber zu dem Glasberg kommst du nicht, und wenn du auch ganz nahe daran w\u00e4rst, so kommst du nicht hin auf.&#8220; &#8211; &#8222;Was ich will, das kann ich&#8220;, sagte der Trommler, &#8222;ich habe Mitleid mit dir, und ich f\u00fcrchte mich vor nichts. Aber ich wei\u00df den Weg nicht, der nach dem Glasberge f\u00fchrt.&#8220; &#8211; &#8222;Der Weg geht durch den gro\u00dfen Wald, in dem die Menschenfresser hausen&#8220;, antwortete sie, &#8222;mehr darf ich dir nicht sagen.&#8220; Darauf h\u00f6rte er, wie sie fortschwirrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Anbruch des Tags machte sich der Trommler auf, hing seine Trommel um und ging ohne Furcht geradezu in den Wald hinein. Als er ein Weilchen gegangen war und keinen Riesen erblickte, so dachte er: &#8222;Ich muss die Lang schl\u00e4fer aufwecken&#8220;, hing die Trommel vor und schlug einen Wirbel, dass die V\u00f6gel aus den B\u00e4umen mit Geschrei aufflogen. Nicht lange, so erhob sich auch ein Riese in die H\u00f6he, der im Gras gelegen und geschlafen hatte, und war so gro\u00df wie eine Tanne. &#8222;Du Wicht&#8220;, rief er ihm zu, &#8222;was trommelst du hier und weckst mich aus dem besten Schlaf?&#8220; &#8211; &#8222;Ich trommle&#8220;, antwortete er, &#8222;weil viele Tausende hinter mir herkommen, damit sie den Weg wissen.&#8220; &#8211; &#8222;Was wollen die hier in meinem Wald?&#8220; fragte der Riese. &#8222;Sie wollen dir den Garaus machen und den Wald von einem Unget\u00fcm, wie du bist, s\u00e4ubern.&#8220; &#8211; &#8222;Oho&#8220;, sagte der Riese, &#8222;ich trete euch wie Ameisen tot.&#8220; &#8211; &#8222;Meinst du, du k\u00f6nntest gegen sie etwas ausrichten?&#8220; sprach der Trommler, &#8222;wenn du dich b\u00fcckst, um einen zu packen, so springt er fort und versteckt sich. Wie du dich aber niederlegst und schl\u00e4fst, so kommen sie aus allen Geb\u00fcschen herbei und kriechen an dir hinauf. Jeder hat einen Hammer von Stahl am G\u00fcrtel stecken, damit schlagen sie dir den Sch\u00e4del ein.&#8220; Der Riese ward verdrie\u00dflich und dachte: &#8222;Wenn ich mich mit dem listigen Volk befasse, so k\u00f6nnte es doch zu meinem Schaden ausschlagen. W\u00f6lfen und B\u00e4ren dr\u00fccke ich die Gurgel zusammen, aber vor den Erdw\u00fcrmern kann ich mich nicht sch\u00fctzen.&#8220; &#8211; &#8222;H\u00f6r, kleiner Kerl&#8220;, sprach er, &#8222;zieh wieder ab, ich verspreche dir, dass ich dich und deine Gesellen in Zukunft in Ruhe lassen will, und hast du noch einen Wunsch, so sag&#8217;s mir, ich will dir wohl etwas zu Gefallen tun. &#8211; &#8222;Du hast lange Beine&#8220;, sprach der Trommler, &#8222;und kannst schneller laufen als ich; trag mich zum Glasberge, so will ich den Meinigen ein Zeichen zum R\u00fcckzug geben, und sie sollen dich diesmal in Ruhe lassen.&#8220; &#8211; &#8222;Komm her, Wurm&#8220;, sprach der Riese, &#8222;setz dich auf meine Schulter, ich will dich tragen wohin du verlangst.&#8220; Der Riese hob ihn hinauf, und der Trommler fing oben an, nach Herzenslust auf der Trommel zu wirbeln. Der Riese dachte: &#8222;Das wird das Zeichen sein, dass das Volk zu r\u00fcckgehen soll.&#8220; Nach einer Weile stand ein zweiter Riese am Weg, der nahm den Trommler dem ersten ab und steckte ihn in sein Knopfloch. Der Trommler fasste den Knopf, der wie eine Sch\u00fcssel gro\u00df war, hielt sich daran und schaute ganz lustig um her. Dann kamen sie zu einem dritten, der nahm ihn aus dem Knopfloch und setzte ihn auf den Rand seines Hutes; da ging der Trommler oben auf und ab und sah \u00fcber die B\u00e4ume hinaus, und als er in blauer Ferne einen Berg erblickte, so dachte er: &#8222;Das ist gewiss der Glasberg&#8220;, und er war es auch. Der Riese tat nur noch ein paar Schritte, so waren sie an dem Fu\u00df des Berges angelangt, wo ihn der Riese absetzte. Der Trommler verlangte, er solle ihn auch auf die Spitze des Glasberges tragen, aber der Riese sch\u00fcttelte mit dem Kopf, brummte etwas in den Bart und ging in den Wald zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun stand der arme Trommler vor dem Berg, der so hoch war, als wenn drei Berge aufeinander gesetzt w\u00e4ren, und dabei so glatt wie ein Spiegel, und wusste keinen Rat, um hinaufzukommen. Er fing an zu klettern, aber vergeblich, er rutschte immer wieder herab. &#8222;Wer jetzt ein Vogel w\u00e4re&#8220;, dachte er, aber was half das W\u00fcnschen, es wuchsen ihm keine Fl\u00fcgel. Indem er so stand und sich nicht zu helfen wusste, erblickte er nicht weit von sich zwei M\u00e4nner, die heftig miteinander stritten. Er ging auf sie zu und sah, dass sie wegen eines Sattels uneins waren, der vor ihnen auf der Erde lag, und den jeder von ihnen haben wollte. &#8222;Was seid ihr f\u00fcr Narren&#8220;, sprach er, &#8222;zankt euch um einen Sattel und habt kein Pferd dazu.&#8220; &#8211; &#8222;Der Sattel ist wert, dass man darum streitet&#8220;, antwortete der eine von den M\u00e4nnern, &#8222;wer darauf sitzt und w\u00fcnscht sich irgendwohin, und w\u00e4r&#8217;s am Ende der Welt, der ist im Augenblick angelangt, wie er den Wunsch ausgesprochen hat. Der Sattel geh\u00f6rt uns gemeinschaftlich, die Reihe darauf zu reiten ist an mir, aber der andere will es nicht zulassen.&#8220; &#8211; &#8222;Den Streit will ich bald austragen&#8220;, sagte der Trommler, ging eine Strecke weit und steckte einen wei\u00dfen Stab in die Erde. Dann kam er zur\u00fcck und sprach: &#8222;Jetzt lauft nach dem Ziel, wer zuerst dort ist, der reitet zuerst.&#8220; Beide setzten sich in Trab, aber kaum waren sie ein paar Schritte weg, so schwang sich der Trommler auf den Sattel, w\u00fcnschte sich auf den Glasberg, und ehe man die Hand um drehte, war er dort. Auf dem Berg oben war eine Ebene, da stand ein altes steinernes Haus, und vor dem Haus lag ein gro\u00dfer Fischteich, dahinter aber ein finsterer Wald. Menschen und Tiere sah er nicht, es war alles still, nur der Wind raschelte in den B\u00e4umen, und die Wolken zogen ganz nah \u00fcber seinem Haupt weg. Er trat an die T\u00fcre und klopfte an. Als er zum drittenmal geklopft hatte, \u00f6ffnete eine Alte mit braunem Gesicht und roten Augen die T\u00fcre. Sie hatte eine Brille auf ihrer langen Nase und sah ihn scharf an; dann fragte sie, was sein Begehren w\u00e4re. &#8222;Einlass, Kost und Nachtlager&#8220;, antwortete der Trommler. &#8222;Das sollst du haben&#8220;, sagte die Alte, &#8222;wenn du daf\u00fcr drei Arbeiten verrichten willst.&#8220; &#8211; &#8222;Warum nicht?&#8220; antwortete er, &#8222;ich scheue keine Arbeit, und wenn sie noch so schwer ist.&#8220; Die Alte lie\u00df ihn ein, gab ihm Essen und abends ein gutes Bett. Am Morgen, als er ausgeschlafen hatte, nahm die Alte einen Fingerhut von ihrem d\u00fcrren Finger, reichte ihn dem Trommler hin und sagte: &#8222;Jetzt geh an die Arbeit und sch\u00f6pfe den Teich drau\u00dfen mit diesem Fingerhut aus, aber ehe es Nacht wird, musst du fertig sein, und alle Fische, die in dem Wasser sind, m\u00fcssen nach ihrer Art und Gr\u00f6\u00dfe ausgesucht und nebeneinander gelegt sein. &#8211; &#8222;Das ist eine seltsame Arbeit&#8220;, sagte der Trommler, ging aber zu dem Teich und fing an zu sch\u00f6pfen. Er sch\u00f6pfte den ganzen Morgen, aber was kann man mit einem Fingerhut bei einem gro\u00dfen Wasser ausrichten, und wenn man tausend Jahre sch\u00f6pft? Als es Mittag war, dachte er &#8222;Es ist alles umsonst und ist einerlei, ob ich arbeite oder nicht&#8220;, hielt ein und setzte sich nieder. Da kam ein M\u00e4dchen aus dem Haus gegangen, stellte ihm ein K\u00f6rbchen mit Essen hin und sprach: &#8222;Du sitzest da so traurig, was fehlt dir?&#8220; Er blickte es an und sah, dass es wundersch\u00f6n war. &#8222;Ach&#8220;, sagte er, &#8222;ich kann die erste Arbeit nicht voll bringen, wie wird es mit den andern werden? Ich bin ausgegangen, eine K\u00f6nigstochter zu suchen, die hier wohnen soll, aber ich habe sie nicht gefunden; ich will weitergehen.&#8220; &#8211; &#8222;Bleib hier&#8220;, sagte das M\u00e4dchen, &#8222;ich will dir aus deiner Not helfen. Du bist m\u00fcde, lege deinen Kopf in meinen Scho\u00df und schlaf! Wenn du wieder aufwachst, so ist die Arbeit getan.&#8220; Der Trommler lie\u00df sich das nicht zweimal sagen. Sobald ihm die Augen zufielen, drehte sie einen Wunschring und sprach: &#8222;Wasser herauf, Fische heraus!&#8220; Alsbald stieg das Wasser wie ein wei\u00dfer Nebel in die H\u00f6he und zog mit den andern Wolken fort, und die Fische schnalzten&#8216; sprangen ans Ufer und legten sich nebeneinander, jeder nach seiner Gr\u00f6\u00dfe und Art. Als der Trommler erwachte, sah er mit Erstaunen, dass alles vollbracht war. Aber das M\u00e4dchen sprach: &#8222;Einer von den Fischen liegt nicht bei seinesgleichen, sondern ganz allein. Wenn die Alte heute abend kommt und sieht, dass alles geschehen ist, was sie verlangt, so wird sie fragen: ,Was soll dieser Fisch allein?&#8216; Dann wirf ihr den Fisch ins Angesicht und sprich: ,Der soll f\u00fcr dich sein, alte Hexe&#8216;.&#8220; Abends kam die Alte, und als sie die Frage getan hatte, so warf er ihr den Fisch ins Gesicht. Sie stellte sich, als merkte sie es nicht, und schwieg still, aber sie blickte ihn mit boshaften Augen an. Am andern Morgen sprach sie: &#8222;Gestern hast du es zu leicht gehabt, ich muss dir schwerere Arbeit g\u00fcben. Heute musst du den ganzen Wald umhauen, das Holz in Scheite spalten und in Klaftern legen, und am Abend muss alles fertig sein.&#8220; Sie gab ihm eine Axt, einen Schl\u00e4ger und zwei Keile. Aber die Axt war von Blei, der Schl\u00e4ger und die Keile waren von Blech. Als er anfing zu hauen, so legte sich die Axt um, und Schl\u00e4ger und Keile dr\u00fcckten sich zusammen. Er wusste sich nicht zu helfen, aber mittags kam das M\u00e4dchen wieder mit dem Essen und tr\u00f6stete ihn. &#8222;Lege deinen Kopf in meinen Scho\u00df&#8220;, sagte sie, &#8222;und schlaf! Wenn du auf wachst, so ist die Arbeit getan.&#8220; Sie drehte ihren Wunschring, in dem Augenblick sank der ganze Wald mit Krachen zusammen, das Holz spaltete sich von selbst und legte sich in Klaftern zusammen; es war, als ob unsichtbare Riesen die Arbeit vollbr\u00e4chten. Als er aufwachte, sagte das M\u00e4dchen: &#8222;Siehst du, das Holz ist geklaftert und gelegt; nur ein einziger Ast ist \u00fcbrig, aber wenn die Alte heute abend kommt und fragt, was der Ast solle, so gib ihr damit einen Schlag und sprich: ,Der soll f\u00fcr dich sein, du Hexe&#8216;.&#8220; Die Alte kam: &#8222;Siehst du&#8220;, sprach sie, &#8222;wie leicht die Arbeit war, aber f\u00fcr wen liegt der Ast noch da?&#8220; &#8211; &#8222;F\u00fcr dich, du Hexe&#8220;, antwortete er und gab ihr einen Schlag damit. Aber sie tat, als f\u00fchlte sie es nicht, lachte h\u00f6hnisch und sprach: &#8222;Morgen fr\u00fch sollst du alles Holz auf einen Haufen legen, es anz\u00fcnden und verbrennen.&#8220; Er stand mit Anbruch des Tages auf und fing an, das Holz herbeizuholen; aber wie kann ein einziger Mensch einen ganzen Wald zusammentragen? Die Arbeit r\u00fcckte nicht fort. Doch das M\u00e4dchen verlie\u00df ihn nicht in der Not, es brachte ihm mittags seine Speise, und als er gegessen hatte, legte er seinen Kopf in ihren Scho\u00df und schlief ein. Bei seinem Erwachen brannte der ganze Holzsto\u00df in einer ungeheueren Flamme, die ihre Zungen bis in den Himmel ausstreckte. &#8222;H\u00f6r mich an&#8220;, sprach das M\u00e4dchen, &#8222;wenn die Hexe kommt, wird sie dir allerlei auftragen, tust du ohne Furcht, was sie verlangt, so kann sie dir nichts anhaben, f\u00fcrchtest du dich aber, so packt dich das Feuer und verzehrt dich. Zuletzt, wenn du alles getan hast, so packe sie mit beiden H\u00e4nden und wirf sie mitten in die Glut.&#8220; Das M\u00e4dchen ging fort, und die Alte kam herangeschlichen: &#8222;Hu! mich friert&#8220;, sagte sie, &#8222;aber das ist ein Feuer, das brennt, das w\u00e4rmt mir die alten Knochen, da wird mir wohl. Aber dort liegt ein Klotz&#8216; der will nicht brennen, den hol mir heraus. Hast du das noch getan, so bist du frei und kannst ziehen, wohin du willst. Nur munter hinein!&#8220; Der Trommler besann sich nicht lange, sprang mitten in die Flammen, aber sie taten ihm nichts, nicht einmal die Haare konnten sie ihm versengen. Er trug den Klotz heraus und legte ihn hin. Kaum aber hatte das Holz die Erde ber\u00fchrt, so verwandelte es sich, und das sch\u00f6ne M\u00e4dchen stand vor ihm, das ihm in der Not geholfen hatte, und an den seidenen goldgl\u00e4nzenden Kleidern, die es anhatte, merkte er wohl, dass es die K\u00f6nigstochter war. Aber die Alte lachte giftig und sprach: &#8222;Du meinst, du h\u00e4ttest sie, aber du hast sie noch nicht.&#8220; Eben wollte sie auf das M\u00e4dchen losgehen und es fortziehen, da packte er die Alte mit beiden H\u00e4nden, hob sie in die H\u00f6he und warf sie den Flammen in den Rachen, die \u00fcber ihr zusammenschlugen, als freuten sie sich, dass sie eine Hexe verzehren sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00f6nigstochter blickte darauf den Trommler an, und als sie sah, dass es ein sch\u00f6ner J\u00fcngling war, und bedachte, dass er sein Leben daran gesetzt hatte, um sie zu erl\u00f6sen, so reichte sie ihm die Hand und sprach: &#8222;Du hast alles f\u00fcr mich gewagt, aber ich will auch f\u00fcr dich alles tun. Versprichst du mir deine Treue, so sollst du mein Gemahl werden. An Reicht\u00fcmern fehlt es uns nicht, wir haben genug an dem, was die Hexe hier zusammengetragen hat.&#8220; Sie f\u00fchrte ihn in das Haus, da standen Kisten und Kasten, die mit ihren Sch\u00e4tzen angef\u00fcllt waren. Sie lie\u00dfen Gold und Silber liegen und nahmen nur die Edelsteine. Sie wollte nicht l\u00e4nger auf dem Glasberg bleiben, da sprach er zu ihr: &#8222;Setze dich zu mir auf meinen Sattel, so fliegen wir hinab wie die V\u00f6gel.&#8220; &#8211; &#8222;Der alte Sattel gef\u00e4llt mir nicht&#8220;, sagte sie, &#8222;ich brauche nur an meinem Wunschring zu drehen, so sind wir zu Haus.&#8220; &#8211; &#8222;Wohlan&#8220;, antwortete der Trommler, &#8222;so w\u00fcnsch uns vor das Stadttor.&#8220; Im Nu waren sie dort, der Trommler aber sprach: &#8222;Ich will erst zu meinen Eltern gehen und ihnen Nachricht geben. Harre mein hier auf dem Feld, ich will bald zur\u00fcck sein.&#8220; &#8211; &#8222;Ach&#8220;, sagte die K\u00f6nigstochter, &#8222;ich bitte dich, nimm dich in acht, k\u00fcsse deine Eltern bei deiner Ankunft nicht auf die rechte Wange; denn sonst wirst du alles vergessen, und ich bleibe hier allein und verlassen auf dem Feld zur\u00fcck.&#8220; &#8211; &#8222;Wie kann ich dich vergessen?&#8220; sagte er und versprach ihr in die rechte Hand, recht bald wiederzukommen. Als er in sein v\u00e4terliches Haus trat, wusste niemand, wer er war, so hatte er sich ver\u00e4ndert; denn die drei Tage, die er auf dem Glasberg zugebracht hatte, waren drei lange Jahre gewesen. Da gab er sich zu erkennen, und seine Eltern fielen ihm vor Freude um den Hals, und er war so bewegt in seinem Herzen, dass er sie auf beide Wangen k\u00fcsste und an die Worte des M\u00e4dchens nicht dachte. Wie er ihnen aber den Kuss auf die rechte Wange gegeben hatte, verschwand ihm jeder Gedanke an die K\u00f6nigstochter. Er leerte seine Taschen aus und legte H\u00e4ndevoll der gr\u00f6\u00dften Edelsteine auf den Tisch. Die Eltern wussten gar nicht, was sie mit dem Reichtum anfangen sollten. Da baute der Vater ein pr\u00e4chtiges Schloss, von G\u00e4rten, W\u00e4ldern und Wiesen um geben, als wenn ein F\u00fcrst darin wohnen sollte. Und als es fertig war, sagte die Mutter: &#8222;Ich habe ein M\u00e4dchen f\u00fcr dich ausgesucht, in drei Tagen soll die Hoch zeit sein.&#8220; Der Sohn war mit allem zufrieden, was die Eltern wollten. Die arme K\u00f6nigstochter hatte lange vor der Stadt gestanden und auf die R\u00fcck kehr des J\u00fcnglings gewartet. Als es Abend ward, sprach sie: &#8222;Gewiss hat er seine Eltern auf die rechte Wange gek\u00fcsst und hat mich vergessen.&#8220; Ihr Herz war voller Trauer, sie w\u00fcnschte sich in ein einsames Waldh\u00e4uschen und wollte nicht wieder an den Hof ihres Vaters zur\u00fcck. Jeden Abend ging sie in die Stadt und ging an seinem Haus vor\u00fcber: Er sah sie manchmal, aber er kannte sie nicht mehr. Endlich h\u00f6rte sie, wie die Leute sagten: &#8222;Morgen wird seine Hochzeit ge feiert.&#8220; Da sprach sie: &#8222;Ich will versuchen, ob ich sein Herz wieder gewinne.&#8220; Als der erste Hochzeitstag gefeiert ward, da drehte sie ihren Wunschring und sprach: &#8222;Ein Kleid so gl\u00e4nzend wie die Sonne.&#8220; Alsbald lag das Kleid vor ihr und war so gl\u00e4nzend, als wenn es aus lauter Sonnenstrahlen gewebt w\u00e4re. Als alle G\u00e4ste sich versammelt hatten, so trat sie in den Saal. Jedermann wunderte sich \u00fcber das sch\u00f6ne Kleid, am meisten die Braut, und da sch\u00f6ne Kleider ihre gr\u00f6\u00dfte Lust waren, so ging sie zu der Fremden und fragte, ob sie es ihr verkaufen wollte. &#8222;F\u00fcr Geld nicht&#8220;, antwortete sie, &#8222;aber wenn ich die erste Nacht vor der T\u00fcre verweilen darf, wo der Br\u00e4utigam schl\u00e4ft, so will ich es hingeben.&#8220; Die Braut konnte ihr Verlangen nicht bezwingen und willigte ein, aber sie mischte dem Br\u00e4utigam einen Schlaftrunk in seinen Nachtwein, wovon er in tiefen Schlaf verfiel. Als nun alles still geworden war, so kauerte sich die K\u00f6nigstochter vor die T\u00fcre der Schlafkammer, \u00f6ffnete sie ein wenig und rief hinein:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Trommler, Trommler, h\u00f6r mich an,<\/p>\n\n\n\n<p>Hast du mich denn ganz vergessen?<\/p>\n\n\n\n<p>Hast du auf dem Glasberg nicht bei mir gesessen?<\/p>\n\n\n\n<p>Habe ich vor der Hexe nicht bewahrt dein Leben?<\/p>\n\n\n\n<p>Hast du mir auf Treue nicht die Hand gegeben?<\/p>\n\n\n\n<p>Trommler, Trommler, h\u00f6r mich an.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es war vergeblich, der Trommler wachte nicht auf, und als der Morgen anbrach, musste die K\u00f6nigstochter unverrichteter Dinge wieder fortgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am zweiten Abend drehte sie ihren Wunschring und sprach: &#8222;Ein Kleid so silbern als der Mond.&#8220; Als sie mit dem Kleid, das so zart war wie der Mond schein, bei dem Fest erschien, erregte sie wieder das Verlangen der Braut und gab es ihr f\u00fcr die Erlaubnis, auch die zweite Nacht vor der T\u00fcre der Schlafkammer zubringen zu d\u00fcrfen. Da rief sie in n\u00e4chtlicher Stille:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Trommler, Trommler, h\u00f6r mich an,<\/p>\n\n\n\n<p>Hast du mich denn ganz vergessen?<\/p>\n\n\n\n<p>Hast du auf dem Glasberg nicht bei mir gesessen?<\/p>\n\n\n\n<p>Habe ich vor der Hexe nicht bewahrt dein Leben?<\/p>\n\n\n\n<p>Hast du mir auf Treue nicht die Hand gegeben?<\/p>\n\n\n\n<p>Trommler, Trommler, h\u00f6r mich an.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der Trommler, von dem Schlaftrunk bet\u00e4ubt, war nicht zu erwecken. Traurig ging sie den Morgen wieder zur\u00fcck in ihr Waldhaus. Aber die Leute im Haus hatten die Klage des fremden M\u00e4dchens geh\u00f6rt und erz\u00e4hlten dein Br\u00e4utigam davon. Sie sagten ihm auch, dass es ihm nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, etwas davon zu vernehmen, weil sie ihm einen Schlaftrunk in den Wein gesch\u00fcttet h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am dritten Abend drehte die K\u00f6nigstochter den Wunschring und sprach: &#8222;Ein Kleid flimmernd wie Sterne.&#8220; Als sie sich darin auf dem Feste zeigte, war die Braut \u00fcber die Pracht des Kleides, das die andern weit \u00fcbertraf, ganz au\u00dfer sich und sprach: &#8222;Ich soll und muss es haben.&#8220; Das M\u00e4dchen gab es, wie die andern, f\u00fcr die Erlaubnis, die Nacht vor der T\u00fcre des Br\u00e4utigams zuzubringen. Der Br\u00e4utigam aber trank den Wein nicht, der ihm vor dem Schlafengehen gereicht wurde, sondern goss ihn hinter das Bett. Und als alles im Haus still geworden war, so h\u00f6rte er eine sanfte Stimme, die ihn anrief:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Trommler, Trommler, h\u00f6r mich an,<\/p>\n\n\n\n<p>Hast du mich denn ganz vergessen?<\/p>\n\n\n\n<p>Hast du auf dem Glasberg nicht bei mir gesessen?<\/p>\n\n\n\n<p>Habe ich vor der Hexe nicht bewahrt dein Leben?<\/p>\n\n\n\n<p>Hast du mir auf Treue nicht die Hand gegeben?<\/p>\n\n\n\n<p>Trommler, Trommler, h\u00f6r mich an.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich kam ihm das Ged\u00e4chtnis wieder. &#8222;Ach&#8220;, rief er, &#8222;wie habe ich so treulos handeln k\u00f6nnen, aber der Kuss, den ich meinen Eltern in der Freude meines Herzens auf die rechte Wange gegeben habe, der ist schuld daran, der hat mich bet\u00e4ubt.&#8220; Er sprang auf, nahm die K\u00f6nigstochter bei der Hand und f\u00fchrte sie zu dem Bett seiner Eltern. &#8222;Das ist meine rechte Braut&#8220;, sprach er, &#8222;wenn ich die andere heirate, so tue ich gro\u00dfes Unrecht.&#8220; Die Eltern, als sie h\u00f6rten, wie alles sich zugetragen hatte, willigten ein. Da wurden die Lichter im Saal wieder angez\u00fcndet, Pauken und Trompeten herbeigeholt, die Freunde und Verwandten eingeladen wiederzukommen, und die wahre Hochzeit ward mit gro\u00dfer Freude gefeiert. Die erste Braut behielt die sch\u00f6nen Kleider zur Entsch\u00e4digung und gab sich zufrieden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Trommler Gebr. Grimm Eines Abends ging ein junger Trommler ganz allein auf dem Feld und kam an einen See. Da sah er an dem Ufer drei St\u00fcckchen wei\u00dfe Leinewand liegen. &#8222;Was f\u00fcr feines Leinen&#8220;, sprach er und steckte eins davon in die Tasche. 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