{"id":4980,"date":"2026-01-26T16:24:13","date_gmt":"2026-01-26T15:24:13","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4980"},"modified":"2026-01-26T16:24:13","modified_gmt":"2026-01-26T15:24:13","slug":"die-treuen-tiere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-treuen-tiere\/","title":{"rendered":"Die treuen Tiere"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die treuen Tiere<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gebr\u00fcder Grimm<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein Mann, der hatte gar nicht viel Geld, und mit dem wenigen, was ihm \u00fcbrig geblieben war, zog er in die weite Welt. Da kam er in ein Dorf, wo die Jungen zusammenliefen, schrien und l\u00e4rmten. \u201eWas habt ihr vor, ihr Jungen?\u201c fragte der Mann. \u201eEi\u201c, antworteten sie, \u201eda haben wir eine Maus, die muss uns tanzen, seht einmal, was das f\u00fcr ein Spa\u00df ist, wie die herumtrippelt!\u201c Den Mann aber dauerte das arme Tierchen und er sprach: \u201eLasst die Maus laufen, ihr Jungen, ich will euch auch Geld geben.\u201c Da gab er ihnen Geld, und sie lie\u00dfen die Maus los, und das arme Tier lief, was es konnte, in ein loch hinein. Der Mann ging fort und kam in ein anderes Dorf, da hatten die Jungen einen Affen, der musste tanzen und Purzelb\u00e4ume machen, und sie lachten dar\u00fcber und lie\u00dfen dem Tier keine Ruh\u00b4. Da gab ihnen der Mann auch Geld, damit sie den Affen loslie\u00dfen. Danach kam der Mann in ein drittes Dorf, da hatten die Jungen einen B\u00e4ren an der Kette, der musste sich aufrecht setzen und tanzen, und wenn er dazu brummte, war\u2019s ihnen eben recht. Da kaufte ihn der Mann auch los, und der B\u00e4r war froh, dass er wieder auf seine vier Beine kam, und trabte fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann aber hatte nun sein bisschen \u00fcbriges Geld ausgegeben und hatte keinen roten Heller mehr in der Tasche. Da sprach er u sich selber: \u201eDer K\u00f6nig hat soviel in seiner Schatzkammer, was er nicht braucht; Hungers kannst du nicht sterben, du willst da etwas nehmen, und wenn du wieder zu Geld kommst, kannst du\u2019s ja wieder hineinlegen.\u201c Also machte er sich \u00fcber die Schatzkammer und nahm sich ein wenig davon, allein beim herausschleichen ward er von den Leuten des K\u00f6nigs erwischt. Sie sagten, er w\u00e4re ein Dieb und f\u00fchrten ihn vor Gericht, und weil er unrecht getan hatte, ward er verurteilt, dass er in einem Kasten sollte aufs Wasser gesetzt werden. Der Kastendeckel war voller L\u00f6cher, damit Luft hinein konnte; auch ward ihm ein Krug Wasser und ein Laib Brot mit hineingegeben. Wie er nun so auf dem Wasser Schwamm und recht in Angst war, h\u00f6rte er was krabbeln am Schloss, nagen und schnauben. Auf ein al springt das Schloss auf, und der Deckel f\u00e4hrt in die H\u00f6he, und stehen da Maus, Affe und B\u00e4r, die hatten\u2019s getan; weil er ihnen geholfen hatte, wollten sie ihm wieder helfen. Nun wussten sie aber nicht, was sie noch weiter tun sollten und ratschlagten miteinander. Indem kam ein wei\u00dfer Stein in dem Wasser dahergerollt, der sah aus wie ein rundes Ei. Da sagte der B\u00e4r: \u201eDer kommt zu rechter Zeit, das ist ein Wunderstein: wem der eigen ist, der kann sich w\u00fcnschen, wozu er nur Lust hat.\u201c Da holte der Mann den Stein herauf, und wie er ihn in der Hand hielt, w\u00fcnschte er sich ein Schloss mit Garten und Marstall und kaum hatte er den Wunsch ausgesprochen, so sa\u00df er in dem Schloss mit dem Garten und dem Marstall, und war alles so sch\u00f6n und pr\u00e4chtig, dass er sich nicht genug verwundern konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Zeit zogen Kaufleute des Wegs vorbei. \u201eSieh einer\u201c, riefen sie, \u201ewas da f\u00fcr ein herrliches Schloss steht, und das letzte Mal, wie wir vorbeikamen, la da noch schlechter Sand.\u201c Weil sie nun neugierig waren, gingen sie hinein und erkundigten sich bei dem Mann, wie er alles so geschwind h\u00e4tte bauen k\u00f6nnen. Da sprach er: \u201e Das hab\u2019 ich nicht getan, sondern mein Wunderstein.\u201c \u201eWas ist das f\u00fcr ein Stein?\u201c fragten sie. Da ging er hin, holte ihn herbei und zeigte ihn den Kaufleuten. Sie hatten gro\u00dfe Lust dazu und fragten, ob er nicht zu erhandeln w\u00e4re, auch boten sie ihm alle ihre sch\u00f6nen Waren daf\u00fcr. Dem Manne stachen die Waren in den Augen, und weil das Herz unbest\u00e4ndig ist und sich nach neuen Dingen sehnt, so lie\u00df er sich bet\u00f6ren und meinte, die sch\u00f6nen Waren w\u00e4ren mehr wert als sein Wunderstein und gab ihn hin. Kaum aber hatte er ihn aus den H\u00e4nden gegeben, da war auch alles gl\u00fcck dahin, und er sa\u00df auf einmal wieder in dem verschlossenen Kasten auf dem Fluss und hatte nichts als einen Krug Wasser und einen Laib Brot. Die treuen Tiere, Maus, Affe und B\u00e4r, wie sie sein Ungl\u00fcck sahen, kamen wieder herbei und wollten ihm helfen, aber sie konnten nicht einmal das Schloss aufsprengen, weil\u2019s viel fester war als das erste Mal. Da sprach er B\u00e4r: \u201cWir m\u00fcssen den Wunderschein wieder schaffen, oder es ist alles umsonst.\u201c Weil nun die Kaufleute in dem Schloss geblieben waren und da wohnten, so gingen die Tiere mit3einander dahin, und wie sie nahe dabei kamen, sagte der B\u00e4r: \u201eMaus, guck einmal durchs Schl\u00fcsselloch und siehe, was anzufangen ist; du bist klein, dich merkt kein Mensch.\u201c Die Maus war willig, kam aber wieder uns sagte: \u201eEs geht nicht, ich habe hineingeguckt, der Stein h\u00e4ngt unter dem Spiegel an einem roten B\u00e4ndchen, und h\u00fcben und dr\u00fcben sitzen ein paar gro\u00dfe Katzen mit feurigen Augen, die sollen ihn bewachen.\u201c Da sagten die anderen: \u201eGeh nur wieder hinein und warte, bis der Herr im Bett liegt und schl\u00e4ft, dann schleich dich durch ein Loch hinein und kriech aufs Bett und zwick ihn an der Nase und bei\u00df ihm seine Haare ab.\u201c Die Maus kroch wieder hinein und tat, wie die anderen gesagt hatten. Der Herr wachte auf, rieb sich die Nase, war \u00e4rgerlich und sprach: \u201eDie Katzen taugen nichts sie lassen die M\u00e4use herein, die mir die Haare vom Kopf abbei\u00dfen\u201c, und jagte sie alle beide fort. Da hatte die Maus gewonnen Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie nun der Herr die andere Nacht wider eingeschlafen war, machte sich die Maus, hinein, knupperte und nagte an dem roten Band. Woran der Stein hing, so lange, bis es entzwei war und der Stein herunterfiel; dann schleifte sie ihn bis zur Haust\u00fcr. Das ward aber der armen kleinen Maus recht sauer, und sie sprach zum Affen, der schon auf der Lauer stand: \u201eZieh ihn mit deiner Pfote vollends heraus.\u201c Das war dem Affen ein Leichtes, er nahm den Stein in die Hand, und sie gingen miteinander bis zum Fluss. Da sagte der Affe: \u201eWie sollen wir nun zu dem Kasten kommen?\u201c Der B\u00e4r antwortete: \u201eDas ist bald geschehen, ich gehe ins Wasser und schwimme. Affe, setz du dich auf meinen R\u00fccken, halt dich aber mit deinen H\u00e4nden fest und nimm den Stein ins maul. M\u00e4uschen, du kannst dich in mein rechtes Ohr setzen.\u201c Also taten sie und schwammen den Fluss hinab. Nach einiger Zeit ging\u2019s dem B\u00e4ren zu still her, er fing an zu schw\u00e4tzen und sagte: \u201eH\u00f6r, Affe, wir sind doch brave Kameraden, was meinst du?\u201c Der Affe aber antwortete nicht und schwieg still. \u201eIst das Manier?\u201c sagte der B\u00e4r, \u201ewillst du deinem Kameraden keine Antwort geben? Ein schlechter Kerl, der nicht antwortet!\u201c Da konnte sich der Affe nicht l\u00e4nger zur\u00fcckhalten, er lie\u00df den Stein ins Wasser fallen und rief: \u201edummer Kerl, wie konnt\u2019 ich mit dem Stein im Mund dir antworten Jetzt ist er verloren, und daran bist du schuld.\u201c \u201eZank nur nicht\u201c, sagte der B\u00e4r, wir wollen schon etwas erdenken.\u201c Da beratschlagten sie sich und riefen die Laubfr\u00f6sche, Unken und alles Getier, das im Wasser lebt, zusammen und sagten: \u201e Es wird ein gewaltiger Feind \u00fcber euch kommen, macht, dass ihr Steine zusammenschafft, soviel ihr k\u00f6nnt, so wollen wir eine Mauer bauen, die euch sch\u00fctzt.\u201c Da erschraken die Tiere und brachten Steine von allen Seiten herbeigeschleppt, endlich kam ein alter, dicker Quakfrosch aus dem Grund heraufgerudert und hatte das rote Band mit dem Wunderstein im Mund. Da war der B\u00e4r froh, nahm dem Frosch seine Last ab, sagte, es waren alles gut, sie k\u00f6nnten wieder nach Hause gehen, und machte einen kurzen Abschied. Darauf fuhren die drei den Fluss hinab zu dem Mann im Kasten, sprengten den Deckel mit Hilfe des Steins, und waren zu rechter zeit gekommen, denn er hatte das Brot schon aufgezehrt und das Wasser getrunken und war schon halb verschmachtet. Wie der aber den Wunderschein in die H\u00e4nde bekam, w\u00fcnsche er sich eine gute Gesundheit und versetzte sich in sein sch\u00f6nes Schloss mit dem Garten und Marstall. Da lebte er vergn\u00fcgt und die drei Tiere blieben bei ihm und hatten\u2019s gut ihr Leben lang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die treuen Tiere Gebr\u00fcder Grimm Es war einmal ein Mann, der hatte gar nicht viel Geld, und mit dem wenigen, was ihm \u00fcbrig geblieben war, zog er in die weite Welt. 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