{"id":4952,"date":"2026-01-26T15:41:55","date_gmt":"2026-01-26T14:41:55","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4952"},"modified":"2026-01-26T15:41:55","modified_gmt":"2026-01-26T14:41:55","slug":"des-totengraebers-sohn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/des-totengraebers-sohn\/","title":{"rendered":"Des Totengr\u00e4bers Sohn"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Des Totengr\u00e4bers Sohn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wilhelm Busch<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein armer Kulengr\u00e4ber (Totengr\u00e4ber), der hatte einen einzigen Sohn mit Namen Fritz, und ist da auch ein reicher B\u00fcrgermeister gewesen, der hatte eine einzige Tochter, die hie\u00df Karoline. Weil nun die beiden Kinder zusammen in die Schule gingen und t\u00e4glich beieinander waren, auch gleiches Alter hatten, so wurden sie sich von Herzen gut. Die Jahre kamen und vergingen, die Kinder wurden gro\u00df, aber ihre Liebe blieb dieselbe. Das war aber dem Vater des M\u00e4dchens gar nicht recht, dass sie sich zu so einem armen Jungen hielt, dessen Vater nur ein Totengr\u00e4ber war. Er machte dem Fritz das Leben sauer, wie und wo er nur konnte, und verbot seiner Tochter zuletzt auf das strengste, mit ihm zu verkehren und zu sprechen, so dass die zwei sich nur zuweilen heimlich sehen konnten. Da dachte der Fritz endlich: \u00bbIch will nun in die weite Welt gehen, ob ich nicht da mein Gl\u00fcck machen und Geld erwerben kann; so geht es doch nie und nimmer gut.\u00ab Und als er nun zum letzten Mal zu seiner Karoline ging, ihr Lebewohl zu sagen, fing sie bitterlich zu weinen an und gab ihm einen Ring und sagte, dass er sie doch nicht vergessen m\u00f6chte, wenn er nun so weit in der Fremde w\u00e4re. \u00bbNie und nimmer will ich dich vergessen\u00ab, hat er da gesagt; \u00bbich gehe nun nach Spanien, das ist ein weiter, weiter Weg; darum versprich mir, dass du mir sieben Jahre lang treu bleiben willst; bin ich dann nicht zur\u00fcck, so bin ich tot und komme niemals wieder.\u00ab Das haben sich die zwei fest versprochen und haben mit Weinen von einander Abschied genommen; der Fritz ist dann fortgewandert auf dem Wege, der nach Spanien geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Abend kam er zu einem Schlosse, drinnen wohnte ein alter Ritter mit seiner Frau, die nahmen ihn freundlich auf und gaben ihm Herberge. Er erz\u00e4hlte ihnen, als sie zu Tische sa\u00dfen, wie es ihm so traurig ergangen sei, und dass er nun hinwollte nach Spanien, ob er da nicht sein Gl\u00fcck machen k\u00f6nne. Weil er nun so offen und treuherzig war, gewannen ihn der Ritter und seine Frau lieb, und da sie keine Kinder hatten, so behielten sie ihn bei sich als ihren Sohn, gaben ihm gute Kleider und lie\u00dfen ihn in allem unterrichten was einem Rittersmann zukommt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber eine Zeit, so ging die Kunde, der K\u00f6nig von Spanien, der schon alt und des Regierens m\u00fcde sei, h\u00e4tte eine Krone ausgeh\u00e4ngt, wer die in vollem Jagen herunterst\u00e4che, der sollte Vizek\u00f6nig von Spanien sein und des K\u00f6nigs Tochter zur Frau haben. Da bat Fritz seine Pflegeeltern, dass sie ihn m\u00f6chten nach Spanien an des K\u00f6nigs Hof ziehen lassen, denn das Kronenstechen h\u00e4tte er doch gar zu gerne mitgemacht. \u00bbWer wei\u00df, ob es dir nicht gl\u00fcckt\u00ab, dachte er und bat so lange, bis ihm der Ritter ein Pferd gab und ihn ziehen lie\u00df. So ritt er denn fort auf dem Wege, der nach Spanien geht, und als er dort ankam, da hatten sich schon alle Ritter im Stechen versucht, aber keiner hatte die Krone erlangen k\u00f6nnen. So war er der letzte an der Reihe, und richtig! es gelang ihm, die Krone herunterzustechen. Da wurde er zum Vizek\u00f6nig von Spanien gemacht und sollte des K\u00f6nigs Tochter haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es waren aber zu der Zeit gerade die sieben Jahre herum, darum sprach er: \u00bbEhe die Hochzeit ist, will ich noch einmal in meine Heimat zu meinem alten Vater reisen.\u00ab Des war der K\u00f6nig zufrieden. So zog er denn fort in seine Heimat, und als er da ankam, war es Abend; da kehrte er in dem ersten Gasthofe ein, der des B\u00fcrgermeisters Hause gerade gegen\u00fcber lag. Dem B\u00fcrgermeister sein Haus war aber ganz hell erleuchtet und war Musik darin und wurde getanzt. Da fragte er den Wirt, was denn das zu bedeuten h\u00e4tte, dass es in dem Hause da auf der andern Seite so lustig herginge. \u00bbDas kommt daher\u00ab, antwortete der Wirt, \u00bbdass unsers B\u00fcrgermeisters Tochter heute Hochzeit h\u00e4lt.\u00ab Da fragte er weiter ob er es als Fremder wohl wagen k\u00f6nnte, auch mal hin\u00fcber auf die Hochzeit zu gehen. \u00bbDas k\u00f6nnt Ihr nur dreist tun\u00ab, sagte der Wirt, \u00bbso einen feinen, reichen Herrn, wie Ihr seid, wird man da gerne sehen.\u00ab So ging er denn auf die Hochzeit; aber von den Leuten, die da waren, kannte ihn keiner wieder und alle freuten sie sich, dass so ein vornehmer Herr ihnen die Ehre ant\u00e4te, bei ihnen einzusprechen. \u00bbIst es wohl erlaubt\u00ab, fragte er da, \u00bbmit der Braut einen Tanz zu machen?\u00ab \u00bbEi ja wohl\u00ab, sprachen alle, \u00bbdas wird der Braut eine gro\u00dfe Ehre sein.\u00ab Da ging er hin zu den Musikanten und bestellte seinen Lieblingswalzer, den er sonst mit seiner Karoline immer so gern getanzt hatte, und als er sie nun zum Tanze holte und die Musik den Walzer zu spielen anfing, wurde sie ganz still und dachte bei sich: \u00bbEs ist doch sonderbar, dass dieser fremde Herr mich gerade heute an meinen Fritz erinnern muss, der doch gewiss schon lange tot ist; nun ich seinen Lieblingswalzer spielen h\u00f6re, wird mir ordentlich das Herz schwer\u00ab; aber doch erkannte sie ihn nicht. Als nun der Tanz zu Ende war und der fremde Herr wieder fortgehen wollte, dr\u00fcckte er der Braut ein Papier in die Hand, und als sie das aufmachte, so lag darin der Ring, den sie ihrem Fritz vor sieben Jahren gegeben hatte, als sie von einander Abschied nahmen. Sowie sie aber den Ring erkannte, wurde sie ganz blass und fiel f\u00fcr tot auf den Boden hin. Da nahm die Hochzeit ein trauriges Ende. Fritz aber ging zu seinem Vater und gab sich ihm zu erkennen und erz\u00e4hlte ihm, dass er nun Vizek\u00f6nig von Spanien sei; das ist dem alten Manne eine gro\u00dfe Freude gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den andern Tag wurde Karoline in ihrem Sarge in das Totengew\u00f6lbe gebracht, denn sie war nicht wieder zum Leben zur\u00fcckgekommen. Mittlerweile kam ein Bote von Spanien, der brachte die Nachricht an Fritz, die K\u00f6nigstochter w\u00e4re pl\u00f6tzlich gestorben und der K\u00f6nig wollte nun die Regierung ganz abtreten; darum solle er doch schnell nach Spanien zur\u00fcckkommen. Weil er aber, ehe er fortreiste, seine liebe Karoline doch noch zum letzten Male sehen wollte, so ging er mit seinem Vater, der den Schl\u00fcssel zu dem Totengew\u00f6lbe hatte, in der Nacht dahin; da lag sie still in ihrem Sarge, und als er sich nun weinend \u00fcber sie beugte, um sie zu k\u00fcssen, f\u00fchlte er mit einem Male, dass sie noch leise Atem holte. Da brachte er sie mit seinem Vater aus dem kalten Gew\u00f6lbe ins Haus, und in der W\u00e4rme kam sie nach und nach wieder ins Leben zur\u00fcck; und als sie ihren Fritz erkannte, fielen sie sich beide um den Hals und weinten vor Freude, dass sie sich nun endlich wieder hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Den folgenden Tag musste Fritz wieder fort nach Spanien; seine Karoline lie\u00df er aber bei seinem Vater und sagte ihr, dass sie da heimlich bleiben sollte, bis er wieder k\u00e4me. Es verging ein Jahr und ein Tag, da kam er zur\u00fcck und veranstaltete ein gro\u00dfes Gastmahl, dazu lie\u00df er auch den B\u00fcrgermeister einladen, und als sie zu Tische sa\u00dfen sagte er, er wolle ihnen mal ein Gleichnis aufgeben, dar\u00fcber sollten sie ihm alle ihre Meinung sagen. \u00bbEs war mal ein G\u00e4rtner\u00ab, sprach er da, \u00bbder hatte eine wundersch\u00f6ne Blume; die Blume verwelkte, und der G\u00e4rtner riss sie aus und warf sie aus seinem Garten. Nun kam des Wegs ein Mann, der fand die Blume, nahm sie mit und pflanzte sie in seinen Blumengarten, und weil er sie pflegte und wohl begoss, so wurde die Blume wieder frisch und sch\u00f6n wie vorher. Nun sagt! Wem kam die Blume zu? Dem G\u00e4rtner, der sie aus seinem Garten warf, oder dem Manne, der sie fand und pflegte, bis sie wieder frisch und gr\u00fcn geworden war?\u00ab Da sagten sie alle, dass dem die Blume geh\u00f6rte, der sie gefunden und gepflegt h\u00e4tte. \u00bbNun denn\u00ab, sagte er, \u00bbso will ich euch die Blume zeigen!\u00ab und indem so machte er die T\u00fcr auf und lie\u00df seine Karoline hereinkommen. \u00bbSeht her! dies ist die Blume, die ich fand und pflegte und wieder ins Leben brachte, als sie verwelkt war; nun will ich sie auch behalten, so lange ich lebe.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da nahm er sie mit in sein K\u00f6nigreich und lebte gl\u00fccklich mit ihr bis an sein Ende.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Des Totengr\u00e4bers Sohn Wilhelm Busch Es war einmal ein armer Kulengr\u00e4ber (Totengr\u00e4ber), der hatte einen einzigen Sohn mit Namen Fritz, und ist da auch ein reicher B\u00fcrgermeister gewesen, der hatte eine einzige Tochter, die hie\u00df Karoline. 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