{"id":4950,"date":"2026-01-26T15:39:16","date_gmt":"2026-01-26T14:39:16","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4950"},"modified":"2026-01-26T15:39:17","modified_gmt":"2026-01-26T14:39:17","slug":"toepel-hans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/toepel-hans\/","title":{"rendered":"T\u00f6pel-Hans"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>T\u00f6lpel-Hans<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hans-Christinan Andersen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Tief im Innern des Landes lag ein alter Herrenhof; dort war ein Gutsherr, der zwei S\u00f6hne hatte, die sich so witzig und gewitzigt d\u00fcnkten, dass die H\u00e4lfte gen\u00fcgt h\u00e4tte. Sie wollten sich nun um die K\u00f6nigstochter bewerben, denn die hatte \u00f6ffentlich anzeigen lassen, sie wolle den zum Ehegemahl w\u00e4hlen, der seine Worte am besten zu stellen wisse.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden bereiteten sich nun volle acht Tage auf die Bewerbung vor, die l\u00e4ngste, aber allerdings auch gen\u00fcgende Zeit, die ihnen verg\u00f6nnt war, denn sie hatten Vorkenntnisse, und wie n\u00fctzlich die sind, wei\u00df jedermann. Der eine wusste das ganze lateinische W\u00f6rterbuch und nebenbei auch drei Jahrg\u00e4nge vom Tageblatte des St\u00e4dtchens auswendig, und zwar so, dass er alles von vorne und hinten, je nach Belieben, hersagen konnte. Der andere hatte sich in die Innungsgesetze hineingearbeitet und wusste auswendig, was jeder Innungsvorstand wissen muss, weshalb er auch meinte, er k\u00f6nne bei Staatsangelegenheiten mitreden und seinen Senf dazugeben; ferner verstand er noch eins: Er konnte Hosentr\u00e4ger mit Rosen und anderen Bl\u00fcmchen und Schn\u00f6rkeleien besticken, denn er war auch fein und fingerfertig.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich bekomme die K\u00f6nigstochter!&#8220; riefen sie alle beide, und so schenkte der alte Papa einem jeden von ihnen ein pr\u00e4chtiges Pferd. Derjenige, welcher das W\u00f6rterbuch und das Tageblatt auswendig wusste, bekam einen Rappen, der Innungskluge erhielt ein milchwei\u00dfes Pferd, und dann schmierten sie sich die Mundwinkel mit Fischtran ein, damit sie recht geschmeidig w\u00fcrden. &#8211; Das ganze Gesinde stand unten im Hofraume und war Zeuge, wie sie die Pferde bestiegen, und wie von ungef\u00e4hr kam auch der dritte Bruder hinzu, denn der alte Gutsherr hatte drei S\u00f6hne, aber niemand z\u00e4hlte diesen dritten mit zu den anderen Br\u00fcdern, weil er nicht so gelehrt wie diese war, und man nannte ihn auch gemeinhin T\u00f6lpel-Hans.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ei!&#8220; sagte T\u00f6lpel-Hans, &#8222;wo wollt ihr hin? Ihr habt euch ja in den Sonntagsstaat geworfen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Zum Hofe des K\u00f6nigs, uns die K\u00f6nigstochter zu erschwatzen! Wei\u00dft du denn nicht, was dem ganzen Lande bekannt gemacht ist?&#8220; Und nun erz\u00e4hlten sie ihm den Zusammenhang.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ei, der tausend! Da bin ich auch dabei!&#8220; rief T\u00f6lpel-Hans, und die Br\u00fcder lachten ihn aus und ritten davon.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;V\u00e4terchen!&#8220; schrie T\u00f6lpel-Hans, &#8222;ich muss auch ein Pferd haben. Was ich f\u00fcr eine Lust zum Heiraten kriege! Nimmt sie mich, so nimmt sie mich, und nimmt sie mich nicht, so nehm ich sie &#8211; kriegen tu ich sie!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Lass das Gew\u00e4sch!&#8220; sagte der Alte, &#8222;dir gebe ich kein Pferd. Du kannst ja nicht reden, du wei\u00dft ja deine Worte nicht zu stellen; nein, deine Br\u00fcder, ah, das sind ganz andere Kerle.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nun&#8220;, sagte T\u00f6lpel-Hans, &#8222;wenn ich kein Pferd haben kann, so nehme ich den Ziegenbock, der geh\u00f6rt mir sowieso, und tragen kann er mich auch!&#8220; Und gesagt, getan. Er setzte sich rittlings auf den Ziegenbock, presste die Hacken in dessen Weichen ein und sprengte davon, die gro\u00dfe Hauptstra\u00dfe wie ein Sturmwind dahin. Hei, hopp! Das war eine Fahrt! &#8222;Hier komm&#8220; ich!&#8220; schrie T\u00f6lpel-Hans und sang, dass es weit und breit widerhallte.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Br\u00fcder ritten ihm langsam voraus; sie sprachen kein Wort, sie mussten sich alle die guten Einf\u00e4lle \u00fcberlegen, die sie vorbringen wollten, denn das sollte alles recht fein ausspekuliert sein!<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Hei!&#8220; schrie T\u00f6lpel-Hans, &#8222;hier bin ich! Seht mal, was ich auf der Landstra\u00dfe fand!&#8220; &#8211; Und er zeigte ihnen eine tote Kr\u00e4he, die er aufgehoben hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;T\u00f6lpel!&#8220; sprachen die Br\u00fcder, &#8222;was willst du mit der machen?&#8220; &#8222;Mit der Kr\u00e4he? &#8211; Die will ich der K\u00f6nigstochter schenken!&#8220; &#8222;Ja, das tu nur!&#8220; lachten sie.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Hei &#8211; hopp! Hier bin ich! Seht, was ich jetzt habe, das findet man nicht alle Tage auf der Landstra\u00dfe!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Br\u00fcder kehrten um, damit sie s\u00e4hen, was er wohl noch haben k\u00f6nnte. &#8222;T\u00f6lpel!&#8220; sagten sie, &#8222;das ist ja ein alter Holzschuh, dem noch dazu das Oberteil fehlt; wirst du auch den der K\u00f6nigstochter schenken?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wohl werde ich das!&#8220; erwiderte T\u00f6lpel-Hans; und die Br\u00fcder lachten und ritten davon; sie gewannen einen gro\u00dfen Vorsprung.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Hei hoppsassa! Hier bin ich!&#8220; rief T\u00f6lpel-Hans; &#8222;nein, es wird immer besser! Hei\u00dfa! Nein! Es ist ganz famos!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Was hast du denn jetzt?&#8220; fragten die Br\u00fcder.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Oh&#8220;, sagte T\u00f6lpel-Hans, &#8222;das ist gar nicht zu sagen! Wie wird sie erfreut sein, die K\u00f6nigstochter.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Pfui!&#8220; sagten die Br\u00fcder, &#8222;das ist ja reiner Schlamm, unmittelbar aus dem Graben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ja, freilich ist es das!&#8220; sprach T\u00f6lpel-Hans, &#8222;und zwar von der feinsten Sorte, seht, er l\u00e4uft einem gar durch die Finger durch!&#8220; und dabei f\u00fcllte er seine Tasche mit dem Schlamm.<\/p>\n\n\n\n<p>Allein, die Br\u00fcder sprengten dahin, dass Kies und Funken stoben, deshalb gelangten sie auch eine ganze Stunde fr\u00fcher als T\u00f6lpel-Hans an das Stadttor. An diesem bekamen alle Freier sofort nach ihrer Ankunft Nummern und wurden in Reih und Glied geordnet, sechs in jede Reihe, und so eng zusammengedr\u00e4ngt, dass sie die Arme nicht bewegen konnten; das war sehr weise so eingerichtet, denn sie h\u00e4tten einander wohl sonst das Fell \u00fcber die Ohren gezogen, blo\u00df weil der eine vor dem andern stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ganze Volksmenge des Landes stand rings um das k\u00f6nigliche Schloss in dichten Massen zusammengedr\u00e4ngt, bis an die Fenster hinauf, um die K\u00f6nigstochter die Freier empfangen zu sehen; je nachdem einer von diesen in den Saal trat, ging ihm die Rede aus wie ein Licht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Der taugt nichts!&#8220; sprach die K\u00f6nigstochter. &#8222;Fort, hinaus mit ihm!&#8220; Endlich kam die Reihe an denjenigen der Br\u00fcder, der das W\u00f6rterbuch auswendig wusste, aber er wusste es nicht mehr; er hatte es ganz vergessen in Reih und Glied; und die Fu\u00dfdielen knarrten, und die Zimmerdecke war von lauter Spiegelglas, dass er sich selber auf dem Kopfe stehen sah, und an jedem Fenster standen drei Schreiber und ein Oberschreiber, und jeder schrieb alles nieder, was gesprochen wurde, damit es sofort in die Zeitung k\u00e4me und f\u00fcr einen Silbergroschen an der Stra\u00dfenecke verkauft werde. Es war entsetzlich, und dabei hatten sie derma\u00dfen in den Ofen eingeheizt, dass er gl\u00fchend war.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Hier ist eine entsetzliche Hitze, hier!&#8220; sprach der Freier. &#8222;Jawohl! mein Vater bratet aber auch heute junge H\u00e4hne!&#8220; sagte die K\u00f6nigstochter.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;M\u00e4h!&#8220; Da stand er, auf solche Rede war er nicht gefasst gewesen; kein Wort wusste er zu sagen, obgleich er etwas Witziges hatte sagen wollen. &#8222;M\u00e4h!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Taugt nichts!&#8220; sprach die K\u00f6nigstochter. &#8222;Fort, hinaus mit ihm!&#8220; Und aus musste er.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun trat der andere Bruder ein. &#8222;Hier ist eine entsetzliche Hitze!&#8220; sagte er.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Jawohl, wir braten heute junge H\u00e4hne!&#8220; bemerkte die K\u00f6nigstochter. &#8222;Wie be &#8211; wie?&#8220; sagte er, und die Schreiber schrieben: &#8222;Wie be &#8211; wie?&#8220; &#8222;Taugt nichts!&#8220; sagte die K\u00f6nigstochter. &#8222;Fort, hinaus mit ihm!&#8220; Nun kam T\u00f6lpel-Hans dran; er ritt auf dem Ziegenbocke geradeswegs in den Saal hinein. &#8222;Na, das ist doch eine Mordshitze hier!&#8220; sagte er.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Jawohl, ich brate aber auch junge H\u00e4hne!&#8220; sagte die K\u00f6nigstochter.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ei, das ist sch\u00f6n!&#8220; erwiderte T\u00f6lpel-Hans, &#8222;dann kann ich wohl eine Kr\u00e4he mitbraten?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Mit dem gr\u00f6\u00dften Vergn\u00fcgen!&#8220; sprach die K\u00f6nigstochter; &#8222;aber haben etwas, worin Sie braten k\u00f6nnen? Denn ich habe weder Topf noch Tiegel.&#8220; &#8222;Oh, das hab ich!&#8220; sagte T\u00f6lpel-Hans. &#8222;Hier ist Kochgeschirr mit zinnernem B\u00fcgel&#8220;, und er zog den alten Holzschuh hervor und legte die Kr\u00e4he hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das ist ja ein ganze Mahlzeit&#8220;, sagte die K\u00f6nigstochter, &#8222;aber wo nehmen wir die Br\u00fche her?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die habe ich in der Tasche!&#8220; sprach T\u00f6lpel-Hans. &#8220; Ich habe so viel, dass sogar etwas davon wegwerfen kann!&#8220; Und nun goss er etwas Schlamm aus der Tasche heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das gef\u00e4llt mir!&#8220; sagte die K\u00f6nigstochter, &#8222;du kannst doch antworten, und du kannst reden, und ich will dich zum Manne haben! &#8211; Aber wei\u00dft du auch, dass jedes Wort, das wir sprechen und gesprochen haben, niedergeschrieben wird und morgen in die Zeitung kommt? An jedem Fenster, siehst du, stehen drei Schreiber und ein alter Oberschreiber, und dieser alte Oberschreiber ist noch der schlimmste, denn er kann nichts begreifen!&#8220; Und das sagte sie nur, um T\u00f6lpel-Hans zu \u00e4ngstigen. Und die Schreiber wieherten und spritzten dabei jeder einen Tintenklecks auf den Fu\u00dfboden.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ah, das ist also die Herrschaft!&#8220; sagte T\u00f6lpel-Hans; &#8222;nun, so werde ich dem Oberschreiber das Beste geben!&#8220; Und damit kehrte er seine Taschen um und warf ihm den Schlamm gerade ins Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das war fein gemacht!&#8220; sagte die K\u00f6nigstochter, &#8222;das h\u00e4tte ich nicht tun k\u00f6nnen, aber ich werde es schon lernen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>T\u00f6lpel-Hans wurde K\u00f6nig, bekam eine Frau und eine Krone und sa\u00df auf einem Throne, und das haben wir ganz nass aus der Zeitung des Oberschreibers und Schreiberinnungsmeisters &#8211; und auf die ist zu bauen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T\u00f6lpel-Hans Hans-Christinan Andersen Tief im Innern des Landes lag ein alter Herrenhof; dort war ein Gutsherr, der zwei S\u00f6hne hatte, die sich so witzig und gewitzigt d\u00fcnkten, dass die H\u00e4lfte gen\u00fcgt h\u00e4tte. Sie wollten sich nun um die K\u00f6nigstochter bewerben, denn die hatte \u00f6ffentlich anzeigen lassen, sie wolle den zum Ehegemahl w\u00e4hlen, der seine Worte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[88,85],"tags":[],"class_list":["post-4950","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hans-chr-andersen","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4950","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4950"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4950\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4951,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4950\/revisions\/4951"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4950"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4950"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4950"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}