{"id":4946,"date":"2026-01-26T15:35:10","date_gmt":"2026-01-26T14:35:10","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4946"},"modified":"2026-01-26T15:35:10","modified_gmt":"2026-01-26T14:35:10","slug":"der-tiergemahl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-tiergemahl\/","title":{"rendered":"Der Tiergemahl"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Tiergemahl<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein Kaufmann, der mit seinem Schiff umhergefahren ist und Handel getrieben hat. Dieser brave Mann hat eine gro\u00dfe Familie gehabt, denn seine Frau hat ihm neun S\u00f6hne und neun T\u00f6chter geboren. Ihnen ist es gut gegangen, bis es einst die Moiren anders bestimmt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn als der Kaufmann wieder einmal mit seinem Kapit\u00e4n, seinen Matrosen und dem sch\u00f6nen Schiff unterwegs gewesen ist, sind sie ganz pl\u00f6tzlich von einem f\u00fcrchterlichen Sturm \u00fcberfallen worden. Das Schiff ist hierhin und dorthin geschleudert worden, bis es endlich an einem Felsen zerschellt ist. Aber die Moira des Kaufmanns war gn\u00e4dig, und w\u00e4hrend die meisten der Seeleute ertrunken sind, hat er sich an Land retten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Tage ist er in einer w\u00fcsten Gegend umhergeirrt und fast vor Hunger und Durst gestorben. Endlich hat er einen Garten erblickt, ist in ihn eingetreten, hat an einer Quelle seinen Durst gestillt und von den Trauben gegessen, die gerade reif gewesen sind. Dann ist er vor Ersch\u00f6pfung eingeschlafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitten in der Nacht ist er aufgewacht, und er hat gesehen, dass neben ihm ein gro\u00dfes wildes Tier gesessen ist &#8211; vielleicht ein B\u00e4r -, und als das Tier gemerkt hat, dass er auf gewacht ist, hat es gesagt: \u00bbDu b\u00f6ser Mensch, wie kannst du es wagen, unerlaubt in meinen Garten einzudringen, von meinem Wasser zu trinken und von meinen Trauben zu essen? Wei\u00dft du denn nicht, dass es bei Todesstrafe verboten ist, hier hereinzugehen?\u00ab &#8211; \u00bbNein, Gebieter\u00ab, sagt der Kaufmann, \u00bbich war so ersch\u00f6pft vor Hunger und Durst, dass ich nicht mehr gewusst habe, was ich tue, und ich bitte von Herzen um Gnade.\u00ab &#8211; \u00bbNun\u00ab, sagt die Bestie etwas milder, \u00bbhast du eine Familie?\u00ab &#8211; \u00bbja, Gebieter\u00ab, sagt der Mann, \u00bbich habe neun S\u00f6hne und neun T\u00f6chter, aber ich wei\u00df nicht, wovon sie in Zukunft leben sollen, denn mein Schiff ist mit allen Waren gesunken, und ich habe nichts mehr, womit ich Handel treiben k\u00f6nnte.\u00ab &#8211; \u00bbDas ist schlimm!\u00ab sagt die Bestie, \u00bbaber es gibt nichts, was man nicht \u00e4ndern k\u00f6nnte. Du hast also auch neun M\u00e4dchen?\u00ab &#8211; \u00bbja, Herr, und eine ist h\u00fcbscher als die andere.\u00ab \u00bbFein\u00ab, sagt das Tier, \u00bbwenn du mir eine davon zur Frau gibst, so will ich nicht nur vergessen, dass du mein Verbot \u00fcbertreten hast, sondern als meinem Schwiegervater will ich dir auch eines von meinen Schiffen \u00fcberlassen, denn ich habe derer viele.\u00ab &#8211; \u00bbAch Gott\u00ab, sagt der Kaufmann, \u00bbmit Freuden will ich das Angebot annehmen, und unter meinen T\u00f6chtern ist sicher eine, die Euch gef\u00e4llt.\u00ab \u00bbNun\u00ab, sagt die Bestie, \u00bbich selber bin nicht w\u00e4hlerisch. Du beschreibst mich deinen T\u00f6chtern so, wie ich bin, und derjenigen, die mich so will, werde ich meine Hand reichen. Aber wenn keine mich freiwillig nehmen will, so musst du zu mir zur\u00fcckkehren und f\u00fcr immer bei mir als Sklave bleiben. Gibst du mir dein Wort?\u00ab &#8211; \u00bbja, Gebieter, mein Wort.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bestie hat den Kaufmann dann in einen herrlichen Palast gef\u00fchrt, hat ihn neu einkleiden lassen und hat ihn an eine Tafel gef\u00fchrt, dass der Kaiser nicht h\u00e4tte besser speisen k\u00f6nnen. Dann hat das Tier Befehl gegeben, und man hat den Kaufmann zu einem gro\u00dfen und stattlichen Schiff gef\u00fchrt, und der Kapit\u00e4n hat zu dem Kaufmann gesagt: \u00bbHerr, wohin soll die Fahrt gehen?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und am andern Tag ist der Kaufmann in seine Heimat zur\u00fcckgesegelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Hause ist ein gro\u00dfes Klagen und Weinen gewesen, denn alle haben gemeint, der Vater sei ertrunken. Um so gr\u00f6\u00dfer ist nun die Freude, da der Vater nicht nur gesund, sondern mit Sch\u00e4tzen beladen heimkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem man sich umarmt und begr\u00fc\u00dft hat, geht es ans Erz\u00e4hlen. Doch wie der Vater die Geschichte mit dem Tier erz\u00e4hlt, wird es sehr still. Die Burschen sagen: \u00bbNein, bei einem Tier, das h\u00e4sslich ist wie ein B\u00e4r, m\u00f6chte ich nicht mein Leben verbringen. Hier ist es besser.\u00ab Und die M\u00e4dchen sagen: \u00bbNein, mit einem Tier verheiratet sein, das h\u00e4sslich ist wie ein B\u00e4r, lieber den Tod!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da ist der Kaufmann sehr traurig geworden, hat geseufzt und hat gesagt: \u00bbSo beh\u00fcte euch Gott, denn ich muss zu der Bestie zur\u00fcck und werde niemals wiederkehren.\u00ab &#8211; \u00bbja, aber wer zwingt dich denn?\u00ab &#8211; \u00bbMich zwingt mein Wort, und was man vor Gott gelobt hat, das muss man auch halten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da hat die j\u00fcngste von den T\u00f6chtern gerufen: \u00bbNein, Vater, du sollst nicht weggehen, denn ich will hinfahren und das Tier heiraten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und so ist es geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die j\u00fcngste war zugleich auch die h\u00fcbscheste von den T\u00f6chtern, und das Tier war sehr vergn\u00fcgt, als es das M\u00e4dchen gesehen hat. Dem M\u00e4dchen hat es am Anfang sehr vor der Bestie gegraust, aber allm\u00e4hlich hat sie sich daran gew\u00f6hnt und ist mit ihr gut ausgekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nach einem Jahr, da hat sie gro\u00dfe Sehnsucht nach ihrem Vater, ihren Br\u00fcdern und ihren Schwestern bekommen. Das Tier hat gemerkt, dass die junge Frau ganz krank ist vor Sehnsucht, und eines Tages sagte es: \u00bbFrau, wenn du so sehr begehrst, deine Familie wiederzusehen, so will ich dir erlauben, dass du f\u00fcr einen Mond hinf\u00e4hrst. Aber merke dir: \u00fcberschreite die Zeit nicht, denn sonst werde ich krank werden und sterben. Hier nimm diesen Ring! An ihm ist eine Perle, und wenn die Perle sich verf\u00e4rbt, erkennst du, dass ich krank geworden bin. Und nun reise zu deinen Eltern und Geschwistern!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat ein Schiff r\u00fcsten lassen, hat seiner Frau Geschenke mitgegeben, und dann ist sie abgefahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Daheim war die Freude gro\u00df, als die j\u00fcngste angekommen ist und f\u00fcr den Vater und die Mutter, und ebenso f\u00fcr alle ihre Br\u00fcder und Schwestern noch reiche Geschenke mitgebracht hat. Und so haben sie in Freude zusammen gelebt, und weil in der Fr\u00f6hlichkeit die Zeit schneller vergeht als im Elend, waren die 28 Tage vorbei, ehe die junge Frau das gemerkt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber als sie an einem Morgen aufgestanden ist, ist ihr Blick auf den Ring gefallen, und ganz erschrocken hat sie bemerkt, dass die Perle sich verf\u00e4rbt hat. Und sogleich hat sie das Schiff richten lassen, und obwohl ihre Eltern und ihre Geschwister sie best\u00fcrmt haben, doch noch wenigstens ein oder zwei Tage zu bleiben, ist sie auf der Stelle abgesegelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie im Hause der Bestie angekommen ist, hat die junge Frau gesehen, dass ihr Gemahl schwer krank zu Bett liegt. Da hat sie ein so starker Schmerz \u00fcberfallen, dass sie zu weinen beginnt, und ihre Tr\u00e4nen fallen auf das Gesicht der Bestie. Aber was ist das? Mit jedem Tropfen, der auf das Gesicht des Tieres f\u00e4llt, wird das Gesicht heller und wei\u00dfer. Und auf einmal ist das Gesicht nicht mehr wie bei einem Tier, sondern wie bei einem Menschen, bei einem jungen und sch\u00f6nen Burschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und der Mann hat sich in seinem Bett aufgesetzt und hat gesagt: \u00bbLiebe Frau, du hast mich gerettet! Und nun sollst du nicht mehr einsam mit mir hausen, sondern du sollst immer einen von deinen Br\u00fcdern und eine von deinen Schwestern um dich haben. Und deine Eltern m\u00f6gen dich besuchen kommen, so oft sie wollen, denn ich selber darf dieses Land nicht verlassen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und so ist es geschehen. Die junge Frau ist f\u00fcr immer bei ihrem Gatten geblieben, aber von ihren Eltern, von den Br\u00fcdern und den Schwestern sind oft welche gekommen, um sie zu besuchen, und so ist sie nie mehr allein gewesen und hat auch keine Sehnsucht nach ihrem Heimathaus gehabt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ihnen ist es gut und noch besser ergangen, und wir hoffen, dass es uns auch einmal so ergehen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tiergemahl Es war einmal ein Kaufmann, der mit seinem Schiff umhergefahren ist und Handel getrieben hat. 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