{"id":49,"date":"2015-10-05T21:38:21","date_gmt":"2015-10-05T19:38:21","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=49"},"modified":"2026-01-17T04:03:32","modified_gmt":"2026-01-17T03:03:32","slug":"der-baecker-zu-dortmund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-baecker-zu-dortmund\/","title":{"rendered":"Der B\u00e4cker zu Dortmund"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der B\u00e4cker zu Dortmund<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Vor vielen, vielen Jahren hat zu Dortmund ein reicher B\u00e4cker gelebt, der hat zwar keinen Gottesdienst vers\u00e4umt und ist in der Kirche immer der And\u00e4chtigste gewesen, allein dabei blieb sein Herz doch hart wie Stein. Er hatte durch Wucher und Kornaufkaufen eine gro\u00dfe Menge Geld zusammengebracht, das er in vielen gro\u00dfen S\u00e4cken in seinem Keller verborgen hatte. Armen hat er aber nie mehr gegeben als h\u00f6chstens ein St\u00fcckchen halbverschimmeltes Brot und seine einzige Schwester, die Witwe eines armen, aber braven Leinewebers hat er samt ihren Kindern hungern und darben lassen und mit gro\u00dfen Worten, als sie ihn nach dem Tode ihres Mannes um eine Unterst\u00fctzung bat, von seiner T\u00fcre gewiesen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da ist einmal eine schlimme Pest und nach ihr eine gro\u00dfe Teuerung in ganz Westfalen entstanden, so dass die Armen das Korn nicht mehr bezahlen konnten und das ganze Land voller Bettelleute war. Bei dem B\u00e4cker aber war keine Not. Er buck sein Brot immer kleiner und lie\u00df es sich immer teurer bezahlen und seine Scheuern und B\u00f6den waren voll Getreide bis zum Hahneballen hinauf, aber er verkaufte es darum doch nicht, sondern hoffte, dass bis zum Winter die Kornpreise um das Doppelte steigen w\u00fcrden.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da lag er einst um die Mittagszeit auf seinem Bett, um von der Morgenarbeit etwas auszuruhen, als langsam an die T\u00fcre geklopft wurde. Er rief herein und siehe, vor ihm in Lumpen geh\u00fcllt stand eine elende magere Frau und bat um eine Gabe. Es war seine Schwester, die er aber nicht erkannte, so hatte sie sich in den letzten Jahren ver\u00e4ndert. Da er nun glaubte, es sei ein gew\u00f6hnliches Bettelweib, so hetzte er in Wut \u00fcber diese St\u00f6rung seiner Mittagsruhe seinen gro\u00dfen Hund auf sie, der unter dem Bett lag. Die Frau aber rief ihn nun mit flehender Stimme bei seinem &#8218;Taufnamen und bat ihn, er m\u00f6ge sie, die an der Pest alle ihre Kinder verloren habe, doch nicht von sich sto\u00dfen, sondern ihr eine Ruhest\u00e4tte in seinem Hause g\u00f6nnen und sie vor dem Hungertode sch\u00fctzen. Da erwiderte der b\u00f6se Bruder m\u00fcrrisch: &#8222;Gut denn, ein Pl\u00e4tzchen in meinem Hause sollst du haben, ich wei\u00df aber nicht, ob es nach deinem Geschmacke sein wird, und Nahrung sollst du auch haben!&#8220; Damit f\u00fchrte er sie auf den Hof und wies auf eine gro\u00dfe leerstehende Hundeh\u00fctte, zog ein St\u00fcck Weizenbrot aus der Tasche und reichte es ihr. Die arme Verhungerte griff gierig danach und biss hinein, aber das Brot war so hart, dass die Z\u00e4hne eines gro\u00dfen Hundes dazu geh\u00f6rten, um es zu zermalmen. Nach wenigen Augenblicken gab sie es auf und st\u00fcrzte vor Schw\u00e4che zu Boden. Aber ihr harter Bruder lie\u00df sie unbek\u00fcmmert liegen und wahrscheinlich w\u00e4re sie auf dem Fleck gestorben, h\u00e4tte sich nicht eine alte Magd ihrer angenommen und h\u00e4tte sie durch Einfl\u00f6\u00dfen einiger Tropfen kr\u00e4ftigen Bieres wieder zu sich gebracht. Diese steckte ihr auch einige Bissen genie\u00dfbaren Brotes zu und so gewann die arme Frau wieder so viel Kr\u00e4fte, um zu ihrer H\u00fctte zur\u00fcckschleichen zu k\u00f6nnen. Hier sank sie auf ihr elendes Strohlager und betete zu Gott, er m\u00f6ge sie doch von ihren Leiden erl\u00f6sen. Und Gott erh\u00f6rte sie, denn sie schloss ihre Augen, um nie wieder aufzuwachen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Am andern Tage ist aber in der Stadt Dortmund ein gef\u00e4hrlicher Aufruhr ausgebrochen, der die Reichen und Beg\u00fcterten in der Stadt bedrohte. Das Volk litt gro\u00dfe Not und begann deshalb die H\u00e4user derer zu st\u00fcrmen und zu pl\u00fcndern, die immer noch im \u00dcberfluss schwelgten. Auch auf des reichen B\u00e4ckers Haus st\u00fcrmten die Armen los, man drohte es zu pl\u00fcndern und ihn selbst totzuschlagen. Der B\u00e4cker hatte bei dem ersten Aufruhrgeschrei sogleich T\u00fcren und Fenster verrammelt, er selbst aber fl\u00fcchtete sich in den festen Keller seines Hauses, wo seine Sch\u00e4tze lagen und der ihm einige Sicherheit gew\u00e4hren konnte, da er nicht gleich zu finden war. Einen Sack kleiner Brote und einen gro\u00dfen Krug voll Wasser nahm er in aller Eile mit sich. Er hoffte auf diese Weise ohne Mangel zu leiden, mehrere Tage ausharren. zu k\u00f6nnen, bis die Ruhe wieder hergestellt w\u00e4re. Kaum hatte er die eiserne, mit schweren Riegeln versehene T\u00fcre hinter sich geschlossen, h\u00f6rte er, wie das Volk die T\u00fcre seines Hauses sprengte, hineinstr\u00f6mte, sich darin zerstreute und alles zusammenschlug. Er hatte sich auf seine Gelds\u00e4cke gesetzt und wartete so von Stunde zu Stunde, bis es wieder ruhig werden wollte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Angst lie\u00df ihn den Hunger vergessen; als aber der Morgen anbrach, da verlangte die Natur ihr Recht, hungrig griff er in den Sack, worin die Brote waren, zog eins heraus und wollte hineinbei\u00dfen. Aber wehe! es war durch ein Wunder zu Stein geworden und gro\u00dfe Blutstropfen hingen wie Schwei\u00dfperlen daran. Schaudernd warf er es von sich und ergriff ein zweites Brot, allein auch dieses war verwandelt wie das erste. Er versuchte es mit einem dritten und vierten, immer dasselbe, sie waren alle zu Stein geworden. Da lie\u00df er den Sack fallen und nahm den Wasserkrug zur Hand, er wollte wenigstens seinen Durst l\u00f6schen. Entsetzlich! das Wasser war zu Blut geworden. Da fielen ihm alle seine S\u00fcnden ein, die er sein Lebtage gegen andere Menschen begangen, er fiel auf die Knie und betete und versprach, er wolle bereuen und f\u00fcr die kommenden Tage ein besserer Mensch werden, ein Wohlt\u00e4ter und Vater der Armen sein.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als er aber nach beendigtem Gebete wieder in den Sack griff und abermals dieselben schrecklichen Wunderzeichen fand, da ergriff ihn schwere Verzweiflung, er wollte seinem Leben selbst ein Ende machen und seinen Kopf an den harten Steinw\u00e4nden des Kellers zerschmettern, aber auch diese Wohltat wurde ihm nicht zu Teil. Nach dem dritten Versuch st\u00fcrzte er bet\u00e4ubt zu Boden. Viele Stunden lag er so; endlich erwachte er wieder. So begannen abermals Hunger und Durst ihn aufs Grimmigste zu plagen, aber den Keller wagte er nicht zu verlassen, denn im Hause h\u00f6rte er das Geschrei des w\u00fctenden P\u00f6bels, welcher sein Leben wollte. Inmitten seiner Gelds\u00e4cke gab er am Abend des andern Tages elendiglich seinen Geist unter gro\u00dfen Qualen auf.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als nach einigen Tagen die Ruhe wieder hergestellt war, wollte die Magd dem B\u00e4cker die gute Nachricht bringen. Als sie aus seinem Versteck im Keller keine Antwort h\u00f6rte, lie\u00df sie die schwere T\u00fcr mit Gewalt aufbrechen. Man fand den Geizhals mit entstellten Z\u00fcgen auf seinen Gelds\u00e4cken liegen. Das Brot aber war hart wie Stein und voll Blutstropfen, der Wasserkrug mit Blut gef\u00fcllt. Der Reichtum des geizigen B\u00e4ckers fiel, da er keine Erben hatte, an die Stadtkasse.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor vielen, vielen Jahren hat zu Dortmund ein reicher B\u00e4cker gelebt, der hat zwar keinen Gottesdienst vers\u00e4umt und ist in der Kirche immer der And\u00e4chtigste gewesen, allein dabei blieb sein Herz doch hart wie Stein.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4201,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,173,133],"tags":[],"class_list":["post-49","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-maerchen","category-dortmund","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=49"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4202,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49\/revisions\/4202"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4201"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=49"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=49"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=49"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}