{"id":4888,"date":"2026-01-26T12:16:19","date_gmt":"2026-01-26T11:16:19","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4888"},"modified":"2026-01-26T12:16:20","modified_gmt":"2026-01-26T11:16:20","slug":"suppe-aus-einem-wurstspeiler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/suppe-aus-einem-wurstspeiler\/","title":{"rendered":"Suppe aus einem Wurstspeiler"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Suppe aus einem Wurstspeiler<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hans Christian Andersen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>1)\u00a0 Suppe aus einem Wurstspeiler<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas war gestern ein ausgezeichnetes Mittagessen! \u00ab sagte eine alte M\u00e4usefrau zu einer, die nicht bei dem Schmaus gewesen war. \u00bbIch sa\u00df einundzwanzig Pl\u00e4tze von dem alten M\u00e4usek\u00f6nig entfernt; das ist doch gar nicht schlecht! Wenn ich Ihnen nun etwas \u00fcber die G\u00e4nge sagen soll, so waren sie sehr gut zusammengestellt! Schimmliges Brot, Speckschwarte, Talglicht und Wurst \u2013 und dann dasselbe wieder von vorn; das war so gut, als h\u00e4tten wir zwei Mahlzeiten bekommen. Es war eine behagliche Stimmung und gem\u00fctlicher Unsinn wie in einem Familienkreis; nicht das Allergeringste au\u00dfer den Wurstspeilern blieb \u00fcbrig; \u00fcber die sprachen wir dann und auch davon, Suppe aus einem Wurstspeiler zu kochen; geh\u00f6rt davon hatte ja jeder, aber keiner hatte die Suppe gekostet, geschweige denn verstanden sie zu kochen. Es wurde ein allerliebster Toast auf den Erfinder ausgebracht, er verdiene Armenhausvorsteher zu sein! War das nicht witzig? Und der alte M\u00e4usek\u00f6nig erhob sich und gelobte, dass diejenige von den jungen M\u00e4usen, welche die erw\u00e4hnte Suppe am wohlschmeckendsten kochen k\u00f6nne, seine K\u00f6nigin sein solle, Jahr und Tag sollten sie Bedenkzeit haben.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas ist gar nicht so \u00fcbel! \u00ab sagte die andere Maus, \u00bbaber wie kocht man die Suppe? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJa, wie kocht man sie, das fragten auch die andern M\u00e4usedamen, junge und alte. Alle wollten sie gern K\u00f6nigin sein, aber ungern wollten sie sich die M\u00fche machen, in die weite Welt hinauszugehen, um es zu lernen, und das w\u00fcrde wohl notwendig werden! Aber es ist auch nicht jedem gegeben, die Familie und die alten Winkel zu verlassen; nicht alle Tage kommt man drau\u00dfen zu K\u00e4serinde und Speckschwartengeruch, nein, man muss manchmal Hunger leiden, ja, vielleicht wird man gar lebendig von einer Katze gefressen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Gedanken waren es wohl auch, welche die meisten abschreckten, auf Erkundung auszuziehen. Es stellten sich nur vier M\u00e4use zur Abreise ein, jung und flink, aber arm; sie wollten jede an eins der vier Enden der Welt gehen, dann kam es darauf an, wem das Gl\u00fcck zur Seite stand. Jede von ihnen nahm einen Wurstspeiler mit, um sich zu erinnern, weshalb sie reise; er sollte ihr Wanderstab sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Anfang Mai zogen sie fort, und erst im Mai des folgenden Jahres kamen sie zur\u00fcck, jedoch nur drei, die vierte meldete sich nicht, lie\u00df gar nichts von sich h\u00f6ren, und nun war der Tag der Entscheidung da.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJa, dem besten Vergn\u00fcgen h\u00e4ngt doch stets irgendein Kummer an\u00ab, sagte der M\u00e4usek\u00f6nig, aber er gab Befehl, alle M\u00e4use im Umkreis vieler Meilen einzuladen; sie sollten sich in der K\u00fcche versammeln; die drei Reisem\u00e4use standen in einer Reihe f\u00fcr sich; f\u00fcr die vierte, die fehlte, war ein Wurstspeiler mit schwarzem Trauerflor aufgestellt. Niemand wagte seine Meinung zu sagen, bevor die drei gesprochen hatten und der M\u00e4usek\u00f6nig bestimmt hatte, was weiter gesagt werden solle.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun werden wir h\u00f6ren!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>2)\u00a0 Was die erste kleine Maus auf der Reise gesehen und gelernt hatte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAls ich in die weite Welt hinauszog\u00ab, sagte die kleine Maus, \u00bbglaubte ich wie so viele in meinem Alter, ich h\u00e4tte schon alles Wissen der Welt verschlungen, aber das hat man nicht, es geh\u00f6rt Jahr und Tag dazu, ehe das geschieht. Ich ging sogleich zur See; ich fuhr mit einem Schiff, das gen Norden sollte; ich hatte geh\u00f6rt, dass der Schiffskoch sich auf dem Meer zu helfen wissen m\u00fcsse, aber es ist leicht, sich zu helfen, wenn man Speckseiten, Tonnen voll P\u00f6kelfleisch und schimmliges Mehl hat; man lebt delikat, aber man lernt dabei nicht, wie man eine Suppe aus einem Wurstspeiler kochen kann. Wir segelten viele N\u00e4chte und Tage, wir schlingerten und wurden t\u00fcchtig nass. Als wir dorthin kamen, wohin wir sollten, verlie\u00df ich das Fahrzeug; es war hoch oben im Norden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist wunderlich, aus seinem eigenen Winkel zu Hause herauszukommen, mit einem Schiff zu fahren, das auch eine Art Winkel ist, und dann pl\u00f6tzlich \u00fcber hundert Meilen fort zu sein und in einem fremden Land zu stehen. Dort gab es unwegsame W\u00e4lder mit Tannen und Birken, die so stark dufteten! Ich habe das gar nicht gern! Die wilden Kr\u00e4uter dufteten so w\u00fcrzig, ich nieste, ich dachte an Wurst. Dort waren gro\u00dfe Waldseen, das Wasser sah in der N\u00e4he ganz klar aus, aber aus der Ferne wie schwarze Tinte; wei\u00dfe Schw\u00e4ne schwammen dort, ich hielt sie f\u00fcr Schaum, so still lagen sie, aber ich sah sie fliegen, und ich sah sie gehen, da erkannte ich sie; sie geh\u00f6ren zum Geschlecht der G\u00e4nse, das sieht man schon am Gang, niemand kann seine Verwandtschaft verleugnen! Ich hielt mich an meine Art, ich schloss mich den Wald- und Feldm\u00e4usen an, die \u00fcbrigens sehr wenig wissen, besonders was die Bewirtung angeht, und das war es ja gerade, weshalb ich ins Ausland reiste. Der Gedanke, Suppe aus einem Wurstspeiler zu kochen, war ihnen ein so au\u00dferordentlicher Gedanke, dass er sofort durch den ganzen Wald ging, aber die Aufgabe zu l\u00f6sen, das hielten sie f\u00fcr ein Ding der Unm\u00f6glichkeit. Damals dachte ich am wenigsten daran, dass ich dort, und noch in derselben Nacht, in die Zubereitung eingeweiht werden sollte. Es war Mittsommer, und darum duftete der Wald so stark, sagten sie, darum seien die Kr\u00e4uter so w\u00fcrzig, die Seen so klar und doch so dunkel mit ihren wei\u00dfen Schw\u00e4nen. Am Saum des Waldes, zwischen drei, vier H\u00e4usern, war eine Stange errichtet, so hoch wie der Gro\u00dfmast eines Schiffes, und ganz oben hingen Kr\u00e4nze und B\u00e4nder, es war der Maibaum. Knechte und M\u00e4gde tanzten rundherum und sangen dazu mit der Fiedel des Spielmannes um die Wette. Es ging lustig her bei Sonnenuntergang und im Mondenschein, aber ich nahm nicht teil, was soll eine kleine Maus auf dem Waldball! Ich sa\u00df in dem weichen Moos und hielt meinen Wurstspeiler fest. Der Mond schien besonders auf einen Fleck, wo ein Baum mit einem so feinen Moos stand, ja, ich darf wohl sagen, so fein wie das Fell des M\u00e4usek\u00f6nigs, aber es war von gr\u00fcner Farbe und eine Wohltat f\u00fcr die Augen. Da kamen auf einmal die lieblichsten kleinen Leute aufmarschiert, nicht gr\u00f6\u00dfer als dass sie mir bis ans Knie reichten, sie sahen aus wie Menschen, aber sie waren besser proportioniert, sie nannten sich Elfen und hatten feine Kleider aus Bl\u00fctenbl\u00e4ttern mit Fliegen- und M\u00fcckenfl\u00fcgelbesatz, gar nicht \u00fcbel. Es war mir gleich, als ob sie etwas suchten, ich wusste nicht was, aber dann kamen einige auf mich zu, der Vornehmste zeigte auf meinen Wurstspeiler und sagte: \u203aDas ist gerade so einer, wie wir ihn brauchen! Der ist zugespitzt, der ist ausgezeichnet! \u2039 Und je l\u00e4nger er meinen Wanderstab betrachtete, desto entz\u00fcckter wurde er.<\/p>\n\n\n\n<p>\u203aNur leihen, aber nicht behalten! \u2039 sagte ich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u203aNicht behalten! \u2039 sagten sie alle, fassten den Wurstspeiler, den ich loslie\u00df, und tanzten mit ihm zu dem feinen Moosfleck, wo sie den Wurstspeiler mitten im Gr\u00fcnen aufrichteten. Sie wollten auch einen Maibaum haben, und der, den sie nun hatten, war denn auch, als sei er f\u00fcr sie zugeschnitten. Nun wurde er geschm\u00fcckt \u2013 ja, da bekam er erst ein Aussehen!<\/p>\n\n\n\n<p>Kleine Spinnen bespannen ihn mit Golddraht, beh\u00e4ngten ihn mit wehenden Schleiern und Fahnen, so fein gewebt, so schneewei\u00df im Mondenschein gebleicht, dass es mir die Augen blendete; sie nahmen Farben von den Fl\u00fcgeln des Schmetterlings und streuten diese \u00fcber das wei\u00dfe Linnen, und Blumen und Diamanten flimmerten darauf, ich erkannte meinen Wurstspeiler nicht wieder; ein solcher Maibaum fand gewiss nicht seinesgleichen auf der ganzen Welt. Und nun erst kam die richtige gro\u00dfe Elfengesellschaft, die war ganz ohne Kleider, feiner konnte es nicht sein, und mich lud man ein, das Fest mit anzusehen, aber aus einiger Entfernung, denn ich war ihnen zu gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun begann dort ein Spiel! Es war, als kl\u00e4ngen Tausende von Glasglocken, so voll und stark, dass ich glaubte, es w\u00e4ren die Schw\u00e4ne, die sangen, ja, es schien mir, als k\u00f6nnte ich auch den Kuckuck und die Drossel h\u00f6ren, es war zuletzt, als kl\u00e4nge der ganze Wald, da waren Kinderstimmen, Glockenklang und Vogelsang, die lieblichsten Melodien, und all die Herrlichkeit klang aus dem Maibaum der Elfen, der war ein ganzes Glockenspiel und war doch nur mein Wurstspeiler. Dass so viel aus ihm herauskommen k\u00f6nnte, h\u00e4tte ich nie geglaubt, aber es kommt wohl darauf an, in welche H\u00e4nde er ger\u00e4t. Ich war wirklich sehr ger\u00fchrt; ich weinte, wie eine kleine Maus weinen kann, vor lauter Vergn\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nacht war allzu kurz, aber sie ist nun einmal dort oben um diese Zeit nicht l\u00e4nger. In der Morgend\u00e4mmerung kam ein L\u00fcftchen, der Wasserspiegel des Waldsees kr\u00e4uselte sich, all die feinen schwebenden Schleier und Fahnen flogen in der Luft davon; die schaukelnden Lauben aus Spinnweb, die H\u00e4ngebr\u00fccken und Balustraden und wie sie nun hei\u00dfen, die von Blatt zu Blatt errichtet waren, flogen davon, wie nichts; sechs Elfen brachten mir meinen Wurstspeiler wieder und fragten, ob ich irgendeinen Wunsch h\u00e4tte, den sie mir erf\u00fcllen k\u00f6nnten; da bat ich sie, mir zu sagen, wie man Suppe aus einem Wurstspeiler kocht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u203aWie wir es tun? \u2039 sagte der Vornehmste und lachte, \u203adas hast du ja doch soeben gesehen! Du kanntest ja kaum deinen Wurstspeiler wieder! \u2039<\/p>\n\n\n\n<p>\u203aSo meinen Sie es! \u2039 sagte ich und erz\u00e4hlte geradeheraus, warum ich auf Reisen sei und was man sich zu Hause davon verspreche. \u203aWelchen Nutzen\u2039, fragte ich, \u203ahaben der M\u00e4usek\u00f6nig und unser ganzes m\u00e4chtiges Reich dadurch, dass ich diese Herrlichkeit gesehen habe? Ich kann sie nicht aus dem Wurstspeiler sch\u00fctteln und sagen: Seht, hier ist der Wurstspeiler, und nun kommt die Suppe! Das w\u00e4re h\u00f6chstens eine Art Gericht \u2013 wenn man satt w\u00e4re! \u2039<\/p>\n\n\n\n<p>Da tauchte der Elf seinen kleinen Finger in den Kelch eines blauen Veilchens und sagte zu mir: \u203aGib acht! Hier bestreiche ich deinen Wanderstab, und wenn du nach Hause zum Schloss des M\u00e4usek\u00f6nigs kommst, dann ber\u00fchre mit dem Stab die warme Brust deines K\u00f6nigs und es werden Veilchen sprie\u00dfen, den ganzen Stab bedecken, selbst zur k\u00e4ltesten Winterzeit. Sieh, dann hast du doch etwas zu Hause und noch ein bisschen dazu!\u2039\u00ab Aber bevor die kleine Maus sagte, was dieses bisschen sei, richtete sie ihren Stab auf die Brust des K\u00f6nigs, und wirklich, da spross der herrlichste Blumenstrau\u00df hervor, der so stark duftete, dass der M\u00e4usek\u00f6nig befahl, die M\u00e4use, welche dem Schornstein am n\u00e4chsten standen, sollten sofort ihre Schw\u00e4nze ins Feuer stecken, damit man einen brandigen Geruch versp\u00fcre, denn der Veilchenduft sei nicht auszuhalten, der sei nicht die Sorte, die man liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAber was war das bisschen, von dem du sprachst? \u00ab fragte der M\u00e4usek\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJa\u00ab sagte die kleine Maus, \u00bbdas ist das, was man wohl den Effekt nennt! \u00ab Und darauf kehrte sie den Wurstspeiler um, und keine Blume war mehr da, sie hielt nur den nackten Speiler, und diesen hob sie wie einen Taktstock.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbVeilchen, sagte mir der Elf, sind f\u00fcr die Augen, f\u00fcr den Geruch und das Gef\u00fchl, aber es bleibt noch \u00fcbrig, f\u00fcr das Geh\u00f6r und den Geschmack zu sorgen! \u00ab Nun schlug sie den Takt; das war eine Musik, nicht wie sie im Walde beim Fest der Elfen erklang, nein wie sie in der K\u00fcche zu h\u00f6ren ist. Na, das war ein Durcheinander! Es kam pl\u00f6tzlich, gerade als ob der Wind durch alle Essen brauste; Kessel und T\u00f6pfe kochten \u00fcber, die Feuerschaufel donnerte gegen den Messingkessel, und dann wurde es auf einmal still; man h\u00f6rte den ged\u00e4mpften Gesang des Teekessels, so wunderlich, dass man gar nicht wusste, ob er aufh\u00f6rte oder begann; der kleine Topf kochte und der gro\u00dfe Topf kochte, einer k\u00fcmmerte sich nicht um den andern, es war, als sei keine Vernunft im Topf. Und die kleine Maus schwang ihren Taktstock immer wilder \u2013 die T\u00f6pfe sch\u00e4umten, brodelten, kochten \u00fcber, der Wind sauste, der Schornstein pfiff \u2013 huha! Es wurde so entsetzlich, dass die kleine Maus selbst den Stock verlor.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas war eine schwere Suppe! \u00ab sagte der M\u00e4usek\u00f6nig, \u00bbkommt nun nicht bald die Mahlzeit? \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas war das Ganze! \u00ab sagte die kleine Maus und verneigte sich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas Ganze! Ja, dann lasst uns h\u00f6ren, was die N\u00e4chste zu berichten hat! \u00ab sagte der K\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>3)\u00a0 Was die zweite kleine Maus zu erz\u00e4hlen wusste<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch bin in der Schlossbibliothek geboren\u00ab, sagte die zweite Maus, \u00bbich und mehrere aus meiner Familie haben nie das Gl\u00fcck gekannt, in das Speisezimmer, geschweige denn in die Speisekammer zu kommen; erst auf meiner Reise und heute hier sah ich eine K\u00fcche. Wir litten wirklich oft Hunger in der Bibliothek, aber wir erwarben viele Kenntnisse. Zu uns hinauf gelangte das Ger\u00fccht von dem k\u00f6niglichen Preis, der daf\u00fcr ausgesetzt war, Suppe aus einem Wurstspeiler zu kochen, und da war es meine alte Gro\u00dfmutter, die ein Manuskript hervorsuchte, das sie zwar nicht lesen konnte, das sie aber hatte vorlesen h\u00f6ren, und darin stand: \u203aIst man ein Dichter, so kann man Suppe aus einem Wurstspeiler kochen.\u2039 Sie fragte mich, ob ich ein Dichter sei. Ich wusste mich frei davon, und sie sagte, dann m\u00fcsse ich sehen, dass ich es w\u00fcrde; was dazu erforderlich sei, fragte ich, denn es war f\u00fcr mich ebenso schwierig, das herauszufinden, wie die Suppe zu kochen; doch Gro\u00dfmutter war sehr belesen, sie sagte, es seien drei Hauptbestandteile notwendig: \u203aVerstand, Phantasie und Gef\u00fchl, kannst du diese in dich hineinbekommen, so bist du ein Dichter, und dann kommst du wohl auch mit dem Wurstspeiler zurecht!\u2039<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann ging ich gen Westen in die weite Welt hinaus, um Dichter zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Verstand ist bei jedem Ding das wichtigste, das wusste ich, die beiden anderen Teile genie\u00dfen nicht dieselbe Achtung! Ich suchte also zuerst den Verstand. Ja, wo wohnt der wohl? Geh zur Ameise und werde weise! hat ein gro\u00dfer K\u00f6nig im Judenland gesagt, das wusste ich aus der Bibliothek, und ich hielt nicht an, bevor ich zu dem ersten gro\u00dfen Ameisenhaufen kam, dort legte ich mich auf die Lauer, um weise zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ameisen sind ein sehr respektables Volk, sie sind lauter Verstand. Alles bei ihnen ist wie ein richtiges Rechenexempel, das aufgeht. Arbeiten und Eierlegen, sagen sie, hei\u00dft in der Zeit leben und f\u00fcr die Nachwelt sorgen, und das tun sie denn. Sie teilen sich in die sauberen Ameisen und die schmutzigen; der Rang besteht in einer Nummer, die Ameisenk\u00f6nigin ist Nummer eins, und ihre Ansicht ist die einzig richtige, sie hat alle Weisheit geschluckt, und das zu wissen war f\u00fcr mich von Wichtigkeit! Sie sagte so vieles, und das war so klug, dass es mir dumm vorkam. Sie sagte, ihr Ameisenhaufen sei das H\u00f6chste in dieser Welt, aber dicht bei dem Haufen stand ein Baum, der h\u00f6her, viel h\u00f6her war, dass lie\u00df sich nicht leugnen, und so sprach man nicht davon. Eines Abends hatte sich eine Ameise dorthin verirrt, war den Stamm hinaufgekrochen, nicht einmal bis zur Krone, aber doch h\u00f6her, als vorher irgendeine Ameise gekommen war, und als sie umkehrte und wieder nach Hause kam, erz\u00e4hlte sie im Haufen von etwas viel H\u00f6herem drau\u00dfen, aber das fanden die Ameisen beleidigend f\u00fcr die ganze Gesellschaft, und die Ameise wurde deshalb zu Maulkorb und immerw\u00e4hrender Einsamkeit verurteilt. Aber kurze Zeit darauf kam eine andere Ameise zu dem Baum und machte dieselbe Reise und Entdeckung, sie sprach davon vorsichtig und undeutlich, wie man sagte, und da sie au\u00dferdem eine geachtete Ameise und eine der sauberen war, so glaubte man ihr, und als sie starb, setzten sie ihr eine Eierschale als Denkmal, denn sie achteten die Wissenschaften. Ich sah\u00ab, sagte die kleine Maus, \u00bbdass die Ameisen unaufh\u00f6rlich mit ihren Eiern auf dem R\u00fccken umherliefen; eine von ihnen verlor das ihrige, sie gab sich gro\u00dfe M\u00fche, es wieder aufzuheben, aber es wollte ihr nicht gelingen, da kamen zwei andere hinzu und halfen ihr aus Leibeskr\u00e4ften, so dass sie beinahe ihre eigenen Eier dabei verloren h\u00e4tten, aber da lie\u00dfen sie es augenblicklich wieder sein, denn man ist sich selbst am n\u00e4chsten; und die Ameisenk\u00f6nigin sagte dar\u00fcber, hier sei Herz und Verstand gezeigt worden. \u203aDiese beiden stellen uns Ameisen auf die h\u00f6chste Stufe unter den Vernunftwesen. Der Verstand soll und muss das \u00dcberwiegende sein, und ich habe den gr\u00f6\u00dften! \u2039 Und dabei erhob sie sich auf die hintersten Beine, so war sie zu erkennen \u2013 ich konnte nicht fehlgehen \u2013 und ich verschlang sie. Geh zur Ameise und werde weise! Nun hatte ich die K\u00f6nigin!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich ging nun n\u00e4her an den erw\u00e4hnten gro\u00dfen Baum heran, es war eine Eiche, sie hatte einen hohen Stamm, eine m\u00e4chtige Krone und war sehr alt; ich wusste, hier wohnt ein lebendiges Gesch\u00f6pf, ein Weib, Dryade wird es genannt, es wird mit dem Baum geboren und stirbt auch mit ihm; ich hatte davon in der Bibliothek geh\u00f6rt; nun sah ich einen solchen Baum, sah ein solches Eichenm\u00e4dchen; es stie\u00df einen entsetzlichen Schrei aus, als es mich so nahe erblickte; es f\u00fcrchtete sich wie alle Frauen sehr vor M\u00e4usen, aber es hatte doch auch mehr Grund dazu als die anderen, denn ich h\u00e4tte den Baum durchnagen k\u00f6nnen, und an ihm hing ja sein Leben. Ich sprach es freundlich und herzlich an, fl\u00f6\u00dfte ihm Mut ein, und es nahm mich in seine feine Hand, und als es erfuhr, warum ich in die weite Welt gegangen sei, versprach es mir, ich solle vielleicht schon am selben Abend einen der zwei Sch\u00e4tze erhalten, die ich noch suchte. Es erz\u00e4hlte mir, dass Phantasus sein! sehr guter Freund sei, dass er so sch\u00f6n wie der Liebesgott sei und dass er manche Stunde hier unter den belaubten Zweigen des Baumes ruhe, die dann noch kr\u00e4ftiger \u00fcber den beiden rauschten. Er nenne sie seine Dryade, sagte sie, den Baum seinen Baum, die knorrige, m\u00e4chtige sch\u00f6ne Eiche sei gerade nach seinem Sinn, die Wurzel breitete sich tief und fest in der Erde aus, der Stamm und die Krone erhoben sich hoch empor in die frische Luft und kannten den fegenden Schnee, die scharfen Winde und den warmen Sonnenschein, wie man sie kennen soll. Ja, so sprach sie: \u203aDie V\u00f6gel singen dort oben und erz\u00e4hlen von fremden L\u00e4ndern! Und auf dem einzigen d\u00fcrren Zweig hat der Storch sein Nest gebaut, das putzt sch\u00f6n, und man bekommt auch etwas aus dem Land der Pyramiden zu h\u00f6ren. Das alles kann Phantasus gut leiden, es ist ihm noch nicht einmal genug, ich selbst muss ihm von dem Leben im Wald erz\u00e4hlen, als ich noch klein war und der Baum so zart, dass eine Brennnessel ihn verdeckte, bis jetzt, wo er so gro\u00df und m\u00e4chtig geworden ist. Setz dich nun dort unter den gr\u00fcnen Waldmeister und gib wohl acht, ich werde, wenn Phantasus kommt, schon Gelegenheit finden, ihn in den Fl\u00fcgel zu kneifen und eine kleine Feder auszurupfen, nimm sie, eine bessere hat kein Dichter bekommen \u2013 dann hast du genug !\u2039<\/p>\n\n\n\n<p>Und Phantasus kam, die Feder wurde ausgerupft, und ich nahm sie\u00ab, sagte die kleine Maus, \u00bbich hielt sie ins Wasser, damit sie weich w\u00fcrde! \u2013 Sie war noch sehr schwer verdaulich, aber ich habe sie doch aufgenagt! Es ist durchaus nicht leicht, sich zum Dichter zu nagen, es gibt so vieles, was man in sich aufnehmen muss. Nun hatte ich ja die zwei Dinge, Verstand und Phantasie, und durch diese wusste ich nun, dass das dritte Ding in der Bibliothek zu finden sei, denn ein gro\u00dfer Mann hat gesagt und geschrieben, dass es Romane gibt, die allein dazu da sind, um die Menschen von den \u00fcberfl\u00fcssigen Tr\u00e4nen zu befreien, also eine Art Schwamm sind, um die Gef\u00fchle aufzusaugen. Ich erinnerte mich an einige dieser B\u00fccher, die mir immer ganz appetitlich ausgesehen hatten, sie waren so zerlesen, so fettig, sie m\u00fcssen eine unendliche Flut in sich aufgenommen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich ging heim in die Bibliothek, fra\u00df gleich so gut wie einen ganzen Roman, das hei\u00dft das Weiche, das Eigentliche, die Kruste dagegen, den Einband, lie\u00df ich liegen. Als ich ihn verdaut hatte, und noch einen dazu, vernahm ich schon, wie es sich in meinem Innern regte, ich fra\u00df noch ein wenig von dem dritten, und dann war ich ein Dichter, das sagte ich mir selbst und sagte es auch den andern; ich hatte Kopfschmerzen und Leibschmerzen, ich wei\u00df nicht, was ich alles f\u00fcr Schmerzen hatte; ich dachte nur dar\u00fcber Nacht, welche Geschichten wohl in Beziehung zu einem Wurstspeiler gebracht werden k\u00f6nnten, und sehr viele Speiler und andere H\u00f6lzchen kamen mir in den Sinn, die Ameisenk\u00f6nigin hat einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Verstand gehabt; ich erinnerte mich des Mannes, der ein wei\u00dfes H\u00f6lzchen in den Mund nahm, und dann war er mitsamt dem H\u00f6lzchen unsichtbar; ich dachte an \u00bbvom H\u00f6lzchen aufs St\u00f6ckchen kommen\u00ab, an \u00bbden Stab \u00fcber einen brechen\u00ab\u2039 und andere Spr\u00fcche. Alle meine Gedanken gingen in Speilern und H\u00f6lzchen auf! Und davon m\u00fcsste auch gedichtet werden k\u00f6nnen, wenn man ein Dichter ist, und der bin ich, ich habe mich geschunden, bis ich es endlich geworden bin. Ich werde Ihnen somit an jedem Tag der Woche mit einem Speiler, einer Geschichte aufwarten k\u00f6nnen \u2013 ja, das ist meine Suppe! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbLasst uns nun die dritte h\u00f6ren! \u00ab sagte der M\u00e4usek\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbPiep, piep!\u00ab sagte es in der K\u00fcchent\u00fcr, und eine kleine Maus, es war die vierte von ihnen, diejenige, welche man tot w\u00e4hnte, schoss herein wie ein Pfeil; sie rannte den Wurstspeiler mit dem Trauerflor um, sie war Tag und Nacht gelaufen, war auf der Eisenbahn mit dem G\u00fcterzug gefahren, wozu sie Gelegenheit gefunden hatte, und doch war sie fast zu sp\u00e4t gekommen; sie dr\u00e4ngte sich hervor, sah zerzaust aus, hatte ihren Wurstspeiler verloren, aber nicht die Sprache, sie ergriff sofort das Wort, als wenn man nur auf sie gewartet h\u00e4tte, nur sie anh\u00f6ren wollte, als wenn alles andere in der Welt die Welt nichts anginge; sie sprach sofort, sprach sich aus; sie kam so unerwartet, dass niemand Zeit gewann, sich \u00fcber sie und \u00fcber ihre Rede aufzuhalten, w\u00e4hrend sie sprach. Nun, wir wollen h\u00f6ren!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>4)\u00a0 Was die vierte Maus, bevor die dritte gesprochen hatte, zu erz\u00e4hlen wusste<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch ging sogleich in die gr\u00f6\u00dfte Stadt\u00ab, sagte sie \u00bbder Name ist mir entfallen, ich habe ein schlechtes Namenged\u00e4chtnis. Von der Eisenbahn kam ich mit konfiszierten G\u00fctern aufs Rathaus, und dort lief ich zum Schlie\u00dfer; er sprach von seinen Gefangenen, besonders von einem, der unbesonnene Worte gesprochen hatte, und \u00fcber diese war wieder gesprochen und gesprochen, gelesen und geschrieben worden. \u00bbDas Ganze ist Suppe aus einem Wurstspeiler! \u00ab sagte er, \u00bbaber die Suppe kann ihn den Kopf kosten! \u00ab Das fl\u00f6\u00dfte mir nun Interesse f\u00fcr den Gefangenen ein\u00ab, sagte die kleine Maus, \u00bbich benutzte die Gelegenheit und huschte zu ihm hinein; ein Mauseloch findet sich immer hinter verschlossenen T\u00fcren! Er sah blass aus, hatte einen gro\u00dfen Bart und gro\u00dfe funkelnde Augen. Die Lampe qualmte, und die W\u00e4nde waren daran gew\u00f6hnt, sie wurden nicht schw\u00e4rzer. Der Gefangene ritzte Bilder und Verse mit Wei\u00df auf Schwarz, ich las sie nicht. Ich glaubte, er langweilte sich; ich war ein willkommener Gast. Er lockte mich mit Brotkr\u00fcmeln, mit Pfeifen und sanften Worten; er freute sich so \u00fcber mich, ich fasste Vertrauen zu ihm, und so wurden wir Freunde. Er teilte Brot und Wasser mit mir, gab mir K\u00e4se und Wurst; ich lebte flott; aber es war doch, muss ich sagen, besonders der gute Umgang, der mich hielt. Er lie\u00df mich auf seiner Hand, auf seinem Arm, ganz in den \u00c4rmel hinauflaufen; er lie\u00df mich in seinem Bart umherkriechen, nannte mich seinen kleinen Freund; ich gewann ihn ordentlich lieb \u2013 so etwas ist wohl gegenseitig! Ich verga\u00df meinen Auftrag in der weiten Welt, verga\u00df meinen Wurstspeiler in einer Ritze im Fu\u00dfboden, dort liegt er noch. Ich wollte bleiben, wo ich war; ginge ich fort, dann h\u00e4tte ja der arme Gefangene gar niemanden, und das ist zu wenig in dieser Welt! \u2013 Ich blieb, er blieb nicht! Er sprach das letzte Mal recht traurig zu mir, gab mir doppelt so viel Brot und K\u00e4serinde wie sonst und warf mir dann Kussh\u00e4nde zu; er ging und kam nie wieder. Ich kenne seine Geschichte nicht. \u00bbSuppe aus einem Wurstspeiler!\u00ab sagte der Schlie\u00dfer, und zu diesem ging ich nun, doch ihm h\u00e4tte ich nicht trauen sollen; er nahm mich zwar in seine Hand, aber er steckte mich in einen K\u00e4fig, in eine Tretm\u00fchle; das ist entsetzlich! Man l\u00e4uft und l\u00e4uft und kommt nicht weiter und ist nur zum Gel\u00e4chter da!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Enkelin des Schlie\u00dfers war eine allerliebste Kleine, mit goldgelben Lockenhaar, fr\u00f6hlichen Augen und lachendem Mund. \u00bbArme kleine Maus! \u00ab sagte sie, guckte in meinen h\u00e4sslichen K\u00e4fig hinein, zog den Eisenstab heraus \u2013 und ich sprang aufs Fensterbrett und in die Dachrinne hinaus. Frei! Frei! Daran allein dachte ich und nicht an das Ziel der Reise!<\/p>\n\n\n\n<p>Es war dunkel, es war Nachtzeit, ich suchte Obdach in einem alten Turm; dort wohnten ein W\u00e4chter und eine Eule; ich traute keinem von beiden, am wenigsten der Eule; sie gleicht einer Katze und hat den gro\u00dfen Fehler, dass sie M\u00e4use frisst; aber man kann sich irren, und das tat ich; sie war eine respektable, au\u00dferordentlich gebildete alte Eule, sie wusste mehr als der W\u00e4chter und ebensoviel wie ich; die Eulenjungen machten von jedem Ding ein Aufheben. \u00bbKocht nur keine Suppe aus einem Wurstspeiler! \u00ab sagte sie, das war das Allerh\u00e4rteste, was sie sagen konnte, sie war so herzlich zu ihrer eigenen Familie. Ich fasste ein solches Vertrauen zu ihr, dass ich ihr aus der Spalte, in der ich sa\u00df, \u00bbpiep\u00ab zurief; dieses Zutrauen gefiel ihr sehr, und sie versicherte mir, dass ich unter ihrem Schutz stehen solle; keinem Tier solle es erlaubt sein, mir B\u00f6ses anzutun, das wolle sie selbst zum Winter tun, wenn es schmale Kost gebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie war in allem klug; sie bewies mir, dass der W\u00e4chter ohne das Horn, das lose an seiner Seite hing, nicht tuten k\u00f6nnte; \u00bbEr bildete sich entsetzlich viel darauf ein, er glaubt, er sei eine Eule im Turm. Etwas Gro\u00dfes soll es sein, aber es ist wenig! Suppe aus einem Wurstspeiler! \u00ab Ich bat sie, mir das Rezept zu geben, und nun erkl\u00e4rte sie es mir: \u00bbSuppe aus einem Wurstspeiler ist nur eine menschliche Redensart und ist auf verschiedene Weise zu verstehen, und ein jeder h\u00e4lt seine Weise f\u00fcr die richtigste; aber das Ganze ist eigentlich nichts! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNichts! \u00ab sagte ich. Das traf mich. Die Wahrheit ist nicht immer angenehm, aber die Wahrheit ist das H\u00f6chste! Das sagte auch die alte Eule. Ich dachte dar\u00fcber nach und sah ein: wenn ich das H\u00f6chste br\u00e4chte, dann br\u00e4chte ich viel mehr als Suppe aus einem Wurstspeiler. Und dann eilte ich fort, damit ich noch zur rechten Zeit nach Hause k\u00e4me und das H\u00f6chste und Beste br\u00e4chte: die Wahrheit. Die M\u00e4use sind ein aufgekl\u00e4rtes Volk, und der M\u00e4usek\u00f6nig steht \u00fcber ihnen allen. Er ist imstande, mich um der Wahrheit willen zur K\u00f6nigin zu machen! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDeine Wahrheit ist L\u00fcge! \u00ab sagte die Maus, die noch nicht Erlaubnis zum Sprechen bekommen hatte. \u00bbIch kann die Suppe kochen, und das werde ich auch tun!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>5)\u00a0 Wie sie gekocht wurde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch bin nicht gereist\u00ab, sagte die dritte Maus, \u00bbich bin im Land geblieben, das ist das Richtige! Man braucht nicht zu reisen, man kann hier alles ebenso gut bekommen. Ich blieb! Ich habe das Meinige nicht von \u00fcbernat\u00fcrlichen Wesen gelernt, es mir nicht angefressen oder mit Eulen gesprochen. Ich habe das Meinige durch Selbstdenken erworben. Wollen Sie nun den Kessel aufsetzen, Wasser hineinf\u00fcllen! Ganz voll! Feuer anmachen! Brennen lassen, bis das Wasser kocht \u2013 es muss sprudelnd kochen! Nun den Speiler hineinwerfen! \u2013 Wollen der M\u00e4usek\u00f6nig nun geruhen, seinen Schwanz in das sprudelnd Kochende hineinzustecken und umzur\u00fchren! Je l\u00e4nger Er umr\u00fchrt, desto kr\u00e4ftiger wird die Suppe; es kostet nichts! Sie bedarf keiner Zutaten \u2013 nur umr\u00fchren! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbKann das nicht ein anderer tun? \u00ab fragte der K\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNein\u00ab, sagte die Maus, \u00bbdie Kraft ist nur im Schwanz des M\u00e4usek\u00f6nigs! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und das Wasser kochte und sprudelte, und der M\u00e4usek\u00f6nig stellte sich dicht daran, es war beinah gef\u00e4hrlich, und er streckte den Schwanz aus, so wie es die M\u00e4use in der Milchkammer tun, wenn sie den Rahm aus einem Napf absch\u00f6pfen und sich darauf den Schwanz ablecken, aber er bekam den seinigen nur bis in den hei\u00dfen Dampf hinein dann sprang er sofort herunter.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNat\u00fcrlich, du bist meine K\u00f6nigin!\u00ab sagte er, \u00bbmit der Suppe wollen wir bis zu unserer goldenen Hochzeit warten, denn so haben die Armen meines Reiches etwas, worauf sie sich freuen k\u00f6nnen, und eine lange Freude!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann hielten sie Hochzeit; aber mehrere M\u00e4use sagten, als sie nach Hause kamen: \u00bbDas konnte man doch nicht Suppe aus einem Wurstspeiler nennen, das war eher Suppe aus einem M\u00e4useschwanz! \u00ab \u2013 Dieses und jenes von dem, was erz\u00e4hlt worden war, fanden sie ganz gut; das Ganze aber h\u00e4tte anders sein k\u00f6nnen! \u00bbIch h\u00e4tte es nun so und so erz\u00e4hlt \u2013!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das war die Kritik, und die ist immer so klug \u2013 hinterdrein.<\/p>\n\n\n\n<p>Und diese Geschichte ging um die Welt, die Meinungen \u00fcber sie waren geteilt, aber die Historie selbst blieb ganz; und das ist das richtigste, im Gro\u00dfen wie im Kleinen und bei der Suppe aus einem Wurstspeiler; man muss nur keinen Dank daf\u00fcr erwarten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbDas war gestern ein ausgezeichnetes Mittagessen! \u00ab sagte eine alte M\u00e4usefrau zu einer, die nicht bei dem Schmaus gewesen war. \u00bbIch sa\u00df einundzwanzig Pl\u00e4tze von dem alten M\u00e4usek\u00f6nig entfernt; das ist doch gar nicht schlecht!<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3653,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[88,85],"tags":[],"class_list":["post-4888","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-hans-chr-andersen","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4888","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4888"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4888\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4889,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4888\/revisions\/4889"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3653"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4888"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4888"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4888"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}