{"id":470,"date":"2015-10-08T00:00:37","date_gmt":"2015-10-07T22:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=470"},"modified":"2026-01-24T18:25:17","modified_gmt":"2026-01-24T17:25:17","slug":"der-geizige-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-geizige-mann\/","title":{"rendered":"Der geizige Mann"},"content":{"rendered":"<p>T\u00fcrkisches M\u00e4rchen<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">In alter Zeit, als die Fliege noch Imam war, als meine Mutter meine Wiege schaukelte, hat sie sie umgeworfen. Mein Vater ergriff die Feuerzange, meine Mutter packte die Wiege und ging um die vier Ecken. Als das Kamel noch Ausrufer, der Esel noch Barbier war und ich die Wiege meines Vaters schaukelte, da hatte einmal eine arme Frau drei T\u00f6chter. Diese waren sehr arm.<br \/>\nDa kam eines Tages ein Reiter auf einem Pferd aus Sma\u00adragd und mit goldenem Wagen, indem er den Staub zu Wolken aufwirbelte, und machte vor ihrem Haus halt. Er klopfte an die T\u00fcr und w\u00fcnschte die \u00e4lteste Tochter von der Frau, Damit war die Frau einverstanden und gab sie ihm.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Mann machte sich mit dem M\u00e4dchen auf den Weg. Nach zwei Tagen und zwei N\u00e4chten kamen sie vor ein gro\u00dfes Schloss. Der Mann nahm eine Dose aus seiner Tasche, aus der Dose kam eine andere, aus dieser wieder eine andere und schlie\u00dflich kam aus der letzten Dose eine kleine Kichererbse zum Vorschein. Diese reichte er dem M\u00e4dchen mit den Worten:<br \/>\n&#8222;Die H\u00e4lfte dieser Erbse geh\u00f6rt dir, die andere mir. Das ist schon zu viel, aber verzeih mir.&#8220;<br \/>\nDas arme M\u00e4dchen war aus Angst einverstanden. Am fol\u00adgenden Tag gab ihr Gatte ihr zehn Para mit der Mahnung:<br \/>\n&#8222;Nimm das Geld und geh zum Bad!&#8220;<br \/>\nSogleich holte das M\u00e4dchen seine goldenen Holzsandalen und die Badeausr\u00fcstung und begab sich zum Bad. Nachdem es ordentlich gebadet hatte, gab es, als es hinausging, dem Badew\u00e4rter die zehn Para. Dar\u00fcber war der Badew\u00e4rter sehr erfreut und trug ihr die Holzsandalen und die Badeausr\u00fcstung nach Hause. Dar\u00fcber war der Mann erz\u00fcrnt und sperrte seine Frau im Keller ein.<br \/>\nAm folgenden Tag ging der Mann ins Haus der Mutter des M\u00e4dchens und sprach:<br \/>\n&#8222;Die \u00e4lteste Schwester w\u00fcnscht ihre j\u00fcngere Schwester zu sehen.&#8220; Mit der j\u00fcngeren Schwester begab er sich heim.<br \/>\nWie die \u00e4ltere Schwester schickte er auch sie zum Bade. Weil dem M\u00e4dchen aber die goldenen Holzsandalen ge\u00adstohlen worden waren, warf er auch es in den Keller.<br \/>\nSchlie\u00dflich begab er sich noch einmal zum Hause der M\u00e4d\u00adchen, um die j\u00fcngste Tochter zu erbitten, und behandelte sie in derselben Weise. Als er nach Hause gekommen war, gab er dem M\u00e4dchen eine Erbse, worauf das M\u00e4dchen entgegnete:<br \/>\n&#8222;Ich esse \u00fcberhaupt nichts! Warum sollen wir es tun? Wir wollen sie f\u00fcr morgen aufbewahren.&#8220;<br \/>\nDiese Antwort gefiel dem Mann sehr und er gab dem M\u00e4d\u00adchen einundvierzig Schl\u00fcssel mit der Weisung:<br \/>\n&#8222;Vierzig T\u00fcren kannst du \u00f6ffnen, aber die einundvierzigste T\u00fcr darfst du nicht \u00f6ffnen.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Das M\u00e4dchen war damit einverstanden und begann die T\u00fcren zu \u00f6ffnen. Als es zum letzten Zimmer gekommen war, da z\u00f6gerte es etwas, \u00f6ffnete dann aber und trat ein. Drinnen sah es eine eiserne T\u00fcr. Als es diese eiserne T\u00fcr ge\u00f6ffnet hatte, da ergossen sich Goldmassen \u00fcber den Raum. Das M\u00e4dchen sammelte nun all das viele Gold.<br \/>\nAm folgenden Tag gab der arme Mann dem M\u00e4dchen zehn Para mit den Worten:<br \/>\n&#8222;Geh damit zum Bad und bring f\u00fcnf Para davon zur\u00fcck!&#8220;<br \/>\nDas M\u00e4dchen holte die Holzsandalen und die Badeaus\u00adr\u00fcstung und ging zum Bad. Als es dann hinausging, gab es etwas von dem Gold, das es aufbewahrt hatte, dem Bade\u00adw\u00e4rter. Zu Hause angekommen, gab es das Geld dem Mann zur\u00fcck:<br \/>\n&#8222;Ich habe im Badehaus ohne Geld gebadet.&#8220;<br \/>\nDaraufhin ging der Mann auf die Stra\u00dfe. Unterwegs sah er, wie zwei Kinder sich wegen eines Vogels stritten. Jedem von beiden gab er f\u00fcnf Para und kaufte den Vogel. Als er heimgekommen war, sagte er zu dem M\u00e4dchen:<br \/>\n&#8222;Nimm ihn, du kannst einen Fl\u00fcgel einen Monat lang, den anderen einen Monat lang, seinen Kopf zwei Monate und seinen K\u00f6rper acht Monate lang essen. Alles das reicht dir f\u00fcr ein Jahr.&#8220;<br \/>\nAn jenem Tage waren nun der Kadi, der Imam und der B\u00fcrgermeister des Stadtviertels in dem Haus zu Gast. Das schlaue M\u00e4dchen brachte zusammen mit dem Essen, welches sie fr\u00fcher vorbereitet hatte, den ganzen Vogel auf den Tisch. Als der Mann das sah, da schwanden ihm die Sinne und er begann zu stottern:<br \/>\n&#8222;Alles, alles, aber auch alles&#8230;&#8220;<br \/>\nDa wandte sich das M\u00e4dchen an den Imam, den Kadi und den B\u00fcrgermeister:<br \/>\n&#8222;Da h\u00f6rt ihr es ja, er sagt: Mein ganzes Hab und Gut soll dir geh\u00f6ren! Ihr seid Zeugen!&#8220;<br \/>\nIn der Tat, der Mann starb und das M\u00e4dchen erhielt all sein Hab und Gut.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie befreite ihre Geschwister und brachte sie zu ihrer Mut\u00adter zur\u00fcck. Sie a\u00dfen, tranken und lebten gut. Sie haben ihr Ziel erreicht, wir wollen es uns gem\u00fctlich machen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T\u00fcrkisches M\u00e4rchen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,140,133],"tags":[],"class_list":["post-470","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-tuerkei","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/470","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=470"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/470\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":471,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/470\/revisions\/471"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=470"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=470"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=470"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}