{"id":461,"date":"2015-10-07T21:25:30","date_gmt":"2015-10-07T19:25:30","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=461"},"modified":"2025-12-15T13:28:53","modified_gmt":"2025-12-15T12:28:53","slug":"der-geiger-und-seine-drei-gesellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-geiger-und-seine-drei-gesellen\/","title":{"rendered":"Der Geiger und seine drei Gesellen"},"content":{"rendered":"<p>Johann Wilhelm Wolf<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEin Graf hatte einen Geiger in seinem Schlosse, der spielte gar sch\u00f6n und vertrieb ihm manche b\u00f6se Laune. Pl\u00f6tzlich starb aber der Graf, und da hatte der arme Geiger kein Brod mehr, denn die Erben wiesen ihn aus dem Schlosse und er konnte betteln gehn. Da geigte er vor den T\u00fcren der Reichen und der Armen und bekam wohl auch Geld und Brod, aber es kam ihm doch hart an, da er es viel besser gewohnt war. Bettelbrot, saures Brot, dachte er oft und war recht betr\u00fcbt, so dass ihm das Weinen n\u00e4her stand als das Lachen. Eines Abends kam er in einen Wald, da legte er sich unter einer Eiche nieder, betete recht fromm und schlief ein. Als er morgens aufwachte, stand ein alter Mann mit grauen Haaren vor ihm, der sah ihn an und fragte: &#8222;Lieber Musikant, wo fehlt&#8217;s denn? Ich d\u00e4chte, du m\u00fcsstest immer lustig sein.\u201c Der Geiger klagte ihm seine Not, da sprach der Greis: &#8222;Dir kann geholfen werden. Gehe in dem Walde fort, so kommst du an ein altes verfallenes Schloss, da geh hinein, r\u00fchre aber nichts an, bis du an ein Zimmer kommst, worin ein Korb mit drei jungen Schweinchen steht, die nimm mit, sie sind dein Gl\u00fcck.\u201c \u201eWie verstehe ich das?\u201c fragte der Geiger und der Greis antwortete: &#8222;Wenn du geigest, tanzen sie. Nimm sie mit zu des K\u00f6nigs Schloss, da wohnt die Prinzessin, die ist zwanzig Jahre alt und hat noch nie gelacht. Wer sie aber zum Lachen bringt, soll sie zur Gemahlin bekommen, das hat der K\u00f6nig ausrufen lassen, und sie wird lachen, wenn sie deine drei Schweinchen tanzen sieht. Jetzt wei\u00dft du genug. Fehlt dir in der Folge etwas, dann denke nur an mich und ich will bei dir sein.\u201c<\/p>\n<p>Der Geiger dankte dem Greis und ging in dem Walde fort, bis er an eine gro\u00dfe Lichtung kam, da lag das Schloss. Es sah zwar von au\u00dfen verfallen aus, aber als er hinein kam, war es gar sch\u00f6n darin. Im Hofe lag ein gro\u00dfer Weiher, darauf schwammen drei schwarze Schw\u00e4ne, die lie\u00dfen die K\u00f6pfe h\u00e4ngen, als ob sie traurig w\u00e4ren. In den Zimmern waren gro\u00dfe Reicht\u00fcmer aufgeh\u00e4uft, aber alles war schwarz ausgeschlagen. In dem letzten Zimmer endlich stand der Korb mit den drei Schweinchen, den nahm der Geiger und kehrte zur\u00fcck bis vor das Schloss; da holte er seine Geige heraus und spielte einen Hopser. Alsbald sprang das erste Ferkel heraus, stellte sich auf die Hinterbeine, wedelte mit dem Schw\u00e4nzchen und machte mit den Vorderf\u00fc\u00dfen allerhand Bewegungen. Da kam das zweite hinzu und gleich drauf das dritte, und alle drei tanzten und sprangen und quieksten dazu, dass der Geiger sich h\u00e4tte totlachen m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Jetzt schwoll ihm der Mut und er zog getrost der Hauptstadt des K\u00f6nigreiches zu. Da stellte er sich vor das Schloss auf den gro\u00dfen Platz und fing an zu geigen und spielte so sch\u00f6n, dass der K\u00f6nig mit seiner ganzen Familie ans Fenster kam, auch die sch\u00f6ne Prinzessin. Als der Geiger sie sah und wie sie ein so trostloses Gesicht machte, \u00f6ffnete er seinen Korb, da sprangen die Schweinchen eins nach dem andern heraus und tanzten so possig, dass die Prinzessin vor Lachen gar nicht zu sich kommen konnte und rief und flehte, er m\u00f6ge doch die Ferkel wieder einsperren, sie st\u00fcrbe sonst vor Lachen. Da wurde der Geiger ins Schloss beschieden und der K\u00f6nig fragte ihn, was er f\u00fcr seine Schweinchen haben wolle? &#8222;Ich verkaufe sie nicht&#8220;, sprach der Geiger, &#8222;denn sie tanzen nur, wenn ich aufspiele, aber ich begehre nun die Prinzessin zur Frau, da ich sie zum Lachen gebracht habe.\u201c \u201eDas versteht sich von selbst, komm lass uns zu ihr gehen&#8220;, sprach der K\u00f6nig.<\/p>\n<p>Als sie zu ihr kamen und der K\u00f6nig ihr sagte, der Geiger sei ihr Br\u00e4utigam, \u00e4rgerte sie sich, denn sie war gar stolzen und hochfahrenden Sinnes. &#8222;Wenn mein Vater dir eine Aufgabe gestellt hat, um mich zu erwerben&#8220;, sprach sie, &#8222;so stelle ich dir auch eine und die ist, dass du drei N\u00e4chte in dem verw\u00fcnschten Schloss im Walde schl\u00e4fst. Jetzt gehe und komme mir nicht eher wieder vor die Augen, bis du die Aufgabe gel\u00f6st hast. \u201cDa ging der Geiger gar traurig weg und der K\u00f6nig, dem das leid tat, f\u00fchrte ihn in ein sch\u00f6nes Zimmer und lie\u00df ihn pr\u00e4chtig bedienen. Er a\u00df aber nichts und trank nichts, blieb auch nicht in dem Schlosse, sondern ging in den Wald. Da fiel ihm ein, was der Greis ihm gesagt hatte und er dachte sehnlich an ihn; sogleich stand der Greis neben ihm, so schnell, als wenn die Sonne pl\u00f6tzlich hinter den Wolken hervorkommt und man mit einem male seinen Schatten neben sich sieht. &#8222;Was fehlt dir denn? Du siehst so traurig aus&#8220;, fragte der Greis. Der Geiger erz\u00e4hlte ihm Alles und der Greis gab ihm gute Rathschl\u00e4ge, so dass er fr\u00f6hlichen Herzens dem Schlosse zuschritt.<\/p>\n<p>Es war dasselbe Schloss, wo er die drei Schweinchen geholt hatte. Als er in den Hof kam, hoben die drei schwarzen Schw\u00e4ne die K\u00f6pfe und schlugen mit den Fl\u00fcgeln, als ob sie sich freuten. Er kehrte sich aber nicht an sie, sondern ging in das vierte der schwarzen Zimmer, da stand ein Tisch mit allerlei Speisen und er lie\u00df es sich recht wohl schmecken. Gegen elf Uhr in der Nacht nahm er einige Kissen von dem Bette, welches in der Stube stand, legte sie auf den Boden und sich darauf, wie ihm der Greis befohlen hatte; einschlafen aber konnte er nicht. Er lag nicht lange, als die T\u00fcr aufsprang und eine gro\u00dfe Schlange sich hereinringelte, die kam auf ihn zu und legte ihren kalten Kopf in sein rechtes Ohr. Gleich darauf sprang die T\u00fcr wieder auf und eine zweite Schlange kam, welche ihren Kopf in sein linkes Ohr legte. Dann kam zuletzt eine dritte, die legte sich mit ihrem kalten glatten Leibe quer \u00fcber seinen Hals und sie war so schwer, dass sie ihn wie ein M\u00fchlstein dr\u00fcckte. Also blieben sie alle drei liegen bis zw\u00f6lf Uhr, dann krochen sie wieder der T\u00fcr zu und waren verschwunden; er aber stand auf, und legte sich in sein Bett, wo er nach dem ausgestandenen Schrecken ganz pr\u00e4chtig schlief, denn dass er nicht ohne Angst war, kann man sich wohl denken. Am Morgen stand sein Fr\u00fchst\u00fcck schon bereit, das lie\u00df er nicht kalt werden, denn er hatte gewaltigen Hunger. Alsdann ging er in dem Schlosse umher und schaute sich die Zimmer alle an. Zuletzt kam er auch in den Schlosshof und an den Teich; da flogen die Schw\u00e4ne auf ihn zu und taten gar freundlich mit ihm. Sie waren aber nicht mehr ganz schwarz, wie am Tage vorher, sondern ihre K\u00f6pfe und H\u00e4lse waren jetzt schneewei\u00df. Er strich sie mit den H\u00e4nden \u00fcber ihr Gefieder, da blickten sie ihn mit gar klugen Augen an, so dass ihm ganz sonderbar ums Herz wurde.<\/p>\n<p>Also ging ihm die Zeit vor\u00fcber bis zum Abend, da machte er sich sein Lager zurecht und bald kamen die Schlangen wieder und legten sich zu ihm, wie in der vorigen Nacht. Diesmal dr\u00fcckte ihn die eine, welche auf seinem Halse lag, noch viel schwerer, doch er r\u00fchrte und regte sich nicht und um zw\u00f6lf Uhr verschwanden sie wieder. Als er des Morgens an den Teich im Schlosshofe kam, ach da flatterten die Schw\u00e4ne gar zu freudig auf dem Wasser und sie waren jetzt wei\u00df bis zum Schwanze, der hatte noch einige schwarze Federn. Das freute ihn so sehr, dass ihm der Tag verstrich, er wusste nicht wie.<\/p>\n<p>In der folgenden Nacht ging&#8217;s ihm wieder, wie die beiden vorigen N\u00e4chte, nur dr\u00fcckte ihn die dicke Schlange diesmal, dass er es kaum aushalten konnte und all seine Kraft zusammen nehmen musste, um nicht zu schreien. Als die Schlangen aber um zw\u00f6lf Uhr verschwanden, da krachte das Schloss, als sollte es zusammenbrechen, dann wurde es ganz still. Morgens stand er schon fr\u00fch auf, um nach seinen lieben Schw\u00e4nen zu sehen, aber als er die T\u00fcr seines Zimmers \u00f6ffnete, da kam im Gange eine ganze Reihe von Dienern und Dienerinnen daher geschritten und zuletzt drei sch\u00f6ne Jungfrauen, die traten zu ihm heran und sprachen: &#8222;Wir waren die drei Schw\u00e4ne und die drei Schlangen, du hast uns erl\u00f6st aus unserer Verw\u00fcnschung. Wir gehen nun heim zu unserm Vater und schenken dir zum Danke dies Schloss mit allen Sch\u00e4tzen, welche darin sind.\u201c Als dann nahmen sie Abschied von ihm, setzten sich in einen Wagen und fuhren weg.<\/p>\n<p>Nun wurde ihm die Zeit bald zu lang in dem Schloss, er befahl den Dienern, den sch\u00f6nsten Wagen mit den sch\u00f6nsten Pferden zu bespannen und fuhr in das Schloss des K\u00f6nigs. Diesem erz\u00e4hlte er Alles und er f\u00fchrte ihn zu der Prinzessin, sprach: &#8222;Er hat sein Leben f\u00fcr dich eingesetzt und jetzt musst du ihn heiraten; er kann dich ern\u00e4hren, denn er hat ein Schloss mit gro\u00dfen Reicht\u00fcmern.\u201c Sie antwortete: &#8222;Die Sch\u00e4tze sind mir nicht genug, er muss vorher beim Kaiser von Marokko das Geld holen, welches derselbe uns seit Jahren schuldig ist; es ist eine ganze Schatzkammer voll.\u201c Das \u00e4rgerte den K\u00f6nig, aber er war recht schwach und die Prinzessin war gar eigensinnig und wenn sie etwas wollte, so setzte sie es durch. So blieb dem Geiger nichts \u00fcbrig, als zu sehen, wie er diese neue Aufgabe erf\u00fcllen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Er ging vor die Stadt hinaus, da fiel ihm der Greis ein und kaum dachte er an ihn, so stand er auch schon da. &#8222;Du siehst mir ja wieder recht betr\u00fcbt aus, was fehlt dir denn?\u201c fragte der Greis und der Geiger erz\u00e4hlte ihm von der neuen Aufgabe, die so schwer sei, dass er nicht wisse, wie man sie ohne eine gro\u00dfe Flotte mit vieler Seemannschaft l\u00f6sen k\u00f6nne. Sprach der Greis: &#8222;Nimm dir Reisegeld aus deinem Schlosse und reise ans Meer. Unterwegs werden dir wackere Gesellen aufsto\u00dfen, die nimm mit, sie sind dir von gro\u00dfem Nutzen.\u201c Da wurde der Geiger wieder guten Mutes, stopfte sich in seinem Schlosse die Taschen voll Geld und zog dem Meere zu.<\/p>\n<p>Der Weg f\u00fchrte aber durch einen Wald, der war sehr lang. Als er eine Tagereise weit darin war, h\u00f6rte er ein Krachen und Rumoren, als wenn B\u00e4ume umst\u00fcrzten. Er ging auf das Ger\u00e4usch zu, da sah er einen Kerl, der riss Eichen aus, wie unser einer ein Unkraut; die legte er auf einen Haufen, drehte eine junge Eiche und band sie damit zusammen. &#8222;Was machst du da und wer bist du denn?\u201c fragte der Geiger. &#8222;Wer ich bin? Der Hans bin ich&#8220;, sagte der Kerl, &#8222;der sieben Jahr an seiner Mutter Brust gelegen und sieben Jahr L\u00f6wenmilch getrunken hat. Meine Mutter will W\u00e4sche halten und dazu habe ich ihr ein wenig Reisig geholt.\u201c \u201eDas ist schon einer\u201c dachte der Geiger und sprach: &#8222;H\u00f6re, ich will dir &#8218;was sagen, ich gebe dir Kost und einen guten Lohn: willst du mit mir gehn?\u201c \u201eDas will ich wohl&#8220;, sagte der Hans, &#8222;aber zuvor muss ich meiner Mutter das B\u00fcndel heim tragen.\u201c Tat\u2019s und kam bald zur\u00fcck; da zogen die Beiden mit einander fort und der Geiger freute sich, einen so wackern Gesellen gefunden zu haben.<\/p>\n<p>Als sie einige Stunden weiter gereist waren, kamen sie zu einer H\u00f6he, von der herab sie sieben und siebenzig Windm\u00fchlen sahen, welche alle lustig ihre Fl\u00fcgel drehten und war doch kein Wind zu sp\u00fcren. Auf der andern Seite der H\u00f6he trafen sie auf einen Kerl der hielt ein Nasenloch zu und blies mit dem andern, was gibst du, was hast du. &#8222;Was machst du denn da?\u201c fragte der Geiger und der Kerl antwortete: &#8222;Seht ihr denn nicht, dass ich die Windm\u00fchlen dort in Schwung setzen muss?\u201c \u201eSo nimm doch deine beiden Nasenl\u00f6cher dazu&#8220;, sprach der Geiger. &#8222;Das w\u00fcrde sch\u00f6ne Geschichten geben&#8220;, erwiderte der Kerl. &#8222;Dann fl\u00f6gen die M\u00fchlen weg, dass man ihre Spur nicht mehr s\u00e4he.\u201c \u201eH\u00f6re, lass mit dir reden, ich gebe dir Kost und gute L\u00f6hnung, dann gehst du mit uns&#8220;, sprach der Geiger und der Bl\u00e4ser war der zufrieden, denn er wurde schlecht f\u00fcr seine M\u00fche bezahlt.<\/p>\n<p>So zog der Geiger weiter, da kamen sie an eine gro\u00dfe Waldwiese, wo Hasen und Rehe in Menge herum sprangen. Sprang da auch ein Kerl zwischen ihnen, der eins fangen wollte, aber wie schnell auch die Tiere liefen, er sprang stets weit \u00fcber sie hinaus. &#8222;Was machst du da?\u201c rief der Geiger und der Kerl antwortete: &#8222;Ei das seht ihr wohl, ich m\u00f6chte mir einen Hasen fangen, aber sie laufen so langsam; mit den Rehen geht es etwas besser, aber langsam sind sie doch.\u201c \u201eDu bist mein Mann\u201c sprach der Geiger. &#8222;Wenn du mit mir gehn willst, gebe ich dir Kost und guten Lohn.\u201c \u201eIch bin dabei\u201c sagte der L\u00e4ufer und ging mit.<\/p>\n<p>Jetzt hatten sie nicht mehr weit bis zur See und da trafen sie gerade ein Schiff an, welches direkt nach dem K\u00f6nigreich Marokko fuhr. Der Geiger stieg mit seinen Gesellen hinein und sie waren bald auf der hohen See. Da sahen sie von ferne drei Schiffe kommen, welche mit vollen Segeln auf sie zueilten. &#8222;O weh jetzt sind wir verloren, da kommen drei Schiffe mit Seer\u00e4ubern!\u201c rief der Steuermann. Da sprach der Bl\u00e4ser: &#8222;Lass sie nur recht nahe heran, damit ich sehen kann, wie solch ein Kerl aussieht, hernach will ich uns schon Ruhe vor ihnen schaffen.\u201c Als sie nun ganz nahe waren, rief der Hauptmann der Seer\u00e4uber: &#8222;Jetzt ergebt euch, oder ihr werdet alle ermordet.\u201c \u201eEi was du sagst! Ist das dein Ernst?\u201c fragte der Bl\u00e4ser und blies aus einem Nasenloch das eine Schiff an, da flog es in die Luft, \u00fcberschlug sich und fiel ins Wasser; dann blies er die beiden andern mit beiden Nasenl\u00f6chern an und in Zeit von einer Minute sah man sie nicht mehr und wusste Niemand, wohin sie geflogen waren. &#8222;So, das hast du f\u00fcr dein gro\u00dfes Maul&#8220;, sagte er und ging wieder zu seinen Kameraden.<\/p>\n<p>Am folgenden Tage kamen sie in dem K\u00f6nigreich Marokko an und der Geiger lie\u00df sich zum K\u00f6nig f\u00fchren. Der K\u00f6nig lachte, als er seine Botschaft ausrichtete und das Geld zur\u00fcck verlangte. Er sprach: &#8222;Du sollst so viel davon haben, als ein Mann tragen kann, mehr gebe ich dir nicht, das sage deinem K\u00f6nig und wenn er mehr wolle, solle er es sich selbst holen.\u201c \u201eDamit bin ich ganz zufrieden\u201c sprach der Geiger, &#8222;ich will nicht mehr, als mein Geselle Hans tragen kann.\u201c Sogleich lie\u00df er einige Zimmerleute kommen, die mussten einen gro\u00dfen, gro\u00dfen Kasten aus starkem Holz zusammenschlagen, der wurde vor des K\u00f6nigs Schatzkammer gestellt. Der K\u00f6nig wollte sich tot lachen, als er den Kasten sah und lie\u00df einen Sack Gold nach dem andern hineintragen, aber so viel hatte er doch nicht, dass der Kasten voll wurde. Da kam Hans, sah sich den Kasten an und sprach: &#8222;Der ist ja halb leer, was soll das hei\u00dfen? Voll muss er sein, sonst ist&#8217;s ja nicht der M\u00fche wert, ihn zu heben.\u201c Da lachte der K\u00f6nig noch mehr, aber der Geiger sprach: &#8222;Wir wollen es gut sein lassen, komm Hans.\u201c Jetzt griff Hans an, wupps, da sa\u00df der Kasten auf seiner Schulter und er ging mit dem Geiger und den beiden andern Gesellen fort. Jetzt verging dem K\u00f6nig das Lachen und er lief was er konnte in sein Schloss, wo er Befehl gab, die Vier sogleich zu verfolgen und dazu sollte alle Mannschaft, Infanterie und Kavallerie ausr\u00fccken.<\/p>\n<p>Also kamen die Vier ans Stadttor, da ging der Kasten nicht durch, denn er war viel gr\u00f6\u00dfer als das Tor. Hans setzte ihn nieder, schmiss das ganze Thor zusammen und ging weiter der See zu. Kaum hatten sie aber die Stadt im R\u00fccken, da gab es L\u00e4rm und die ganze Armee des K\u00f6nigs eilte ihnen nach. &#8222;Halt da, das ist ein Spa\u00df f\u00fcr mich&#8220;, sagte der Bl\u00e4ser und \u00f6ffnete ein Nasenloch ein wenig, da flog die ganze Armee wie eine schwarze Staubwolke in die Luft und \u00fcber die Stadt hin\u00fcber, dass es eine Lust war anzusehen. Ungest\u00f6rt gingen sie jetzt zu Schiffe und in das K\u00f6nigreich zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Jetzt sollte man meinen h\u00e4tte die Prinzessin zufrieden sein m\u00fcssen, aber nein, es war als h\u00e4tte sie einen Hass auf den Geiger geworfen. Als er ihr alle die ungeheuren Sch\u00e4tze brachte sprach sie: &#8222;Jetzt ist es gut und ich will dich heiraten, doch musst du mir zum Hochzeitsbraten drei Rehe liefern, die d\u00fcrfen nicht geschossen, nicht geschlagen und nicht von Hunden gebissen sein.\u201c \u201eDann kann die Hochzeit morgen schon stattfinden&#8220;, sagte der Geiger, &#8222;denn ich will die Rehe heute noch liefern.\u201c \u201eErst will ich sie sehen&#8220;, erwiderte die Prinzessin. Da ging er zu seinen Gesellen und schickte den Bl\u00e4ser an das Ende des Waldes, welcher vor der Hauptstadt lag, da musste er zuerst mit einem, dann mit beiden Nasenl\u00f6chern blasen. Dem L\u00e4ufer band er die Beine zusammen, so dass er nicht so gro\u00dfe Spr\u00fcnge machen konnte und blieb mit ihm und Hans, der einen gro\u00dfen Sack trug vor dem Wald stehen. Als der Bl\u00e4ser anfing zu blasen, da kam das Wild zu Tausenden aus dem Walde; der L\u00e4ufer sprang den Rehen nach und fing sie ein und worin er ein halb Dutzend hatte trug er sie zu Hans, der sie in seinen Sack steckte. Als der Sack voll war, ging der Geiger mit seinen Dienern wieder zum Schlosse und der L\u00e4ufer sprang voraus \u00fcbers Stadttor und zwei Reihen H\u00e4user weg. Vor dem Schlosse wurden die Stra\u00dfen abgesperrt und Hans \u00f6ffnete seinen Sack, da liefen wohl achthundert Rehe heraus. Der Geiger aber ging zur Prinzessin und sprach: &#8222;Jetzt k\u00f6nnt ihr euch drei zum Hochzeitsbraten w\u00e4hlen.&#8220;<\/p>\n<p>Nun war nichts mehr zu machen, die Prinzessin musste den Geiger nehmen und sogleich ernannte ihr Vater ihn zum Vizek\u00f6nig. Die drei Diener aber erhielten sehr gute Besoldung auf Lebenszeit. Nun h\u00e4tte der Geiger gern auch dem Greise seinen Dank abgestattet und dachte: &#8222;W\u00e4re er doch jetzt hier!\u201c Da stand der Greis neben ihm und er fiel ihm zu F\u00fc\u00dfen und bat ihn zu sagen, wie er sich ihm dankbar beweisen k\u00f6nne? Sprach der Greis: &#8222;R\u00e4ume mir eine Kammer in deinem Schlosse, wo ich jede Neujahrsnacht schlafen kann, denn nur einmal im Jahr komme ich hierher, das ist dein Dank und mein Lohn.\u201c Solches geschah und das Gl\u00fcck wohnte im Schlosse und wich nicht draus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johann Wilhelm Wolf<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[92,85],"tags":[],"class_list":["post-461","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-johann-wilhelm-wolf","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/461","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=461"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/461\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":462,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/461\/revisions\/462"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=461"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=461"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=461"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}