{"id":451,"date":"2015-10-07T21:17:11","date_gmt":"2015-10-07T19:17:11","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=451"},"modified":"2026-01-24T16:01:14","modified_gmt":"2026-01-24T15:01:14","slug":"es-war-einmal-ein-gaertner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/es-war-einmal-ein-gaertner\/","title":{"rendered":"Es war einmal ein G\u00e4rtner"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Es war einmal ein G\u00e4rtner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Autor: Heinz K\u00f6rner, ver\u00f6ffentlicht in \u201eDie Farben der Wirklichkeit\u201c<br>Ein M\u00e4rchenbuch aus dem lucy k\u00f6rner verlag<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein G\u00e4rtner. Eines Tages nahm er seine Frau bei der Hand und sagte: \u201eKomm, Frau, wir wollen einen Baum pflanzen.\u201c Die Frau antwortete: \u201eWenn du meinst, mein lieber Mann, dann wollen wir einen Baum pflanzen.\u201c Sie gingen in den Garten und pflanzten einen Baum. Es dauerte nicht lange, da konnte man das erste Gr\u00fcn zart aus der Erde sprie\u00dfen sehen. Der Baum, der eigentlich noch kein richtiger Baum war, erblickte zum ersten Mal die Sonne. Er f\u00fchlte die W\u00e4rme ihrer Strahlen auf seinen Bl\u00e4ttchen und streckte sich ihnen hoch entgegen. Er begr\u00fc\u00dfte sie auf seine Weise, lie\u00df sich gl\u00fccklich bescheinen und fand es wundersch\u00f6n, auf der Welt zu sein und zu wachsen.\u201eSchau\u201c, sagte der G\u00e4rtner zu seiner Frau, \u201eist er nicht niedlich, unser Baum?\u201c Und seine Frau antwortete: \u201eJa, lieber Mann, wie du schon sagtest: Ein sch\u00f6ner Baum!\u201c Der Baum begann gr\u00f6\u00dfer und h\u00f6her zu wachsen und reckte sich immer weiter der Sonne entgegen. Er f\u00fchlte den Wind und sp\u00fcrte den Regen, genoss die warme und feste Erde um seine Wurzeln und war gl\u00fccklich. Und jedes Mal, wenn der G\u00e4rtner und seine Frau nach ihm sahen, ihn mit Wasser tr\u00e4nkten und ihn einen sch\u00f6nen Baum nannten, f\u00fchlte er sich wohl. Denn da war jemand, der ihn mochte, ihn hegte, pflegte und besch\u00fctzte. Er wurde lieb gehabt und war nicht allein auf der Welt. So wuchs er zufrieden vor sich hin und wollte nichts weiter als leben und wachsen, Wind und Regen sp\u00fcren, Erde und Sonne f\u00fchlen, lieb gehabt werden und andere lieb haben. Eines Tages merkte der Baum, dass es besonders sch\u00f6n war, ein wenig nach links zu wachsen, denn von dort schien die Sonne mehr auf seine Bl\u00e4tter. Also wuchs er jetzt ein wenig nach links.\u201eSchau\u201c, sagte der G\u00e4rtner zu seiner Frau, \u201eunser Baum w\u00e4chst schief. Seit wann d\u00fcrfen B\u00e4ume denn schief wachsen, und dazu noch in unserem Garten? Ausgerechnet unser Baum! Gott hat die B\u00e4ume nicht erschaffen, damit sie schief wachsen, nicht wahr, Frau?\u201c Seine Frau gab ihm nat\u00fcrlich recht. \u201eDu bist eine kluge und gottesf\u00fcrchtige Frau\u201c, meinte daraufhin der G\u00e4rtner. \u201eHol also unsere Schere, denn wir wollen unseren Baum gerade schneiden.\u201c Der Baum weinte. Die Menschen, die ihn bisher so lieb gepflegt hatten, denen er vertraute, schnitten ihm die \u00c4ste ab, die der Sonne am n\u00e4chsten waren. Er konnte nicht sprechen und deshalb nicht fragen. Er konnte nicht begreifen. Aber sie sagten ja, dass sie ihn lieb h\u00e4tten und es gut mit ihm meinten. Und sie sagten, dass ein richtiger Baum gerade wachsen m\u00fcsse. Und Gott es nicht gern s\u00e4he, wenn er schief wachse. Also musste es wohl stimmen. Er wuchs nicht mehr der Sonne entgegen.\u201eIst er nicht brav, unser Baum?\u201c fragte der G\u00e4rtner seine Frau. \u201eSicher, lieber Mann\u201c, antwortete sie, \u201edu hast wie immer recht. Unser Baum ist ein braver Baum.\u201c Der Baum begann zu verstehen. Wenn er machte, was ihm Spa\u00df und Freude bereitete, dann war er anscheinend ein b\u00f6ser Baum. Er war nur lieb und brav, wenn er tat, was der G\u00e4rtner und seine Frau von ihm erwarteten. Also wuchs er jetzt strebsam in die H\u00f6he und gab darauf acht, nicht mehr schief zu wachsen.\u201eSieh dir das an\u201c, sagte der G\u00e4rtner eines Tages zu seiner Frau, \u201eunser Baum w\u00e4chst unversch\u00e4mt schnell in die H\u00f6he. Geh\u00f6rt sich das f\u00fcr einen rechten Baum?\u201c Seine Frau antwortete: \u201eAber nein, lieber Mann, das geh\u00f6rt sich nat\u00fcrlich nicht. Gott will, dass B\u00e4ume langsam und in Ruhe wachsen. Und auch unser Nachbar meint, dass B\u00e4ume bescheiden sein m\u00fcssten, seiner wachse auch sch\u00f6n langsam.\u201c Der G\u00e4rtner lobte seine Frau und sagte, dass sie etwas von B\u00e4umen verstehe. Und dann schickte er sie die Schere holen, um dem Baum die \u00c4ste zu stutzen. Sehr lange weinte der Baum in dieser Nacht. Warum schnitt man ihm einfach die \u00c4ste ab, die dem G\u00e4rtner und seiner Frau nicht gefielen? Und wer war dieser Gott, der angeblich gegen alles war, was Spa\u00df machte?\u201eSchau her, Frau\u201c, sagte der G\u00e4rtner, \u201ewir k\u00f6nnen stolz sein auf unseren Baum.\u201c Und seine Frau gab ihm wie immer recht. Der Baum wurde trotzig. Nun gut, wenn nicht in die H\u00f6he, dann eben in die Breite. Sie w\u00fcrden ja schon sehen, wohin sie damit kommen. Schlie\u00dflich wollte er nur wachsen, Sonne, Wind und Erde f\u00fchlen, Freude haben und Freude bereiten. In seinem Innern sp\u00fcrte er ganz genau, dass es richtig war, zu wachsen. Also wuchs er jetzt in die Breite.\u201eDas ist doch nicht zu fassen.\u201c Der G\u00e4rtner holte emp\u00f6rt die Schere und sagte zu seiner Frau: \u201eStell dir vor, unser Baum w\u00e4chst einfach in die Breite. Das k\u00f6nnte ihm so passen. Das scheint ihm ja geradezu Spa\u00df zu machen. So etwas k\u00f6nnen wir auf keinen Fall dulden!\u201c Und seine Frau pflichtete ihm bei: \u201eDas k\u00f6nnen wir nicht zulassen. Dann m\u00fcssen wir ihn eben wieder zurecht stutzen.\u201c Der Baum konnte nicht mehr weinen, er hatte keine Tr\u00e4nen mehr. Immerhin, er schien nun dem G\u00e4rtner und seiner Frau zu gefallen. Wenn auch alles keine rechte Freude mehr bereitete, so wurde er wenigstens lieb gehabt. So dachte der Baum. Viele Jahre sp\u00e4ter kam ein kleines M\u00e4dchen mit seinem Vater am Baum vorbei. Er war inzwischen erwachsen geworden, der G\u00e4rtner und seine Frau waren stolz auf ihn. Er war ein rechter und anst\u00e4ndiger Baum geworden. Das kleine M\u00e4dchen blieb vor ihm stehen. \u201ePapa, findest du nicht auch, dass der Baum hier ein bisschen traurig aussieht?\u201c fragte es.\u201eIch wei\u00df nicht\u201c, sagte der Vater. \u201eAls ich so klein war wie du, konnte ich auch sehen, ob ein Baum fr\u00f6hlich oder traurig ist. Aber heute sehe ich das nicht mehr.\u201c\u201eDer Baum sieht wirklich ganz traurig aus.\u201c Das kleine M\u00e4dchen sah den Baum mitf\u00fchlend an. \u201eDen hat bestimmt niemand richtig lieb. Schau mal, wie ordentlich der gewachsen ist. Ich glaube, der wollte mal ganz anders wachsen, durfte aber nicht. Und deshalb ist er jetzt traurig.\u201c\u201eVielleicht\u201c, antwortete der Vater versonnen. \u201eAber wer kann schon wachsen wie er will?\u201c\u201eWarum denn nicht?\u201c fragte das M\u00e4dchen. \u201eWenn jemand den Baum wirklich lieb hat, kann er ihn auch wachsen lassen, wie er selber will. Oder nicht? Er tut doch niemandem etwas zuleide.\u201c Erstaunt und schlie\u00dflich erschrocken blickte der Vater sein Kind an. Dann sagte er: \u201eWei\u00dft du, keiner darf so wachsen wie er will, weil sonst die anderen merken w\u00fcrden, dass auch sie nicht so gewachsen sind, wie sie eigentlich mal wollten.\u201c\u201eDas verstehe ich nicht, Papa!\u201c\u201eSicher, Kind, das kannst du noch nicht verstehen. Auch du bist vielleicht nicht immer so gewachsen, wie du gerne wolltest. Auch du durftest nicht.\u201c\u201eAber warum denn nicht, Papa? Du hast mich doch lieb, und Mama hat mich auch lieb, nicht wahr?\u201c Der Vater sah sie eine Weile nachdenklich an. \u201eJa\u201c, sagte er dann, \u201esicher haben wir dich lieb.\u201c Sie gingen langsam weiter, und das kleine M\u00e4dchen dachte noch lange \u00fcber dieses Gespr\u00e4ch und den traurigen Baum nach. Der Baum hatte den beiden aufmerksam zugeh\u00f6rt, und auch er dachte lange nach. Er blickte ihnen noch hinterher, als er sie eigentlich schon lange nicht mehr sehen konnte. Dann begriff der Baum. Und er begann hemmungslos zu weinen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Acrylbilder-voller-Energie-Lebensfreude-Keilrahmenmotive\/dp\/3772451810\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\">Acrylbilder voller E\u2026<\/a>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Alle-Farben-dieser-Welt-M%C3%A4rchenbuch\/dp\/392202825X\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\">Alle Farben dieser W\u2026<\/a>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Das-geheime-Leben-B%C3%A4ume-kommunizieren\/dp\/3453280679\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\">Das geheime Leben de\u2026<\/a>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Der-Baum-Biografie-David-Suzuki\/dp\/3865813127\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\">Der Baum: Eine Biogr\u2026<\/a>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-Farben-Wirklichkeit-Heinz-K%C3%B6rner\/dp\/3922028071\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\">Die Farben der Wirkl\u2026<\/a>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Garten-voller-Lebensfreude-Erntegl%C3%BCck-experimentell\/dp\/342103902X\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\">Ein Garten voller Le\u2026<\/a>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Gedanken-voller-Lebensfreude-Joachim-Groh\/dp\/3848512203\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\">Gedanken voller Lebe\u2026<\/a>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Impulse-voller-Lebensfreude-Joachim-Groh\/dp\/3848512637\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\">Impulse voller Leben\u2026<\/a>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Johannes-Erz%C3%A4hlung-Heinz-K%C3%B6rner\/dp\/3922028004\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\">Johannes: Erz\u00e4hlung<\/a>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Spinning-Flax-Frauenchor-Chorpartitur-Experience\/dp\/B000ZGCDAE\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\">Spinning Flax: Fraue\u2026<\/a>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Wieviele-Farben-hat-die-Sehnsucht\/dp\/3922028128\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\">Wieviele Farben hat \u2026<\/a>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/h%C3%B6ren-Walter-Kollo-Schlagermelodien-Akkordeon-Musik\/dp\/0203908813\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\">Wir h\u00f6ren Walter Kol\u2026<\/a>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Zum-Geburtstag-Tage-voller-Lebensfreude\/dp\/3867135592\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\">Zum Geburtstag! &#8211; 36\u2026<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/rcm-eu.amazon-adsystem.com\/e\/cm\/privacy-policy.html\/ref=as_sl_pd_wdgt_ex?o=3&amp;linkCode=wpc&amp;tag=marcheniminte-21\">Information<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;Wie es weiterging&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Autoren: Heinz K\u00f6rner und Bruno Streibel, ver\u00f6ffentlicht in \u201eDie Farben der Wirklichkeit\u201c. Ein M\u00e4rchenbuch aus dem lucy k\u00f6rner verlag<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Nacht war das kleine M\u00e4dchen sehr unruhig. Immer wieder dachte es an den traurigen Baum und schlief schlie\u00dflich erst ein, als bereits der Morgen zu d\u00e4mmern begann. Nat\u00fcrlich verschlief das M\u00e4dchen an diesem Morgen. Als es endlich aufgestanden war, wirkte sein Gesicht blass und stumpf.\u201eHast du etwas Schlimmes getr\u00e4umt?\u201c fragte der Vater. Das M\u00e4dchen schwieg, sch\u00fcttelte dann den Kopf. Auch die Mutter war besorgt: \u201eWas ist mit dir?\u201c Und da brach schlie\u00dflich doch all der Kummer aus dem M\u00e4dchen. Von Tr\u00e4nen \u00fcberstr\u00f6mt stammelte es: \u201eDer Baum! Er ist so schrecklich traurig. Dar\u00fcber bin ich so traurig. Ich kann das alles einfach nicht verstehen.\u201c Der Vater nahm die Kleine behutsam in seine Arme, lie\u00df sie in Ruhe ausweinen und streichelte sie nur liebevoll. Dabei wurde ihr Schluchzen nach und nach leiser, und die Traurigkeit verlor sich allm\u00e4hlich. Pl\u00f6tzlich leuchteten die Augen des M\u00e4dchens auf, und ohne dass die Eltern etwas begriffen, war es aus dem Haus gerannt. Wenn ich traurig bin und es vergeht, sobald mich jemand streichelt und in die Arme nimmt, geht es dem Baum vielleicht \u00e4hnlich \u2013 so dachte das M\u00e4dchen. Und als es ein wenig atemlos vor dem Baum stand, wusste es auf einmal, was zu tun war. Scheu blickte die Kleine um sich. Als sie niemanden in der N\u00e4he entdeckte, strich sie z\u00e4rtlich mit den H\u00e4nden \u00fcber die Rinde des Baumes. Leise fl\u00fcsterte sie dabei: \u201eIch mag dich, Baum. Ich halte zu dir. Gib nicht auf, mein Baum!\u201c Nach einer Weile rannte sie wieder los, weil sie ja zur Schule musste. Es machte ihr nichts aus, dass sie zu sp\u00e4t kam, denn sie hatte ein Geheimnis und eine Hoffnung. Der Baum hatte zuerst gar nicht bemerkt, dass ihn jemand ber\u00fchrte. Er konnte nicht glauben, dass das Streicheln und die Worte ihm galten \u2013 und auf einmal war er ganz verbl\u00fcfft, und es wurde sehr still in ihm. Als das M\u00e4dchen wieder fort war, wusste er zuerst nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Dann sch\u00fcttelte er seine Krone leicht im Wind, vielleicht ein bisschen zu heftig, und sagte zu sich, dass er wohl getr\u00e4umt haben m\u00fcsse. Oder vielleicht doch nicht? In einem kleinen Winkel seines Baumherzens hoffte er nur, dass es kein Traum gewesen war. Auf dem Heimweg von der Schule war das M\u00e4dchen nicht allein. Trotzdem ging es dicht an dem Baum vorbei, streichelte ihn im Vor\u00fcbergehen und sagte leise: \u201eIch mag dich, und ich komm bald wieder.\u201c Da begann der Baum zu glauben, dass er nicht tr\u00e4umte, und ein ganz neues, etwas seltsames Gef\u00fchl regte sich in einem kleinen Ast. Die Mutter wunderte sich, dass ihre Tochter auf einmal so gerne einkaufen ging. Auf alle Fragen der Eltern l\u00e4chelte die Kleine nur und behielt ihr Geheimnis f\u00fcr sich. Immer wieder sprach das M\u00e4dchen nun mit dem Baum, umarmte ihn manchmal, streichelte ihn oft. Er verhielt sich still, r\u00fchrte sich nicht. Aber in seinem Innern begann sich etwas immer st\u00e4rker zu regen. Wer ihn genau betrachtete, konnte sehen, dass seine Rinde ganz langsam eine freundlichere Farbe bekam. Das M\u00e4dchen jedenfalls bemerkte es und freute sich sehr. Der G\u00e4rtner und seine Frau, die den Baum ja vor vielen Jahren gepflanzt hatten, lebten regelm\u00e4\u00dfig und ordentlich, aber auch freudlos und stumpf vor sich hin. Sie wurden \u00e4lter, zogen sich zur\u00fcck und waren oft einsam. Den Baum hatten sie so nach und nach vergessen, ebenso wie sie vergessen hatten, was Lachen und Freude ist \u2013 und Leben. Eines Tages bemerkten sie, dass manchmal ein kleines M\u00e4dchen mit dem Baum zu reden schien. Zuerst hielten sie es einfach f\u00fcr eine Kinderei, aber mit der Zeit wurden sie doch etwas neugierig. Schlie\u00dflich nahmen sie sich vor, bei Gelegenheit einfach zu fragen, was das denn soll. Und so geschah es dann auch. Das M\u00e4dchen erschrak, wusste nicht so recht, wie es sich verhalten sollte. Einfach davonlaufen wollte es nicht, aber erz\u00e4hlen, was wirklich war \u2013 das traute es sich nicht. Endlich gab die Kleine sich einen Ruck, dachte: \u201eWarum eigentlich nicht?\u201c und erz\u00e4hlte die Wahrheit. Der G\u00e4rtner und seine Frau mussten ein wenig lachen, waren aber auf eine seltsame Weise unsicher, ohne zu wissen, warum. Ganz schnell gingen sie wieder ins Haus und versicherten sich gegenseitig, dass das kleine M\u00e4dchen wohl ein wenig verr\u00fcckt sein m\u00fcsse. Aber die Geschichte lie\u00df sie nicht mehr los. Ein paar Tage sp\u00e4ter waren sie wie zuf\u00e4llig in der N\u00e4he des Baumes, als das M\u00e4dchen wiederkam. Dieses Mal fragte es die G\u00e4rtnersleute, warum sie denn den Baum so zurechtgestutzt haben. Zuerst waren sie emp\u00f6rt, konnten aber nicht leugnen, dass der Baum in den letzten Wochen ein freundlicheres Aussehen bekommen hatte. Sie wurden sehr nachdenklich. Die Frau des G\u00e4rtners fragte schlie\u00dflich: \u201eMeinst du, dass es falsch war, was wir getan haben?\u201c\u201eIch wei\u00df nur\u201c, antwortete das M\u00e4dchen, \u201edass der Baum traurig ist. Und ich finde, dass das nicht sein muss. Oder wollt ihr einen traurigen Baum?\u201c\u201eNein!\u201c rief der G\u00e4rtner. \u201eNat\u00fcrlich nicht. Doch was bisher gut und recht war, ist ja wohl auch heute noch richtig, auch f\u00fcr diesen Baum.\u201c Und die G\u00e4rtnersfrau f\u00fcgte hinzu: \u201eWir haben es doch nur gut gemeint.\u201c\u201eJa, das glaube ich\u201c, sagte das M\u00e4dchen, \u201eihr habt es sicher gut gemeint und dabei den Baum sehr traurig gemacht. Schaut ihn doch einmal genau an!\u201c Und dann lie\u00df sie die beiden alten Leute allein und ging ruhig davon mit dem sicheren Gef\u00fchl, dass nicht nur der Baum Liebe brauchen w\u00fcrde. Der G\u00e4rtner und seine Frau dachten noch sehr lange \u00fcber dieses seltsame M\u00e4dchen und das Gespr\u00e4ch nach. Immer wieder blickten sie verstohlen zu dem Baum, standen oft vor ihm, um ihn genau zu betrachten. Und eines Tages sahen auch sie, dass der Baum zu oft beschnitten worden war. Sie hatten zwar nicht den Mut, ihn auch zu streicheln und mit ihm zu reden. Aber sie beschlossen, ihn wachsen zu lassen, wie er wollte. Das M\u00e4dchen und die beiden alten Leute sprachen oft miteinander \u2013 \u00fcber dies oder das und manchmal \u00fcber den Baum. Gemeinsam erlebten sie, wie er ganz behutsam, zuerst \u00e4ngstlich und zaghaft, dann ein wenig \u00fcberm\u00fctig und schlie\u00dflich kraftvoll zu wachsen begann. Voller Lebensfreude wuchs er schief nach unten, als wolle er zuerst einmal seine Glieder r\u00e4keln und strecken. Dann wuchs er in die Breite, als wolle er die ganze Welt in seine Arme schlie\u00dfen, und in die H\u00f6he, um allen zu zeigen, wie gl\u00fccklich er sich f\u00fchlt. Auch wenn der G\u00e4rtner und seine Frau es sich selbst nicht trauten, so sahen sie doch mit stiller Freude, dass das M\u00e4dchen den Baum f\u00fcr alles lobte, was sich an ihm entfalten und wachsen wollte. Voll Freude beobachtete das M\u00e4dchen, dass es dem G\u00e4rtner und seiner Frau beinahe so \u00e4hnlich erging wie dem Baum. Sie wirkten lebendiger und j\u00fcnger, fanden das Lachen und die Freude wieder und stellten eines Tages fest, dass sie wohl manches im Leben falsch gemacht hatten. Auch wenn das jetzt nicht mehr zu \u00e4ndern w\u00e4re, so wollten sie wenigstens den Rest ihres Lebens anders gestalten. Sie sagten auch, dass sie Gott wohl ein wenig falsch verstanden h\u00e4tten, denn Gott sei schlie\u00dflich Leben, Liebe und Freude und kein Gef\u00e4ngnis. So bl\u00fchten gemeinsam mit dem Baum zwei alte Menschen zu neuem Leben auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab keinen Garten weit und breit, in welchem ein solch schief und wild und fr\u00f6hlich gewachsener Baum stand. Oft wurde er jetzt von Vor\u00fcbergehenden bewundert, was der G\u00e4rtner, seine Frau und das M\u00e4dchen mit stillem, vergn\u00fcgtem L\u00e4cheln beobachteten. Am meisten freute sie, dass der Baum all denen Mut zum Leben machte, die ihn wahrnahmen und bewunderten.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Menschen blickte der Baum noch lange nach \u2013 oft bis er sie gar nicht mehr sehen konnte. Und manchmal begann er dann, so dass es sogar einige Menschen sp\u00fcren konnten, tief in seinem Herzen gl\u00fccklich zu lachen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: small;\">Dieses M\u00e4rchen wurde mir von Christian K\u00f6rtke &#8211; Foto + Druck digital zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[191,85],"tags":[],"class_list":["post-451","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-heinz-koerner","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/451","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=451"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/451\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4299,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/451\/revisions\/4299"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=451"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=451"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=451"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}