{"id":449,"date":"2015-10-07T21:15:09","date_gmt":"2015-10-07T19:15:09","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=449"},"modified":"2026-01-24T15:57:37","modified_gmt":"2026-01-24T14:57:37","slug":"die-gaensemagd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-gaensemagd\/","title":{"rendered":"Die G\u00e4nsemagd"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Es lebte einmal eine alte K\u00f6nigin, der war ihr Gemahl schon lange gestorben, und sie hatte eine sch\u00f6ne Tochter. Wie die erwuchs, wurde sie weit \u00fcber Feld an einen K\u00f6nigssohn versprochen. Als nun die Zeit kam, wo sie verm\u00e4hlt werden sollten und das Kind in das fremde Reich abreisen musste, packte ihr die Alte gar viel k\u00f6stliches Ger\u00e4t und Geschmeide ein, Gold und Silber, Becher und Kleinode, kurz alles, was nur zu einem k\u00f6niglichen Brautschatz geh\u00f6rte, denn sie hatte ihr Kind von Herzen lieb. Auch gab sie ihr eine Kammerjungfer bei, die mit reiten und die Braut in die H\u00e4nde des Br\u00e4utigams \u00fcberliefern sollte, und jede bekam ein Pferd zur Reise, aber das Pferd der K\u00f6nigstochter hie\u00df Falada und konnte sprechen. Wie nun die Abschiedsstunde da war, begab sich die alte Mutter in ihre Schlafkammer, nahm ein Messerlein und schnitt damit in ihre Finger, dass sie bluteten; darauf hielt sie ein wei\u00dfes L\u00e4ppchen unter und lie\u00df drei Tropfen Blut hineinfallen, gab sie der Tochter und sprach: &#8222;Liebes Kind, verwahre sie wohl, sie werden dir unterwegs not tun.&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Also nahmen sie beide voneinander betr\u00fcbten Abschied. Das L\u00e4ppchen steckte die K\u00f6nigstochter in ihr Kleid vor sich, setzte sich aufs Pferd und zog nun fort zu ihrem Br\u00e4utigam. Als sie eine Stunde geritten waren, empfand sie hei\u00dfen Durst und sprach zu ihrer Kammerjungfer: &#8222;Steig&#8216; ab und sch\u00f6pfe mir mit meinem Becher, den du f\u00fcr mich mitgenommen hast, Wasser aus dem Bache, ich m\u00f6chte gern einmal trinken.&#8220; &#8211; &#8222;Wenn Ihr Durst habt&#8220;, sprach die Kammerjungfer&#8216; &#8222;so steigt selber ab, legt Euch ans Wasser und trinkt, ich mag Eure Magd nicht sein.&#8220; Da stieg die K\u00f6nigstochter vor gro\u00dfem Durst herunter, neigte sich \u00fcber das Wasser im Bach und trank und durfte nicht aus dem goldenen Becher trinken. Da sprach sie: &#8222;Ach Gott!&#8220; Und die drei Blutstropfen antworteten: &#8222;Wenn das deine Mutter w\u00fcsste, das Herz im Leibe t\u00e4t&#8216; ihr zerspringen.&#8220; Aber die K\u00f6nigsbraut war dem\u00fctig, sagte nichts und stieg wieder zu Pferde. So ritten sie etliche Meilen weiter fort, aber der Tag war warm, die Sonne stach, und sie durstete bald von neuem. Da sie nun an einen Fluss kamen, rief sie noch einmal ihrer Kammerjungfer: &#8222;Steig&#8216; ab und gib mir aus meinem Goldbecher zu trinken!&#8220; denn sie hatte alle b\u00f6sen Worte l\u00e4ngst vergessen. Die Kammerjungfer sprach aber noch hochm\u00fctiger: &#8222;Wollt Ihr trinken, so trinkt allein, ich mag nicht Eure Magd sein.&#8220; Da stieg die K\u00f6nigstochter hernieder vor gro\u00dfem Durst, legte sich \u00fcber das flie\u00dfende Wasser, weinte und sprach: &#8222;Ach Gott!&#8220; Und die Blutstropfen antworteten wiederum: &#8222;Wenn das deine Mutter w\u00fcsste, das Herz im Leibe t\u00e4t&#8216; ihr zerspringen.&#8220; Und wie sie so trank und sich recht \u00fcberlehnte, fiel ihr das L\u00e4ppchen&#8216; worin die drei Tropfen waren, aus dem Kleide und floss mit dem Wasser fort, ohne dass sie es in ihrer gro\u00dfen Angst merkte. Die Kammerjungfer hatte aber zugesehen und freute sich, dass sie Gewalt \u00fcber die Braut bek\u00e4me; denn damit, dass diese die Blutstropfen verloren hatte, war sie schwach und machtlos geworden. Als sie nun wieder auf ihr Pferd steigen wollte, das da hie\u00df Falada, sagte die Kammerjungfer: &#8222;Auf Falada geh\u00f6r&#8216; ich, und auf meinen Gaul geh\u00f6rst du!&#8220; Und das musste sie sich gefallen lassen. Dann befahl ihr die Kammerjungfer mit harten Worten, die k\u00f6niglichen Kleider auszuziehen und ihre schlechten anzulegen, und endlich musste sie sich unter freiem Himmel verschw\u00f6ren, dass sie am k\u00f6niglichen Hofe keinem Menschen etwas davon sagen wollte; und wenn sie diesen Eid nicht abgelegt h\u00e4tte, w\u00e4re sie auf der Stelle umgebracht wor den. Aber Falada sah das alles an und nahm&#8217;s wohl in acht. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Kammerjungfer stieg nun auf Falada und die wahre Braut auf das schlechte Ross, und so zogen sie weiter, bis sie endlich in dem k\u00f6niglichen Schlosse ein trafen. Da war gro\u00dfe Freude \u00fcber ihre Ankunft, und der K\u00f6nigssohn sprang ihnen entgegen, hob die Kammerjungfer vom Pferde und meinte, sie w\u00e4re seine Gemahlin. Sie ward die Treppe hinaufgef\u00fchrt, die wahre K\u00f6nigstochter aber musste unten stehenbleiben. Da schaute der alte K\u00f6nig am Fenster und sah sie im Hofe halten und sah, wie sie fein war, zart und gar sch\u00f6n. Er ging alsbald hin ins k\u00f6nigliche Gemach und fragte die Braut nach der, die sie bei sich h\u00e4tte und die da unten im Hofe st\u00e4nde, und wer sie w\u00e4re. &#8222;Die hab&#8216; ich mir unterwegs mitgenommen zur Gesellschaft; gebt der Magd was zu arbeiten, dass sie nicht m\u00fc\u00dfig steht.&#8220; Aber der alte K\u00f6nig hatte keine Arbeit f\u00fcr sie und wusste nichts, als dass er sagte: &#8222;Da hab&#8216; ich so einen kleinen Jungen, der h\u00fctet die G\u00e4nse, dem mag sie helfen.&#8220; Der Junge hie\u00df K\u00fcrdchen (Konr\u00e4dchen), dem musste die wahre Braut helfen G\u00e4nse h\u00fcten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Bald aber sprach die falsche Braut zu dem jungen K\u00f6nig: &#8222;Liebster Gemahl, ich bitte Euch, tut mir einen Gefallen.&#8220; Er antwortete: &#8222;Das will ich gern tun&#8220;. &#8211; &#8222;Nun, so lasst den Schinder rufen und da dem Pferde, worauf ich hergeritten bin, den Hals abhauen, weil es mich unterwegs ge\u00e4rgert hat.&#8220; Eigentlich aber f\u00fcrchtete sie, dass das Pferd sprechen m\u00f6chte, wie sie mit der K\u00f6nigstochter umgegangen war. Nun war das so weit geraten, dass es geschehen und der treue Falada sterben sollte, da kam es auch der rechten K\u00f6nigstochter zu Ohr, und sie versprach dem Schinder heimlich ein St\u00fcck Geld, das sie ihm bezahlen wollte, wenn er ihr einen kleinen Dienst erwiese. In der Stadt war ein gro\u00dfes, finsteres Tor, wo sie abends und morgens mit den G\u00e4nsen durch musste; unter das finstere Tor m\u00f6chte er dem Falada seinen Kopf hinnageln, dass sie ihn doch mehr als einmal sehen k\u00f6nnte. Also versprach das der Schindersknecht zu tun, hieb den Kopf ab und nagelte ihn unter das finstere Tor fest. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Des Morgens fr\u00fch, da sie und K\u00fcrdchen unterm Tor hinaustrieben, sprach sie im Vorbeigehen:<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;0 du Falada, da du hangest&#8220;,<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">da antwortete der Kopf:<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;0 du Jungfer K\u00f6nigin, da du gangest, <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Wenn das deine Mutter w\u00fcsste, <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Das Herz t\u00e4t&#8216; ihr zerspringen.&#8220;<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da zog sie still weiter zur Stadt hinaus, und sie trieben die G\u00e4nse aufs Feld. Und wenn sie auf der Wiese angekommen war, sa\u00df sie nieder und machte ihre Haare auf, die waren eitel Gold, und K\u00fcrdchen sah sie und freute sich, wie sie gl\u00e4nzten, und wollte ihr ein paar ausraufen. Da sprach sie:<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Weh&#8216;, weh&#8216;, Windchen, <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nimm K\u00fcrdchen sein H\u00fctchen <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">nd la\u00df&#8217;n sich mit jagen, <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Bis ich mich geflochten und geschnatzt <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Und wieder aufgesatzt.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Und da kam ein so starker Wind, dass er dem K\u00fcrdchen sein H\u00fctchen wegwehte \u00fcber alle Lande, und es musste ihm nachlaufen. Bis es wiederkam, war sie mit dem K\u00e4mmen und Aufsetzen fertig, und er konnte keine Haare kriegen. Da war K\u00fcrdchen b\u00f6s und sprach nicht mit ihr; und so h\u00fcteten sie die G\u00e4nse, bis dass es Abend ward, dann gingen sie nach Hause. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Den andern Morgen, wie sie unter dem finstern Tor hinaustrieben, sprach die Jungfrau:<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;0 du Falada, da du hangest&#8220;,<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Falada antwortete:<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;0 du Jungfer K\u00f6nigin, da du gangest, <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Wenn das deine Mutter w\u00fcsste, <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Das Herz t\u00e4t&#8216; ihr zerspringen.&#8220;<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Und in dem Felde setzte sie sich wieder auf die Wiese und fing an, ihr Haar auszuk\u00e4mmen, und K\u00fcrdchen lief und wollte danach greifen, da sprach sie schnell:<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Weh&#8216;, weh&#8216;, Windchen, <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nimm K\u00fcrdchen sein H\u00fctchen <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Und la\u00df&#8217;n sich mit jagen, <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Bis ich mich geflochten und geschnatzt <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Und wieder aufgesatzt.&#8220;<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da wehte der Wind und wehte ihm das H\u00fctchen vom Kopf weit weg, dass K\u00fcrdchen nachlaufen musste; und als es wiederkam, hatte sie l\u00e4ngst ihr Haar zurecht, und es konnte keins davon erwischen; und so h\u00fcteten sie die G\u00e4nse, bis es Abend ward. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Abends aber, nachdem sie heimgekommen waren, ging K\u00fcrdchen vor den alten K\u00f6nig und sagte: &#8222;Mit dem M\u00e4dchen will ich nicht l\u00e4nger G\u00e4nse h\u00fcten. &#8211; &#8222;Warum denn?&#8220; fragte der alte K\u00f6nig. &#8211; &#8222;Ei, das \u00e4rgert mich den ganzen Tag.&#8220; Da befahl ihm der alte K\u00f6nig, zu erz\u00e4hlen, wie&#8217;s ihm denn mit ihr ginge. Da sagte K\u00fcrdchen: &#8222;Morgens, wenn wir unter dem finstern Tor mit der Herde durch kommen, so ist da ein Gaulskopf an der Wand, zu dem redet sie:<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">,Falada, da du hangest&#8216;,<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">da antwortet der Kopf:<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">,0 du K\u00f6nigsjungfer, da du gangest, <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Wenn das deine Mutter w\u00fcsste, <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Das Herz t\u00e4t&#8216; ihr zerspringen&#8216;.&#8220;<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Und so erz\u00e4hlte K\u00fcrdchen weiter, was auf der G\u00e4nsewiese gesch\u00e4he. und wie es da dem Hut im Winde nachlaufen m\u00fcsste. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der alte K\u00f6nig befahl ihm, den n\u00e4chsten Tag wieder hinauszutreiben, und er selbst, wie es Morgen war, setzte sich hinter das finstere Tor und h\u00f6rte da, wie sie mit dem Haupte des Falada sprach; und da ging er ihr auch nach in das Feld und barg sich in einem Busch auf der Wiese. Da sah er nun bald mit seinen eigenen Augen, wie die G\u00e4nsemagd und der G\u00e4nsejunge die Herde getrieben brachten, und wie sie sich nach einer Weile setzte und ihre Haare losflocht, die von Glanz strahlten. Gleich sprach sie wieder:<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Weh&#8216;, weh&#8216;, Windchen, <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nimm K\u00fcrdchen sein H\u00fctchen <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Und la\u00df&#8217;n sich mit jagen, <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Bis ich mich geflochten und geschnatzt <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Und wieder aufgesatzt.&#8220;<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da kam ein Windsto\u00df und fuhr mit K\u00fcrdchens Hut weg, dass es weit zu laufen hatte, und die Magd k\u00e4mmte und flocht ihre Locken still fort, was der alte K\u00f6nig alles beobachtete. Darauf ging er unbemerkt zur\u00fcck, und als abends die G\u00e4nsemagd heimkam, rief er sie beiseite und fragte, warum sie dem allem so t\u00e4te. &#8222;Das darf ich Euch nicht sagen und darf auch keinem Menschen mein Leid klagen, denn so hab&#8216; ich mich unter freiem Himmel verschworen, weil ich sonst um mein Leben gekommen w\u00e4re.&#8220; Er drang in sie und lie\u00df ihr keinen Frieden, aber er konnte nichts aus ihr herausbringen. Da sprach er: &#8222;Wenn du mir&#8217;s nicht sagen willst, so klag&#8216; dem Eisenofen da dein Leid&#8220;, und ging fort. Da kroch sie in den Eisenofen, fing an zu jammern und zu weinen, sch\u00fcttete ihr Herz aus und sprach: <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Da sitze ich nun von aller Welt verlassen und bin doch eine K\u00f6nigstochter, und eine falsche Kammerjungfer hat mich mit Gewalt dahin gebracht, dass ich meine k\u00f6niglichen Kleider habe ablegen m\u00fcssen, und hat meinen Platz bei meinem Br\u00e4utigam eingenommen, und ich muss als G\u00e4nsemagd gemeine Dienste tun. Wenn das meine Mutter w\u00fcsste, das Herz im Leib t\u00e4t&#8216; ihr zerspringen. &#8220; Der alte K\u00f6nig stand aber au\u00dfen an der Ofenr\u00f6hre und lauschte und h\u00f6rte alles, was sie sprach. Da kam er wieder herein und hie\u00df sie aus dem Ofen gehen. Da wurden ihr k\u00f6nigliche Kleider angetan, und es schien ein Wunder, wie sie so sch\u00f6n war. Der alte K\u00f6nig rief seinen Sohn und offenbarte ihm, dass er die falsche Braut h\u00e4tte: die w\u00e4re blo\u00df ein Kammerm\u00e4dchen, die wahre aber st\u00e4nde hier, als die gewesene G\u00e4nsemagd. Der junge K\u00f6nig war herzensfroh, als er ihre Sch\u00f6nheit und Tugend erblickte, und ein gro\u00dfes Mahl wurde angestellt, zu dem alle Leute und guten Freunde gebeten wurden. Obenan sa\u00df der Br\u00e4utigam, die K\u00f6nigstochter zur einen Seite und die Kammerjungfer zur andern, aber die Kammerjungfer war verblendet und erkannte jene nicht mehr in dem gl\u00e4nzenden Schmuck. Als sie nun gegessen und getrunken hatten und guten Muts waren, gab der alte K\u00f6nig der Kammerjungfer ein R\u00e4tsel auf, was eine solche wert w\u00e4re, die den Herrn soundso betrogen h\u00e4tte, erz\u00e4hlte damit den ganzen Verlauf und fragte: &#8222;Welches Urteils ist diese w\u00fcrdig?&#8220; Da sprach die falsche Braut: &#8222;Die ist des Todes schuldig!&#8220; &#8211; &#8222;Das bist du&#8220;, sprach der alte K\u00f6nig, &#8222;und so soll dir widerfahren.&#8220; Als das Urteil vollzogen war, verm\u00e4hlte sich der junge K\u00f6nig mit seiner rechten Gemahlin, und beide beherrschten ihr Reich in Frieden und Seligkeit.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,133],"tags":[],"class_list":["post-449","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/449","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=449"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/449\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":450,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/449\/revisions\/450"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=449"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=449"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=449"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}