{"id":4391,"date":"2026-01-25T00:33:52","date_gmt":"2026-01-24T23:33:52","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4391"},"modified":"2026-01-25T19:48:59","modified_gmt":"2026-01-25T18:48:59","slug":"der-jaeger-und-der-spiegel-der-alles-sieht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-jaeger-und-der-spiegel-der-alles-sieht\/","title":{"rendered":"Der J\u00e4ger und der Spiegel, der alles sieht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der J\u00e4ger und der Spiegel, der alles sieht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein J\u00e4ger, der ging alle Tage auf die Jagd und war stets gl\u00fccklich. Eines Tages aber ging er wieder hinaus und lief bis zum Abend herum, ohne irgendein Wild anzutreffen. Da sprach er: \u00bbBevor ich nicht irgend etwas gefunden habe, gehe ich nicht heim\u00ab, und blieb daher die Nacht im Walde. Am andern Morgen kam er an den Seestrand und fand dort einen gro\u00dfen Fisch auf dem Sande liegen, der sich vergebens abm\u00fchte, wieder ins Wasser zu kommen. Da machte sich der J\u00e4ger daran und w\u00e4lzte ihn in das Wasser, und als der Fisch merkte, dass er wieder flott war, sprach er: \u00bbWas willst du f\u00fcr die Wohltat, die du mir erwiesen hast?\u00ab Der J\u00e4ger aber antwortete: \u00bbIch verlange nichts.\u00ab Da sprach der Fisch: \u00bbNimm dir eine Schuppe von meinem Leib, und wenn du mich n\u00f6tig hast, so brenne sie an, und dann komme ich.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der J\u00e4ger riss also eine Schuppe aus dem Leib des Fisches, steckte sie zu sich und ging weiter. Nach einer Weile kam er in eine Ebene, in der ein ungeheurer Baum stand, unter den legte er sich schlafen. Kaum war er aber eingeschlummert, so wurde er von einem Ger\u00e4usch wieder aufgeweckt, und als er aufstand, um zu sehen, woher dies k\u00e4me, erblickte er eine m\u00e4chtige Schlange, welche den Baum hinaufkroch; da besann er sich nicht lange und schoss die Schlange tot, und als das die jungen Adler sahen, die auf dem Baum sa\u00dfen, freuten sie sich sehr; der J\u00e4ger aber legte sich nieder und schlief weiter. Als nun die alten Adler zum Baume kamen und den J\u00e4ger darunter liegen sahen, so glaubten sie, dass er es sei, welcher ihnen ihre jungen raube, und wollten sich auf ihn st\u00fcrzen und ihm die Augen aushacken. Da schrien die jungen: \u00bbTut ihm nichts, tut ihm nichts, denn er hat die Schlange get\u00f6tet. \u00ab Als das die Alten h\u00f6rten, spreizten sie ihre Fl\u00fcgel aus und machten ihm Schatten, solange er schlief, und als er aufwachte, fragten sie ihn: \u00bbWas willst du f\u00fcr die Wohltat, die du uns erwiesen hast?\u00ab Da antwortete der J\u00e4ger: \u00bbIch verlange nichts.\u00ab Der \u00e4lteste Adler aber sprach: \u00bbRei\u00dfe eine Feder aus meinem Schwanz, und wenn du uns n\u00f6tig hast, so brenne sie an und dann kommen wir zu dir.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da nahm der J\u00e4ger die Feder und steckte sie zu sich und sagte auch diesen ganzen Tag, ohne auf irgendein Wild zu sto\u00dfen. Am Abend endlich erblickte er einen Fuchs und sprach: \u00bbSo, du kommst mir gerade recht, du musst daran glauben, denn ich laufe nun drei Tage herum, ohne etwas zu schie\u00dfen.\u00ab Da rief der Fuchs: \u00bbSchie\u00dfe mich nicht, ich will dir geben, was du verlangst.\u00ab Und der J\u00e4ger fragte: \u00bbWas kannst du mir geben?\u00ab &#8211; \u00bbLass dich das nicht k\u00fcmmern und rei\u00dfe ein Haar aus meinem R\u00fccken, und wenn du mich brauchst, so brenne das an, dann komme ich zu dir.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der J\u00e4ger nahm das Haar, steckte es zu sich und wanderte so lange, bis er in ein anderes Land kam. Dort herrschte ein K\u00f6nig, dessen Tochter einen Zauberspiegel besa\u00df, und die hatte im ganzen Reiche bekannt machen lassen, dass sie denjenigen zum Manne nehmen wolle, der sich so vor ihr verstecken k\u00f6nne, dass sie ihn nicht zu finden imstande sei, dass er aber seinen Kopf verlieren m\u00fcsse, wenn sie ihn f\u00e4nde, und es hatten schon so viele die Wette verloren, dass sie mit ihren K\u00f6pfen einen Turm erbauen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Als das der J\u00e4ger h\u00f6rte, beschloss er, die Wette einzugehen, und es wurde also vor dem Rat der Zw\u00f6lfte eine Schrift mit Brief und Siegel aufgesetzt, dass, wenn die Prinzessin ihn nicht finden k\u00f6nne, sie seine Frau werden solle, wenn sie ihn aber f\u00e4nde, er den Kopf verlieren m\u00fcsse. Zum Verstecken war ihm eine Frist von drei Tagen gegeben. Er aber vergn\u00fcgte sich zwei Tage lang mit Wein, Gesang und Tanz, und als man ihn aufmerksam machte, dass er, wenn die Zeit herum w\u00e4re, seinen Kopf verliere, da lachte er. Am dritten Tag ging er zum Meeresstrand und brannte die Schuppe jenes Fisches an, und als dieser herankam und nach seinem Verlangen fragte, sagte er zu ihm: \u00bbIch verlange, dass du mich so versteckst, dass mich niemand finden kann.\u00ab Da \u00f6ffnete der Fisch seinen Rachen, und der J\u00e4ger schl\u00fcpfte hinein, und nachdem er sich darin zurechtgelegt hatte, fuhr der Fisch mit ihm in die Meerestiefe.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun die Prinzessin in den Spiegel blickte, um ihn zu finden, da suchte und suchte sie in allen R\u00e4umen der Welt, konnte ihn aber nirgends sehen und sprach bei sich: \u00bbDas ist das Ende, den muss ich heiraten.\u00ab Und sie war dar\u00fcber nicht b\u00f6se, weil der J\u00e4ger wegen seiner gro\u00dfen Sch\u00f6nheit Wohlgefallen bei ihr gefunden hatte. Als sie den letzten Blick in den Spiegel warf, da bemerkte sie ein St\u00fcckchen blauer Seide, das von der M\u00fctzenquaste des J\u00e4gers aus dem Rachen jenes Fisches herausstand und rief -. \u00bbIch habe ihn gefunden, ein Fisch hat ihn im Rachen.\u00ab Als nun der J\u00e4ger wieder ans Land kam und zur Prinzessin ging, um zu erfahren, ob sie ihn gefunden habe, sagte sie ihm, dass er im Rachen eines Fisches gesteckt habe. Darauf sprach dieser: \u00bbEs ist wahr, lass mir also den Kopf abschlagen.\u00ab Sie aber erwiderte: \u00bbNein, ich schenke dir das Leben, weil noch keiner sich vor mir so gut versteckt hat wie du, doch lass dir das gesagt sein und wette nicht wieder.\u00ab Da dankte er ihr und ging weg. Aber es dauerte nicht lange, so sprach er bei sich: \u00bbIch muss es noch einmal versuchen, und sollte es mir den Kopf kosten.\u00ab Er ging also wieder zu dem Rat der Zw\u00f6lf, unterschrieb dort eine neue Schrift und brannte dann seine Adlerfeder an. Da kamen die Adler herbei, nahmen ihn auf sein Gehei\u00df auf ihre Fl\u00fcgel und hoben ihn bis zum Himmel auf. Die Prinzessin sah nun wieder in ihren Spiegel und konnte ihn lange nicht finden, endlich aber erblickte sie wiederum seine M\u00fctzenquaste, die \u00fcber den Adlern hervorschaute, und rief: \u00bbIch habe ihn gefunden.\u00ab Als nun der J\u00e4ger vor ihr erschien, um zu h\u00f6ren, ob sie ihn gefunden, sagte sie zu ihm: \u00bbHatten dich nicht die Adler in den Himmel gehoben?\u00ab Da sprach der J\u00e4ger: \u00bbSo ist es, lass mir nun das Haupt abschlagen.\u00ab Sie erwiderte: \u00bbMach, dass du fortkommst, ich will dir diesmal noch das Leben schenken, aber du darfst nicht mehr wetten.\u00ab Doch er sprach: \u00bbIch versuche es zum drittenmal, und wenn ich auch dabei verliere, so sollst du mich ohne Erbarmen hinrichten lassen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da ging er noch einmal zum Rat der Zw\u00f6lf und lie\u00df eine dritte Schrift aufsetzen, und nachdem er diese unterschrieben hatte, brannte er das Fuchshaar an. Als nun der Fuchs kam und ihn nach seinem Begehren fragte, sprach er: \u00bbDu sollst mir eine H\u00f6hle graben, die von hier in das k\u00f6nigliche Schloss bis unter den Sitz f\u00fchrt, auf den sich die Prinzessin setzt, wenn sie in den Spiegel sieht.\u00ab Da rief der Fuchs alle F\u00fcchse zusammen, und diese gruben eine H\u00f6hle, wie sie der J\u00e4ger verlangt hatte. Als sie fertig war, schl\u00fcpfte er hinein, und w\u00e4hrend die Prinzessin vor dem Spiegel sa\u00df und ihn darin nicht finden konnte, da stach er sie mit einer Nadel, tick, tack, durch den Sessel in den Hintern.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er wieder vor der Prinzessin erschien, um sie zu fragen, ob sie ihn gesehen habe, sagte sie: \u00bbNein, dies mal habe ich dich nicht finden k\u00f6nnen, wo warst du denn versteckt?\u00ab Und der J\u00e4ger antwortete: &#8222;Ich sa\u00df unter deinem eigenen Sessel und habe dich durch ihn hin durch mit einer Nadel gestochen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da rief die Prinzessin: \u00bbAch, das war es also, was mich so gepickt hat!\u00ab Darauf hielt der J\u00e4ger Hochzeit mit ihr und wurde K\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als nun der Fuchs kam und ihn nach seinem Begehren fragte, sprach er: \u00bbDu sollst mir eine H\u00f6hle graben, die von hier in das k\u00f6nigliche Schloss bis unter den Sitz f\u00fchrt, auf den sich die Prinzessin setzt, wenn sie in den Spiegel sieht.\u00ab Da rief der Fuchs alle F\u00fcchse zusammen, und diese gruben eine H\u00f6hle, wie sie der J\u00e4ger verlangt hatte.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4816,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,133],"tags":[],"class_list":["post-4391","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4391","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4391"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4391\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4818,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4391\/revisions\/4818"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4816"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4391"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4391"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4391"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}