{"id":4387,"date":"2026-01-25T00:29:44","date_gmt":"2026-01-24T23:29:44","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4387"},"modified":"2026-01-25T00:29:45","modified_gmt":"2026-01-24T23:29:45","slug":"die-irrlichter-sind-in-der-stadt-sagte-die-moorfrau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-irrlichter-sind-in-der-stadt-sagte-die-moorfrau\/","title":{"rendered":"Die Irrlichter sind in der Stadt, sagte die Moorfrau"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Irrlichter sind in der Stadt, sagte die Moorfrau<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hans Christian Andersen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein Mann, der einst so viele neue M\u00e4rchen wusste, aber nun seien sie ihm ausgegangen, sagte er; das M\u00e4rchen, das von selber Besuch machte, kam nicht mehr und klopfte an seine T\u00fcre; und weshalb kam es nicht? Ja, das ist freilich war, der Mann hatte in Jahr und Tag nicht daran gedacht, nicht erwartet, dass es kommen sollte, um anzuklopfen, aber es war gewiss auch nicht hier gewesen, denn drau\u00dfen war Krieg und drinnen Kummer und Not, wie der Krieg sie mitbringt.<br>Storch und Schwalbe kamen von ihrer langen Reise, sie dachten an keine Gefahr, und als sie kamen waren das Nest verbrannt, die H\u00e4user der Menschen verbrannt, die Hecken zerst\u00f6rt, ja ganz verschwunden; die Rosse der Feinde stampften auf den alten Gr\u00e4bern, Es waren harte, dunkle Zeiten; aber auch die nehmen ein Ende.<br>Und nun hatten sie ein Ende, sagte man, doch noch klopfte das M\u00e4rchen nicht an oder lie\u00df von sich h\u00f6ren.<br>\u00bbEs ist wohl tot und verschollen mit den vielen andern\u00ab, sagte der Mann. Aber das M\u00e4rchen stirbt nie!<br>Und es verging mehr als ein ganzes Jahr, und er sehnte sich so schrecklich. \u00bbOb das M\u00e4rchen nicht doch wiederkommen und anklopfen w\u00fcrde!\u00ab Und er erinnerte sich seiner so lebhaft in all den vielen Gestalten, in denen es zu ihm gekommen war; bald jung und herrlich, der Fr\u00fchling selber, ein reizendes kleines M\u00e4dchen mit einem Maigl\u00f6ckchen Kranz im Haar und einem Buchenzweig in der Hand; ihre Augen gl\u00e4nzten wie tiefe Waldseen im klaren Sonnenschein, bald war es auch als Hausierer gekommen, hatte den Kramkasten ge\u00f6ffnet und das Seidenband mit Vers und Inschrift voll alter Erinnerungen flattern lassen; aber am allersch\u00f6nsten war es doch, wenn es als altes M\u00fctterchen mit silberwei\u00dfem Haar und mit so gro\u00dfen und so klugen Augen kam, da wusste sie recht zu erz\u00e4hlen von den aller\u00e4ltesten Zeiten, lange noch, bevor die Prinzessinnen Gold spannen, w\u00e4hrend Drachen und Lindw\u00fcrmer drau\u00dfen lagen und sie bewachten. Da erz\u00e4hlte sie so lebendig, dass jedem schwarze Flecken vor die Augen kamen, der darauf h\u00f6rte, der Boden wurde schwarz von Menschenblut, graulich anzusehen und zu h\u00f6ren und doch so vergn\u00fcglich, denn es war so lange her, dass es geschehen war.<br>\u00bbOb sie nicht mehr anklopfen w\u00fcrde!\u00ab sagte der Mann und starrte nach der T\u00fcr, so dass ihm schwarze Flecken vor die Augen kramen, schwarze Flecken auf den Boden; er wusste nicht, ob es Blut war oder Trauerschleier aus den schweren, dunklen Tagen.<br>Und wie er sa\u00df, kam ihm in den Sinn, ob nicht das M\u00e4rchen sich verborgen halte wie die Prinzessin in den richtigen, alten M\u00e4rchen und nur aufgesucht werden wollte; wurde sie gefunden, dann strahle sie in neuer Herrlichkeit, sch\u00f6ner als je zuvor.<br>\u00bbWer wei\u00df, vielleicht liegt sie verborgen in dem weggeworfenen Strohhalm, der am Brunnenrand schaukelt. Vorsichtig! Vorsichtig! Vielleicht hat sie sich in eine verwelkte Blume versteckt, die in einem der gro\u00dfen B\u00fccher auf dem B\u00fccherbord liegt.\u00ab<br>Und der Mann ging hin, \u00f6ffnete eines der allerneuesten, aus denen man Verstand bekommen soll; aber das lag keine Blume, da stand von Holger Danske zu lesen; und der Mann las, dass die ganze Geschichte erfunden und zusammengesetzt sei von einem M\u00f6nch in Frankreich, dass es ein Roman sei, der \u00bb\u00fcbersetzt und gedruckt in der d\u00e4nischen Sprache\u00ab worden war; dass Holger Danske gar nicht existierte und also gar nicht wiederkommen k\u00f6nne, wie wir davon gesungen und so gerne daran geglaubt hatten. Es war mit Holger Danske wie mit Wilhelm Tell, nur Gerede, auf das man sich nicht verlassen konnte, und das war in dem Buch mit gro\u00dfer Gelehrsamkeit dargelegt.<br>\u00bbJa, ich glaube nun, was ich glaube, sagte der Mann, \u00bbes w\u00e4chst kein Wegerich, wo noch kein Fu\u00df hintrat.\u00ab<br>Und er machte das Buch zu, stellte es auf das Bord und ging dann hin zu den frischen Blumen am Fensterbrett; vielleicht hatte sich dort das M\u00e4rchen versteckt in die rote Tulpe mit den goldgelben R\u00e4ndern oder in die frische Rose oder in die starkfarbige Kamelie. Der Sonnenschein lag zwischen den Bl\u00e4ttern, aber nicht das M\u00e4rchen.<br>\u00bbDie Blumen, die hier in der Trauerzeit standen, waren alle weit sch\u00f6ner; aber sie wurden abgeschnitten, jede einzelne, in Kr\u00e4nze gebunden, auf S\u00e4rge niedergelegt, und \u00fcber sie wurde die Fahne gebreitet. Vielleicht ist das M\u00e4rchen mit den Blumen begraben! Aber davon m\u00fcssten die Blumen gewusst haben, der Sarg h\u00e4tte es vernommen, die Erde h\u00e4tte es vernommen, jeder kleine Grashalm, der hervor wuchs, w\u00fcrde es erz\u00e4hlt haben. Das M\u00e4rchen stirbt niemals!<br>Vielleicht ist es auch hier gewesen und hat angeklopft, aber wer hatte damals Ohren daf\u00fcr, Gedanken daf\u00fcr! Man sah d\u00fcster, schwerm\u00fctig, fast b\u00f6se zu dem Sonnenschein des Fr\u00fchlings, seinem Vogelgezwitscher und all dem fr\u00f6hlichen Gr\u00fcn; ja, die Zunge konnte nicht die alten, volksfrischen Lieder singen, wie wurden eingesargt mit so vielem, was unserm Herzen teuer war; das M\u00e4rchen kann wohl angeklopft haben; aber es wurde nicht geh\u00f6rt, nicht willkommen gehei\u00dfen, und so ist es fortgeblieben.<br>Ich will gehen und es aufsuchen.<br>Hinaus aufs Land! Hinaus in den Wald, an den offenen Strand!\u00ab<br>Drau\u00dfen liegt ein alter Herrenhof mit roten Mauern, zackigem Giebel und wehender Fahne auf dem Turm. Die Nachtigall singt unter den feingefransten Buchenbl\u00e4ttern, w\u00e4hrend sie auf des Garten bl\u00fchende Apfelb\u00e4ume blickt und glaubt, dass sie Rosen tragen. Hier sind in der Sommersonne die Bienen gesch\u00e4ftig, und mit summendem Gesang schw\u00e4rmen sie um ihre K\u00f6nigin. Der Herbststurm wei\u00df von der wilden Jagd zu erz\u00e4hlen, von den Menschengeschlechtern und den Bl\u00e4ttern des Waldes, die hinwehen. Zur Weihnachtszeit singen die wilden Schw\u00e4ne drau\u00dfen vor dem offenen Wasser, w\u00e4hrend man drinnen in dem alten Hof am Kaminfeuer Lust hat, Lieder und Sagen zu h\u00f6ren.<br>Drunten in dem alten Teil des Gartens, wo die gro\u00dfe Allee von wilden Kastanien mit ihrem Halbdunkel lockt, ging der Mann, der das M\u00e4rchen suchte; hier hatte ihm einmal der Wind von Waldemar Daa und seinen T\u00f6chtern vorgesaust. Die Dryade im Baum, das war die M\u00e4rchenmutter selbst, hatte ihm hiervon des alten Eichenbaums letztem Traum erz\u00e4hlt, Zu der Gro\u00dfmutter Zeiten standen hier beschnittene Hecken, nun wuchsen nur Farnkr\u00e4uter und Nesseln; sie breiteten sich aus \u00fcber hingeworfene Reste alter Steinfiguren; Moos wuchs ihnen in den Augen, aber sie konnten ebenso gut sehen wie fr\u00fcher, das konnte der Mann, der nach dem M\u00e4rchen suchte, nicht. es sah das M\u00e4rchen nicht. Wo war es?<br>\u00dcber ihm und die alten B\u00e4ume hin flogen Kr\u00e4hen zu Hunderten und schrieen \u00bbFort von Hier! Fort von hier!\u00ab<br>Und er ging aus dem Garten \u00fcber den Wallgraben des Herrenhofes hin in das Erlenw\u00e4ldchen hinein; dort stand ein kleines, sechseckiges Haus mit einem H\u00fchnerhof und einem Enten Hof; mitten in der Stube sa\u00df die alte Frau, die das Ganze leitete und genau von jedem Ei Bescheid wusste, das gelegt wurde, von jedem K\u00fcken, das aus dem Ei schl\u00fcpfte! Aber sie war nicht das M\u00e4rchen, das der Mann suchte; das konnte sie beweisen mit einem christlichen Taufschein und einem Impf-Attest, beide lagen in der Truhe.<br>Drau\u00dfen, nicht weit von dem Hause, ist ein H\u00fcgel mit Rotdorn und Goldregen; hier liegt ein alter Grabstein, der vor vielen Jahren vom Kirchhof eines Landst\u00e4dtchens hierhergebracht wurde, eine Erinnerung an einen der ehrenhaften Ratsherren der Stadt, seine Frau und seine f\u00fcnf T\u00f6chter, alle mit gefalteten H\u00e4nden und Halskrausen, stehen, aus Stein gehauen, um ihn herum. Man konnte sie so lange betrachten, dass sie auf die Gedanken wirkten, und diese wieder wirkten auf den Stein, so dass er von alten Zeiten erz\u00e4hlte; wenigstens war es dem Mann so ergangen, der das M\u00e4rchen suchte. Als er nun dahin kam, sah er einen lebendigen Schmetterling grade auf der Stirn von dem gemei\u00dfelten Bilde des Ratsherrn sitzen; der schlug mit den Fl\u00fcgeln, flog eine kleine Strecke und setzt sich wieder dicht neben den Grabstein, gleichsam um zu zeigen, was dort wuchs. Dort wuchs ein Vier Klee, dort wuchsen ganze sieben St\u00fcck nebeneinander. Kommt das Gl\u00fcck, so kommt es in F\u00fclle! Er pfl\u00fcckte die Kleebl\u00e4tter und steckte sie in die Tasche. Das Gl\u00fcck ist so gut wie bares Geld, aber ein neues, sch\u00f6nes M\u00e4rchen w\u00e4re doch noch besser, dachte der Mann, aber das fand er dort nicht.<br>Die Sonne ging unter, rot und gro\u00df; die Wiese dampfte, und das Moorweib braute.<br>Es war sp\u00e4t am Abend; er stand allein in seiner Stube, sah hinaus \u00fcber den Garten, \u00fcber Wiese, Moor und Strand, der Mond schien hell, es lag ein Dunst \u00fcber der Wiese, als sei sie ein gro\u00dfer See, und das war sie auch einmal gewesen, ging die Sage, und im Mondschein trat die Sage in Erscheinung. Da dachte der Mann daran, was er drinnen, in der Stadt gelesen hatte, dass Wilhelm Tell und Hollger Danske nicht gelebt h\u00e4tten, aber im Volksglauben werden sie doch, wie der See hier drau\u00dfen, lebende Erscheinungen der Sage. Ja, Holger Danske kommt wieder!<br>W\u00e4hrend er so stand und dachte, schlug etwas ganz stark an das Fenster. War es ein Vogel? eine Fledermaus oder eine Eule? Ja, die l\u00e4sst man nicht ein, wenn sie klopfen. Das Fenster sprang von selber auf, ein altes Weib sah herein zu dem Mann.<br>\u00bbWas ist gef\u00e4llig?\u00ab fragte er. \u00bbWer ist Sie? Gleich herein in die erste Etage sieht sie, steht Sie auf einer Leiter?\u00ab<br>\u00bbSie haben ein Vierblatt in der Tasche\u00ab, sagte sie, \u00bbja, Sie haben ganze sieben, von denen eines ein Sechsklee ist.\u00ab<br>\u00bbWer ist Sie?\u00ab fragte der Mann.<br>\u00bbDas Moorweib:\u00ab sagte sie. \u00bbDas Moorweib, das braut; ich war gerade in voller Arbeit; der Zapfen sa\u00df im Fass, aber einer der kleinen Moorjungen riss ihm \u00dcbermut den Zapfen ab und warf ihn gerade bis herauf zum Haus, wo er an das Fenster schlug; nun l\u00e4uft das Bier aus dem Fass, und damit ist keinem gedient.\u00ab<br>\u00bbErz\u00e4hle Sie mir doch!\u00ab sagte der Mann.<br>\u00bbJa, wart ein wenig!\u00ab sagte das Moorweib. \u00bbJetzt habe ich anderes zu besorgen!\u00ab Und da war sie fort.<br>Der Mann war dabei, das Fenster zu schlie\u00dfen, da stand das Weib wieder da. \u00bbNun ist es geschehen!\u00ab sagte sie. \u00bbAber das halbe Bier kann ich morgen wieder brauen, wenn das Wetter danach bleibt. Nun, was haben Sie zu fragen? Ich komme wieder, denn ich halte immer Wort, und Sie haben sieben Vierbl\u00e4tter in der Tasche, von denen eines ein Sechsklee, das ist ein Ordenszeichen, das an der Landstra\u00dfe w\u00e4chst, aber nicht von jedem gefunden wird. Wonach haben Sie also zu fragen? Stehen Sie jetzt nicht da wie ein dummes Ende, ich muss bald fort zu meinem Zapfen und meinem Fass!\u00ab<br>Und der Mann fragte nach dem M\u00e4rchen, fragte, ob das Moorweib es auf seinem Wege gesehen h\u00e4tte.<br>\u00bbIh, du gro\u00dfes Brauhaus!\u00ab sagte das Weib. \u00bbHaben Sie noch nicht genug von M\u00e4rchen? Das glaube ich doch freilich, dass die meisten genug haben. Hier ist anderes zu besorgen, anderes zu beachten. Selbst die Kinder sind dar\u00fcber hinausgewachsen. Gebt den kleinen Jungen eine Zigarre und den kleinen M\u00e4dchen eine neue Krinoline, das m\u00f6gen sie lieber! Auf M\u00e4rchen h\u00f6ren? Nein, hier ist wahrlich anderes zu besorgen, wichtigeres auszurichten!\u00ab<br>\u00bbWas meinen Sie damit?\u00ab fragte der Mann. \u00bbUnd was wissen sie von der Welt? Sie sehen ja nur Fr\u00f6sche und Irrlichter.<br>\u00bbJa, nehmen sie sich in acht vor den Irrlichtern\u00ab sagte das Weib, \u00bbsie sind aus! Sie sind losgekommen! Von denen wollen wir reden! Kommen sie zu mir in das Moor, wo meine Anwesenheit notwendig ist; dort werde ich Ihnen alles sagen, aber eilen Sie sich ein wenig, solange Ihre sieben Vierbl\u00e4tter mit dem einen Sechser frisch sind und der Mond noch scheint!\u00ab Weg war das Moorweib.<br>Die Glocke schlug zw\u00f6lf von der Turmuhr, und bevor sie das n\u00e4chste Viertel schlug, war der Mann drau\u00dfen auf dem Hof, drau\u00dfen aus dem Garten und stand in der Wiese. Der Nebel hatte sich gelegt, das Moorweib h\u00f6rte auf zu brauen.<br>\u00bbEs dauerte lange, bis Sie kamen!\u00ab sagte das Moorweib. \u00bbDas Zauberzeug kommt schneller vorw\u00e4rts als die Menschen, und ich bin froh, dass ich als Zauberwesen geboren bin.\u00ab<br>\u00bbWas haben Sie mir nun zu sagen?\u00ab fragte der Mann. \u00bbIst es ein Wort vom M\u00e4rchen?\u00ab<br>\u00bbK\u00f6nnen Sie denn niemals weiter kommen, als danach zu fragen?\u00ab sagte das Weib.<br>\u00bbIst es dann von der Zukunftspoesie, von der Sie sprechen k\u00f6nnen?\u00ab fragte der Mann.<br>\u00bbWerden Sie nur nicht hochtrabend: sagte das Weib, \u00bbdann werde ich wohl antworten. Sie denken nur an die Dichterei, fragen nach dem M\u00e4rchen, als ob es die Madame \u00fcber das Ganze w\u00e4re!\u00ab sie ist freilich schon die \u00c4lteste, aber sie gilt immer als J\u00fcngste. Ich kenne sie wohl! Ich bin auch einmal jung gewesen, und das ist keine Kinderkrankheit, Ich bin auch einmal ein ganz niedliches Elfenm\u00e4dchen gewesen und habe mit den anderen im Mondschein getanzt, auf die Nachtigall geh\u00f6rt, bin in den Wald gegangen und dem M\u00e4rchenfr\u00e4ulein begegnet, das immer aus war und sich herumtrieb. Bald nahm sie ihr Nachtlager in einer halberbl\u00fchten Tulpe oder in einer Wiesenblume, bald huscht sie hinein in die Kirche und h\u00fcllte sich in den Trauerflor, der von den Altarkerzen herabhing!\u00ab<br>\u00bbSie wissen herrlich Bescheid!\u00ab sagte der Mann.<br>\u00bbIch sollte doch wahrscheinlich ebenso viel wissen wie Sie!\u00ab sagte das Moorweib. \u00bbM\u00e4rchen und Poesie, ja, das sind zwei Ellen von einem St\u00fcck; die k\u00f6nnen gehen und sich schlafen legen, wo sie wollen. All ihre Worte und Werke kann man nachbrauen und besser und billiger haben. Sie sollen sie bei mir umsonst bekommen. Ich habe einen ganzen Schrank voll von Poesie auf Flaschen. Es ist die Essenz, das Feine davon, die Bierw\u00fcrze, das S\u00fc\u00dfe und auch das Bittere. Ich habe auf Flaschen alles, was die Menschen von Poesie brauchen, um an Festtagen etwas auf ihr Sacktuch zu tun, um daran zu riechen.\u00ab<br>\u00bbDas sind ganz seltsame Dinge, die Sie da sagen\u00ab, sagte der Mann. \u00bbHaben Sie Poesie auf Flaschen?\u00ab<br>\u00bbMehr als Sie aushalten k\u00f6nnen!\u00ab sagte das Weib. \u00bbSie kennen wohl die Geschichte von dem M\u00e4dchen, welches aufs Brot trat, um seine neuen Schuhe nicht zu beschmutzen? Sie ist sowohl geschrieben wie gedruckt.\u00ab<br>\u00bbDie habe ich selber erz\u00e4hlt\u00ab, sagte der Mann.<br>\u00bbJa, dann kennen Sie sie\u00ab, sagte das Weib, \u00bbund wissen, dass das M\u00e4dchen direkt hinab in die Erde sank zur Moorfrau, gerade, als des Teufels Gro\u00dfmutter Besuch machte, um die Brauerei zu sehen. Sie sah das M\u00e4dchen, das hereinsank, und bat es sich als Postament aus, als Erinnerung an den Besuch, und sie bekam es, und ich bekam ein Geschenk, f\u00fcr das ich gar keine Verwendung habe, eine Reiseapotheke, einen ganzen Schrank voll Poesie auf Flaschen. Die Gro\u00dfmutter sagte, wo der Schrank stehen sollte, und da steht er noch. Sehen Sie nur! Sie haben ja Ihre sieben Vierbl\u00e4tter in der Tasche, von denen das eine ein Sechsklee ist, da werden Sie es wohl sehen k\u00f6nnen.\u00ab<br>Und wirklich, mitten im Moor lag wie ein gro\u00dfer Erlenstrunk der Schrank der Gro\u00dfmutter. Er stand offen f\u00fcr das Moorweib und f\u00fcr jeden in allen L\u00e4ndern und in allen Zeiten, wenn man nur wusste, wo der Schrank stand. Er war vorne und hinten zu \u00f6ffnen, auf allen Seiten und Ecken, ein ganzes Kunstwerk, und sah doch nur wie ein alter Erlenstrunk aus. Die Poeten aller L\u00e4nger, besonders die unseres eigenen Landes, waren hier nachbereitet; ihr Geist war ausspekuliert, rezensiert, renoviert, konzentriert und auf Flaschen gezogen. Mit gro\u00dfem Instinkt, wie es genannt wird, wenn man nicht Genie sagen will, hatte die Gro\u00dfmutter das in der Natur genommen, was gleichsam nach diesem oder jenem Poeten schmeckte, hatte etwas Teufelei hinzugesetzt, und so hatte sie eine Poesie auf Flaschen f\u00fcr die ganze Zukunft.<br>\u00bbLassen Sie mich einmal sehen!\u00ab sagte der Mann.<br>\u00bbJa, aber es gibt wichtigere Dinge zu h\u00f6ren!\u00ab sagte das Moorweib.<br>\u00bbAber jetzt sind wir bei dem Schrank!\u00ab sagte der Mann und sah hinein. \u00bbHier sind Flaschen in allen Gr\u00f6\u00dfen. Was ist in dieser? Und was in dieser?\u00ab<br>\u00bbHier ist das, was sie Mai Duft nennen!\u00ab sagte das Weib. \u00bbIch habe es nicht versucht, aber ich wei\u00df, wenn man davon nur einen kleinen Tropfen auf den Boden spritzt, dann liegt da gleich ein herrlicher Waldsee mit Wasserlilien, bl\u00fchendem Rohr und wilder Krauseminze. Man gie\u00dft nur zwei Tropfen auf ein altes Heft, selbst aus der untersten Klasse, und dann wird das Buch eine ganze Duftkom\u00f6die, die man sehr gut auff\u00fchren und bei der man einschlafen kann, so stark durftet sie. Das soll wohl eine H\u00f6flichkeit f\u00fcr mich sein, dass auf der Flasche steht: \u00bbGebr\u00e4u des Moorweibs\u00ab.<br>Hier steht die Skandalflasche. Sie sieht aus, als ob nur schmutziges Wasser darin w\u00e4re, und es ist schmutziges Wasser, aber mit Brausepulver von Stadtklatsch, drei Lot L\u00fcgen und zwei Gran Wahrheit mit einem Birkenzweig umger\u00fchrt, nicht aus einer Spie\u00dfrute, die man in Salzlake gelegt hat und aus dem blutigen K\u00f6rper des S\u00fcnders schnitt, auch nicht eine Gerte von der Rute des Schulmeisters, nein, direkt vom Besen genommen, der den Rinnstein fegte.<br>Hier steht die Flasche mit der frommen Poesie im Psalmenton. Jeder Tropfen hat einen Klang wie das Quietschen der H\u00f6llent\u00fcre und ist zubereitet aus dem Blut und Schwei\u00df der Z\u00fcchtigung; einige sagen, es ist nur Taubengalle, aber die Tauben sind die fr\u00f6mmsten Tiere, sie haben keine Galle, sagen die Leute, die nicht Naturgeschichte kennen.\u00ab<br>Hier stand die Flasche aller Flaschen; sie nahm den halben Schrank ein, die Flasche mit den Alltagsgeschichten; sie war sowohl mit einer Schweinshaut als auch mit einer Blase zugebunden, denn sie durfte nichts von ihrer Kraft verlieren. Jede Nation konnte hier ihre eigene Suppe erhalten, sie kam, je nachdem man die Flasche wandte und drehte. Hier war alte deutsche Blutsuppe mit R\u00e4uberkl\u00f6\u00dfchen, auch d\u00fcnne Hausmannssumme mit wirklichen Hofr\u00e4ten, die wie Wurzelwerk darin lagen, und auf der Oberfl\u00e4che schwammen philosophische Fettaugen. Es gab englische Gouvernanten Suppe und die franz\u00f6sische Potage \u00e0 la Kock, mit H\u00fchnerknochen und Spatzeneiern zubereitet, auf D\u00e4nisch Cancan Suppe genannt. Aber die beste von den Suppen war die Kopenhagener. Das sagte die Familie.<br>Hier stand die Trag\u00f6die in Champagnerflaschen; sie konnte knallen, und das soll sie. Das Lustspiel sah aus wie feiner Sand, um ihn den Leuten in die Augen zu werfen, das hei\u00dft, das feinere Lustspiel; das gr\u00f6bere war auch auf Flaschen, aber bestand nur aus Zukunftsplakaten, wo der Name das Kr\u00e4ftigste vom St\u00fcck war. Es waren ausgezeichneten Kom\u00f6diennamen wie: \u00bbWillst du herausr\u00fccken mit dem Geld?\u00ab, \u00bbEins um die Ohren\u00ab, \u00bbDer s\u00fc\u00dfe Esel\u00ab und \u00bbSie ist knallvoll!\u00ab<br>Der Mann verfiel in Gedanken dabei, aber das Moorweib dachte weiter, sie wollte ein Ende haben.<br>\u00bbNun haben Sie wohl genug in dem Kramkasten gesehen!\u00ab sagte sie. \u00bbNun wissen Sie, was das ist; aber das Wichtigere, was Sie wissen sollten, wissen Sie noch nicht. Die Irrlichter sind in der Stadt! Das hat mehr zu bedeuten als Poesie und M\u00e4rchen. Ich sollte nun gerade meinen Mund dabei halten, aber es muss eine F\u00fcgung sein, ein Schicksal, etwas, was st\u00e4rker ist als ich, es dr\u00fcckt mir das Herz ab, es muss heraus. Die Irrlichter sind in der Stadt! Sie sind losgekommen: Nehmt euch in acht, ihr Menschen!\u00ab<br>\u00bbDavon verstehe ich kein Wort!\u00ab sagte der Mann.<br>\u00bbSeien Sie so gut und setzen Sie sich auf den Schrank\u00ab, sagte sie, \u00bbaber fallen Sie nicht hinein, dass Sie nicht die Flaschen entzweischlagen; Sie wissen, was darin ist. Ich werde Ihnen das gro\u00dfe Ereignis erz\u00e4hlen; es ist nicht l\u00e4nger her als seit gestern; es hat sich schon fr\u00fcher zugetragen. Es hat noch dreihundertvierundsechzig Tage zu dauern. Sie wissen, wie viel Tage ein Jahr hat?\u00ab<br>Und das Moorweib erz\u00e4hlte.<br>\u00bbHier hat sich gestern etwas Gro\u00dfes in den S\u00fcmpfen ereignet: Hier war Kinderfest! Hier wurde ein kleines Irrlicht geboren, hier wurden zw\u00f6lf geboren von der Gattung, der es gegeben ist, wenn sie wollen, als Menschen auftreten zu k\u00f6nnen und unter diesen zu agieren und zu kommandieren, als ob sie geborene Menschen w\u00e4ren. Das ist ein gro\u00dfes Ereignis im Sumpf, und deshalb tanzten \u00fcber Moor und Wiese hin alle Irrlichter und Irrlichterinnen; es gibt auch ein weibliches Geschlecht, aber das ist nicht im Sprachgebrauch. Ich sa\u00df da auf meinem Schrank und hatte alle die zw\u00f6lf kleinen neugeborenen Irrlichter auf meinem Scho\u00df; sie leuchteten wie Johannisw\u00fcrmchen; sie fingen schon an zu h\u00fcpfen, und jede Minute nahmen sie an Gr\u00f6\u00dfe zu, so dass, ehe eine Viertelstunde um war, jedes von ihnen ebenso gro\u00df aussah wie der Vater oder Onkel. Nun ist es ein altes, angeborenes Gesetz und eine Gunst, wenn der Wind so weht, wie er gestern wehte, und der Mond so steht, wie er gestern stand, dann ist es allen Irrlichtern, die in dieser Stunde und Minute geboren werden, gegeben und geg\u00f6nnt, dass sie Menschen werden k\u00f6nnen und jedes von ihnen ein ganzes Jahr lang ringsum seine Macht \u00fcben kann. Das Irrlicht kann durch das Land und um die Welt ziehen, wenn es nicht Angst hat, in die See zu fallen oder in einem starken Sturm ausgeblasen zu werden. Es kann kerzengerade in einen Menschen hineinfahren, f\u00fcr ihn sprechen und alle Bewegungen machen, die es will. Das Irrlicht kann jede Gestalt annehmen, die es will, von Mann oder Weib, kann in ihrem Geist handeln, aber seinem ganzen Wesen entsprechend, so dass dabei herauskommt, was es will; aber in einem Jahr muss es wissen und verstehen, dreihundertf\u00fcnfundsechzig Menschen auf falsche Wege zu f\u00fchren, und dies in gro\u00dfem Stil, sie von dem Recht und der Wahrheit fortzuf\u00fchren, dann erreicht es das H\u00f6chste, wozu es ein Irrlicht bringen kann, n\u00e4mlich L\u00e4ufer vor des Teufels Staatskarosse zu werden, gl\u00fchende, feuergelbe Kleider zu bekommen und Flammen, die ihm zum Hals herausschlagen. Danach kann sich ein einfaches Irrlicht die Finger ablecken. Aber es ist auch Gefahr und gro\u00dfe Unannehmlichkeit f\u00fcr ein ehrgeiziges Irrlicht damit verbunden, das gerne eine Rolle spielen will. Gehen dem Menschen die Augen auf und sieht er, wer es ist, und kann es wegblasen, so ist es weg und muss zur\u00fcck in den Sumpf; und wenn ein Irrlicht, bevor das Jahr um ist, von der Sehnsucht gepackt wird, zu seiner Familie zu kommen, und sich selber aufgibt, so ist es auch weg, kann nicht l\u00e4nger hell brennen, geht bald aus und kann nicht wieder angez\u00fcndet werden; und ist das Jahr zu Ende und hat es dann noch nicht dreihunderf\u00fcnfundsechzig Menschen fortgef\u00fchrt von der Wahrheit und von dem, was sch\u00f6n und gut ist, so ist es verurteilt, in faulem Holz zu liegen und zu leuchten, ohne sich r\u00fchren zu k\u00f6nnen, und das ist die f\u00fcrchterlichste Strafe f\u00fcr ein lebhaftes Irrlicht. All dies wusste ich, und all dies sagte ich den zw\u00f6lf kleinen Irrlichtern, die ich auf dem Scho\u00df hatte und die wie toll vor Freude waren. Ich sagte ihnen, dass es das sicherste und bequemste w\u00e4re, die Ehre aufzugeben und nichts anzustellen; das wollten die jungen Flammen nicht, sie sahen sich schon gl\u00fchend, brandgelb, mit der Flamme zum Halse heraus. \u00bbBleibt bei uns!\u00ab sagten einige von den Alten. \u00bbTreibst Spiel mit den Menschen!\u00ab sagten die andern. \u00bbDie Menschen trocknen unsere Wiesen aus, die dr\u00e4nieren! Was soll da aus unseren Nachkommen werden!\u00ab<br>\u00bbWir wollen flammen in Flammen!\u00ab sagten die neugeborenen Irrlichter, und so war es abgemacht.<br>Hier war nun gleich Minutenball, k\u00fcrzer konnte es nicht sein! Die Elfenm\u00e4dchen schwingen sich dreimal herum mit allen den andern, um nicht hochm\u00fctig zu seinen; sie tanzen sonst am liebsten mit sich selber. Dann wurden Patengeschenke gegeben, \u00bbRikoschettiert\u00ab, wie man es nennt. Geschenke flogen wie Kieselsteine \u00fcber das Moorwasser hin. Jedes von den Elfenm\u00e4dchen gab einen Zipfel von ihrem Schleier. \u00bbNimm ihn\u00ab, sagten sie, \u00bbdann kannst du gleich den h\u00f6heren Tanz, die schwierigsten Schwingungen und Wendungen, auch wenn es dr\u00fcckt; du bekommst die rechte Haltung und kannst dich in der steifsten Gesellschaft zeigen!\u00ab Der Nachtrabe lehrte jedes der jungen Irrlichter \u00bbbra, bra, brav!\u00ab zu sagen, es am rechten Ort zu sagen und das ist eine gro\u00dfe Gabe, die sich selber lohnt. Die Eule und der Storch lie\u00dfen auch etwas fallen, aber das war nicht der Rede wert, sagten sie, also reden wir nicht davon. K\u00f6nig Waldemars wilde Jagd fuhr gerade hin \u00fcber das Moor, und da diese Herrschaft von dem Fest h\u00f6rte, sandte sie als Geschenk ein paar feine Hunde, die mit Windeseile jagen und wohl ein Irrlicht tragen k\u00f6nnen, oder auch drei. Zwei alte Nachtmahre, die sich durch Reiten ern\u00e4hren, waren mit bei dem Fest; die lehrten sie gleich die Kunst, durch ein Schl\u00fcsselloch hineinzuschl\u00fcpfen, das ist, als ob einem alle T\u00fcren offenst\u00fcnden. Sie boten sich an, die jungen Irrlichter in die Stadt zu f\u00fchren, wo sie gut Bescheid wissen. Sie reiten gew\u00f6hnlich durch die Luft auf ihrem eigenen langen Nackenhaar, das sie in einen Knoten gebunden haben, um fest zu sitzen. Aber nun setzt sie sich beide quer auf die Hunde der wilden Jagd, nahmen die jungen Irrlichter auf den Scho\u00df, die hineinsollten, um die Menschen zu verleiten und zu verwirren \u2013 husch! waren sie fort. Das war alles gestern Nacht. Nun sind die Irrlichter in der Stadt, jetzt haben sie die Sache schon angepackt, aber wie und so, ja, sag mir das! Ich habe einen Wetterpropheten in meiner gro\u00dfen Zehe, der mir immer etwas erz\u00e4hlt!\u00ab<br>\u00bbDas ist ein ganzes M\u00e4rchen!\u00ab sagte der Mann.<br>\u00bbJa, das ist doch nur der Anfang zu einem\u00ab, sagte das Weib. \u00bbK\u00f6nnen Sie mir erz\u00e4hlen, wie sich die Irrlichter nun tummeln und betragen, in welchen Gestalten sie aufgetreten sind, um die Menschen auf falsche Wege zu ringen?\u00ab \u00bbIch glaube wohl\u00ab, sagte der Mann, \u00bbes konnte ein ganzer Roman \u00fcber die Irrlichter geschrieben werden, ganze zw\u00f6lf Teile, einen \u00fcber jedes Irrlicht, oder vielleicht noch besser ein ganzes Volkslustspiel.\u00ab<br>\u00bbDas sollten Sie schreiben\u00ab, sagte das Weib, \u00bboder lieber es sein lassen.\u00ab<br>\u00bbJa, das ist angenehmer und bequemer\u00ab, sagte der Mann, \u00bbdann braucht man sich nicht in der Zeitung zerrupfen zu lassen, und dabei wird es einem oft ebenso beklommen zumut wie einem Irrlicht, wenn es in einem Baume liegen, leuchten muss und nicht mucksen darf!\u00ab<br>\u00bbMir ist das ganz gleich\u00ab, sagte das Weib, \u00bbaber lassen Sie lieber die andern schreiben, die, die es k\u00f6nnen, und die, die es nicht k\u00f6nnen! Ich gebe einen alten Zapfen von meinem Fass, der schlie\u00dft den Schrank mit der Poesie auf Flaschen auf, darauf k\u00f6nnen sie bekommen, was ihnen fehlt; aber Sie, mein guter Mann, scheinen mir nun Ihre Finger genug mit Tinte beschmiert zu haben, und Sie sollten wohl zu dem Alter und der Gesetztheit gekommen sein, dass Sie nicht jedes Jahr dem M\u00e4rchen nachlaufen d\u00fcrfen, nun, wo viel wichtigere Dinge zu tun sind. Sie haben doch wohl verstanden, was los ist=\u00ab \u00bbDie Irrlichter sind in der Stadt!\u00ab sagte der Mann. \u00bbIch habe es geh\u00f6rt, ich habe es verstanden! Aber was wollen Sie, dass ich tun soll? Es wird mir ja doch schlecht ergehen, wenn ich sie sehe und den Leuten sage: \u00bbSeht einmal, da geht ein Irrlicht in Staatsuniform!\u00ab<br>\u00bbSie gehen auch in R\u00f6cken!\u00ab sagte das Weib. \u00bbDas Irrlicht kann jede Gestalt annehmen, die es will, und allerorten auftreten. Es geht in die Kirche, nicht um Gottes willen, nein, vielleicht ist es in den Priester gefahren. Es spricht am Wahltag nicht zu des Landes und Reiches Gunsten, nein, nur zu seinen eigenen; es ist K\u00fcnstler sowohl im Farbentopf als auch im Theatertopf, aber bekommt es ordentlich Macht, dann ist es aus mit dem Topf! Ich schwatze und schwatze, ich muss heraus mit dem, was ich auf dem Herzen habe, zum Schaden meiner eigenen Familie; aber ich werde nun die Retterin der Menschheit sein. Das geschieht wahrlich nicht aus guter Absicht oder um der Medaille willen. Ich tue das Verkehrteste, was ich tun kann, ich sage es einem Poeten und so bekommt es gleich die ganze Stadt zu wissen!\u00ab<br>\u00bbDie Stadt nimmt sich das nicht zu Herzen!\u00ab sagte der Mann. \u00bbDas wird keinen einzigen Menschen bek\u00fcmmern, sie glauben alle, dass ich ein M\u00e4rchen erz\u00e4hle, w\u00e4hrend ich im tiefsten Ernst ihnen sage: \u00bbDie Irrlichter sind in der Stadt\u00ab, sagte die Moorfrau, \u00bbNehmt euch in acht.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Irrlichter sind in der Stadt, sagte die Moorfrau Hans Christian Andersen Es war einmal ein Mann, der einst so viele neue M\u00e4rchen wusste, aber nun seien sie ihm ausgegangen, sagte er; das M\u00e4rchen, das von selber Besuch machte, kam nicht mehr und klopfte an seine T\u00fcre; und weshalb kam es nicht? 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