{"id":4381,"date":"2026-01-25T00:07:32","date_gmt":"2026-01-24T23:07:32","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4381"},"modified":"2026-01-25T00:07:32","modified_gmt":"2026-01-24T23:07:32","slug":"in-der-hoelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/in-der-hoelle\/","title":{"rendered":"In der H\u00f6lle"},"content":{"rendered":"\n<p>In der H\u00f6lle<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einst ein m\u00e4chtiger K\u00f6nig, der hatte eine wundersch\u00f6ne Tochter. Eines Tages ging die Prinzessin durch die gr\u00fcne Heide spazieren. Da kam ein furchtbarer Drache durch die Luft daher, ergriff das zu Tod erschrockene M\u00e4dchen und trug es hinab in die H\u00f6lle. Denn der Drache ist niemand anderes gewesen als der Teufel.<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig war ganz erschrocken, als er erfuhr, der H\u00f6llendrache habe seine Tochter entf\u00fchrt, und schrieb aus, dass er dem, der ihm seine Tochter aus der H\u00f6lle erl\u00f6se, sein K\u00f6nigreich verspr\u00e4che und die Hand seiner Tochter.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sind wohl viele gekommen und haben es versucht, bis zur H\u00f6lle vorzudringen, aber keiner fand trotz aller M\u00fchen den Weg dahin.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages nun kam der brave Sohn eine armen Witwe, die in gro\u00dfer Not war, und meldete sich beim K\u00f6nig. Er wolle es<\/p>\n\n\n\n<p>versuchen, die K\u00f6nigstochter zu erl\u00f6sen. Der K\u00f6nig wiederholte auch ihm das Versprechen, und der junge Bursche machte sich auf die Suche.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er so dahinging und alle, die ihm begegneten, fragte: &#8222;lst das der rechte Weg zur H\u00f6lle?&#8220; kam er zu einem alten h\u00e4sslichen Weiberl, das war so schwach, dass er verga\u00df, es zu fragen. Doch sie fragte ihn: &#8222;Wo aus, wo ein? Wohin f\u00fchrt dein Weg?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ei, ich soll zur H\u00f6lle gehen&#8220;, sagte er, &#8222;und finde den Weg nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Freunderl, das glaub ich dir gern&#8220;, meinte darauf das Weiberl, &#8222;wenn du in die H\u00f6lle willst kommen, musst du dies St\u00f6ckerl mitnehmen, das ich da unter der Irxen trage. Dann kommst du zu einem schwarzen Hahn, der auf der Gasse vor einem Haus steht; dem muss du nachrennen und eine Feder ausrei\u00dfen. Dann wirst du einen schwarzen Bock antreffen. der wird wohl sto\u00dfen; aber du musst ihm eine Bartborste ausrei\u00dfen. Das Weitere wirst du dann schon selber sehen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf hat sie ihm das St\u00f6ckerl gegeben, er hat ihr noch danken wollen, aber sie ist schnell fortgegangen. Und nachgehen hat er ihr nicht k\u00f6nnen, das hat das St\u00f6ckerl nicht erlaubt. Das hat ihm den Weg angegeben, und so ist er auf seiner Reise zu einem Bauernhaus gekommen, davor ist ein schwarzer Hahn gestanden. Kaum aber sah er den Wanderer mit dem St\u00f6cklein, da begann er zu fl\u00fcchten, schlug mit den Fl\u00fcgeln und lief davon. Doch der H\u00f6llensucher war schnel1er und holte den Hahn bald ein; und der Hahn mochte zetern, was er wollte, er raufte ihm eine schwarze Feder aus. Ein paar Schritte ging er weiter und steckte sich die schwarze Feder auf den Hut. Da stand mitten auf dem Weg ein schwarzer Bock, den geh\u00f6rnten Kopf zu Boden gesenkt, und ehe der H\u00f6llensucher sich versah, hatte ihn das wilde Tier \u00fcber den Haufen gerannt. Doch er lie\u00df sich&#8217;s nicht verdrie\u00dfen, sondern stand wieder auf, und als der Bock wieder losst\u00fcrmte, erfasste er ihn beim Barte, und wohl die H\u00e4lfte blieb in seinen H\u00e4nden. Der Bock aber lief meckernd weiter, dem Hause zu. Vom Barte suchte Hans sich nun die sch\u00f6nste Borste aus und tat sie mit der schwarzen Feder in seinen Geldbeutel, steckte das St\u00f6ckerl in den Stiefel und ging lustig darauf los. So kam er zum H\u00f6llentor; doch war dies zu seinem Leidwesen geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was nun tun?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ach&#8220;, dachte er sich, &#8222;ich versuche es mit dem Staberl&#8220;, und schlug damit ans Tor. Da flog es auch schon angelweit auf, und der Torw\u00e4chter trat unter den Torbogen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Was willst?&#8220; fuhr in das rote Mandle an, &#8222;du hast so st\u00fcrmisch am H\u00f6llentor geklopft! Hast du eine Anweisung?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da griff der Hans nach dem Geldbeutel und hielt dem W\u00e4chter die Feder vom schwarzen Hahn und die Borste vom schwarzen Bock unter die Nase, worauf dieser ein &#8222;Passiert&#8220; knurrte und ihm den Weg freigab. Wohin aber nun?<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Wege f\u00fchrten hinein in die H\u00f6lle. &#8222;Sie ist eine Prinzessin&#8220;, dachte Hans, &#8222;wird wohl der mittlere der rechte sein&#8220;, und als er das St\u00f6ckerl fragte, wies es ihm auch den mittleren Weg. Dort kam er in ein Zimmer und fand darin drei M\u00e4dchen; der Drache jedoch, mit dem er einen Kampf zu bestehen hatte, war ausgeflogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den M\u00e4dchen nun sagte Hans: &#8222;Ich bin gekommen, euch zu befreien, und jetzt, da der Drache fortgeflogen ist, w\u00e4r&#8217;s die sch\u00f6nste Zeit.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ach nein&#8220;, meinte nun eine, &#8222;jetzt ist es nicht mehr Zeit, da der Drache jeden Augenblick zur\u00fcckkehren kann. Aber was machen wir dann?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da sagte der Bub, er werde mit dem Drachen k\u00e4mpfen, aber die M\u00e4dchen erwiderten, das sei unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Endlich k\u00e4men sie auf den Ausweg, dass er den ersten Tag unter dem Bett des ersten M\u00e4dchens, am zweiten unter dem des zweiten und am dritten unter dem des dritten M\u00e4dchens liegen solle. Am vierten Tag aber w\u00fcrde der Drache, soviel ihnen bekannt sei, ohnehin ausfliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun am Abend der Drache heimkam und mit lautem Gepolter in das Zimmer eintrat, da schnupperte er und br\u00fcllte: &#8222;Ich rieche Menschenfleisch!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ach, was dir nicht einf\u00e4llt&#8220;, erwiderte die erste, &#8222;mir ist die Brennsuppe \u00fcbergegangen. Und deshalb riecht es so.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Drache gab sich zufrieden, legte den Sch\u00e4del zwischen die Tatzen und schlief bald ein. Am n\u00e4chsten Morgen aber flog er aus und verbrachte den Tag droben auf der Erde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Tag nun verging dem Hans bei den drei M\u00e4dchen, von denen eines sch\u00f6ner war als das andere, sehr kurzweilig, und als der Abend kam, kroch er unter das Bett der zweiten. Nicht lange darauf kam der Drache und trat unter lautem Gepolter in das Zimmer. Wieder schnupperte er und br\u00fcllte:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich rieche, rieche Menschenfleisch!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ach, was dir nicht einf\u00e4llt&#8220;, erwiderte da die zweite, &#8222;ich habe ein Kalb geschlachtet. Und deshalb riecht es so.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Drache gab sich zufrieden, legte wieder den Sch\u00e4del zwischen die Tatzen und schlief bald ein. Am n\u00e4chsten<\/p>\n\n\n\n<p>Morgen aber flog er wiederum aus und verweilte den ganzen Tag unter den Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch dieser Tag verging dem Hans bei seinen drei Freundinnen sehr kurzweilig, und als der Abend anbrach, kroch er unter das Bett der dritten. Nicht lange darauf trat der Drache mit gro\u00dfem Gepolter ein, schnupperte herum und br\u00fcllte:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich rieche, rieche, rieche Menschenfleisch!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ach&#8220;, lachte die dritte Prinzessin, die er am liebsten hatte, &#8222;was dir nicht einf\u00e4llt; mein Hahn ist hin geworden und der h\u00e4ngt in der H\u00fctten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch diesmal gab sich der Drache zufrieden, legte wieder den Sch\u00e4del zwischen die Tatzen und schlief bald ein. Am vierten Morgen aber flog er schon in aller Fr\u00fch aus und br\u00fcllte, dass er sehr sp\u00e4t heimkommen werde, weil er sehr viel zu besorgen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Da r\u00fcsteten sie zur Ausfahrt. Man m\u00f6ge die H\u00f6llenkutsche einspannen, um eine Spazierfahrt zu machen, sagten sie; Kutscher h\u00e4tten sie selber einen trefflichen. Und dann fuhren sie eiligst fort, Hans vorn auf dem Bock, die M\u00e4dchen in der Kutsche. Die zwei Rappen rasten auf der Stra\u00dfe dahin. Da pl\u00f6tzlich blieben sie stehen und b\u00e4umten sich. Der schwarze Bock stand mitten auf der Stra\u00dfe, hielt seinen Sch\u00e4del tief gesenkt und meckerte: &#8222;Meine Borste will ich haben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Rasch riss Hans den Beutel heraus und warf sie dem Bocke zu, da sprang der zur Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht lange rasten die Pferde auf der Stra\u00dfe weiter, da flog ihnen der schwarze Hahn an den Kopf und schrie: &#8222;Kikeriki, meine Feder will ich haben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Geschwind warf Hans ihm die Feder hin, und weiter ging&#8217;s der Stadt zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Da trat ihm noch das alte Weiberl in den Weg und forderte ihren Stecken ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann aber sausten die Rappen wohl zur Stadt und in die Burg. Da empfing der alte K\u00f6nig jubelnd seine Tochter. Darauf gab es freilich eine frohe Hochzeit und eine gro\u00dfe Tafel, und die Mutter des Hans sa\u00df auch dabei; und die hat mir alles erz\u00e4hlt, wie&#8217;s geschehen ist. Die zwei anderen M\u00e4dchen aber blieben bei dem jungen K\u00f6nigspaar in der Burg. Geh hin, schau, vielleicht w\u00e4re eine zu haben zum Heiraten!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der H\u00f6lle Es war einst ein m\u00e4chtiger K\u00f6nig, der hatte eine wundersch\u00f6ne Tochter. Eines Tages ging die Prinzessin durch die gr\u00fcne Heide spazieren. Da kam ein furchtbarer Drache durch die Luft daher, ergriff das zu Tod erschrockene M\u00e4dchen und trug es hinab in die H\u00f6lle. 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