{"id":4373,"date":"2026-01-24T23:56:32","date_gmt":"2026-01-24T22:56:32","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4373"},"modified":"2026-01-25T19:43:34","modified_gmt":"2026-01-25T18:43:34","slug":"der-huehnerdieb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-huehnerdieb\/","title":{"rendered":"Der H\u00fchnerdieb"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der H\u00fchnerdieb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Seht, in Aachen gab es einmal ein Denkmal, das einem H\u00fchnerdieb gewidmet war, dar\u00fcber m\u00fcsste man einmal nachdenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Er stand in der Mitte eines Brunnens, rundherum sa\u00dfen kleine K\u00fcken, aus deren Schn\u00e4bel lustig das Wasser sprang. Es war eigentlich ein rechter Kinderbrunnen, denn was wei\u00df so ein kleines Wesen schon von dem Denkmal eines Kaisers? Davor kann einem schon ordentlich bange werden, wenn man noch klein ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der H\u00fchnerdieb aber brachte die Kinder zum Lachen. Da stand er, dieser sonderbare Kauz und bem\u00fchte sich vergeblich, sein Huhn zu verstecken. O, es war k\u00f6stlich anzusehn. Seht, das w\u00e4re etwas, um ein M\u00e4rchen daraus zu machen. Nun, wir fangen gleich an.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein Zauberer, der wohnte im Aachener Wald und trieb dort sein Unwesen. Er war ein Diener des Teufels, und alles, was er sich ausdachte, war b\u00f6se und sollte den Menschen schaden. Au\u00dfer dem Haus des Zauberers, das unsichtbar war, gab es im Wald noch eine einzige H\u00fctte. Die H\u00fctte geh\u00f6rte dem Hausierer Thomas. Dieser hing sich jeden Morgen seinen Kasten um und ging in die Stadt. O, er war nicht furchtsam und sang dazu:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;M\u00e4dchen, seht in meinen Kasten, was ich da f\u00fcr s\u00fc\u00dfe Lasten Schleppe in die Stadt:<\/p>\n\n\n\n<p>Perlen, Blumen, bunte B\u00e4nder, Spitzen f\u00fcr die Samtgew\u00e4nder. Glaubt mir, niemand hat sonst so h\u00fcbsche, kleine Dinge, Goldgeschmeide, Silberringe, Spiegel, gro\u00df und klein. M\u00e4dchen, wenn ihr geht zum Tanze, braucht ihr doch von meinem Glanze, kommt, und sagt nicht nein!<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sollte da &#8222;nein&#8220; sagen, wenn Thomas seinen Kasten \u00f6ffnete. Aber er hatte eine Untugend, dieser Thomas, er verschenkte zuviel an solche, die kein Geld hatten, und so konnte er ja zu nichts kommen. Fr\u00fcher war es wohl nicht so schlimm, als seine Frau noch lebte. Aber jetzt lachte er \u00fcber seine Flicken, und die kleine Tochter zu Hause brauchte nicht viel. Sie war emsig und flei\u00dfig und schaffte den ganzen Tag. kam der Vater nach Hause, so war der Kasten gef\u00fcllt mit Brot, Mehl und Fleisch. Es gab keine Not. Manchmal brachte Thomas auch ein Huhn mit, und das war immer eine besondere Freude. Die Tochter sagte wohl:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Lieber Vater, verdienst du so viel?&#8220; &#8222;Aber ja&#8220;, sagte er fr\u00f6hlich, &#8222;iss doch, es geht nichts \u00fcber H\u00fchnersuppe.&#8220; &#8222;Nein&#8220;, sagte die Tochter, &#8222;wenn du noch einmal ein Huhn bringst, so wollen wir es gut f\u00fcttern und behalten, damit es uns Eier legt.&#8220; &#8222;Ja, da hast du recht&#8220;, meinte der Vater, und von dem Tage ab brachte er sehr oft ein Huhn mit. Das war aber doch der Kleinen ein wenig sonderbar. Einmal, als der Vater mit seinem Kasten fortging, schlich die Tochter ihm leise nach. Da sah sie nun, wie er aus seinem Kasten eine Menge verschenkte. Als nichts mehr darin war, ging er zum H\u00fchnermarkt und stahl ein Huhn. Die Kleine erschrak heftig und ging zur Seite. Und da geschah es zum ersten Mal, dass eine Bauernfrau ihr gestohlenes Huhn in der Tasche des Hausierers entdeckte, nicht das ganze Huhn, der Kopf schaute hinaus, und es entstand ein gro\u00dfes Gel\u00e4chter auf dem Markt. Wie sich das M\u00e4dchen in seiner Not umwandte, stand der Zauberer da, aber es erkannte ihn nicht, weil er aussah wie ein gew\u00f6hnlicher Mensch. &#8222;Ich kann dir helfen&#8220;, sprach er mit heiserer Stimme, &#8222;aber du musst mir die B\u00e4nder aus deines Vaters Kasten bringen. Ich werde dir zeigen, wo ich wohne!&#8220; Und er wies mit seinem kn\u00f6chernen Finger auf den kleinen Turm des roten Hauses zu, gleich hinter dem Brunnen des Marktes. Das M\u00e4dchen nickte nur und sah traurig auf den Vater, der von den Umstehenden hin- und hergezerrt wurde. Pl\u00f6tzlich rief jemand: &#8222;Er hat das Huhn ja gar nicht gestohlen, es ist ein Schwan, ein junger, schwarzer Schwan.&#8220; Entsetzt lief das M\u00e4dchen davon. &#8222;Der Fremde war ein Zauberer&#8220;, sprach es zu sich selbst, &#8222;der Fremde war ein Zauberer.&#8220; &#8211; Als am Abend ihr Vater seinen<\/p>\n\n\n\n<p>Kasten auf den Boden stellte und ihn \u00f6ffnete, war der schwarze Schwan darin zu sehen und zwei goldene Eier. &#8222;Sieh einer an!&#8220; sagte Thomas und rieb sich die H\u00e4nde, &#8222;nun sind wir bald reiche Leute!&#8220; Die Tochter aber f\u00fcrchtete sich sehr. Die Zeit verging. Thomas besa\u00df nun schon eine ganze Kiste voll goldener Eier, und das M\u00e4dchen dachte an die B\u00e4nder, die es dem Fremden versprochen hatte, doch es schwieg dar\u00fcber. Da wurde der Vater eines Tages krank, und er sagte zu dem M\u00e4dchen: &#8222;Geh&#8216; du mit dem Kasten in die Stadt. Du siehst, ich werde alt. Wir m\u00fcssen uns jetzt \u00fcberlegen, was wir mit den Eiern machen? Geh nur, ich werde mir schon etwas ausdenken.&#8220; Das M\u00e4dchen ging, tief in Gedanken versunken achtete es nicht auf den Weg und kam erst zu sich, als es mitten auf dem H\u00fchnermarkt stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Es erschrak heftig, aber der Kasten war schwer, und es setzte sich eine Weile. Da \u00f6ffnete sich in dem roten Turm ein Fenster und eine heisere Stimme rief: &#8222;komme herauf, kleine Sch\u00f6ne, ich brauche B\u00e4nder, viele B\u00e4nder!&#8220; Zitternd erhob sich das M\u00e4dchen, und die T\u00fcre des Hauses \u00f6ffnete sich von selbst. Das M\u00e4dchen stieg die Treppe des Turmes hinan. Als es die letzte Stufe erreichte, verlor es die Besinnung. Als das M\u00e4dchen erwachte, lag es auf einem bunten Teppich in einem runden Zimmer, neben ihm kauerte der Zauberer vor dem ge\u00f6ffneten Kasten, und in seiner Hand lagen die B\u00e4nder. &#8222;Wie hei\u00dft du?&#8220; fragte er. &#8222;Eva&#8220;, antwortete das M\u00e4dchen und richtete sich auf. &#8222;Du musst hierbleiben&#8220;, sagte der Zauberer, &#8222;dein Vater wird sich einen neuen Kasten machen m\u00fcssen, wenn er wieder gesund ist.&#8220; &#8211; &#8222;Ich verkaufe dir meine B\u00e4nder und gehe wieder, ich bleibe nicht hier!&#8220; sagte das M\u00e4dchen. Doch da lachte der Zauberer, er lachte so heftig, dass der ganze Raum schwankte. Pl\u00f6tzlich war die runde Wand des Zimmers mit Spiegeln bedeckt, und in der Mitte des Raumes hing ein Kronleuchter mit vielen Kerzen. &#8222;Was ist das?&#8220; rief das M\u00e4dchen erstaunt. &#8222;Ich brauche nur zu lachen&#8220;, erwiderte der Zauberer, &#8222;und es wird immer sch\u00f6ner. O, bei den Menschen ist das nicht viel anders, wenn sie gl\u00fccklich sind, halten sie die nichtigsten Dinge f\u00fcr etwas Wunderbares.&#8220; &#8211; Der Zauberer lachte in einem fort. Aus dem Boden wuchsen gro\u00dfe, farbenpr\u00e4chtige Blumen, und sogleich waren auch die T\u00f6pfe und Schalen dazu da. kleine Tische mit wei\u00dfen Marmorplatten erhoben sich aus dem Nichts, und es war mancherlei darauf zu sehen. Gl\u00e4ser mit geschliffenen R\u00e4ndern, Spitzen, Brokate, Ringe und Ketten. Ein kleines Haus aus Gold stand da mit zierlichen S\u00e4ulen und Bogen, alles mit Edelsteinen besetzt und kleinen wei\u00dfen oder rosa Perlen. Die T\u00fcre war aus Glas, und man sah einen Knaben aus wei\u00dfem Porzellan dahinter sitzen, der seinen Kopf in die H\u00e4nde st\u00fctzte. &#8222;O, wie sch\u00f6n&#8220;, fl\u00fcsterte Eva. &#8222;Das soll alles so bleiben&#8220;, sagte der Zauberer, &#8222;solange ich bei guter Laune bin und du mir das alles sauber und ordentlich h\u00e4ltst. Nimm dich nur vor dem goldenen H\u00e4uschen in acht. Es ist empfindlich, putze mir nie \u00fcber, die gl\u00e4serne T\u00fcr, sie zerbricht sonst, ein bisschen Staub schadet ihr nichts!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Von nun ab war Eva den ganzen Tag in dem kleinen Turmzimmer besch\u00e4ftigt. Ja, es machte ihr sogar Freude. Den Zauberer sah sie selten. Das einzige, was sie st\u00f6rte, war die d\u00fcnne Staubschicht auf der gl\u00e4sernen T\u00fcre. Einmal hielt sie es nicht mehr aus, sie nahm ein weiches Tuch und ging ganz vorsichtig dar\u00fcber, aber da h\u00f6rte sie einen feinen Ton, die Scheibe war zersprungen. Mit klopfendem Herzen \u00f6ffnete das M\u00e4dchen die T\u00fcre zum ersten Mal und nahm die kleine Porzellangestalt in ihre H\u00e4nde, diese wurde pl\u00f6tzlich so schwer wie Blei und das M\u00e4dchen b\u00fcckte sich schnell, so dass die H\u00e4nde den Teppich ber\u00fchrten. Da erschrak das M\u00e4dchen heftig, denn die H\u00e4nde waren leer, und vor ihm stand der Knabe aus Porzellan, ein wenig gr\u00f6\u00dfer noch als der Zauberer. Was sollte Eva damit anfangen? Aber er war so unbeschreiblich sch\u00f6n, dass sie ihn schnell auf die Stirne k\u00fcsste, und da geschah das Wundersame. Nun wurde der Knabe lebendig, er war ein richtiger Mensch. &#8222;Wer bist du?&#8220; fragte das M\u00e4dchen erstaunt, &#8222;hat der Zauberer dich verwandelt?&#8220; &#8222;Ja&#8220;, erwiderte der Knabe, &#8222;es muss schon sehr lange her sein.&#8220; Er ging auf das Fenster zu und atmete einmal tief auf. &#8222;Diese H\u00e4user dr\u00fcben standen damals noch nicht&#8220;, sagte er, &#8222;und solche Kleider, wie ich sie da unten sehe, gab es auch nicht. Mein Gott, wie lange muss das her sein!&#8220; &#8222;Dann freut es dich wohl gar nicht, dass ich dich erl\u00f6st habe?&#8220; fragte das M\u00e4dchen leise. &#8222;Wie kannst du das denken&#8220;, rief der Knabe, &#8222;die Welt ist immer sch\u00f6n, wenn man auch solche Spitzen nicht mehr tr\u00e4gt.&#8220; Er lachte, und riss sie von seinen seidenen \u00c4rmeln. &#8222;Aber wie willst du jetzt von hier fort?&#8220; rief Eva \u00e4ngstlich. &#8222;O, das ist einfach&#8220;, antwortete der Knabe. Er \u00f6ffnete das Fenster, drau\u00dfen war es Nacht, und warf das kleine, goldene Haus auf die Stra\u00dfe. Draus wuchs eine Leiter, und der Knabe schwang sich hinaus und stieg hinab. &#8222;komme schnell nach&#8220;, rief er, &#8222;aber schnell!&#8220; Eva stand wie erstarrt vor dem Fenster, sie h\u00f6rte in der Treppe die Schritte des Zauberers. Schnell nahm sie ihr Tuch und begann die Ringe blank zu reiben. In ihrer Verwirrung fing sie an zu singen:<\/p>\n\n\n\n<p>Spiegel hin und Spiegel her ach wie leuchtest du so sehr. Engelein an der Seite aus Gold ach wie l\u00e4chelst du so hold.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun muss ich doch schnell mal sehn, ob ich jung noch bin und sch\u00f6n?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Du bist lustig&#8220;, sagte der Zauberer, als er eintrat, &#8222;das freut mich!&#8220; Er legte seinen Mantel ab und setzte sich in seinen Schaukelstuhl.<\/p>\n\n\n\n<p>Eva unterbrach ihre Arbeit nicht. &#8222;Singe weiter, mein Kind&#8220;, rief er, &#8222;singe weiter!&#8220; Und Eva sang:<\/p>\n\n\n\n<p>Heute sing ich froh und laut, morgen bin ich vielleicht Braut. Heut&#8216; trag&#8216; ich mein Kinderkleid&#8216; morgen wohl ein Goldgeschmied&#8216;. Spiegel her und Spiegel hin, sage mir, wie alt ich bin?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zauberer lachte, und von der Decke regnete es von Goldspangen und Silberblumen. &#8222;Aber warte&#8220;, rief er pl\u00f6tzlich, &#8222;gib mir einmal das kleine goldene Haus!&#8220; &#8222;Ach, das habe ich weggestellt&#8220;, sagte das M\u00e4dchen, &#8222;es \u00e4rgerte mich, weil ich es doch nie abstauben durfte.&#8220; Eva tat so, als wenn sie \u00fcberall<\/p>\n\n\n\n<p>danach suchen w\u00fcrde und ihre H\u00e4nde zitterten. &#8222;Ich finde es nicht&#8220;, seufzte sie, &#8222;mein Gott, wo habe ich es nur hingetan?&#8220; &#8222;Du wirst es schon finden&#8220;, meinte der Zauberer, &#8222;suche in Ruhe und gehe jetzt schlafen. Aber morgen muss ich das kleine goldene Haus haben!&#8220; Als er fort war, schlug das M\u00e4dchen die H\u00e4nde vor das Gesicht und weinte. Jedoch wie sollte das helfen! Eva erhob sich und ging an das Fenster. Aber was lag da auf dem Boden? Es waren die Spitzenmanschetten des Knaben. Eva nahm sie, \u00fcberlegte eine Weile, \u00f6ffnete dann das Fenster und warf sie hinaus. Im selben Augenblick wuchs eine Leiter darauf und Eva sprang behende hinunter. Ersch\u00f6pft setzte sie sich auf den Brunnenrand. Aber was sah sie dicht vor sich? Ihren eigenen Vater in Erz verwandelt. Das Huhn sah aus seiner Tasche hervor, O, es war ein Spott und eine Schande. &#8222;Was machst du hier, lieber Vater?&#8220; rief das M\u00e4dchen. &#8222;Der Zauberer hat mich verwandelt, in der Nacht, als du nicht wiederkamst&#8220;&#8218; t\u00f6nte es aus dem Brunnen, &#8222;die Leute in Aachen meinen, ein Freund der Stadt, der vor kurzem von immer von dir wegging, habe dieses Denkmal heimlich hier herbringen lassen. Die Leute freuen sich dar\u00fcber, zum Gl\u00fcck erkennen sie mich nicht. Aber h\u00f6re gut zu, Eva, ich habe die goldenen Eier im Wald vergraben. Geh und hole sie dir, dann bist du reich. Was brauchst du mich dann noch. Ich muss jetzt f\u00fcr meine Schuld b\u00fc\u00dfen.&#8220; &#8211; Das M\u00e4dchen ging traurig davon, als es an das Tor der Stadt kam, sah es dort ein wundersch\u00f6nes, neues Haus stehen. Die Fenster waren hell erleuchtet, in der T\u00fcre aber stand der Knabe, nein, er war kein Knabe mehr, er war ein Mann geworden. &#8222;komme herein, du liebes M\u00e4dchen&#8220;, rief er fr\u00f6hlich, &#8222;ich habe auf dich gewartet, du sollst meine Braut sein.&#8220; Er fasste ihre Hand und zog sie in das Haus. &#8222;Denke dir, was ich erlebt habe!&#8220; begann er zu erz\u00e4hlen. &#8222;Ich ging in der Nacht weinend in den Wald hinein, weil ich dich verloren hatte. Da h\u00f6rte ich deine Stimme, du sangst ein Lied und ich ging diesem Klang nach. So lautete das Lied:<\/p>\n\n\n\n<p>Spiegel hin und Spiegel her, ach, wie leuchtest du so sehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Engelein an der Seite aus Gold,<\/p>\n\n\n\n<p>ach wie l\u00e4chelst du so hold. Nun muss ich doch schnell mal sehn ob ich jung bin noch und sch\u00f6n?<\/p>\n\n\n\n<p>Heute sing ich froh und laut, morgen bin ich vielleicht Braut, Heut&#8216; trag&#8216; ich mein Kinderkleid, morgen wohl ein Goldgeschmeid. Spiegel her und Spiegel hin, sage mir, wie alt ich bin?<\/p>\n\n\n\n<p>Dann verstummte der Gesang und ich fand eine kleine H\u00fctte. Ich ging hinein, und da niemand dort wohnte, schlief ich in der kleinen Kammer. Am n\u00e4chsten Morgen sah ich drau\u00dfen einen Garten. In der Ecke steckte ein Spaten, und ohne mir etwas dabei zu denken, fing ich an, den Garten umzugraben. Da stie\u00df ich auf etwas Hartes, und als ich zusah, war es eine eiserne Kiste. Ich \u00f6ffnete sie und sah lauter Eier aus Gold darin liegen.&#8220; &#8222;O Gott, davon hast du das Haus erbaut&#8220;, rief Eva, &#8222;es ist Teufelsgold!&#8220; Der junge Mann erschrak heftig, als das M\u00e4dchen ihm nun alles erz\u00e4hlte, und er schwieg lange Zeit. Dann aber wurden seine Augen wieder strahlend und er sagte. &#8222;Wei\u00dft du, ich bin ein Goldschmied und habe manches Sch\u00f6ne aus dem Gold gemacht, so auch eine kleine Krone f\u00fcr die Madonna im Dom, ob uns das nicht hilft?&#8220; Nun wurde es dem M\u00e4dchen auch leichter. Sie machten sich also in der gleichen Nacht noch auf und brachten die Krone in den Dom. Sie vernahmen pl\u00f6tzlich eine wunderbare Orgelmusik. \u00dcber dem Kronleuchter erblickten sie einen Kranz von Engeln. Aus den Ornamenten des Steinbodens erhoben sich Schmetterlinge in allen Farben, die in einen Seitengang hineinflogen und sich dort auf einen schwarzen, abgetretenen Grabstein niederlie\u00dfen. Der Stein erhob sich und aus der Gruft stieg ein Mann mit einer Krone auf dem Kopf. &#8222;Ihr k\u00f6nnt den Teufel \u00fcberlisten&#8220;, sprach er, &#8222;geht jetzt zu dem Brunnen, es ist die Zeit, wo Thomas lebendig wird. Schneidet einen Teil seiner Haare ab und legt die auf den Brunnenrand, alles Weitere werdet ihr selbst sehn!&#8220; &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden jungen Menschen liefen schnell hinaus, und da kam ihnen Thomas schon entgegen. Sie taten, wie der Kaiser ihnen befohlen hatte, und als sie die Haare auf den Brunnenrand legten, wurde daraus ein neues Denkmal. Nun gingen sie in das gro\u00dfe, sch\u00f6ne Haus und lebten dort recht vergn\u00fcgt miteinander. Wenn Thomas aber den H\u00fchnermarkt sah, war er immer ein wenig \u00e4ngstlich. Er wunderte sich, dass die Leute nicht sahen, wer der H\u00fchnerdieb eigentlich war, denn immerhin trug er ja sein Gesicht. Nun, auch das konnte Zauberei sein. Und doch ist es m\u00f6glich, dass man einen Menschen, den man nur in Lumpen und Flicken gesehen hat, nicht mehr wiedererkennt, wenn dieser pl\u00f6tzlich die herrlichsten Kleider tr\u00e4gt. Denn darauf sehen die Menschen zuerst. Ist das aber zu verstehen, das Thomas manchmal Sehnsucht hatte nach seinem Kasten? Er ging mit seinem vornehmen Stock oft einige Male um den H\u00fchnerdieb herum und sang in Gedanken immerzu:<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4dchen, seht in meinen Kasten, was ich da f\u00fcr s\u00fc\u00dfe Lasten<\/p>\n\n\n\n<p>schleppe in die Stadt:<\/p>\n\n\n\n<p>Perlen, Blumen, bunte B\u00e4nder, Spitzen f\u00fcr die Samtgew\u00e4nder.<\/p>\n\n\n\n<p>Glaubt mir, niemand hat sonst so h\u00fcbsche kleine Dinge, Goldgeschmeide, Silberringe, Spiegel gro\u00df und klein.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4dchen, wenn ihr geht zum Tanze,<\/p>\n\n\n\n<p>braucht ihr doch von meinem Glanze,<\/p>\n\n\n\n<p>kommt und sagt nicht nein!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der H\u00fchnerdieb aber brachte die Kinder zum Lachen. 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