{"id":4363,"date":"2026-01-24T23:43:53","date_gmt":"2026-01-24T22:43:53","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4363"},"modified":"2026-01-24T23:44:08","modified_gmt":"2026-01-24T22:44:08","slug":"der-hirtenjunge-am-brunnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-hirtenjunge-am-brunnen\/","title":{"rendered":"Der Hirtenjunge am Brunnen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Hirtenjunge am Brunnen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Christian Tobias Krug<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein kleiner, armer Junge, dem waren Vater und Mutter gestorben, und er war so arm, dass er kein Bett hatte, um darin zu schlafen, und noch nicht einmal mehr ein St\u00fcck Brot, um sich satt essen zu k\u00f6nnen.<br>Da er aber trotz allem flei\u00dfig und freundlich war, fand er Arbeit bei einem Bauern, wo er die Schafe h\u00fctete. Jeden Morgen in der Fr\u00fche, wenn die Sonne noch nicht ganz aufgegangen war und frischer Tau auf den Gr\u00e4sern lag, machte er sich auf und f\u00fchrte die Herde hinaus auf die gr\u00fcne Wiese. Zufrieden bl\u00f6kten die Schafe und machten sich \u00fcber das gute, saftige Gras her. Der Junge selber pfiff ein Liedchen, kraulte die L\u00e4mmer hinter den Ohren, und wenn es mittags hei\u00df wurde, setzte er sich in den Schatten eines Baumes.<br>Als er gegen Abend dann nach Hause kam, teilte der Bauer sein Essen mit ihm und gab ihm einen Platz in der Scheune, wo er sich aus dem weichen Heu ein Lager f\u00fcr die Nacht herrichten konnte.<br>So ging es denn eine ganze Zeit lang so und der Bauer war recht gl\u00fccklich mit seinem Hirtenjungen, denn die Schafe gaben stets sch\u00f6ne, weiche Wolle ab, die sich auf dem Markt ganz pr\u00e4chtig verkaufen lie\u00df.<br>Jedoch war der Bauer bereits ein alter Mann, dessen Haare schon lange grau geworden waren, und er merkte, dass es bald mit ihm zu Ende ging. Und als er schlie\u00dflich die Augen schloss und starb, da wurden der Hof und die Herde verkauft und der Junge konnte nicht l\u00e4nger dort bleiben.<br>Da nahm er einen Krug mit Wasser und ein St\u00fcckchen Brot und ging sonst mit nichts als den Kleidern, die er am Leibe trug, hinaus in die Welt. Nicht lange, da kam er in eine Stadt und bat dort um Arbeit, aber niemand wollte ihn haben. In jedem Dorf und jeder Stadt, die er durchquerte, klopfte er an die T\u00fcren, fragte B\u00e4cker und Bauern, M\u00e4gde und Schneider, doch nie hatte er Gl\u00fcck und sie alle jagten ihn wieder davon.<br>Als er nun schon eine ganze Weile so umhergewandert war, kam er eines Tages in einen tiefen Wald, in dem die B\u00e4ume so dicht standen, dass kaum ein Sonnenstrahl zwischen den \u00c4sten hindurchlangte. Da entdeckte er eine gro\u00dfe, dunkle H\u00f6hle und weil er m\u00fcde von seiner Reise war, dachte er bei sich: Ich will mich hineinlegen und eine Zeit lang schlafen. Wenn ich wieder aufwache, wird die Welt gleich viel freundlicher aussehen.<br>Und er kroch in die H\u00f6hle, legte seinen Kopf auf die weiche Erde und schlief ein \u2013 und schlief f\u00fcr eine sehr, sehr lange Zeit.<br>Er erwachte erst wieder, als sich ein K\u00e4fer, der in der H\u00f6hle wohnte, auf seine Nase setzte, und wie er die Augen aufschlug, f\u00fchlte er sich erholt und munter.<br>Als er aber die H\u00f6hle verlie\u00df, merkte er, dass die Erde w\u00e4hrenddessen von einem Krieg zerst\u00f6rt worden war. Wiesen und Felder waren verheert, die W\u00e4lder niedergebrannt, die Tiere get\u00f6tet, die St\u00e4dte lagen in Tr\u00fcmmern und die D\u00f6rfer waren verw\u00fcstet.<br>Da ging der Junge und suchte die Menschen und suchte Tag und Nacht, doch es lie\u00df sich weit und breit kein anderes Gesicht blicken. Alles war tot und es lebte niemand mehr auf der Welt. Und weil auf der Erde niemand mehr war, ging der Junge hinauf in den Himmel und kam schlie\u00dflich zur Sonne. Doch diese war so hei\u00df und f\u00fcrchterlich und sengte ihm die Kleider an, dass er rasch wieder davonlief.<br>Da sah er von Weitem, wie ihm der Mond so freundlich entgegensah. Als er aber n\u00e4her kam, war der Mond kalt und grausig, und wie er den Jungen bemerkte, sprach er mit b\u00f6ser Stimme: \u201eWer mich in meiner Ruhe st\u00f6rt, den fresse ich mit Haut und Haaren!\u201c<br>Darauf rannte der Junge flink davon und machte sich auf den Weg zu den Sternen, denn er hoffte, diese seien ihm freundlich gesonnen. Die Sterne aber waren viel zu sehr mit sich selbst besch\u00e4ftigt, leuchteten stumm vor sich hin und antworteten ihm nicht.<br>Da kehrte er auf die Erde zur\u00fcck und kam letztendlich an einen gro\u00dfen Brunnen aus grauem Stein. Der Brunnen war so gro\u00df wie ein M\u00fchlrad, seine Steine kalt und leblos und wenn man in den Brunnen hineinsah, so war er so dunkel und tief, dass er weder Grund noch Boden zu haben schien.<br>Der Junge setzte sich an den Brunnenrand, legte den Kopf in den Scho\u00df und weinte. Und dort sitzt er noch heute und ist ganz allein wie noch so viele andere Kinder auf der Welt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Dieses M\u00e4rchen wurde mir von Christian Krug ( christian-krug@arcor.de ) zur Verf\u00fcgung gestellt.<br>Das Copyright dieses M\u00e4rchens liegt ausschlie\u00dflich bei Christian Krug.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Hirtenjunge am Brunnen Christian Tobias Krug Es war einmal ein kleiner, armer Junge, dem waren Vater und Mutter gestorben, und er war so arm, dass er kein Bett hatte, um darin zu schlafen, und noch nicht einmal mehr ein St\u00fcck Brot, um sich satt essen zu k\u00f6nnen.Da er aber trotz allem flei\u00dfig und freundlich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[198,85],"tags":[],"class_list":["post-4363","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-christian-tobias-krug","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4363","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4363"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4363\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4364,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4363\/revisions\/4364"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4363"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4363"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4363"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}