{"id":4359,"date":"2026-01-24T23:38:23","date_gmt":"2026-01-24T22:38:23","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4359"},"modified":"2026-01-24T23:38:24","modified_gmt":"2026-01-24T22:38:24","slug":"das-hirsekorn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-hirsekorn\/","title":{"rendered":"Das Hirsekorn"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das Hirsekorn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4rchen aus Sachsen &#8211; Josef Haltrich<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein armer, armer Junge, der hatte von seiner Mutter, als sie starb, ein kleinwinziges Hirsekorn geerbt, und das war all sein Reichtum. Da er nun weder Vater noch Mutter zu verlassen hatte, so meinte er, die Welt sei gro\u00df und sch\u00f6n, er wolle sich ein wenig darin umschauen. Also nahm er sein Hirsekorn und wanderte fort. Nicht lange, so begegnete er einem alten Manne mit breitem Hut und einem grauen Mantel, der sah so freundlich aus. \u00bbGott gr\u00fc\u00df Euch, alter Gro\u00dfvater! \u00ab sprach der Junge. \u00bbSch\u00f6nen Dank! \u00ab erwiderte der Mann, \u00bbwo gehst du denn hin? \u00ab &#8211; \u00bbAuf Reisen! \u00ab sprach der Junge, \u00bbund ich trage all mein Gut mit mir, das ist ein Hirsekorn; wird es mir nicht gestohlen werden? \u00ab Da jammerte den Mann des armen Knaben, und er sprach: \u00bbBesorge nichts, mein Kind; du wirst es zwar verlieren, aber dadurch gewinnen! \u00ab Abends kehrte der Junge in einem Dorfe ein, klopfte bei einem Bauern an und bat um Herberge. Als er schlafen ging, legte er sein Hirsekorn aufs Fenster und sprach zum Wirten: \u00bbDas ist all mein Reichtum, wird es mir nicht gestohlen werden? \u00ab &#8211; \u00bbSchlafe ruhig, mein Sohn, es soll dir in meinem Hause kein Schaden geschehen! \u00ab Am Morgen, als die Sonne ins Fenster schien, gl\u00e4nzte das Hirsekorn, und der Haus Hahn, der im Hofe herumstieg und K\u00f6rner suchte, sah es, flog hin und pickte es auf. Eben war der Knabe erwacht und erblickte den Hahn auf dem Fenster, wie er sein Hirsekorn verschluckte. Da fing er an zu weinen und zu klagen. Der Bauer tr\u00f6stete ihn und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDer Hahn ist dein,<br>Hat er gefressen das Hirselein. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nun war der Knabe froh, nahm den Hahn und wanderte weiter. Abends kam er wieder in einem andern Dorfe zu einem Bauern und bat um Herberge; er sprach: \u00bbDer Hahn ist all mein Reichtum, wird er mir nicht gestohlen werden? \u00ab &#8211; \u00bbSchlafe ruhig, mein Sohn\u00ab, sprach der Wirt, \u00bbauf meinem Hof darf dir kein Schaden geschehen. \u00ab Fr\u00fchmorgens aber ging der Hahn im Hofe herum und suchte sich K\u00f6rner, und wie er einige gefunden hatte, sah dieses das Schwein des Bauern, packte den Hahn und erbiss ihn, die K\u00f6rner aber fra\u00df es selbst. Als der Knabe am Morgen nach seinem Hahn sah, so lag der tot, und er fing nun an zu jammern und zu klagen: \u00bbO weh mir, das Schwein hat meinen Hahn erbissen! \u00ab Da tr\u00f6stete ihn der Bauer und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNimm hin das Schwein,<br>Es sei nun dein,<br>Hat&#8217;s den Hahn dir erbissen. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da band der Wirt ihm ein Seil an den Fu\u00df, und der Junge zog weiter. Abends gelangte er wieder in ein Dorf und sprach abermals bei einem Bauern an, und da nahm man ihn freundlich auf. Er sagte aber zum Wirten: \u00bbMein ganzer Reichtum ist dies Schwein, wird es mir nicht gestohlen werden? \u00ab &#8211; \u00bbSchlafe ruhig, mein Sohn, auf meinem Hof darf dir kein Schaden geschehen. \u00ab Als aber am Morgen eine mutige Kuh des Bauern das fremde Schwein im Hof sah, lief sie auf dasselbe los und er stie\u00df es mit ihren H\u00f6rnern. Der Knabe erwachte bald, ging hinaus und sah sein Ungl\u00fcck; da fing er an zu jammern; doch der Bauer tr\u00f6stete ihn und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDie Kuh ist dein,<br>Hat sie das Schwein Dir versto\u00dfen! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>band ihr ein Seil um den Hals und \u00fcbergab sie dem Knaben; der wanderte jetzt fr\u00f6hlich weiter und gelangte abends auf einen Edel Hof und bat um Herberge; die wurde ihm auch gerne gew\u00e4hrt. Der Knabe aber sprach ganz untert\u00e4nig zum Herrn des Hofes, als er schlafen ging: \u00bbAll mein Reichtum ist diese Kuh, wird sie mir nicht gestohlen werden? \u00ab &#8211; \u00bbSchlafe ruhig, armer Junge, auf meinem Hofe soll dir kein Schaden geschehen! \u00ab Als am Morgen die Pferde zur Tr\u00e4nke gef\u00fchrt wurden, sprang ein mutwilliger Hengst im Hof herum. Sowie er die fremde Kuh erblickte, lief er auf sie zu und schlug sie tot. Da fing der Junge an zu klagen und zu jammern, als er seine Kuh tot sah; der Edelmann aber tr\u00f6stete ihn und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNimm den Hengst f\u00fcr die Kuh<br>Und den Zaum dazu! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da setzte sich der Junge auf das stattliche Ross und ritt fort in die weite, weite Welt und verrichtete viele Heldentaten; zuletzt ist er noch auf den Glasberg geritten, hat die K\u00f6nigstochter erl\u00f6st und ist K\u00f6nig geworden. Seht ihr&#8217;s, was aus einem armen Jungen werden kann, wenn er&#8217;s Gl\u00fcck hat!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Hirsekorn M\u00e4rchen aus Sachsen &#8211; Josef Haltrich Es war einmal ein armer, armer Junge, der hatte von seiner Mutter, als sie starb, ein kleinwinziges Hirsekorn geerbt, und das war all sein Reichtum. 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