{"id":4357,"date":"2026-01-24T23:36:14","date_gmt":"2026-01-24T22:36:14","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4357"},"modified":"2026-01-24T23:36:14","modified_gmt":"2026-01-24T22:36:14","slug":"die-himmlische-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-himmlische-musik\/","title":{"rendered":"Die himmlische Musik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die himmlische Musik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Richard von Volkmann-Leander<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Als noch das goldene Zeitalter war, wo die Engel mit den Bauernkindern auf den Sandhaufen spielten, standen die Tore des Himmels weit offen, und der goldene Himmelsglanz fiel aus ihnen wie ein Regen auf die Erde herab. Die Menschen sahen von der Erde in den offenen Himmel hinein; sie sahen oben die Seligen zwischen den Sternen spazieren gehen, und die Menschen gr\u00fc\u00dften hinauf, und die Seligen gr\u00fc\u00dften herunter. Das Sch\u00f6nste aber war die wundervolle Musik, die damals aus dem Himmel sich h\u00f6ren lie\u00df. Der liebe Gott hatte dazu die Noten selber aufgeschrieben, und tausend Engel f\u00fchrten sie mit Geigen, Pauken und Trompeten auf. Wenn sie zu ert\u00f6nen begann, wurde es ganz still auf der Erde. Der Wind h\u00f6rte auf zu rauschen, und die Wasser im Meer und in den Fl\u00fcssen standen still. Die Menschen aber nickten sich zu und dr\u00fcckten sich heimlich die H\u00e4nde. Es wurde ihnen beim Lauschen so wunderbar zumut, wie man das jetzt einem armen Menschenherzen gar nicht beschreiben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>So war es damals; aber es dauerte nicht lange. Denn eines Tages lie\u00df der liebe Gott zur Strafe die Himmelstore zumachen und sagte zu den Engeln: &#8222;H\u00f6rt auf mit eurer Musik; denn ich bin traurig!&#8220; Da wurden die Engel auch betr\u00fcbt und setzten sich jeder mit seinem Notenblatt auf eine Wolke und zerschnitzelten die Notenbl\u00e4tter mit ihren kleinen goldenen Scheren in lauter einzelne St\u00fcckchen; die lie\u00dfen sie auf die Erde hinunterfliegen. Hier nahm sie der Wind, wehte sie wie Schneeflocken \u00fcber Berg und Tal und zerstreute sie in alle Welt. Und die Menschenkinder haschten sich jeder ein Schnitzel, der eine ein gro\u00dfes und der andere ein kleines, und hoben sie sich sorgf\u00e4ltig auf und hielten die Schnitzel sehr wert; denn es war ja etwas von der himmlischen Musik, die so wundervoll geklungen hatte. Aber mit der Zeit begannen sie sich zu streiten und zu entzweien, weil jeder glaubte, er h\u00e4tte das Beste erwischt; und zuletzt behauptete jeder, das, was er h\u00e4tte, w\u00e4re die eigentliche himmlische Musik, und das, was die anderen bes\u00e4\u00dfen, w\u00e4re eitel Trug und Schein. Wer recht klug sein wollte, und deren waren viele, machte noch hinten und vorn einen gro\u00dfen Schn\u00f6rkel daran und bildete sich etwas ganz Besonderes darauf ein. Der eine pfiff a und der andere sang b; der eine spielte in Moll und der andere in Dur; keiner konnte den andern verstehen. Kurz, es war ein L\u00e4rm wie in einer Judenschule. So steht es noch heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn aber der J\u00fcngste Tag kommen wird, wo die Sterne auf die Erde fallen und die Sonne ins Meer und die Menschen sich an der Himmelspforte dr\u00e4ngen wie die Kinder zu Weihnachten, wenn aufgemacht wird, da wird der liebe Gott durch die Engel alle die Papierschnitzel von seinem himmlischen Notenbuche wieder einsammeln lassen, die gro\u00dfen ebenso wohl wie die kleinen, und selbst die ganz kleinen, auf denen nur eine einzige Note steht. Die Engel werden die St\u00fcckchen wieder zusammensetzen, und dann werden die Tore aufspringen, und die himmlische Musik wird aufs Neue erschallen, ebenso sch\u00f6n wie fr\u00fcher. Da werden die Menschenkinder verwundert und besch\u00e4mt dastehen und lauschen und einer zum andern sagen: &#8222;Das hattest du! Das hatte ich! Nun aber klingt es erst wunderbar herrlich und ganz anders, nun alles wieder beisammen und am richtigen Orte ist!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ja! So wird&#8217;s. Ihr k\u00f6nnt euch darauf verlassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die himmlische Musik Richard von Volkmann-Leander Als noch das goldene Zeitalter war, wo die Engel mit den Bauernkindern auf den Sandhaufen spielten, standen die Tore des Himmels weit offen, und der goldene Himmelsglanz fiel aus ihnen wie ein Regen auf die Erde herab. 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