{"id":4353,"date":"2026-01-24T23:30:22","date_gmt":"2026-01-24T22:30:22","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4353"},"modified":"2026-01-24T23:30:22","modified_gmt":"2026-01-24T22:30:22","slug":"der-himmelsreisende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-himmelsreisende\/","title":{"rendered":"Der Himmelsreisende"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Himmelsreisende<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ernst Meier<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Da war einmal ein lustiger Wandersmann, der ging in ein Wirtshaus, um ein Glas Wein zu trinken. Sprach die Wirtin: \u201eWoher die Reise?\u201c \u201eIch komme eben vom Himmel!\u201c sagte der Fremde. \u201eWas Sie sagen! vom Himmel kommen Sie?\u201c sagte die Frau. \u201eEi freilich!\u201c versetzte er. \u201eEi\u201c, sagte die Frau, \u201eda haben Sie ja auch wohl meinen seligen Mann, den Hans, gesehen?\u201c \u201eHa, das versteht sich, \u201c sagte der Fremde, \u201edass ich ihn gesehen habe; ich kenne ihn sehr gut, wir sind best\u00e4ndig gute Freunde zu einander gewesen.\u201c \u201eJesus Maria!\u201c rief die Frau, \u201ewas Sie sagen! also Sie haben ihn wirklich gesehen und gesprochen und gekannt?\u201c \u201eEi warum nicht?\u201c versetzte der Mann. \u201eUm Gottes willen!\u201c sagte die Frau, \u201ewie geht\u2019s ihm denn nur?\u201c \u201eAch, so so! nicht eben zum Besten, \u201c sagte der Fremde. \u201eDa droben ist\u2019s halt schwer fortkommen. Er muss viel schaffen und der Verdienst ist gering. Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, hat er beinah kein heils Hemd mehr am Leibe gehabt.\u201c \u201eDass sich Gott erbarm!\u201c seufzte die Frau. \u2013 \u201eAch, w\u00fcsst\u2019 ich nur, \u201c fuhr sie nach einer Weile fort, \u201ewie ich ihm etwas zuschicken k\u00f6nnte, ich wollt\u2019 ihm gern was abgeben, ich hab\u2019s ja, Gott sei Dank.\u201c \u2013 \u201eO, \u201c sagte der Wandersmann, \u201eda w\u00e4re wohl Rath; ich gehe n\u00e4chstens zur\u00fcck, und kann ihm schon Einiges mitnehmen, was Ihr ihm schicken wollt. Das wird eine Freude sein!\u201c \u2013 \u201eAch, bester Freund\u201c, sprach die Frau, \u201ealso kein Hemd hat er mehr am Leibe gehabt, kein heils? Ich hab da grad ein halbes Dutzend ganz neue f\u00fcr meinen \u00e4ltesten Sohn machen lassen, die passen auch f\u00fcr meinen Mann selig; ach, wenn Ihr die mitnehmen wolltet!\u201c \u201eRecht gern!\u201c sprach er. \u201eUnd diese dreihundert Gulden auch!\u201c \u201eAuch die\u201c, sprach er, \u201ekann ich schon noch tragen.\u201c \u201eAch Gott, \u201c sprach sie weiter, \u201eund da hab ich noch einen halben Schinken und ein paar W\u00fcrste, die hat er immer so gern gegessen!\u201c Auch die nahm der Fremde noch in Empfang und trat unter tausend Danksagungen seine Weiterreise an.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der \u00e4lteste Sohn der Wirtin nach Hause kam und von der Mutter erfuhr, was vorgefallen war, sattelte er schnell ein Pferd und jagte dem Himmelsboten nach. \u2013 Der hatte sich indes wohlgemut ins Freie begeben und gerade beim Eingang des Waldes hingesetzt, als er den Reiter daher sprengen sah und Unrat vermerkte. Sogleich setzte er seinen Hut auf die Erde und tat, als ob er ihn eifrig bewache. \u2013 Wie der Reiter nahe kam, hielt er an und fragte den Wanderer, ob er der Mann sei, der in den Himmel reise? \u201eFreilich\u201c, sagte er, \u201eder bin ich.\u201c \u201eNun, \u201c rief er, \u201eso gebt nur sogleich das Geld heraus, das ihr meinem Vater bringen solltet!\u201c \u201eWie Ihr wollt\u201c, sprach der Reisende, \u201emir kann es einerlei sein; wenn Ihr\u2019s Eurem Vater nicht g\u00f6nnt, so brauch ich\u2019s nicht zu tragen. Nur m\u00fcsst Ihr ein wenig warten. Ich hab da grad unterm Hut einen sehr seltenen und kostbaren Vogel sitzen, den ich hier gefangen, der ist wenigstens dreihundert Gulden wert, und hab einen Mann in die Stadt geschickt, dass er mir einen K\u00e4fig holen soll. Diesem Manne hab ich, weil er nichts zu tragen hatte, auch die dreihundert Gulden mitgegeben, die Euer Vater haben sollte. Wenn er zur\u00fcckkommt mit dem K\u00e4fig, m\u00fcsst\u2019 Ihr eben mit mir in die Stadt reiten.\u201c Ja, das war dem Sohne ganz recht und er blieb da. \u2013 Nach einer Weile aber sprach der Himmelsreisende: \u201ewenn Ihr mir den Vogel recht sorgf\u00e4ltig h\u00fcten m\u00f6chtet, so k\u00f6nnte ich dem Manne auch gleich nachlaufen, denn er wird ohnehin wohl sobald nicht zur\u00fcckkommen; oder, noch schneller w\u00fcrde es gehen, wenn Ihr mir Euer Pferd leihen wolltet; da w\u00e4re ich gleich wieder hier und Ihr k\u00f6nntet bei Zeiten noch heimkehren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Vorschlag schien dem Sohne sehr vern\u00fcnftig, weshalb er ihn auch auf der Stelle annahm und den Reisenden sein Pferd besteigen lie\u00df, indessen er selbst den kostbaren Vogel unter dem Hute bewachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sa\u00df er nun, und hatte schon mehrere Stunden neben dem Hute gesessen, und der Himmelsreisende wollte immer noch nicht mit dem Pferde und dem Gelde zur\u00fcckkommen. Seinen Posten mochte er nicht verlassen wegen des kostbaren Vogels, der ihm zugleich ein Unterpfand d\u00e4uchte f\u00fcr die dreihundert Gulden, und doch kam der Abend schon heran, so dass er endlich sich entschloss, den Vogel in die Hand zu nehmen und selbst damit in die Stadt zu gehen. Mit der gr\u00f6\u00dften Vorsicht hob er deshalb den Hut ein klein wenig in die H\u00f6he, so dass er mit seiner Hand darunter langen konnte; bekam aber gar keinen Vogel zu fassen, sondern etwas ganz anders, was er niemals gesagt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem Male war er jetzt entschlossen, sogleich zu seiner Mutter heimzukehren. Die verwunderte sich sehr, dass der Sohn so sp\u00e4t und ohne sein Pferd kam. Als er ihr aber sagte, dass er unterwegs sich besonnen und das Pferd ebenfalls dem Himmelsreisenden mitgegeben habe, damit er die Sachen schneller dem Vater \u00fcberbringen k\u00f6nne, da gab die Mutter sich gern zufrieden, und auch der Sohn hat nicht weiter von der Sache gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Himmelsreisende Ernst Meier Da war einmal ein lustiger Wandersmann, der ging in ein Wirtshaus, um ein Glas Wein zu trinken. Sprach die Wirtin: \u201eWoher die Reise?\u201c \u201eIch komme eben vom Himmel!\u201c sagte der Fremde. \u201eWas Sie sagen! vom Himmel kommen Sie?\u201c sagte die Frau. \u201eEi freilich!\u201c versetzte er. \u201eEi\u201c, sagte die Frau, \u201eda haben [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[94,85],"tags":[],"class_list":["post-4353","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ernst-meier","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4353","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4353"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4353\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4354,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4353\/revisions\/4354"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4353"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4353"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4353"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}