{"id":4351,"date":"2026-01-24T23:27:38","date_gmt":"2026-01-24T22:27:38","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4351"},"modified":"2026-04-09T15:21:18","modified_gmt":"2026-04-09T13:21:18","slug":"hilf-dir-selbst-sonst-hilft-dir-keiner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/hilf-dir-selbst-sonst-hilft-dir-keiner\/","title":{"rendered":"Hilf Dir selbst &#8211; sonst hilft Dir keiner!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Hilf Dir selbst \u2013 sonst hilft Dir keiner!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marion Wolf<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Vor den Toren einer Stadt lebten vier Br\u00fcder. Jeder besa\u00df einen Bauernhof mit Gem\u00fcsegarten, etwas Federvieh, eine Kuh, ein Schwein, ein Getreidefeld und einen Kartoffelacker.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines schw\u00fclen Augustabends braute sich ein Gewittersturm \u00fcber der Stadt zusammen. Die Br\u00fcder bemerkten die Bedrohung nicht, denn sie melkten gerade ihre K\u00fche im Stall, derweil die Schweine gierig grunzend die abgeernteten Kartoffel\u00e4cker durchw\u00fchlten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen der nahen Stadt fl\u00fcchteten in ihre H\u00e4user. Blitze zuckten vom Himmel, Donner gr\u00f6lten \u00fcber den Horizont. Es war, als wolle ein Ungeheuer die Welt in tausend St\u00fccke schlagen. Den K\u00fchen gerann vor Schreck die Milch im Euter, die Schweine lagen vom Blitz erschlagen auf dem Acker und in den Kartoffelhorden schwelten Himmelsfeuer. Der Bruder vorm Nordtor besah sich den Schaden und dachte: Wenn es meinen Br\u00fcdern ebenso ergangen ist, wie mir, so werden gebackene Kartoffeln, Quark und Schweinefleisch Morgen billig auf den Markt kommen. Besser d\u00fcnkt es mir, alles zu r\u00e4uchern und meine Waren erst im Herbst feilzubieten. Also baute er aus seiner schwelenden Kartoffelhorde einen Kohlenmeiler, schnitt sein Schwein in handliche Teile und d\u00f6rrte sie \u00fcber der Glut. Die Sauermilch verarbeitete er zu feinem R\u00e4ucherk\u00e4se und lie\u00df alles in seinem Felsenkeller mit feinem Schimmel reifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bruder im Osten war ein gl\u00e4ubiger Mann. Jeden Morgen warf er sich in den Staub, pries den Allm\u00e4chtigen und was immer ihm widerfuhr, betrachtete er als gottgegebenes Schicksal.<\/p>\n\n\n\n<p>So deutete er das tote Schwein und die schwelenden Kartoffeln als Wink des Himmels, schaufelte die garenden Erd\u00e4pfel auf seinen Schubkarren, schob diesen zum Kirchplatz und rief laut, er wolle die Armen speisen. Die griffen gierig danach und manch einer verbrannte sich die Finger an den hei\u00dfen Gaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Priester die Bescherung sah, lobte er den Bauern einen frommen Mann, der sein Schicksal in Demut zu tragen wisse. Der Ostbauer k\u00fcndigte daraufhin an, zur Nachtmesse noch sein totes Schwein opfern zu wollen. Das r\u00fchrte den Priester so ans Herz, dass er eine schw\u00fclstige Predigt schrieb \u00fcber die Gottgef\u00e4lligkeit dieses schlichten Landmannes.<br>Jener garnierte seine tote Sau mit den bl\u00fchenden Ranken einer Kapuzinerkresse und erschien just in dem Moment in der Kirche, da der Priester seine Predigt beendigt hatte. Wie ein Heiliger trat er ins Kirchenschiff, l\u00fcftete dem\u00fctig seinen Hut und legte ihn scheinbar zuf\u00e4llig auf den Opferstock. Feierlich schob der Bauer nun die geschm\u00fcckte Sau zum Altar, kniete nieder und bat den Priester um seinen Segen. Betend verharrte er, bis alle Gl\u00e4ubigen weg waren. Dann \u00fcbergab er die Opfergabe dem Kirchenmann mit der Bitte, die Sau als namenlose Spende zum Armenhaus zu karren. Kaum war der Priester zur Hintert\u00fcr hinaus, eilte der Bauer zum Ausgang: Sein Hut war gef\u00fcllt mit Silberst\u00fccken, die schwerer wogen, als sein Verlust durch den Blitzschlag\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Zufrieden steckte er die Liebesgaben ein und beschloss, allj\u00e4hrlich eine eintr\u00e4gliche Gedenk-Wallfahrt abzuhalten\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bruder vom S\u00fcdtor hatte einen andren Einfall, das traurige Ereignis auszuschlachten: Mit Pauken und Trompeten lief er durch die Stadt und rief die Leute zu einem Freudenfest auf seinen Hof, weil das Gewitter die Bewohner verschont habe. Die B\u00fcrger nahmen die Einladung zu einer fr\u00f6hlichen Landpartie gerne an. Es gab Grillschwein mit Grillkartoffeln und das Bier floss in Str\u00f6men. Der S\u00fcdbauer sang zotige Lieder, damit die Leute lange blieben und machte so ein saftiges Gesch\u00e4ft. Als er sp\u00e4tabends seine Einnahmen z\u00e4hlte, nahm er sich vor, die St\u00e4dter recht bald wieder auf seinen Hof zu locken\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bruder im Westen war ein trauriger Zeitgenosse: Bis zum Nachmittag warfen die hohen Stadtmauern ihre grauen Schatten \u00fcber sein Geh\u00f6ft, die kalten Westwinde peitschten Regen und Schnee in sein Gesicht und wehten ihm die Schindeln vom Dach. Abends \u00fcberkam ihn oft die Weltuntergangsstimmung. Als er nun auch noch seine einzige Sau leblos dahin gestreckt auf dem Acker liegen sah, ereilte ihn vollends der Tr\u00fcbsinn und er hub an, mit dem Wind um die Wette zu heulen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieweil auch die Sonne erst sp\u00e4t \u00fcber die D\u00e4cher der Stadt kroch, um sein windgebeuteltes Feld zu bescheinen, wartete er geduldig darauf, dass jemand k\u00e4me, sich seiner zu erbarmen Drei Tage harrte er so im Selbstmitleid gefangen einer mitf\u00fchlenden Seele, doch keiner scherte sich um sein Geschick. Sein Gejammer prallte unerh\u00f6rt an den hohen Mauern ab, mit denen sich die stolzen B\u00fcrger gegen jede Unbill von au\u00dfen abschotteten. Da verkroch sich der Westbauer verbittert in sein Bett und blies Tr\u00fcbsal. Seine tote Sau aber verweste derweilen auf dem Acker\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Widerliche Ger\u00fcche entstiegen dem Kadaver und der Westwind trug den Gestank in die Stadt. \u201eWas ist denn das f\u00fcr eine \u00fcble Botschaft, die uns der Wind da zutr\u00e4gt?\u201c fragten die Leute und schickten eine Abordnung zum Westtor hinaus. Die Ratsherren gingen der Nase nach und fanden prompt das tote Borstenvieh. Der \u00c4lteste klopfte daraufhin an die T\u00fcr des Westbauern und rief: \u201eHe Du, auf Deinem Grund verwest ein Schwein!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bauer winselte w\u00fctend: \u201eIst es meine Schuld, wenn der Blitz meine einzige Sau erschl\u00e4gt?\u201c \u2013 \u201eDie Sauerei stinkt uns\u201c, sagten die R\u00e4te unger\u00fchrt, \u201edas Aas muss begraben werden!\u201c<br>\u201eSieh\u2019 mal einer guck\u201c, erwiderte der Bauer, \u201eals das Ungl\u00fcck geschah, habt ihr mein Wehgeschrei \u00fcberh\u00f6rt. Jetzt, wo mein Ungl\u00fcck schon zum Himmel stinkt, bequemt ihr Euch zu mir \u2212 nicht um mir Trost zu spenden und beizustehen, sondern weil Euch die Nachbarschaft eines g\u00e4renden Ungl\u00fccks missbehagt!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo war es doch nicht gemeint\u201c, beschwichtigte ihn der \u00c4lteste, \u201ehier sind ein paar Kupferm\u00fcnzen als Lohn f\u00fcr Deine M\u00fche als Totengr\u00e4ber. Falls Dir aber der Verlust der Sau zu schaffen macht, geh&#8216; zum Priester, f\u00fcr Almosen sind wir nicht zust\u00e4ndig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Westbauer war w\u00fctend \u00fcber das herablassende Gehabe der Stadtr\u00e4te. Um sich weiteren \u00c4rger zu ersparen, nahm er schlie\u00dflich doch seinen Spaten, und grub neben der stinkenden Sau ein Loch. Wie er so im Schwei\u00dfe seines Angesichts in den Tiefen seiner Muttererde w\u00fchlte, entdeckte er einen Schatz, von ungeheurem Wert. \u2018Ha\u2019, dachte er, \u2018den behalt ich f\u00fcr mich, davon sollen die feinen Herren in der Stadt nichts erfahren\u2019, verstaute den Fund in seiner Truhe und n\u00e4hrte sich von Brei und R\u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p>An Martini trafen sich die vier Br\u00fcder allj\u00e4hrlich zum Markttag. Diesmal hatten drei viel zu erz\u00e4hlen: Der Nordbauer hatte sein Rauchfleisch und seinen R\u00e4ucherk\u00e4se zu H\u00f6chstpreisen verkauft und heizte sein Haus mit Kartoffelkohlen. Der Ostbauer hatte sich von den mildt\u00e4tigen Spenden zwei Sauen gekauft, die Ferkel gro\u00dfgezogen, zu Markte getragen und hielt die Runde frei. Der S\u00fcdbauer betrieb einen florierenden Landgasthof und lud die Br\u00fcder auf Neujahr zu sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Und der Westbauer? Der sch\u00e4mte sich seines \u00e4rmlichen Lebens und verschwieg seinen nutzlos herumliegenden Geheimschatz. Auf dem Heimweg schwante es ihm, dass man aus der Not eine Tugend machen muss, wenn man es zu was bringen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Also verkleidete er sich als Kaufmann und hielt am Weihnachtsmarkt seltene Antiquit\u00e4ten zu s\u00fcndteuren Preisen feil. Die B\u00fcrger kauften ihm alles ab und er litt keine Not mehr. Seitdem wei\u00df er:<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sein Schicksal in die Hand nimmt,<\/p>\n\n\n\n<p>der hat auch Gottes Segen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Dieses M\u00e4rchen wurde mir von Marion Wolf zur Verf\u00fcgung gestellt.<br>Das Copyright dieses M\u00e4rchens liegt bei der Autorin: http:\/\/dichterseele.beepworld.de<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Kopieren in andre Webseiten oder Foren ist nicht gestattet.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hilf Dir selbst \u2013 sonst hilft Dir keiner! Marion Wolf Vor den Toren einer Stadt lebten vier Br\u00fcder. Jeder besa\u00df einen Bauernhof mit Gem\u00fcsegarten, etwas Federvieh, eine Kuh, ein Schwein, ein Getreidefeld und einen Kartoffelacker. Eines schw\u00fclen Augustabends braute sich ein Gewittersturm \u00fcber der Stadt zusammen. 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