{"id":4347,"date":"2026-01-24T23:21:07","date_gmt":"2026-01-24T22:21:07","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4347"},"modified":"2026-01-24T23:21:07","modified_gmt":"2026-01-24T22:21:07","slug":"der-hexenzuegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-hexenzuegel\/","title":{"rendered":"Der Hexenz\u00fcgel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Hexenz\u00fcgel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4rchen aus den USA<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der alte Braham wohnte in einem Blockhaus nahe des Cheat River, oberhalb von Allbright in Preston County.&nbsp;In der einen Ecke des Hauses lag ein altmodischer, offener Kamin, in der gegen\u00fcberliegenden Ecke stand sein Bett.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal erwachte der Mann gegen Mitternacht und h\u00f6rte in seinem Zimmer M\u00e4nner sprechen.&nbsp;Sie meinten offenbar, er schlafe, und er beschloss, sie in diesem Glauben zu belassen. So h\u00f6rte er jedes Wort mit, das sie sagten, obwohl sie sehr leise redeten. Bei den Eindringlingen handelte es sich um eine Gesellschaft von Hexenmeistern, die ihre Hexenz\u00fcgel und ihre Zaubermittel unter dem Herdstein im Haus des alten Braham versteckt hielten.&nbsp;Aus ihren Gespr\u00e4chen entnahm er weiter, dass jeder, der einem Pferd oder einer Person einen Hexenz\u00fcgel umlege, unbedingte Macht \u00fcber das betreffende Tier oder den Menschen gewann. Mit dem Zaubermittel aber verhielt es sich so:&nbsp;Bestrich man damit die Stirn zwischen den Augen oder den Hals und schlug danach drei Kreuze \u00fcber dem Herzen, so konnte man fliegen wie ein Vogel.&nbsp;Auch h\u00f6rte er, dass die M\u00e4nner in dieser Nacht vorhatten, seine K\u00e4lber zu behexen und auf ihnen, wie sie dies offenbar schon vorher h\u00e4ufig getan hatten, zu einem Treffen der Hexen im Scraggly-Gebirge zu reiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Da der siebente Hexenmeister auch nach l\u00e4ngerem Warten nicht kam, beschlossen die sechs anderen, ohne ihn zu reisen. Sie schoben den schweren Herdstein beiseite, und jeder nahm sich einen Z\u00fcgel.&nbsp;Dann bestrichen sie sich mit dem Zaubermittel und schoben den Herdstein mit vereinten Kr\u00e4ften wieder an seinen Platz. Nachdem sie sich gegenseitig die Z\u00fcgel angelegt und mit Salbe bestrichen hatten, schlugen sie mit den Armen und flogen&nbsp;durch den Schornstein davon. Drau\u00dfen kreisten sie eine Weile \u00fcber dem Hof und machten sich dann auf zur K\u00e4lberweide. Dort legte der Anf\u00fchrer dem gr\u00f6\u00dften Kalb seinen Z\u00fcgel an und auf ging&#8217;s, die Stra\u00dfe hinunter, dem Hexentanzplatz entgegen.&nbsp;So w\u00e4hlte sich nacheinander jeder der Hexenmeister eines der Tiere und ritt auf ihm davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile war der alte Braham aufgestanden und hatte sich \u00fcberlegt, dass er es eigentlich auch einmal mit einem Hexenritt versuchen k\u00f6nne.&nbsp;Zwar war der Herdstein schwer, aber er war ein starker Mann, und mit einigen Anstrengungen gelang es ihm, ihn allein fortzubewegen. Er holte den siebenten Hexenz\u00fcgel, der noch dort versteckt lag, bestrich sich mit der Zaubersalbe, die aus Anis, dem Blut einer Henne und zersto\u00dfenem Glas gemischt war, r\u00fcckte darauf den Stein wieder an seinen Platz und flog durch den Schornstein zur K\u00e4lberweide, wie er das von den anderen Hexenmeistern gesehen hatte. Dort legte er einem kleinen roten Kalb die Z\u00fcgel an und sprang auf den R\u00fccken des Tieres. Sobald er auf der Stra\u00dfe war, spornte er das Kalb an, schnell zu gehen, denn er wollte vor den anderen Hexenmeistern auf dem Tanzplatz sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen hatte der Trupp der sechs die Stra\u00dfe verlassen und sich \u00fcber das offene Land davongemacht, und der alte Braham sah gerade noch, wie sie auf ihren K\u00e4lbern \u00fcber einen Fluss setzen wollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch er lenkte sein Tier zum Fluss hin\u00fcber, und als er das Ufer erreicht hatte, gab er dem Kalb Tritte mit den Fersen, damit es auch weit genug springe und ihn sicher auf das andere Ufer bringe. Stattdessen aber wurde das Tier vor Schreck scheu, brach aus und kam mitten auf dem Fluss nach dem Sprung auf einem gro\u00dfen Baumstamm zu stehen, der im seichten Wasser nahe dem Ufergeb\u00fcsch trieb. Der alte Braham griff nach den Zweigen vor sich, dabei riss er dem Kalb den Z\u00fcgel aus dem Maul.&nbsp;Das Tier verwandelte sich in eine rote Eidechse&nbsp;und versank im Fluss. Mit&nbsp;dem Z\u00fcgel in der Hand gelang es dem Alten, auf dem Baumstamm festen Halt zu gewinnen. Kaum aber hatte er aufgeatmet, da sprang eine gro\u00dfe blaue Katze aus den Erlenstr\u00e4uchern auf seinen R\u00fccken und riss ihm den Z\u00fcgel fort.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSo\u00ab, sprach die gro\u00dfe blaue Katze, \u00bbjetzt werde ich auf dir zum Hexentanzplatz reiten. Wenn du meinst, du m\u00fcsstest dein rotes Kalb zu Tode hetzen, gut und sch\u00f6n. Nun bist du zur Stelle,&nbsp;.und jetzt wirst du mich tragen. Ich wusste, dass einer der sieben Hexenmeister nicht mit von der Partie war.&nbsp;Auf zum Scraggly-Gebirge.&nbsp;H\u00fchott!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Katze zerrte am Z\u00fcgel und schlug den alten Braham mit der Pfote einmal auf die linke und dann wieder auf die rechte Wange. Was blieb dem Alten \u00fcbrig, ob er wollte oder nicht, er musste das Teufelsvieh zum Hexentanzplatz tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abhang des Gebirges, als der Weg beschwerlich wurde und er schnaufen musste, sprang die Katze auf seinem R\u00fccken auf und nieder und schlug ihn mit dem Z\u00fcgelende, damit er rascher ging. Schlie\u00dflich erreichten sie eine Lichtung in der N\u00e4he des Tanzplatzes. Die blaue Katze f\u00fchrte ihr Pferd zu einem Baum, band es dort an und machte ihm klar, dass es sich nicht von der Stelle r\u00fchren d\u00fcrfe und zur Hand sein m\u00fcsse, wenn sie vom Tanzen zur\u00fcckkomme.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis dahin verging eine lange Zeit, und als die gro\u00dfe blaue Katze wieder erschien, war sie m\u00fcde und schl\u00e4frig und teilte dem in ein Pferd verwandelten Alten mit,&nbsp;ehe sie auf ihm zur\u00fcckreite, wolle sie erst noch eine Weile schlafen. Sie streckte sich unter dem n\u00e4chsten Baum aus, und bald h\u00f6rte Braham ein lautes Schnarchen. Wie er die Katze dort so liegen sah, sann der Alte dar\u00fcber nach,&nbsp;ob er sich nicht aus seiner Verzauberung befreien k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>Es muss mir nur gelingen, \u00fcberlegte er, den Hexenz\u00fcgel aus meinem Mund zu zerren und ihn in das Maul der Katze zu stopfen. Er versuchte es, und mit einiger M\u00fche gelang es ihm, den Z\u00fcgel&nbsp;aus seinem Maul&nbsp;loszumachen. Leise schlich er zur Katze hin\u00fcber, legte ihr den&nbsp;Z\u00fcgel um das Maul und zerrte daran, um sie nun aufzuwecken.&nbsp;Die gro\u00dfe blaue Katze sprang im Augenblick hoch, fauchte und begann mit den Pfoten um sich zu schlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNur ruhig\u00ab, sagte der alte Braham,&nbsp;\u00bbals es bergauf ging, war ich dein Pferd.&nbsp;Nun, da es bergab geht, wirst du mich tragen. Du musst zugeben, dass du immer noch recht gut wegkommst.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Katze schien einzusehen,&nbsp;dass ihr nichts anderes \u00fcbrigblieb, als zu gehorchen, und so kletterte der Alte auf ihren R\u00fccken und ritt talw\u00e4rts.<\/p>\n\n\n\n<p>Der alte Mann war schwer, und unterwegs verlor&nbsp;die&nbsp;Katze all ihre Wildheit und ihren Mut. Ihre Pfoten waren nicht an solche Lasten gew\u00f6hnt und begannen zu bluten. Da ritt der Alte mit ihr zu einer Schmiede, lie\u00df die Pfoten mit Hufeisen beschlagen und weiter ging&#8217;s. Als sie nun ins Dorf kamen, blieb die Katze pl\u00f6tzlich vor einer der H\u00fctten stehen und wollte nicht weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sie ihn bis dahin brav getragen hatte, bekam Braharn Mitleid mit&nbsp;ihr.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will sie in dieses Haus f\u00fchren und sehen, was dann geschieht, dachte er neugierig.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum aber hatte er den Fu\u00df auf die Schwelle der H\u00fctte gesetzt, da verwandelte sich die gro\u00dfe Katze in ein altes Hexenweib,&nbsp;das unter b\u00f6sem Lachen zu Braham&nbsp;sagte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbHaha.&nbsp;Jetzt siehst du, wer ich bin.&nbsp;Im bin eine alte, m\u00e4chtige Hexe.&nbsp;Ich werde dich verzaubern,&nbsp;und du wirst sterben m\u00fcssen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNun langsam\u00ab,&nbsp;antwortete Braham,&nbsp;\u00bbich f\u00fcrchte, du t\u00e4uschst dich.&nbsp;Ich bin dein Herr und Meister.&nbsp;Noch hast du den Hexenz\u00fcgel im Mund. Nett&nbsp;von dir, dass du so lange still gehalten hast,&nbsp;denn jetzt werde ich dich hier festbinden, heimgehen und eine silberne&nbsp;Kugel&#8216;&nbsp;gie\u00dfen. Dann komme ich zur\u00fcck und t\u00f6te&nbsp;dich.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die alte Hexe jammerte und flehte um Gnade, aber Braham lie\u00df sich nicht r\u00fchren. Er band sie mit einer Kette an einen Stuhl fest und ging darauf heim.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz nachdem Braham weggegangen war, ging die Sonne auf, und es wurde Tag. Da kam ein Mann daher,&nbsp;der die Hexe bitten wollte, seinen behexten Sohn zu erl\u00f6sen.&nbsp;Als er das alte Weib an den Stuhl gefesselt sah, war er froh. Sie aber redete auf ihn ein und versprach ihm, falls er sie losmache, nie mehr seine Familie mit Zauberei zu bel\u00e4stigen und zudem seinen Sohn&nbsp;von dem Bann zu befreien. Um ihre guten Absichten&nbsp;zu unterstreichen, zog sie einen silbernen Ring&nbsp;vom Finger und gab ihn dem Mann. Der ging hinaus und kam bald darauf mit einer Zange wieder und befreite die Hexe.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum war der Mann fort, da schlich sich die Hexe zu einem gro\u00dfen Schrank.&nbsp;Dort holte sie eine gl\u00e4nzende Blechpfanne, ihre Hexenpfanne, hervor und setzte sich damit auf das Fensterbrett.&nbsp;Sie lie\u00df die Sonnenstrahlen auf das funkelnde Blech fallen.&nbsp;Das sah aus, als ob Funken aufzuckten. Sie beklopfte das Blech und murmelte dazu:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch hier, die mit der blitzenden Pfanne, verschreibe erneut meine Seele wie meinen Leib dem Teufel unter der Bedingung, dass er Ebenezer Braham sterben l\u00e4sst.&nbsp;Dies soll so gewiss sein wie der Sonnenaufgang morgen fr\u00fch, und Braham soll Schmerzen leiden,&nbsp;unertr\u00e4gliche Schmerzen von nun an bis zur Stunde&nbsp;seines&nbsp;Todes. Dazu verhelfe mir der Teufel.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Doch w\u00e4hrend die alte Hexe ihre Beschw\u00f6rung vorbereitet hatte, war auch der alte Braham nicht faul&nbsp;gewesen.&nbsp;Er war heimgelaufen und hatte eine silberne Kugel gegossen. Eine gute Zeit verging, ehe das Gescho\u00df fest geworden war und die B\u00fcchse damit geladen werden konnte. Unterdessen hatte Braham auch ein&nbsp;ungef\u00e4hres Bild von der Alte Hexe auf ein St\u00fcck Papier gezeichnet. Pl\u00f6tzlich sp\u00fcrte er, wie der Bann der Hexe \u00fcber ihn kam.<\/p>\n\n\n\n<p>Schnell griff er nach seinem Gewehr, nahm das Papier mit dem Hexenbild, rannte ins Freie und h\u00e4ngte die Zeichnung an einen Baum.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann trat er ein paar Schritte zur\u00fcck und schoss.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Silberkugel traf das Bild der Hexe und schlug darauf in die Rinde des Baumes.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in diesem Augenblick war die Hexe mit ihren Beschw\u00f6rungen zu Ende gekommen und wollte das letzte Wort sagen.&nbsp;Pl\u00f6tzlich griff sie sich mit der Hand zum Herzen und rief laut:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbO mein Gott, man schie\u00dft auf mich. Ich muss sterben!\u00ab Und darauf sank sie tot zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Hexenz\u00fcgel M\u00e4rchen aus den USA Der alte Braham wohnte in einem Blockhaus nahe des Cheat River, oberhalb von Allbright in Preston County.&nbsp;In der einen Ecke des Hauses lag ein altmodischer, offener Kamin, in der gegen\u00fcberliegenden Ecke stand sein Bett. 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