{"id":4341,"date":"2026-01-24T23:11:54","date_gmt":"2026-01-24T22:11:54","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4341"},"modified":"2026-01-24T23:11:54","modified_gmt":"2026-01-24T22:11:54","slug":"der-hexenmeister-und-sein-lehrling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-hexenmeister-und-sein-lehrling\/","title":{"rendered":"Der Hexenmeister und sein Lehrling"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Hexenmeister und sein Lehrling<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Ein armes Weib ging einst durch einen dunklen Wald und f\u00fchrte an der Hand ihr j\u00fcngstes S\u00f6hnlein. Und wie sie so ging, weinte sie vor sich hin, denn sie hatte viele Kinder, und es fehlte ihr an Mitteln, sie ordentlich zu n\u00e4hren und zu erziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da erhebt sich pl\u00f6tzlich ein Mann, der unter einer Eiche gesessen, und als er die hei\u00dfen Tr\u00e4nen des Weibes sieht, fragt er sie nach der Ursache ihres Kummers, und sie erz\u00e4hlt ihm von ihrer Not. Der Unbekannte tr\u00f6stet sie und sagt, er sei ein Schneider und wolle den kleinen Burschen in seine Dienste nehmen und ihn nach drei Jahren lossprechen. Aber das war eine L\u00fcge, der Mann war kein Schneider, sondern ein gro\u00dfer Hexenmeister. Die Mutter war nun einer Sorge enthoben und ging voll Freude nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann aber nahm den kleinen Hans bei der Hand und f\u00fchrte ihn in eine H\u00f6hle. Da musste nun der kleine Hans die Schwarze Kunst erlernen, und es dauerte nicht lange, so \u00fcbertraf er darin noch seinen Lehrmeister. Eines Tages, es war gegen Ende des dritten Jahres, entwich er aus der H\u00f6hle des Zauberers und eilte zu seiner Mutter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gute Mutter weinte Freudentr\u00e4nen, als sie ihren Sohn so gro\u00df und stark wiedersah. Hans aber sprach: ,,In einer Woche, liebes M\u00fctterchen, sind&#8217;s drei Jahre her, dass ich bei meinem Meister in der Lehre bin, und Ihr m\u00fcsst dann zu ihm hingehen und verlangen, dass er mich losspricht. Er wird Euch eine Schar Tauben zeigen und haben wollen, dass Ihr Euren Sohn darunter herausfindet. Denn die Tauben, m\u00fcsst Ihr wissen, sind eigentlich keine Tauben, sondern lauter junge Burschen, die er in die Lehre genommen hat. Wenn er den Tauben Erbsen vorstreut, so m\u00fcsst Ihr nur darauf achthaben, welche unter ihnen gar nicht fressen will, sondern vor Freude immer mit den Fl\u00fcgelchen schl\u00e4gt, denn das wird Euer S\u00f6hnlein sein.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Woche darauf ging die Mutter zum Hexenmeister und verlangte ihren Sohn zur\u00fcck. Der Alte nahm eine kupferne Trompete, blies darauf nach allen Seiten, und eine Schar Tauben kam herbeigeflogen. Der Hexenmeister streute ihnen Erbsen vor, und w\u00e4hrend alle eifrig pickten, befahl er ihr, den Sohn herauszufinden. Die Frau aber achtete nur auf die eine, die gar nicht fressen wollte, sondern immer nur freudig umherh\u00fcpfte und mit den Fl\u00fcgelchen schlug. Auf diese Taube wies sie mit den Fingern, und der Hexenmeister musste ihr den Sohn herausgeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans, der nun alle Zauberk\u00fcnste verstand, sprach zu Hause zu seinem alten Vater, der ein ehrlicher, aber armer Schuhflicker war: ,,Ich will Euch schon reich machen, aber auf einmal geht das nicht. Ich will mich zuerst in eine Kuh verwandeln, dann in einen Ochsen und dann in ein Schaf. Und Ihr f\u00fchrt mich jedes Mal auf den Markt und bekommt ein h\u00fcbsches St\u00fcck Geld f\u00fcr mich. H\u00fctet Euch aber, mich in ein Pferd zu verw\u00fcnschen, denn dann geht der Vorteil f\u00fcr Euch verloren, und mir wird ein Leid geschehen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schuhflicker verw\u00fcnschte also zuerst seinen Sohn in eine Kuh, dann in einen Ochsen und dann in ein Lamm, und immer machte er einen guten Handel. F\u00fcr das Geld baute er sich eine neue H\u00fctte, und von nun an litt er keinen Hunger mehr. Aber seine Habsucht lie\u00df ihm keine Ruhe. Trotz des Sohnes Warnung, ihn ja in kein Pferd zu verw\u00fcnschen, f\u00fchrte er den armen Buben zu Markt. Dort wartete schon der Hexenmeister, kaufte das Pferd und gab so viel daf\u00fcr, dass ihm der habgierige Vater auch noch den Halfter \u00fcberlie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>So hat nun der Zauberer den klugen Hans abermals in seinem Netz gefangen. Er f\u00fchrt ihn in einen Stall, bindet ihn an eine Kette, gibt ihm nichts zu essen und schl\u00e4gt ihn j\u00e4mmerlich mit der Peitsche. Das arme Pferdchen \u00e4chzt so vor Schmerz, dass endlich die Dienstmagd des Hexenmeisters sich seiner erbarmt. Sie geht in den Stall und reicht dem hungrigen Pferd etwas Futter, und weil sein Ungl\u00fcck ihr Herz r\u00fchrt, macht sie die Kette los.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans nahm sogleich seine nat\u00fcrliche Gestalt an, dankte dem M\u00e4dchen und flog aus Furcht vor seinem Meister als Sperling auf das Dach, wo er anfing, vor Freude zu zwitschern.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der Zauberer erkannte den Burschen in der Sperlingsgestalt. Sogleich verwandelte er sich selbst in eine schwarze Kr\u00e4he und verfolgte das arme V\u00f6gelchen. Der Sperling flog, so schnell er konnte, aber die w\u00fctende Kr\u00e4he war dicht hinter ihm. Endlich fiel er ersch\u00f6pft in des K\u00f6nigs Garten nieder, und die w\u00fctende Kr\u00e4he flatterte schon mit ge\u00f6ffnetem Schnabel \u00fcber ihm. Im letzten Augenblick konnte sich Hans noch in einen Zaunk\u00f6nig verwandeln. Darauf wurde der Hexenmeister ein Sperling, und so ging die Jagd von neuem los.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu derselben Zeit aber ging die Prinzessin im Garten spazieren. Da bemerkte sie den Kampf zwischen den beiden V\u00f6geln, und sie dachte. Du lieber Gott, was ist doch unter diesen kleinen Tierchen f\u00fcr eine Feindschaft ! Alles f\u00fchrt Krieg auf dieser Welt !<\/p>\n\n\n\n<p>Da aber Hans alle seine Lebenskr\u00e4fte ersch\u00f6pft hatte und dem w\u00fctenden Sperling nicht mehr entrinnen konnte, verwandelte er sich in einen sch\u00f6nen Ring und sprang der Prinzessin auf den Finger. Der Sperling suchte ihn nun \u00fcberall, bis er endlich den Streich seines Lehrlings durchschaute. Aber noch wollte er den Kampf nicht aufgeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum war die Prinzessin in ihr Gemach gekommen, so erblickte sie voll Verwunderung den sch\u00f6nen Ring an ihrem Finger. Aber im selben Augenblick verwandelt sich der Ring, und der schmucke Hans steht vor ihr. Der Bursche erz\u00e4hlt ihr von seiner Not und warnt sie vor dem Hexenmeister, der gewiss an ihren Hof kommen werde, um ihr den Ring abzulisten. ,,Und wenn der Meister ihn in die Hand bekommt&#8220;, sagt Hans, ,,dann ist&#8217;s um mich geschehen. Am besten ist&#8217;s, Ihr werft den Ring mit voller Wucht zur Erde, wenn Euch jener allzu sehr bedr\u00e4ngen sollte.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag kam, wie bef\u00fcrchtet, der Zauberer an den Hof, als Prinz verkleidet und mit einer gro\u00dfen Dienerschaft. Kaum war er der Prinzessin vorgestellt, so bat er sie schon, ihm den Ring zu zeigen. Die Prinzessin aber, die Hans indes liebgewonnen hatte, reichte dem Hexenmeister nicht einmal die Hand. Der aber lie\u00df nicht nach, mit Bitten in sie zu dringen. Da warf sie den Ring heftig zur Erde, und sogleich kollerte da eine gro\u00dfe Menge Erbsen umher.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zauberer blies nun auf seiner kupfernen Trompete nach allen vier Weltgegenden hin, und ein ganzer Schwarm Tauben kam herbeigeflogen, und sie fra\u00dfen die Erbsen auf. Nur ein einziges Erbsenkorn hatte sich in die wei\u00dfe Hand der Prinzessin schieben k\u00f6nnen. Geschwind warf sie es wieder auf die Erde, und aus der Erbse fiel eine Unzahl kleiner schwarzer Mohnk\u00f6rner.<\/p>\n\n\n\n<p>Da blies der Zauberer wieder auf seiner kupfernen Trompete nach allen vier Weltgegenden hin, und es kamen viele, viele Sperlinge geflogen. Und damit der Mohn noch schneller aufgepickt werde, verwandelte sich der Zauberer selbst in einen Sperling.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf aber hatte Hans nur gewartet. Sogleich verwandelte er sich in eine Kr\u00e4he, die biss den b\u00f6sen Hexenmeister tot.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Hexenmeister und sein Lehrling Ein armes Weib ging einst durch einen dunklen Wald und f\u00fchrte an der Hand ihr j\u00fcngstes S\u00f6hnlein. Und wie sie so ging, weinte sie vor sich hin, denn sie hatte viele Kinder, und es fehlte ihr an Mitteln, sie ordentlich zu n\u00e4hren und zu erziehen. 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