{"id":4280,"date":"2026-01-24T01:18:28","date_gmt":"2026-01-24T00:18:28","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=4280"},"modified":"2026-01-24T01:19:59","modified_gmt":"2026-01-24T00:19:59","slug":"die-bestrafte-hexe-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-bestrafte-hexe-2\/","title":{"rendered":"Die bestrafte Hexe"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die bestrafte Hexe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wilhelm Busch<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es ist einmal eine rechte alte Hexe gewesen, die hatte zwei T\u00f6chter, eine rechte Tochter und eine Stieftochter, und die Stieftochter war sch\u00f6n und gut, die rechte Tochter aber boshaft und h\u00e4sslich. Da kam ein junger J\u00e4ger, nahm die Stieftochter zur Frau, weil sie ihm gut gefiel und zog mit ihr in sein Haus, das im Walde lag. Die alte Hexe stellte sich dazu ganz freundlich; in ihrem Herzen wusste sie sich aber vor \u00c4rger und Bosheit nicht zu lassen, darum, dass der J\u00e4ger ihre eigene Tochter nicht genommen hatte, sondern die Stieftochter, die sie gar nicht leiden konnte.<br>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber eine Zeit kriegte die J\u00e4gersfrau einen kleinen Jungen und musste zu Bett liegen. Da wurde die Stiefmutter geholt, dass sie das Kind w\u00fcsche und anz\u00f6ge, auch die Suppe kochte und sonst zur Hand w\u00e4re, wenn die kranke Frau ihrer bed\u00fcrfen sollte. Der J\u00e4ger aber hatte zur Erheiterung und Kurzweil seiner Frau allerlei V\u00f6gel in die Stube gebracht, die sangen, und ein Spiel hatte er gemacht von allerlei Glocken, die klangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dicht an dem Hause lag ein gro\u00dfer Teich, auf dem viele Enten schwammen. Nun stand eines Tages die Stiefmutter am offenen Fenster und sah auf den Teich hinaus, und weil des J\u00e4gers Frau schon wieder auf Besserung war und zuweilen aufstehen konnte, rief ihr die Hexe zu: \u00bbSteh doch auf, mein Kind, und sieh einmal die vielen Enten, die da auf dem Teiche schwimmen.\u00ab Ohne an Arges zu denken, stand die Frau auf und lehnte sich aus dem Fenster, und indem, so gab ihr das boshafte Weib einen heftigen Sto\u00df, dass sie hinab in den Teich st\u00fcrzte, und verw\u00fcnschte sie in eine Ente; da schwamm sie nun mit den anderen Enten auf dem Teiche herum. Ihr Kind aber fing an zu weinen, und ihren Mann befiel zu derselben Stunde eine gro\u00dfe Traurigkeit und wusste doch nicht warum; die V\u00f6gel sangen nicht, die Glocken klangen nicht. Da nahm die Hexe ihre eigene Tochter, legte sie in der Frauen Bett und band ihr ein Tuch um den Kopf, als ob sie krank w\u00e4re, so dass sie der Mann nicht erkennen konnte, als er kam, seine Frau zu besuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es nun Abend ward und die Magd allein in der K\u00fcche war, kam auf dem Teich her eine Ente angeschwommen, die schnatterte vor dem Gossensteine wie Enten thun: \u00bbNiep, Niep! Natt, Natt!\u00ab und dann fing sie ordentlich an zu sprechen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWeint mein liebes Kind auch noch?<br>Weint mein lieber Mann auch noch?<br>Singen meine V\u00f6gel auch noch?<br>Klingen meine Glocken auch noch?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da antwortete die Magd:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEure Glocken klingen nicht,<br>Eure V\u00f6glein singen nicht,<br>Euer Mann und Kind die weinen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Darauf ist die Ente wieder weggeschwommen. &#8211; Den zweiten Abend kam sie wieder, steckte den Kopf durch das Gossenloch und schnatterte ganz betr\u00fcbt: \u00bbNiep, Niep! Natt, Natt!\u00ab und dann fing sie an zu sprechen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWeint mein liebes Kind auch noch?<br>Weint mein lieber Mann auch noch?<br>Singen meine V\u00f6gel auch noch?<br>Klingen meine Glocken auch noch?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Und die Magd antwortete:<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u00bbEure Glocken klingen nicht,<br>Eure V\u00f6glein singen nicht,<br>Euer Mann und Kind die weinen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf sprach die Ente: \u00bbNun komme ich noch ein einziges Mal; dann fasse mich und haue mir den Kopf ab, so bin ich erl\u00f6st,\u00ab und schwamm fort. Das alles erz\u00e4hlte die Magd ihrem Herrn, der sagte: \u00bbWenn die arme Ente so erl\u00f6st werden kann, so musst du es tun.\u00ab Als nun die Ente den dritten Abend wieder den Kopf durch das Gossenloch steckte, fasste die Magd ein Beil und hieb ihn ab; in demselben Augenblicke, da das Blut floss, wich der Zauber; die Frau war erl\u00f6st und ging zu ihrem Manne; der freute sich, dass er seine liebe Frau wieder hatte, denn sie erz\u00e4hlte ihm, wie das alles so gekommen und welcher gro\u00dfen Gefahr sie entgangen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Der J\u00e4ger, der nun wusste, was die Stiefmutter f\u00fcr ein b\u00f6ses Weib war, lie\u00df sich nichts merken, sondern sann, wie er sich am besten an ihr r\u00e4chen k\u00f6nnte. Auf den andern Abend lud er eine gro\u00dfe Gesellschaft; doch musste seine Frau noch zur\u00fcckbleiben. Wie sie nun alle zu Tische sa\u00dfen, stand der J\u00e4ger auf und fragte, was sie wohl meinten, dass der Mutter geschehen m\u00fcsste, die ihr Tochter in ein unvern\u00fcnftiges Tier verw\u00fcnscht h\u00e4tte. Da sprang die Stiefmutter auf von ihrem Stuhle und war ganz verblendet und schrie: \u00bbDie verdient, dass sie in ein durchnageltes Fass gesteckt und darin so lange gew\u00e4lzt wird, bis sie tot ist.\u00ab \u00bbDu hast dir selbst dein Urteil gesprochen, du Hexe!\u00ab rief der J\u00e4ger und lie\u00df seine Frau herein in die Stube treten. Wie das die Hexe sah, dass sie verraten war, ward sie kreidewei\u00df vor Schreck und st\u00fcrzte der L\u00e4nge nach auf den Boden hin. Da wurde sie in ein Fass gesteckt, welches mit eisernen N\u00e4geln durchschlagen war; das wurde auf den h\u00f6chsten Berg gebracht und da hinabgerollt. So hat die Hexe ihren verdienten Lohn erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die bestrafte Hexe Wilhelm Busch Es ist einmal eine rechte alte Hexe gewesen, die hatte zwei T\u00f6chter, eine rechte Tochter und eine Stieftochter, und die Stieftochter war sch\u00f6n und gut, die rechte Tochter aber boshaft und h\u00e4sslich. 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