{"id":422,"date":"2015-10-07T20:51:03","date_gmt":"2015-10-07T18:51:03","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=422"},"modified":"2026-01-24T03:16:01","modified_gmt":"2026-01-24T02:16:01","slug":"der-fromme-nachbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-fromme-nachbar\/","title":{"rendered":"Der fromme Nachbar"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Es waren einmal drei Nachbarn, und alle drei waren arm, aber der eine war ein sehr gottesf\u00fcrchtiger Mensch. Eines Tages sagten die beiden andern: \u00bbWir bleiben nach wie vor so arm, wie wir sind. Lasst uns unsern Nachbarn mitnehmen und den K\u00f6nig unter Tr\u00e4nen und knief\u00e4llig bitten, dass er uns etwas zum Lebensunterhalt gebe!\u00ab Die gehen, rufen ihren Nachbarn und sagen zu ihm: \u00bbWir wollen zum K\u00f6nig gehen und ihn um Geld zum Lebensunterhalt bitten.\u00ab Dieser antwortete: \u00bbIch soll nicht Gott bitten, mir Geld zu schenken, sondern zum K\u00f6nig gehen und den bitten?\u00ab Sagen die andern: \u00bbKomm nur, auch ohne dass du bittest!\u00ab &#8211; \u00bbIch kann nicht&#8220;, sagt er, \u00bbdorthin wandern; ich habe meine Arbeit.\u00ab &#8211; \u00bbGeh\u00ab, sagten wieder die andern, \u00bbgeh wenigstens f\u00fcr Tagelohn mit!\u00ab &#8211; \u00bbWenn es f\u00fcr Tagelohn ist, dann gehe ich mit. \u00ab So nahmen die beiden je einen Reisesack und machten sich auf den Weg. Der dritte nahm keinen Reisesack, sondern wanderte so hinter ihnen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Als sie zum K\u00f6nig kamen, schilderten sie ihre Armut. Der K\u00f6nig bemitleidete sie und sprach: \u00bbIch will euch Geld zum Leben geben, aber wo werdet ihr es hintun?\u00ab &#8211; \u00bbDa\u00ab, sagten die beiden, \u00bbwir haben ja unsere Reises\u00e4cke.\u00ab Der K\u00f6nig befiehlt sogleich, die Reises\u00e4cke zu nehmen und mit Dukaten zu f\u00fcllen. Dann sagt er zum dritten: \u00bbWo ist dein Reisesack, dass ich ihn dir f\u00fcllen lasse?\u00ab &#8211; \u00bbIch\u00ab, antwortete der Mann, \u00bbwill nichts, sondern erwarte es von Gott.\u00ab Als die sich auf den Weg gemacht hatten und wanderten, \u00e4rgerte sich der K\u00f6nig, je mehr die Zeit verging, \u00fcber die Worte des dritten und schickte schnell einen Diener mit einem Gewehr nach, der sie einholen und den erschie\u00dfen sollte, der keinen Reisesack trug. Der nahm sein Gewehr und ging. Auf dem Wege nun erm\u00fcdete der eine von den drei M\u00e4nnern und gab seinen Reisesack dem Tagel\u00f6hner zu tragen. Der Diener, der hinter ihnen herlief, sah den, der keinen Reisesack trug, zielte auf ihn, schoss und t\u00f6tete ihn. Die andern beiden lie\u00dfen ihn zur\u00fcck und gingen weiter. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Auf dem Wege war ein gro\u00dfer Fluss. Sagt der Tagel\u00f6hner zum andern: \u00bbWarte, bis es Abend wird und das Wasser sich vermindert, dass wir hindurch k\u00f6nnen!\u00ab Der andere aber h\u00f6rte nicht auf ihn, sondern machte sich daran, den Fluss zu \u00fcberschreiten: der Strom riss ihn mit; auch sein Reisesack ging unter. Der andere blieb dort sitzen und sa\u00df, bis es schon Abend wurde und die Nacht heranbrach. Dann nahm er einen Stab, st\u00fctzte sich auf ihn und kam so aus dem Fluss wieder heraus. Als er aufs Trockene gelangt war, versuchte er den Stab an den Strick des Reisesackes zu bringen, der im Fluss untergegangen war. Er zog an dem Stab, zog kr\u00e4ftig und holte auch den zweiten Reisesack heraus. jetzt sa\u00df er und \u00fcberlegte, wie er es machen sollte, da er zwei Reises\u00e4cke zugleich nicht tragen konnte. Als er noch \u00fcberlegte, siehe, da reitet einer zu Pferde vor\u00fcber. \u00bbIst das Pferd vielleicht zu verkaufen?\u00ab &#8211; \u00bbWenn ich einen K\u00e4ufer finde\u00ab, antwortete der, \u00bbverkaufe ich es.\u00ab Sie einigten sich, und der Mann kaufte das Pferd. Er lud die Reises\u00e4cke auf und ritt im Galopp zu seiner Frau. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Als die Frau ihn sah, fragte sie ihn: \u00bbWas gibt&#8217;s Neues?\u00ab &#8211; \u00bbUnsere Neuigkeiten sind gut, aber unsere Nachbarn sind umgekommen, und wir werden vor ihren Frauen keine Ruhe finden. W\u00e4hle also unsere besten Sachen aus, wir wollen nach Konstantinopel ziehen. \u00ab Sie nahmen ihre guten Sachen mit, ritten auf ihren Tieren, begaben sich zum Hafen; er nahm ein Kaik und sie fuhren nach Konstantinopel. Den Abend, als sie ankamen, suchten sie eine Wohnung, fanden aber keine. Erst in der Zeit, wo die Querpfeife gespielt wird, fand der Mann ein Chan (Herberge) und a\u00df dort, um danach mit seiner Frau dort die Nacht zuzubringen. Der Inhaber des Chans sagte zu ihm, dass er nachts keinen Menschen mehr in das Chan lasse, weil Jeder, der hineingehe, nachher nicht mehr zu finden sei. Da sagte jener: \u00bbGibt es einen Gott?\u00ab Der andere antwortete: \u00bbEs gibt einen.\u00ab \u00bbNun, dann \u00f6ffne und lass uns ein!\u00ab sagte der Mann. Er bezog mit seiner Frau ein Zimmer. Seine Frau fegte es aus. Darauf sagte sie: \u00bbHast du schon ein so sch\u00f6nes Zimmer gesehen wie dieses? Da sind wir umhergeirrt und haben so lange eine Wohnung gesucht.\u00ab Um Mitternacht, als sie gegessen und sich niedergelegt hatten, h\u00f6rte der Mann eine Stimme, die durch das ganze Chan hallte. Er steht schnell auf und macht sein Kreuz; dann \u00f6ffnet er die T\u00fcr des Zimmers ganz sacht, damit er seine Frau nicht wecke, und sieht einen riesigen Mohren vor sich &#8211; bis dahin so gro\u00df. Der sagte: \u00bbDu bist es? So lange habe ich dich schon gesucht und nicht gefunden. jetzt komm mit mir!\u00ab Der Ungl\u00fcckliche folgte ihm. Sie gehen und gehen und kommen zu einer H\u00fctte: dort war ein Marmorstein. Der Mohr hob den Marmor auf, stieg unter die Erde hinab und sagte zu dem andern, er solle auch hinabsteigen. Der Mann schlug wieder sein Kreuz und sagte: \u00bbWas wird der uns hier drinnen antun?\u00ab Er steigt herunter und sieht eine Reihe Kr\u00fcge. Da sagt der Mohr: \u00bbWohlan, \u00f6ffne die alle! \u00ab Der ging und \u00f6ffnete sie. Was sollte er sehen? Alle voll Dukaten. Sprach wieder der Mohr zu ihm: \u00bbAlle diese Kr\u00fcge will ich dir schenken, aber verwende sie so, wie es sich ziemt.\u00ab Darauf ging der Mann und legte sich schlafen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Gegen Morgen klopfte der Inhaber des Chans an die T\u00fcr und rief: \u00bbHe, ihr da drinnen, seid ihr noch am Leben?\u00ab &#8211; \u00bbAber\u00ab, erwiderte der von innen, \u00bbwarum sollten wir gestorben sein, oder -?\u00ab Als der Mann dann herauskam, sagte der Chanwirt zu ihm: \u00bbEs ist ein Uhr, und es hat dir niemand etwas angetan? Komm, ich will dir das Chan verkaufen.\u00ab Sie einigten sich: der kaufte das Chan. Als der Mann das Chan gekauft hatte, rei\u00dft er es ab und errichtet auf der einen Seite eine B\u00e4ckerei und auf der andern ein Gasthaus und lie\u00df ausrufen, wer arm sei, solle kommen und unentgeltlich bei ihm essen und wohnen, und er wolle ihm noch Geld dazuschenken. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Als der K\u00f6nig dies h\u00f6rte, sagte er zum Wesir: \u00bbWohlan, wir wollen auch diesen braven Mann besuchen! \u00ab Sie nahmen jeder ein Pferd und ritten hin. Der aber geht schnell, kauft ein Pferd, sch\u00f6ner als das des K\u00f6nigs, l\u00e4sst goldenes Zaumzeug machen und stellt das Pferd an die Krippe. Dann sagt er zum K\u00f6nig: \u00bbZu alledem bist du die Ursache. \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbWieso?\u00ab fragt der K\u00f6nig. \u00bbErinnerst du dich\u00ab, sagte der, \u00bbdass einst drei M\u00e4nner zu dir kamen und dich um Geld baten, und du schicktest jemanden nach, den einen zu t\u00f6ten? Der, den du t\u00f6ten lassen wolltest, bin ich.\u00ab Und er erz\u00e4hlte nun dem K\u00f6nig, auf welche Weise er reich geworden sei. Da freute sich der K\u00f6nig sehr, und er ermahnte ihn, es mit seinem Gelde immer so zu halten, dass er ein rechtliches Leben f\u00fchre. Dann nahm er das Pferd mit den goldenen Z\u00e4umen, das der Mann ihm schenkte, und ritt mit dem Wesir weg. Der Mann aber hatte sein Geld und lebte gl\u00fccklich &#8211; und wir noch gl\u00fccklicher.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,133],"tags":[],"class_list":["post-422","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/422","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=422"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/422\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":423,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/422\/revisions\/423"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=422"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=422"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=422"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}