{"id":418,"date":"2015-10-07T20:48:14","date_gmt":"2015-10-07T18:48:14","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=418"},"modified":"2026-01-24T03:14:28","modified_gmt":"2026-01-24T02:14:28","slug":"das-fraeulein-in-der-muldenscherbe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-fraeulein-in-der-muldenscherbe\/","title":{"rendered":"Das Fr\u00e4ulein in der Muldenscherbe"},"content":{"rendered":"<p>Wilhelm Busch<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Zwischen Petershagen und Windheim (an der Weser) hat sich vor dieser Zeit eine sonderbare Geschichte zugetragen: Es lag an einem sch\u00f6nen Sommerabend ein Sch\u00e4fer mit seiner Herde, der Weser nahe, auf einem gr\u00fcnen Anger. Da nun die Sterne und der Mond heraufgegangen waren, sa\u00df der Sch\u00e4fer noch sp\u00e4t auf und h\u00f6rte zu, wie der Strom mit leisem Klange durch die Weiden ging.<br \/>\nOb nun wohl zu jener Stunde die Luft ganz ruhig war, so trieb doch etwas in der Richtung, wie der Lauf des Wassers war, gleich einer Feder in Windeseile daher, lie\u00df den bleichen Nebeldunst der Luft bald hinter sich und erschien als ein sch\u00f6ngeziertes Fr\u00e4ulein, das stand und fuhr in einer Muldenscherbe, kam bald an das Ufer, stieg aus und ging dem Dorfe zu, bis es nicht mehr zu sehen war.<br \/>\nDa nahte sich der Sch\u00e4fer der Stelle, wo das Fr\u00e4ulein ans Land gegangen war, fand und nahm die Muldenscherbe und barg sie in den Uferweiden.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Als nun nach einer Weile das Fr\u00e4ulein wieder kam und sein Schifflein nicht fand, hob es eine gro\u00dfe Klage an und rief:<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbRadderadderatt, min mollenschaart!<br \/>\nEck mot noch vand\u00e2ge in engelland br\u00fbt st\u00e2n,<br \/>\nUn bin noch hier!\u00ab<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">und rang die H\u00e4nde und lief und suchte das Ufer entlang.<br \/>\nDa bewegte den Sch\u00e4fer dies Klagen und Jammern, dass er ihm die Muldenscherbe wieder gab.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Das Fr\u00e4ulein trat hinein, dankte dem Sch\u00e4fer und sagte: \u00bbMorgen um diese Zeit komme wieder zu dieser Stelle, so wirst du zwei St\u00fccke wei\u00dfen Leinens finden, die nimm zum Lohn!\u00ab Nach dieser Rede fing das Sp\u00e4hnlein wieder an zu gleiten immer den Strom hinab, in gro\u00dfer Eile, dass es bald verschwand.<br \/>\nAls der Sch\u00e4fer am andern Abend zu der Stelle kam, hatte das Fr\u00e4ulein sein Wort gehalten; es lagen zwei St\u00fcck Leinen an der Stelle, die waren wei\u00df gebleicht und \u00fcber die Ma\u00dfen fein gesponnen und gewebt.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Andere erz\u00e4hlen, der Sch\u00e4fer sei erst nach einem Jahr wieder zu der Stelle gegangen; da hing das Leinen allerdings in den Weiden, war aber schon ganz verrottet und nicht mehr zu gebrauchen.<br \/>\nDie Jungfrau fuhr nach England.<br \/>\nWoher sie kam? das wei\u00df man nicht zu sagen.<br \/>\nWas sie im Dorfe gewollt? ist nicht bekannt; doch wird von einigen gesagt: es sei eine Mahr gewesen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wilhelm Busch<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,102],"tags":[],"class_list":["post-418","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-wilhelm-busch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/418","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=418"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/418\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":419,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/418\/revisions\/419"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=418"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=418"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=418"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}