{"id":386,"date":"2015-10-07T19:36:23","date_gmt":"2015-10-07T17:36:23","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=386"},"modified":"2026-01-24T03:00:59","modified_gmt":"2026-01-24T02:00:59","slug":"von-dem-fischer-und-seiner-frau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/von-dem-fischer-und-seiner-frau\/","title":{"rendered":"Von dem Fischer und seiner Frau"},"content":{"rendered":"<p>Gebr. Grimm<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Es war einmal ein Fischer und seine Frau, die wohnten zusammen in einem alten Topfe, dicht an der See, und der Fischer ging alle Tage hin und angelte; und er angelte und angelte. So sa\u00df er auch einst bei der Angel und sah immer in das klare Wasser hinein; und er sa\u00df und sa\u00df. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Da ging die Angel auf den Grund, tief hinunter, und als er sie heraufholte, zog er einen gro\u00dfen Butt heraus. Da sagte der Fisch zu ihm: &#8222;H\u00f6r&#8216; einm, Fischer, ich bitte dich, lass mich leben, ich bin kein rechter Fisch, ich bin ein verw\u00fcnschter Prinz. Was hilft es dir, wenn du mich totmachst? Ich w\u00fcrde dir doch nicht recht schmecken; setze mich wieder ins Wasser und lass mich schwimmen.&#8220; &#8211; &#8222;Nun&#8220;, sagte der Mann, &#8222;du brauchst nicht so viele Worte zu machen; einen Fisch, der sprechen kann, h\u00e4tte ich so schon schwimmen lassen.&#8220; Damit setzte er ihn wieder ins klare Wasser; da ging der Fisch auf den Grund und zog einen langen Streifen Blut nach sich. Nun stand der Fischer auf und ging zu seiner Frau in den Topf. &#8222;Mann&#8220;, sagte die Frau, &#8222;hast du heute nichts gefangen?&#8220; &#8211; &#8222;Nein&#8220;, sagte der Mann, &#8222;ich fing einen Fisch, der sagte, er w\u00e4re ein verw\u00fcnschter Prinz, da hab&#8216; ich ihn wieder schwimmen lassen.&#8220; &#8211; &#8222;Hast du dir denn nichts gew\u00fcnscht?&#8220; fragte die Frau. &#8222;Nein&#8220;, sagte der Mann, &#8222;was sollt&#8216; ich mir w\u00fcnschen?&#8220; &#8211; &#8222;Ach&#8220;, sagte die Frau, &#8222;das ist doch schlimm, hier immer so im Topfe zu wohnen; es ist eklig und stinkt. Du h\u00e4ttest uns doch eine kleine H\u00fctte w\u00fcnschen k\u00f6nnen. Geh&#8216; noch einmal hin und rufe ihn; sag&#8216; ihm, wir m\u00f6chten gern eine kleine H\u00fctte haben, er tut es gewiss.&#8220; &#8211; &#8222;Ach&#8220;, sagte der Mann, &#8222;was sollt&#8216; ich noch einmal hingehen?&#8220; &#8211; &#8222;Ei&#8220;, sagte die Frau, &#8222;du hattest ihn doch gefangen und hast ihn wieder schwimmen lassen, er tut es gewiss. Geh&#8216; gleich. hin.&#8220; Der Mann wollte noch nicht recht, wollte aber seiner Frau nicht zuwider sein und ging hin an die See. &#8211; Als er dort ankam, war die See ganz gr\u00fcn und gelb und gar nicht mehr so klar. So stellte er sich hin und sagte:<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8222;Manntje&#8216; Manntje, Timpe Te,<br \/>\nButtje&#8216; Buttje in der See,<br \/>\nMeine Frau, die Ilsebill,<br \/>\nWill nicht so, wie ich gern will.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Da kam der Fisch angeschwommen und sagte: &#8222;Na, was will sie denn?&#8220; -&#8222;Ach&#8220;, sagte der Mann, &#8222;ich hatte dich doch gefangen gehabt, und meine Frau sagt, ich h\u00e4tte mir auch etwas w\u00fcnschen sollen. Sie mag nicht mehr in einem Topfe wohnen, sie m\u00f6chte gern eine H\u00fctte haben.&#8220; &#8211; &#8222;Geh&#8216; nur hin&#8220;, sagte der Fisch, &#8222;sie hat sie schon.&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Da ging der Mann hin, und seine Frau sa\u00df nicht mehr in einem Topfe, aber eine kleine H\u00fctte stand da, und seine Frau sa\u00df vor der T\u00fcr auf einer Bank. Da nahm ihn seine Frau bei der Hand und sagte zu ihm: &#8222;Komm nur herein, sieh, nun ist&#8217;s doch viel besser.&#8220; Da gingen sie hinein, und in der H\u00fctte war ein kleiner Vorplatz und eine herrliche Stube und Kammer, wo f\u00fcr jeden ein Bett stand, und K\u00fcche und Speisekammer, alles aufs beste mit Ger\u00e4tschaften und aufs sch\u00f6nste aufgeputzt, Zinnzeug und Messing, was da hineingeh\u00f6rt. Hinten war auch ein kleiner Hof mit H\u00fchnern und Enten und ein kleiner Garten mit Gem\u00fcse und Obst. &#8222;Sieh&#8220;, sagte die Frau, &#8222;ist das nicht nett?&#8220; &#8211; &#8222;Ja&#8220;, sagte der Mann, &#8222;so soll&#8217;s bleiben, nun wollen wir recht vergn\u00fcgt leben&#8220; &#8211; &#8222;Das wollen wir uns bedenken&#8220;, sagte die Frau. Und dann a\u00dfen sie und gingen zu Bett.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">So ging das wohl acht oder vierzehn Tage, da sagte die Frau: &#8222;H\u00f6re, Mann, die H\u00fctte ist doch gar zu eng, und der Hof und der Garten sind gar so klein; der Fisch h\u00e4tte uns auch wohl ein gr\u00f6\u00dferes Haus schenken k\u00f6nnen. Ich m\u00f6chte gern in einem gro\u00dfen steinernen Schlosse wohnen. Geh&#8216; hin zum Fisch, er soll uns ein Schloss schenken.&#8220; &#8211; &#8222;Ach, Frau&#8220;, sagte der Mann, &#8222;die H\u00fctte ist ja gut genug, was wollen wir in einem Schlosse wohnen&#8220; &#8211; &#8222;Ei was&#8220;, sagte die Frau, &#8222;geh&#8216; du nur hin, der Fisch kann das tun.&#8220; &#8211; &#8222;Nein, Frau&#8220;, sagte der Mann, &#8222;der Fisch hat uns erst die H\u00fctte gegeben, ich mag nun nicht schon wieder kommen, es m\u00f6chte den Fisch verdrie\u00dfen.&#8220; &#8211; &#8222;Geh&#8216; nur&#8220;, sagte die Frau, &#8222;er kann&#8217;s recht gut und tut&#8217;s gern; geh&#8216; du nur hin.&#8220; Dem Mann war sein Herz so schwer, und er wollte nicht; er sagte bei sich selber: &#8222;Das ist nicht recht&#8220;; er ging aber doch hin.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Als er an die See kam, war das Wasser ganz violett und dunkelblau und grau und dick, und gar nicht mehr so gr\u00fcn und gelb, doch war es ruhig. Da stellte er sich hin und sagte:<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8222;Manntje, Manntje, Timpe Te,<br \/>\nButtje&#8216; Buttje in der See,<br \/>\nMeine Frau, die Ilsebill,<br \/>\nWill nicht so, wie ich gern will.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8222;Na, was will sie denn?&#8220; fragte der Fisch. &#8222;Ach&#8220;, sagte der Mann halb betr\u00fcbt, &#8222;sie will in einem gro\u00dfen steinernen Schlosse wohnen.&#8220; &#8211; &#8222;Geh&#8216; nur hin, sie steht vor der T\u00fcr&#8220;, sagte der Fisch. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Da ging der Mann hin und dachte, er wolle nach Hause gehen, als er aber dort ankam, da stand dort ein gro\u00dfer, steinerner Palast, und seine Frau stand oben auf der Treppe und wollte hineingehen; da nahm sie ihn bei der Hand und sagte:<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8222;Komm nur herein.&#8220; Und so ging er mit ihr hinein, und in dem Schlosse war ein gro\u00dfer Flur mit marmornem Estrich, und da waren so viel Bediente, die rissen die gro\u00dfen T\u00fcren auf, und die W\u00e4nde waren alle blank und mit sch\u00f6nen Tapeten, und in den Zimmern lauter goldene St\u00fchle und Tische, und kristallene Kronleuchter hingen von der Decke herab, und in all den Stuben und Kammern lagen Fu\u00dfdecken&#8216; und Essen und die allerbesten Weine standen auf den Tischen, als wollten sie brechen. Und hinter dem Hause war auch ein gro\u00dfer Hof mit Pferde- und Kuhstall und Kutschen aufs allerbeste, auch war dort ein gro\u00dfer, herrlicher Garten mit den sch\u00f6nsten Blumen und feinen Obstb\u00e4umen, und ein Lustwald&#8216; wohl eine halbe Meile lang, mit Hirschen und Rehen und Hasen darin und allem, was man sich w\u00fcnschen mag. &#8222;Na&#8220;, sagte die Frau, &#8222;ist das nun nicht sch\u00f6n?&#8220; &#8211; &#8222;Ach ja&#8220;, sagte der Mann, &#8222;so soll es auch bleiben, nun wollen wir auch in dem sch\u00f6nen Schlosse wohnen und wollen zufrieden sein. &#8220; &#8211; &#8222;Das wollen wir uns bedenken&#8220;, sagte die Frau, &#8222;und wollen&#8217;s beschlafen.&#8220; Damit gingen sie zu Bett.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Am anderen Morgen wachte die Frau zuerst auf, es war eben Tag geworden, und jeder sah von seinem Bett aus das herrliche Land vor sich liegen. Der Mann reckte sich noch, da stie\u00df sie ihn mit dem Ellbogen in die Seite und sagte: &#8222;Mann, steh&#8216; auf und guck&#8216; einmal aus dem Fenster! Sieh&#8216;, k\u00f6nnen wir nicht K\u00f6nig werden \u00fcber all dies Land? Geh&#8216; hin zum Fisch, wir wollen K\u00f6nig sein.&#8220; &#8211; &#8222;Ach, Frau&#8220;, sagte der Mann, &#8222;was wollen wir K\u00f6nig sein! Ich mag nicht K\u00f6nig sein.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8211; &#8222;Ei&#8220;, sagte die Frau, &#8222;willst du nicht K\u00f6nig sein, so will ich K\u00f6nig sein. Geh&#8216; hin zum Fisch, ich will K\u00f6nig sein.&#8220; &#8211; &#8222;Ach, Frau&#8220;, sagte der Mann, &#8222;was willst du K\u00f6nig sein, das mag ich ihm nicht sagen.&#8220; &#8211; &#8222;Warum nicht?&#8220; sagte die Frau, &#8222;geh&#8216; sogleich hin, ich muss K\u00f6nig sein.&#8220; Da ging der Mann hin und war ganz betr\u00fcbt, dass seine Frau K\u00f6nig werden wollte. &#8222;Das ist nicht recht und ist nicht recht&#8220;, dachte der Mann. Er wollte nicht hingehen, ging aber doch hin. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Und als er an die See kam, da war die See ganz schwarzgrau&#8216; und das Wasser g\u00e4rte so von innen und roch ganz faul. Da stellte er sich hin und sagte:<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8222;Manntje&#8216; Manntje, Timpe Te,<br \/>\nButtje&#8216; Buttje in der See,<br \/>\nMeine Frau, die Ilsebill,<br \/>\nWill nicht so<b>, <\/b>wie ich gern will.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8222;Nun, was will sie denn?&#8220; fragte der Fisch. &#8222;Ach&#8220;, sagte der Mann, &#8222;sie will K\u00f6nig werden.&#8220; &#8211; &#8222;Geh&#8216; nur hin, sie ist es schon&#8220;, sagte der Fisch.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Da ging der Mann hin, und als er an den Palast kam, war das Schloss viel gr\u00f6\u00dfer geworden, mit einem gro\u00dfen Turm und herrlichem Zierat daran; und die Schildwache stand vor dem Tor, und da waren so viele Soldaten mit Pauken und Trompeten. Und als er in das Haus kam, war alles von purem Marmor mit Gold und samtene Decken und gro\u00dfe, goldene Quasten. Seine Frau sa\u00df auf einem hohen Thron von Gold und Diamant und hatte eine gro\u00dfe, goldene Krone auf und das Zepter in der Hand ,:von purem Gold und Edelstein, und ihr zu beiden Seiten standen sechs Jungfrauen in einer Reihe, immer eine einen Kopf kleiner als die andere. Da stellte er sich hin und sagte: &#8222;ach Frau, bist du nun K\u00f6nig?&#8220; &#8211; &#8222;Ja&#8220;, sagte die Frau, &#8222;nun bin ich K\u00f6nig.&#8220; Da stand er und sah sie an, und als er sie eine Zeitlang so angesehen hatte, sagte er: &#8222;Ach, Frau, was ist das sch\u00f6n, wenn du K\u00f6nig bist! Nun wollen wir auch nichts mehr w\u00fcnschen.&#8220; -&#8222;Nein, Mann&#8220;, sagte die Frau und ward ganz unruhig, &#8222;mir wurde die Zeit und Weile so lang, ich kann das nicht mehr aushalten. Geh&#8216; hin zum Fisch, K\u00f6nig bin ich, nun muss ich auch Kaiser werden.&#8220; &#8211; &#8222;Ach, Frau&#8220;, sagte der Mann, &#8222;was willst du Kaiser werden?&#8220; &#8211; &#8222;Mann&#8220;, sagte sie, &#8222;geh&#8216; zum Fisch, ich will Kaiser sein.&#8220; &#8211; &#8222;Ach, Frau&#8220;, sagte der Mann, &#8222;Kaiser kann er nicht machen, ich mag dem Fisch das nicht sagen; ein Kaiser ist nur einmal im Reich. Kaiser kann ja der Fisch nicht machen, das kann und kann er nicht.&#8220; &#8211; &#8222;Was&#8220;, sagte die Frau, &#8222;ich bin K\u00f6nig, und du bist nur mein Mann, willst du gleich hingehen? Geh&#8216; gleich hin; kann er K\u00f6nig machen, so kann er auch Kaiser machen, ich will nun Kaiser sein. Gleich geh&#8216; hin!&#8220; Da musste er hingehen. Als der Mann aber hinging, war ihm ganz bange, und als er so ging, dachte er bei sich: &#8222;Das geht und geht nicht gut, Kaiser ist zu unversch\u00e4mt, der Fisch wird&#8217;s am Ende m\u00fcd&#8216;.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Damit kam er an die See; da war die See noch ganz schwarz und dick und begann so von innen herauf zu g\u00e4ren, dass es nur so Blasen warf, und es ging ein Windsto\u00df dr\u00fcber hin, der sie aufw\u00fchlte, und den Mann kam ein Grausen an. Da stellte er sich hin und sagte:<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8222;Manntje, Manntje, Timpe Te,<br \/>\nButtje&#8216; Buttje in der See,<br \/>\nMeine Frau, die Ilsebill,<br \/>\nWill nicht so, wie ich gern will.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8222;Nun, was will sie denn?&#8220; fragte der Fisch. &#8222;Ach, Fisch&#8220;, sagte er, &#8222;meine Frau will Kaiser werden.&#8220; &#8211; &#8222;Geh&#8216; nur hin&#8220;, sagte der Fisch, &#8222;sie ist es schon.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Da ging der Mann hin, und als er dort ankam, war das ganze Schloss von poliertem Marmor mit goldenen Figuren und goldenen Zieraten. Vor dem Tor marschierten die Soldaten, und sie bliesen Trompeten und schlugen Pauken und Trommeln. Aber in dem Hause, da gingen die Barone und Grafen und Herzoge nur so als Bediente herum, da machten sie ihm die T\u00fcren auf, die von lauter Gold waren. Und als er hineinkam, da sa\u00df seine Frau auf einem Thron, der war von einem St\u00fcck Gold, und war sechs Ellen hoch, und sie hatte eine m\u00e4chtige, gro\u00dfe goldene Krone auf, die war mit Brillanten und Karfunkelsteinen besetzt. In der einen Hand hatte sie das Zepter und in der andern Hand den Reichsapfel, und ihr zu beiden Seiten standen die Trabanten in zwei Reihen, immer einer kleiner als der andere, von dem allergr\u00f6\u00dften Riesen, der war \u00fcber sechs Ellen hoch, bis zum allerkleinsten Zwerg, der war nur so gro\u00df wie mein kleiner Finger. Und vor ihr standen so viele F\u00fcrsten und Herzoge. Da stellte sich der Mann sch\u00fcchtern hin und sagte: &#8222;Frau, bist du nun Kaiser?&#8220; &#8211; &#8222;Ja&#8220;, sagte sie, &#8222;ich bin Kaiser.&#8220; Da ging er n\u00e4her hin und besah sie sich so recht, und als er sie eine Zeitlang so angesehen hatte, sagte er: &#8222;Ach, Frau, was ist das sch\u00f6n, wenn du Kaiser bist.&#8220;&#8218; &#8211; &#8222;Mann&#8220;, sagte sie, &#8222;was stehst du dort? Ich bin nun Kaiser, nun will ich aber auch Papst werden; geh&#8216; hin zum Fisch.&#8220; &#8211; &#8222;Ach, Frau&#8220;, sagte der Mann, &#8222;was willst du nicht alles&#8216;. Papst kannst du nicht werden, Papst ist nur einmal in der Christenheit, das kann er doch nicht machen.&#8220; &#8211; &#8222;Mann&#8220;, sagte sie, &#8222;ich will Papst werden; geh&#8216; gleich hin, ich muss heut&#8216; noch Papst werden.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8211; &#8222;Nein, Frau&#8220;, sagte der Mann, &#8222;das mag ich nicht sagen, das geht nicht gut, das ist zu grob, zum Papst kann der Fisch nicht machen.&#8220; &#8211; &#8222;Mann, was f\u00fcr Schnack!&#8220; sagte die Frau, &#8222;kann er Kaiser machen, kann er auch Papst machen. Geh&#8216; sofort hin, ich bin Kaiser, und du bist nur mein Mann. Willst du wohl hingehen.&#8220; Da wurde er bange und ging hin, es war ihm aber ganz elend zumute, er zitterte und bebte, und Knie und Waden schlotterten ihm. Und da strich ein Wind \u00fcbers Land, und die Wolken flogen, als es d\u00fcster wurde gegen Abend. Die Bl\u00e4tter wehten von den B\u00e4umen, und das Wasser rauschte und brauste, als ob es kochte, und platschte an das Ufer, und in der Ferne sah er die Schifte, die schossen in der Not und tanzten und sprangen auf den Wellen. Doch war der Himmel noch so ein bisschen blau in der Mitte, aber an den Seiten zog es herauf wie ein schweres Gewitter. Da stellte er sich in der Angst recht verzagt hin und sagte:<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8222;Manntje, Manntje, Timpe Te,<br \/>\nButtje&#8216; Buttje in der See,<br \/>\nMeine Frau, die lisebill,<br \/>\nWill nicht so, wie ich gern will.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8222;Nun, was will sie denn?&#8220; fragte der Fisch. &#8222;Ach&#8220;, sagte der Mann, &#8222;sie will Papst werden.&#8220; &#8211; &#8222;Geh&#8216; nur hin, sie ist es schon.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Da ging er hin, und als er dort ankam, war es wie eine gro\u00dfe Kirche, von lauter Pal\u00e4sten umgeben. Dort dr\u00e4ngte er sich durch das Volk. Inwendig war aber alles mit tausend und tausend Lichtern erleuchtet, und seine Frau war in lauter Gold gekleidet und sa\u00df auf einem noch viel h\u00f6heren Thron und hatte drei gro\u00dfe goldene Kronen auf und um sie her so viel vom geistlichen Staat, und zu ihren beiden Seiten standen zwei Reihen Lichter, das gr\u00f6\u00dfte so dick und gro\u00df wie der allergr\u00f6\u00dfte Turm, bis zum allerkleinsten K\u00fcchenlicht; und alle die Kaiser und die K\u00f6nige lagen vor ihr auf den Knien und k\u00fcssten ihr den Pantoffel. &#8222;Frau&#8220;, fragte der Mann und sah sie so recht an, &#8222;bist du nun Papst?&#8220; &#8211; &#8222;Ja&#8220;, sagte sie, &#8222;ich bin Papst.&#8220; Da stellte er sich hin und sah sie so recht an, und das war, als wenn er in die helle Sonne s\u00e4he. Als er sie eine Zeitlang so angesehen hatte, sagte er:<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8222;Ach, Frau, was ist das sch\u00f6n, wenn du Papst bist!&#8220; Sie sa\u00df aber ganz steif wie ein Klotz und r\u00fchrte und regte sich nicht. Da sagte er: &#8222;Frau, nun sei zufrieden, jetzt bist du Papst, nun kannst du nichts mehr werden.&#8220; &#8211; &#8222;Das will ich mir bedenken&#8220;, sagte die Frau. Damit gingen sie beide zu Bett, aber sie war nicht zufrieden, und die Gier lie\u00df sie nicht schlafen, sie dachte immer, was sie noch werden wollte.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Der Mann schlief recht gut und fest, er war den Tag viel gelaufen; die Frau aber konnte gar nicht einschlafen und warf sich die ganze Nacht von einer Seite auf die andere und dachte nur immer, was sie wohl noch werden k\u00f6nnte und konnte sich doch auf nichts mehr besinnen. Mittlerweile wollte die Sonne aufgehen, und als sie das Morgenrot sah, richtete sie sich auf im Bett und sah dort hinein, und als sie aus dem Fenster die Sonne so heraufkommen sah &#8211; &#8222;ha&#8220;, dachte sie, &#8222;kann ich nicht auch die Sonne und den Mond aufgehen lassen?&#8220; -&#8222;Mann&#8220;, sagte sie und stie\u00df ihn mit dem Ellbogen in die Rippen, &#8222;wach&#8216; auf, geh&#8216; hin zum Fisch, ich will werden wie der liebe Gott.&#8220; Der Mann war noch halb im Schlaf, aber er erschrak so sehr, dass er aus dem Bette fiel. Er meinte, er h\u00e4tte sich verh\u00f6rt und rieb sich die Augen aus und fragte: &#8222;Ach, Frau, was sagtest du?&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8211; &#8222;Mann&#8220;, sagte sie, &#8222;wenn ich nicht die Sonne und den Mond kann aufgehen lassen und muss das so mit ansehen, dass die Sonne und der Mond aufgehen, ich kann das nicht aushalten und hab&#8216; keine ruhige Stunde mehr, wenn ich sie nicht selbst aufgehen lassen kann. Da sah sie ihn so recht gro\u00df an, dass ihn ein Schauder \u00fcberlief.&#8220; Gleich geh&#8216; hin, ich will werden wie der liebe Gott.&#8220; &#8222;Ach, Frau&#8220;, sagte der Mann und fiel vor ihr auf die Knie, &#8222;das kann der Fisch nicht, Kaiser und Papst kann er machen; ich bitte dich, geh&#8216; in dich und bleibe Papst.&#8220; Da kam sie in helle Wut, die Haare flogen ihr so wild um den Kopf, sie riss sich das Mieder auf, gab ihm eins mit dem Fu\u00df und schrie: &#8222;Ich halt&#8217;s nicht aus, und halt&#8217;s nicht l\u00e4nger aus. Willst du gleich hingehen.&#8220; Da schl\u00fcpfte er in seine Hosen und lief weg wie von Sinnen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Drau\u00dfen aber ging der Sturm und brauste, dass er kaum auf den F\u00fc\u00dfen stehen konnte. Die H\u00e4user und die B\u00e4ume wurden umgeweht, und die Berge bebten, und die Felsen rollten in die See, und der Himmel war ganz pechschwarz, und es donnerte und blitzte, und die See ging in so hohen schwarzen Wellen wie Kircht\u00fcrme und wie Berge und hatten oben alle eine wei\u00dfe Krone von Schaum auf. Da schrie er und konnte sein eigen Wort nicht h\u00f6ren:<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8222;Manntje, Manntje, Timpe Te,<br \/>\nButtje&#8216; Buttje in der See,<br \/>\nMeine Frau, die Ilsebill,<br \/>\nWill nicht so, wie ich gern will.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">&#8222;Nun, was will sie denn?&#8220; fragte der Fisch.&#8220; Ach&#8220;, sagte der Mann, &#8222;sie will werden wie der liebe Gott.&#8220; &#8222;Geh&#8216; nur hin, sie sitzt schon wieder im alten Topfe.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Dort sitzen sie noch beide bis auf den heutigen Tag. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. 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