{"id":372,"date":"2015-10-07T11:00:44","date_gmt":"2015-10-07T09:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=372"},"modified":"2026-01-24T02:55:44","modified_gmt":"2026-01-24T01:55:44","slug":"das-feuerzeug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-feuerzeug\/","title":{"rendered":"Das Feuerzeug"},"content":{"rendered":"\n<p>Hans-Christian Andersen<\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Es kam ein Soldat auf der Landstra\u00dfe dahermarschiert: eins, zwei; eins, zwei! Er hatte seinen Tornister auf dem R\u00fccken und einen S\u00e4bel an der Seite, denn er war im Krieg gewesen und wollte nun nach Hause. <\/span><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Die sch\u00f6nsten M\u00e4rchen von Hans Christian Andersen | langes H\u00f6rbuch zum Einschlafen (deutsch)\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/sVf0J3uaXMc?start=702&#038;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da begegnete er einer alten Hexe; sie war widerlich, ihre Unterlippe hing ihr gerade bis auf die Brust hinunter. Sie sagte: &#8222;Guten Abend, Soldat! Was hast du doch f\u00fcr einen sch\u00f6nen S\u00e4bel und gro\u00dfen Tornister! Du bist ein wahrer Soldat! Nun sollst du so viel Geld haben, wie du willst.&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ich danke dir, du alte Hexe!&#8220; sagte der Soldat. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Siehst du den gro\u00dfen Baum da?&#8220; sagte die Hexe und zeigte auf eine Eiche, die ihnen zur Seite stand. &#8222;Er ist inwendig ganz hohl; da musst du den Wipfel erklettern, dann findest du ein Loch, durch das du dich hinabgleiten lassen und tief in den Erdboden gelangen kannst. Ich werde dir einen Strick um den Leib binden, damit ich dich wieder heraufziehen kann, wenn du mich rufst!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Was soll ich denn da unten?&#8220; fragte der Soldat.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Geld holen!&#8220; sagte die Hexe. &#8222;Wisse, wenn du auf den Boden hinunterkommst, so bist du in einer gro\u00dfen Halle; da ist es ganz hell, denn da brennen \u00fcber hundert Lampen. Dann erblickst du drei T\u00fcren. Du kannst sie \u00f6ffnen, der Schl\u00fcssel steckt daran. Gehst du in die erste Kammer hinein, so siehst du mitten auf dem Fu\u00dfboden eine gro\u00dfe Kiste. Auf ihr sitzt ein Hund; er hat ein Paar Augen, so gro\u00df wie Teetassen, doch darum brauchst du dich nicht zu k\u00fcmmern! Ich gebe dir meine blaue Sch\u00fcrze, die kannst du auf dem Fu\u00dfboden ausbreiten, geh dann rasch hin und nimm den Hund, setze ihn auf meine Sch\u00fcrze, \u00f6ffne die Kiste und nimm soviel Geld, wie du willst; es ist lauter Kupfer. Willst du lieber Silber haben, so musst du in das n\u00e4chste Zimmer hineingehen; da sitzt ein Hund, der hat ein Paar Augen, so gro\u00df wie M\u00fchlr\u00e4der; doch das soll dich nicht k\u00fcmmern. Setze ihn auf meine Sch\u00fcrze und nimm von dem Gelde! Willst du hingegen Gold haben, so kannst du es auch bekommen, und zwar soviel, wie du tragen willst, wenn du in die dritte Kammer hineingehst. Aber der Hund, der auf dem Goldkasten sitzt, hat zwei Augen, jedes so gro\u00df wie ein Turm. Glaube mir, das ist ein ordentlicher Hund; aber daran sollst du dich nicht kehren. Setze ihn auf meine Sch\u00fcrze, so tut er dir nichts, und nimm aus der Kiste soviel Gold, wie du willst!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Das ist nicht \u00fcbel!&#8220; sagte der Soldat. &#8222;Aber was soll ich dir geben, du alte Hexe, denn etwas willst du doch auch wohl haben?&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Nein&#8220;, sagte die Hexe, &#8222;nicht einen einzigen Groschen will ich haben! F\u00fcr mich sollst du nur ein altes Feuerzeug nehmen, das meine Gro\u00dfmutter verga\u00df, als sie das letzte Mal da unten war!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Nun, so binde mir den Strick um den Leib!&#8220; sagte der Soldat. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Hier ist er&#8220;, sagte die Hexe, &#8222;und hier ist meine blaue Sch\u00fcrze.&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dann kletterte der Soldat auf den Baum hinauf, lie\u00df sich in das Loch hinuntergleiten und stand nun, wie die Hexe gesagt hatte, unten in der gro\u00dfen Halle, wo die vielen Lampen brannten.<br><\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun \u00f6ffnete er die erste T\u00fcr. Uh, da sa\u00df der Hund mit den Augen, so gro\u00df wie Teetassen, und glotzte ihn an. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Du bist ein netter Kerl!&#8220; sagte der Soldat, setzte ihn auf die Sch\u00fcrze der Hexe und nahm soviel Kupfergeld, als seine Tasche fassen konnte, schloss dann die Kiste, setzte den Hund wieder darauf und ging in das andere Zimmer hinein. Wahrhaftig, da sa\u00df der Hund mit den Augen, so gro\u00df wie M\u00fchlr\u00e4der. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Du solltest mich lieber nicht so ansehen&#8220;, sagte der Soldat, &#8222;du k\u00f6nntest Augenschmerzen bekommen!&#8220; Und dann setzte er den Hund auf die Sch\u00fcrze der Hexe. Aber als er das viele Silbergeld in der Kiste erblickte, warf er all das Kupfergeld, was er hatte, fort und f\u00fcllte die Taschen und den Tornister nur mit Silber. Nun ging er in die dritte Kammer. Das war h\u00e4sslich! Der Hund darin hatte wirklich zwei Augen, so gro\u00df wie ein Turm, und die drehten sich im Kopfe, gerade wie die Fl\u00fcgel von Windm\u00fchlen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Guten Abend!&#8220; sagte der Soldat und ber\u00fchrte die M\u00fctze, denn einen solchen Hund hatte er fr\u00fcher nie gesehen; aber als er ihn etwas genauer betrachtet hatte, dachte er: &#8218;Nun ist es genug!&#8216; hob ihn auf den Fu\u00dfboden herunter und machte die Kiste auf. Was war da f\u00fcr eine Menge Gold! Er konnte daf\u00fcr die ganze Stadt und die Zuckerferkel der Kuchenfrauen, alle Zinnsoldaten, Peitschen und Schaukelpferde in der ganzen Welt kaufen! Ja, das war einmal Gold! Nun warf der Soldat alles Silbergeld, womit er seine Taschen und seinen Tornister gef\u00fcllt hatte, fort und nahm daf\u00fcr Gold; ja, alle Taschen, der Tornister, die M\u00fctze und die Stiefel wurden gef\u00fcllt, so dass er kaum gehen konnte; nun hatte er Geld! Den Hund setzte er auf die Kiste, schlug die T\u00fcre zu und rief dann durch den Baum hinauf:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Zieh mich jetzt in die H\u00f6he, du alte Hexe!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Hast du auch das Feuerzeug?&#8220; fragte die Hexe. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Wahrhaftig&#8220;, sagte der Soldat, &#8222;das habe ich vergessen.&#8220; Und er ging und holte es. Die Hexe zog ihn hinauf, und da stand er wieder auf der Landstra\u00dfe, die Taschen, Stiefel, Tornister und M\u00fctze voll Gold. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Was willst du mit dem Feuerzeug?&#8220; fragte der Soldat. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Das geht dich nichts an!&#8220; sagte die alte Hexe. &#8222;Nun hast du ja Geld bekommen! Gib mir nur das Feuerzeug!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ach was!&#8220; sagte der Soldat. &#8222;Willst du mir gleich sagen, was du damit willst, oder ich ziehe ganz einfach meinen S\u00e4bel aus der Scheide und schlage dir ohne zu z\u00f6gern den Kopf ab!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Nein!&#8220; sagte die Hexe.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da schlug der Soldat ihr den Kopf ab. Da lag sie. Aber er band all sein Geld in ihre Sch\u00fcrze, nahm es wie ein B\u00fcndel auf seinen R\u00fccken, steckte das Feuerzeug ein und ging gerade nach der Stadt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Das war eine pr\u00e4chtige Stadt, und in den prachtvollsten Wirtsh\u00e4usern kehrte er ein, verlangte die allerbesten Zimmer und seine Lieblingsspeisen, denn nun war er ja reich, da er soviel Geld hatte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dem Diener, der seine Stiefel putzen sollte, kam es freilich vor, als seien es recht j\u00e4mmerliche, alte Stiefel, die ein so reicher Herr besa\u00df, aber er hatte sich noch keine neuen gekauft; am n\u00e4chsten Tage bekam er anst\u00e4ndige Stiefel und sch\u00f6ne Kleider. Nun war aus dem Soldaten ein vornehmer Herr geworden, und man erz\u00e4hlte ihm von all den Herrlichkeiten, die in der Stadt waren, und von dem K\u00f6nig und was f\u00fcr eine niedliche Prinzessin seine Tochter sei. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Wo kann man sie zu sehen bekommen?&#8220; fragte der Soldat. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Sie ist gar nicht zu Gesicht zu bekommen!&#8220; antwortete man. &#8222;Sie wohnt in einem gro\u00dfen Schlosse, von vielen Mauern und T\u00fcrmen umgeben. Niemand au\u00dfer dem K\u00f6nig darf bei ihr ein und aus gehen, denn es ist prophezeit, dass sie an einen ganz gemeinen Soldaten verheiratet wird, und das kann der K\u00f6nig nicht zugeben.&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8218;Ich m\u00f6chte sie wohl sehen!&#8216; dachte der Soldat, aber dazu konnte er ja durchaus keine Erlaubnis erhalten.<br><\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun lebte er recht lustig, besuchte das Theater, fuhr in des K\u00f6nigs Garten und gab den Armen viel Geld, und das war h\u00fcbsch von ihm; er wusste noch von fr\u00fcheren Zeiten her, wie schlimm es ist, nicht einen Groschen zu besitzen! Er war immer noch reich, hatte sch\u00f6ne Kleider und bekam viele Freunde, die alle sagten, er sei ein vortrefflicher Mensch, ein wahrer Edelmann, und das hatte der Soldat gern! Aber da er jeden Tag Geld ausgab und nie etwas einnahm, so blieben ihm zuletzt nicht mehr als zwei Groschen \u00fcbrig. Er musste die sch\u00f6nen Zimmer verlassen und oben in einer ganz kleinen Kammer wohnen, dicht unter dem Dache, seine Stiefel selbst b\u00fcrsten und sie mit einer Stopfnadel zusammenn\u00e4hen, und keiner seiner Freunde kam zu ihm, denn es waren viele Treppen hinaufzusteigen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Es war ein ganz dunkler Abend, er konnte sich nicht einmal ein Licht kaufen, aber da fiel es ihm ein, dass ein kleines St\u00fcckchen in dem Feuerzeuge liege, das er aus dem hohlen Baume, in den die Hexe ihm hinuntergeholfen, genommen hatte. Er holte das Feuerzeug und das Lichtst\u00fcckchen vor; aber gerade als er Feuer schlug, sprang die T\u00fcr auf, und der Hund, der Augen so gro\u00df wie ein paar Teetassen hatte und den er unten unter dem Baume gesehen hatte, stand vor ihm und fragte: &#8222;Was befiehlt mein Herr?&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Was ist das?&#8220; fragte der Soldat. &#8222;Das ist ja ein lustiges Feuerzeug, wenn ich so bekommen kann, was ich haben will! Schaffe mit etwas Geld&#8220;, sagte er zum Hunde, und schnell war er fort und wieder da, und hielt einen gro\u00dfen Beutel voll Geld in seinem Maule.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun wusste der Soldat, was f\u00fcr ein pr\u00e4chtiges Feuerzeug das war! Schlug er einmal, so kam der Hund, der auf der Kiste mit Kupfergeld sa\u00df, schlug er zweimal, so kam der, der das Silbergeld bewachte, und schlug er dreimal, so kam der, der das Gold hatte. Nun zog der Soldat wieder in die sch\u00f6nen Zimmer, erschien wieder in sch\u00f6nen Kleidern, und da erkannten ihn sogleich alle seine Freunde und hielten sehr viel von ihm.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da dachte er einmal: &#8218;Es ist doch etwas recht Sonderbares, dass man die Prinzessin nicht zu sehen bekommen kann. Sie soll sehr sch\u00f6n sein; aber was kann das helfen, wenn sie immer in dem gro\u00dfen Schlosse sitzen soll! Kann ich sie denn gar nicht zu sehen bekommen? Wo ist mein Feuerzeug? Er schlug Feuer, und da kam der Hund mit den Augen, so gro\u00df wie Teetassen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Es ist freilich mitten in der Nacht&#8220;, sagte der Soldat, &#8222;aber ich m\u00f6chte herzlich gern die Prinzessin nur einen Augenblick sehen!&#8220; <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Hund war gleich aus der T\u00fcr, und ehe der Soldat daran dachte, sah er ihn schon mit der Prinzessin wieder. Sie sa\u00df und schlief auf dem R\u00fccken des Hundes und war so lieblich, dass jedermann sehen konnte, dass es eine wirkliche Prinzessin war; der Soldat konnte es durchaus nicht unterlassen, sie zu k\u00fcssen, denn er war ganz und gar Soldat. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Darauf lief der Hund mit der Prinzessin zur\u00fcck. Doch als es Morgen wurde und der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin kamen, sagte die Prinzessin, sie habe in der vorigen Nacht einen ganz sonderbaren Traum von einem Hunde und einem Soldaten gehabt. Sie sei auf dem Hunde geritten, und der Soldat habe sie gek\u00fcsst. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Das w\u00e4re wahrlich eine sch\u00f6ne Geschichte!&#8220; sagte die K\u00f6nigin.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun sollte in der n\u00e4chsten Nacht eine der alten Hofdamen am Bette der Prinzessin wachen, um zu sehen, ob es ein Traum sei oder was sonst.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Soldat hatte eine au\u00dferordentliche Sehnsucht, die Prinzessin wiederzusehen, und so kam denn der Hund in der Nacht, nahm sie und lief, was er konnte; aber die alte Hofdame lief ebenso schnell hinterher. Als sie nun sah, dass der Hund mit der Prinzessin in einem gro\u00dfen Hause verschwand, dachte sie: &#8218;Nun wei\u00df ich, wo er ist&#8216;, und machte mit einem St\u00fcck Kreide ein gro\u00dfes Kreuz an die T\u00fcr. Dann ging sie nach Hause und legte sich nieder, und der Hund kam auch mit der Prinzessin wieder. Aber als er sah, dass ein Kreuz an der T\u00fcr, wo der Soldat wohnte, gemacht war, nahm er auch ein St\u00fcck Kreide und machte Kreuze an alle T\u00fcren in der ganzen Stadt. Das war klug getan, denn nun konnte ja die Hofdame die richtige T\u00fcr nicht finden, da Kreuze an allen waren. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Fr\u00fchmorgens kamen der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin, die alte Hofdame und alle Offiziere, um zu sehen, wo die Prinzessin gewesen war. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Da ist es!&#8220; sagte der K\u00f6nig, als er die erste T\u00fcr mit einem Kreuze erblickte. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Nein, dort ist es, lieber Mann!&#8220; sagte die K\u00f6nigin, als sie die zweite T\u00fcr mit einem Kreuze darauf gewahr wurde. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Aber da ist eins und dort ist eins!&#8220; sagten alle; wohin sie blickten, waren Kreuze an den T\u00fcren. Da begriffen sie denn wohl, dass ihnen das Suchen nichts helfen w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Aber die K\u00f6nigin war eine \u00e4u\u00dferst kluge Frau, die mehr konnte als in einer Kutsche fahren. Sie nahm ihre gro\u00dfe, goldene Schere, schnitt ein gro\u00dfes St\u00fcck Seidenzeug in St\u00fccke und n\u00e4hte einen kleinen, niedlichen Beutel; den f\u00fcllte sie mit feiner Buchweizengr\u00fctze, band ihn der Prinzessin auf den R\u00fccken, und als das getan war, schnitt sie ein kleines Loch in den Beutel, so dass die Gr\u00fctze den ganzen Weg bestreuen konnte, den die Prinzessin nahm.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">In der Nacht kam nun der Hund wieder, nahm die Prinzessin auf den R\u00fccken und lief mit ihr zu dem Soldaten hin, der sie lieb hatte und gern ein Prinz h\u00e4tte sein m\u00f6gen, um sie zur Frau bekommen zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Hund merkte nicht, wie die Gr\u00fctze gerade vom Schlosse bis zum Fenster des Soldaten, wo er mit der Prinzessin die Mauer hinauflief, sich ausstreute. Am Morgen sahen der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin nun wohl, wo ihre Tochter gewesen war, und da nahmen sie den Soldaten und setzten ihn ins Gef\u00e4ngnis.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da sa\u00df er. Hu, wie dunkel und h\u00e4sslich war es da! Und dazu sagte man ihm: &#8222;Morgen wirst du geh\u00e4ngt werden.&#8220; Das zu h\u00f6ren, war eben nicht erg\u00f6tzlich, und sein Feuerzeug hatte er zu Hause im Gasthofe gelassen. Am Morgen konnte er durch das Eisengitter vor dem kleinen Fenster sehen, wie sich das Volk beeilte, aus der Stadt zu kommen, um ihn h\u00e4ngen zu sehen. Er h\u00f6rte die Trommeln und sah die Soldaten marschieren. Alle Menschen liefen hinaus; unter ihnen war auch ein Schuhmacherjunge mit Schurzfell und Pantoffeln; er lief so im Galopp, dass einer seiner Pantoffeln gerade gegen die Mauer abflog, hinter der der Soldat sa\u00df und durch das Eisengitter hinaussah. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ei, du Schuhmacherjunge! Du brauchst nicht solche Eile zu haben&#8220;, sagte der Soldat zu ihm; &#8222;es wird nichts daraus, bevor ich komme! Willst du aber hinlaufen, wo ich gewohnt habe, und mir mein Feuerzeug holen, so sollst du vier Groschen haben! Aber du musst schnell machen!&#8220; Der Schuhmacherjunge wollte gern die vier Groschen haben und lief fort nach dem Feuerzeuge, brachte es dem Soldaten und &#8211; ja, nun werden wir h\u00f6ren!<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Au\u00dferhalb der Stadt war ein gro\u00dfer Galgen gemauert, ringsherum standen die Soldaten und viele tausend Menschen. Der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin sa\u00dfen oben auf einem pr\u00e4chtigen Thron, den Richtern und dem ganzen Rat gegen\u00fcber.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Soldat stand schon oben auf der Leiter; aber als sie ihm den Strick um den Hals legen wollten, sagte er, dass man ja immer einem armen S\u00fcnder, bevor er seine Strafe erdulde, die Erf\u00fcllung eines unschuldigen Wunsches gew\u00e4hre. Er m\u00f6chte eine Pfeife Tabak rauchen, es sei ja die letzte Pfeife, die er in dieser Welt bekomme.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Das wollte der K\u00f6nig ihm denn auch nicht abschlagen, und so nahm der Soldat sein Feuerzeug und schlug Feuer, ein-, zwei-, dreimal! Da standen alle drei Hunde, der mit den Augen, so gro\u00df wie Teetassen, der mit den Augen wie M\u00fchlr\u00e4der und der, dessen Augen so gro\u00df waren wie ein Turm.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Helft mir, dass ich nicht geh\u00e4ngt werde&#8220;, sagte der Soldat, und da fielen die Hunde \u00fcber die Richter und den ganzen Rat her, nahmen den einen bei den Beinen und den andern bei der Nase und warfen sie viele Ellen hoch in die Luft, dass sie beim Niederfallen sich in St\u00fccke zerschlugen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ich will nicht&#8220;, sagte der K\u00f6nig, aber der gr\u00f6\u00dfte Hund nahm sowohl ihn wie die K\u00f6nigin und warf sie den andern nach; da erschraken die Soldaten, und alles Volk rief: &#8222;Guter Soldat, du sollst unser K\u00f6nig sein und die sch\u00f6ne Prinzessin haben!&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Dann setzten sie den Soldaten in des K\u00f6nigs Kutsche, und alle drei Hunde tanzten vorauf und riefen Hurra, und die Knaben pfiffen auf den Fingern, und die Soldaten pr\u00e4sentierten das Gewehr. Die Prinzessin kam aus dem Schlosse und wurde K\u00f6nigin, und das gefiel ihr wohl! Die Hochzeit w\u00e4hrte acht Tage lang, und die Hunde sa\u00dfen mit bei Tische und machten gro\u00dfe Augen. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans-Christian Andersen Es kam ein Soldat auf der Landstra\u00dfe dahermarschiert: eins, zwei; eins, zwei! Er hatte seinen Tornister auf dem R\u00fccken und einen S\u00e4bel an der Seite, denn er war im Krieg gewesen und wollte nun nach Hause. Da begegnete er einer alten Hexe; sie war widerlich, ihre Unterlippe hing ihr gerade bis auf die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[88,85],"tags":[],"class_list":["post-372","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hans-chr-andersen","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/372","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=372"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/372\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1307,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/372\/revisions\/1307"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=372"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=372"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=372"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}