{"id":3663,"date":"2026-01-13T20:30:29","date_gmt":"2026-01-13T19:30:29","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=3663"},"modified":"2026-01-13T20:30:49","modified_gmt":"2026-01-13T19:30:49","slug":"von-zwei-affen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/von-zwei-affen-2\/","title":{"rendered":"Von zwei Affen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Von zwei Affen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ludwig Bechstein<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\u00bbEin alter Affe lebte an einem fruchtbaren Ort, wo B\u00e4ume und Fr\u00fcchte, Wasser und Weiden im \u00dcberfluss vorhanden waren. Da er nur immer im Wohlleben war, so bekam er in seinem Alter die Raute und war damit sehr geplagt, wurde mager und kraftlos, so dass er seine Speise nicht mehr erlangen konnte. Da kam ein andrer Affe zu ihm und fragte ihn verwundert: \u203aEi, wie kommt es, dass ich dich so krank und abgezehrt sehen muss?\u2039 \u203aAch!\u2039 seufzt der alte Affe, \u203aich wei\u00df keine andere Ursache als den Willen Gottes, dem niemand zu entfliehen vermag.\u2039<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf sprach jener: \u203aIch kannte einen Freund, der trug dasselbe Siechtum, und es half ihm nichts als das Haupt einer schwarzen Natter. Als er das a\u00df, so genas er, das solltest du auch tun!\u2039<\/p>\n\n\n\n<p>Ihm entgegnete der alte Affe: \u203aWer gibt mir ein solches Natterhaupt, da ich so schwach bin, kaum eine Frucht von dem Baume zu erlangen?\u2039<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf versetzte jener: \u203aVor zwei Tagen sah ich vor einer H\u00f6hle in einem Felsen einen Mann stehen, der lauerte auf die schwarze Natter, die in der H\u00f6hle lag, und wollte ihr die Zunge ausziehen, weil er einer solchen bed\u00fcrftig war; da will ich dich hinbringen. Hat der Mann die Natter get\u00f6tet, so nimmst du das Haupt und isst es.\u2039<\/p>\n\n\n\n<p>Der alte Affe sprach: \u203aIch bin siech und krank, werde ich gesund und stark, so will ich dir gern deinen Dienst vergelten.\u2039 Da f\u00fchrte jener Affe den alten in die Felsenh\u00f6hle, darin er einen Drachen wohnen wusste. Vor der H\u00f6hle waren gro\u00dfe Fu\u00dftritte, wie die eines Menschen, der alte Affe dachte, die habe der Mann zur\u00fcckgelassen, der die Natter get\u00f6tet, kroch hinein und suchte das Haupt. Da zuckte der Drache hervor und erw\u00fcrgte ihn und fra\u00df ihn. Der junge aber freute sich, dass er seinen Gesellen verlockt und betrogen hatte und nun im alleinigen Besitz der sch\u00f6nen Fruchtb\u00e4ume war.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als Vogel Holgott seinem Weibchen dies erz\u00e4hlt hatte, f\u00fcgte er noch hinzu: \u00bbDies sage ich der Lehre halber, die darinnen liegt: Es soll kein Vern\u00fcnftiger sein Leben wagen auf einen t\u00f6richten und betr\u00fcglichen Rat hin.\u00ab Aber das Weibchen sprach: \u00bbIch habe dich recht wohl verstanden, allein hier ist es doch ein ganz andrer Fall, denn die Fische, die ich meine, sind ohne Gefahr zu holen und werden unsern Jungen sehr dienlich sein.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als Vogel Holgott sah, dass verst\u00e4ndige \u00dcberredung bei seiner Frau nicht anschlage, so gab er nach: \u00bbKannst du es nicht lassen, so hole die Fische; bewahre dich aber, dass du niemandem weder das eine noch das andere Geheimnis vertrauest, denn also lehren die Weisen: L\u00f6blich ist jeder Vernunft \u00dcbung, aber die gr\u00f6\u00dfte Vernunft beweist der, der sein Geheimnis begr\u00e4bt, also dass es keiner zu finden vermag.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf flog das Weibchen fort und auf der Stelle zu seinem lieben Freund Mosam und teilte ihm alles mit, was der Mann im Sinn hatte, und dass er an einen lustigen Ort ziehen wolle, wo weder von Tieren noch von Menschen etwas zu f\u00fcrchten sei. Und sprach: \u00bbM\u00f6chtest du, o Freund, einen Fund finden, dass auch du dorthin kommen k\u00f6nntest, doch mit Wissen und Willen meines Mannes, denn soll mir etwas Gutes widerfahren, so hab ich keine Freude ohne dich.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf erwiderte der Vogel Mosam: \u00bbWarum sollte ich gezwungen sein, nur mit Bewilligung deines Mannes dort zu weilen? Wer gibt ihm solche Gewalt an die Hand \u00fcber mich und andre? Wer verbietet mir, auch dorthin zu ziehen? Zur Stunde will ich hinfliegen und dort mein Nest bauen, da es so eine gen\u00fcgliche St\u00e4tte ist. Und wird dein Mann kommen und mich vertreiben wollen, so werde ich ihm das wohl zu wehren wissen und ihm sagen, dass weder er noch seine Vorfahren dort sesshaft waren und er also nicht mehr Recht an jener Gegend hat als ich und andere.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da erwiderte das Weibchen: \u00bbDu hast nicht unrecht, aber ich w\u00fcnschte doch deine Gegenwart dort in der Voraussetzung, dass alle Wege Friede und Eintracht unter uns seien. Gehst du gegen meines Mannes Willen dorthin, so haben wir \u00fcble Nachrede zu gew\u00e4rtigen, und unsre Freundschaft wird sich in Trauer verkehren. Mein Rat ist dieser: Du gehst zu meinem Manne, l\u00e4sst ihn nicht wissen, dass wir uns gesprochen, und sagst zu ihm (ehe ich zur\u00fcck bin), du habest jene sehr sch\u00f6ne Gegend gefunden und dir vorgenommen, dorthin zu ziehen, so wird er dir erwidern, dass er auch zuvor schon diese St\u00e4tte entdeckt habe und entschlossen sei, hinzuziehen; dann sprichst du: \u203aO Freund Holgott, so bist du der erste und jener St\u00e4tte w\u00fcrdiger denn ich, aber ich bitte dich, la\u00df mich bei dir wohnen, so will ich dir dort ein treuer Freund und Gef\u00e4hrte sein.\u2039\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Rat befolgte Vogel Mosam und flog eiligst zu Vogel Holgott hin, w\u00e4hrend das Weibchen an den ersten besten Teich flog und zwei Fische fing und heim trug, als seien es die heilsamen Wunderfische, und Vogel Holgott erwiderte auf den Antrag, dass ihm Mosams Gesellschaft wohlgef\u00e4llig sei. Das Weibchen aber stellte sich, als w\u00e4re ihr ihres Mannes Nachgiebigkeit gegen ihren Freund nicht lieb, damit er ihre Verr\u00e4terei nicht merke, und sagte: \u00bbWir haben doch jene St\u00e4tte f\u00fcr uns allein erw\u00e4hlt, und ich besorge, wird Vogel Mosam mit uns ziehen, so folgen seine vielen Freunde auch nach, und zuletzt m\u00fcssen wir weichen vor ihrer \u00dcberzahl.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf entgegnete ihr Mann: \u00bbDu hast recht; aber ich vertraue Mosam und hoffe, mit seinem Beistand werden wir uns der Zudringlichkeit erwehren, darum ist es vielleicht gut, dass dieser Freund bei uns wohne. Niemand vertraue allzu viel der eigenen Kraft und der eigenen Macht. Wir sind zwar mit die st\u00e4rksten unter den V\u00f6geln, aber Hilfe dienet dem Schwachen, zu \u00fcberwinden den Starken, wie die Katzen den Wolf \u00fcberwanden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWie war das?\u00ab fragte Holgotts Weibchen, und dieser erz\u00e4hlte ihr:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein alter Affe lebte an einem fruchtbaren Ort, wo B\u00e4ume und Fr\u00fcchte, Wasser und Weiden im \u00dcberfluss vorhanden waren. 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