{"id":366,"date":"2015-10-07T10:56:29","date_gmt":"2015-10-07T08:56:29","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=366"},"modified":"2026-01-24T02:51:31","modified_gmt":"2026-01-24T01:51:31","slug":"die-feen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-feen\/","title":{"rendered":"Die Feen"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Charles Perrault<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es war einmal eine Witwe, die hatte zwei T\u00f6chter: die \u00c4ltere glich ihr so sehr in ihrem Wesen und in ihrem \u00c4u\u00dferen, dass man bei ihrem Anblick die Mutter zu sehen glaubte. Beide waren sie so widerw\u00e4rtig und so hochm\u00fctig, dass man nicht mit ihnen auskommen konnte. Die j\u00fcngere dagegen war in ihrer Sanftmut und Freundlichkeit das wahre Ebenbild ihres Vaters; dar\u00fcber hinaus war sie eines der sch\u00f6nsten M\u00e4dchen, das man sich denken konnte. Wie man nun gemeinhin sein Ebenbild liebt, so war diese Mutter ganz vernarrt in ihre \u00e4ltere Tochter und hegte gleichzeitig eine tiefe Abneigung gegen die j\u00fcngere. Sie lie\u00df sie in der K\u00fcche essen und ohne Unterlass arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>So musste dieses arme Kind unter anderem zweimal t\u00e4glich eine gute halbe Meile vom Hause entfernt Wasser sch\u00f6pfen gehen und einen gro\u00dfen Krug bis zum Rande gef\u00fcllt heimtragen. Eines Tages, als sie zu dem Brunnen gegangen war, trat eine arme Frau auf sie zu und bat sie, ihr zu trinken zu geben. \u00bbGerne, liebes M\u00fctterchen\u00ab, sagte das sch\u00f6ne M\u00e4dchen, sp\u00fclte seinen Krug, sch\u00f6pfte ihr an der klarsten Stelle des Brunnens Wasser und bot es ihr dar, wobei sie den Krug st\u00fctzte, damit sie leichter trinken konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem die gute Frau getrunken hatte, sagte sie zu ihr: \u00bbIhr seid so sch\u00f6n und so gut und so freundlich, dass ich Euch gern ein Geschenk machen m\u00f6chte. (Es war n\u00e4mlich eine Fee, die die Gestalt einer armen B\u00e4uerin angenommen hatte, um zu pr\u00fcfen, wie weit die Freundlichkeit des jungen M\u00e4dchens ginge.) Ich verleihe Euch die Gabe\u00ab, fuhr die Fee fort, \u00bbdass bei jedem Wort, das ihr sprecht, eine Blume oder ein Edelstein aus Eurem Munde f\u00e4llt. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als das sch\u00f6ne M\u00e4dchen nach Hause kam, schimpfte seine Mutter, weil es sich so lange am Brunnen aufgehalten hatte. \u00bbIch bitte um Verzeihung, liebe Mutter\u00ab, sagte das arme M\u00e4dchen, \u00bbdass ich so lange ausgeblieben bin.\u00ab Als sie aber diese Worte sprach, fielen ihr zwei Rosen, zwei Perlen und zwei gro\u00dfe Diamanten aus dem Mund. \u00bbWas sehe ich da\u00ab, sagte die Mutter ganz erstaunt, \u00bbich glaube, ihr fallen Perlen und Diamanten aus dem Munde! Wie kommt denn das, meine Tochter?\u00ab (Es war das erste Mal, dass sie sie ihre Tochter nannte.) Da erz\u00e4hlte ihr das arme Kind ganz harmlos, was ihr begegnet war, nicht ohne eine Unzahl von Diamanten auszustreuen. \u00bbWahrhaftig\u00ab, sagte die Mutter, \u00bbda muss ich meine Tochter hinschicken. Da, Fanchon, seht nur, was aus dem Munde Eurer Schwester f\u00e4llt, wenn sie spricht; w\u00e4re es nicht sch\u00f6n f\u00fcr Euch, wenn Ihr auch diese Gabe h\u00e4ttet? Ihr m\u00fcsst nur zum Brunnen gehen und Wasser sch\u00f6pfen, und wenn Euch eine arme Frau um einen Trunk bittet, ihr recht freundlich zu trinken geben.\u00ab \u00bbWie sieht denn das aus? Zum Brunnen gehen? \u00ab entgegnete das unfreundliche M\u00e4dchen. \u00bbIch will, dass Ihr dorthin geht\u00ab, versetzte die Mutter, \u00bbund zwar sofort. \u00ab Sie ging, doch lie\u00df sie nicht ab zu murren. Sie nahm die sch\u00f6nste silberne Karaffe, die im Hause war, und kaum war sie am Brunnen angelangt, als sie aus dem Walde eine pr\u00e4chtig gekleidete Dame hervortreten sah, die sie bat, ihr zu trinken zu geben. Es war dieselbe Fee, die ihrer Schwester erschienen war, sie hatte jedoch die Erscheinung und Kleidung einer Prinzessin angenommen, um zu pr\u00fcfen, wie weit die Unfreundlichkeit dieses M\u00e4dchens ginge.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbBin ich denn hierhergekommen, um Euch zu trinken zu geben? \u00ab sagte sie unfreundlich und hochm\u00fctig, \u00bbich habe wohl diese silberne Karaffe eigens mitgenommen, um der gn\u00e4digen Frau zu trinken zu geben? So h\u00f6rt einmal gut zu: trinkt doch aus dem Brunnen, wenn Ihr Durst habt. \u00ab \u00bbIhr seid nicht gerade freundlich\u00ab, versetzte die Fee, ohne zornig zu werden, \u00bbnun gut, wenn Ihr so unh\u00f6flich seid, will ich Euch die Gabe verleihen, dass Euch bei jedem Wort, das Ihr sprecht, eine Schlange oder eine Kr\u00f6te aus dem Mund f\u00e4llt. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Mutter ihre Tochter erblickte, rief sie: \u00bbWie war&#8217;s, meine Tochter? \u00ab \u00bbSo war&#8217;s, Mutter\u00ab, entgegnete das unfreundliche M\u00e4dchen, indem es zwei Vipern und zwei Kr\u00f6ten ausspie. \u00bbUm Himmels willen\u00ab, schrie die Mutter, \u00bbwas sehe ich? Daran ist deine Schwester schuld: ich will es ihr heimzahlen!\u00ab Und augenblicklich eilte sie davon, um sie zu schlagen. Das arme M\u00e4dchen aber entfloh und konnte sich im nahen Wald verstecken. Dort traf es der Sohn des K\u00f6nigs, der von der Jagd heimkehrte, und da er es so sch\u00f6n fand, fragte er es, was es hier so alleine triebe und warum es weine. \u00bbAch, gn\u00e4diger Herr, meine Mutter hat mich aus dem Hause gejagt. \u00ab Der K\u00f6nigssohn, der f\u00fcnf oder sechs Perlen und ebenso viele Diamanten aus seinem Munde fallen sah, bat es, ihm zu erz\u00e4hlen&#8216; wie es dazu gekommen sei. Es erz\u00e4hlte ihm alles, was sich zugetragen hatte. Der K\u00f6nigssohn verliebte sich in das M\u00e4dchen, und da er wohl bedachte, dass eine solche Gabe mehr wog als irgendeine andere Mitgift, nahm er es mit auf das k\u00f6nigliche Schloss seines Vaters und heiratete es.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Schwester indes zog sich solchen Hass zu, dass ihre eigene Mutter sie aus dem Hause jagte; und die Ungl\u00fcckliche irrte vergebens umher, um jemand zu suchen, der sie aufnahm, bis sie einsam an einem Waldrand den Tod fand.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[117,85],"tags":[],"class_list":["post-366","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-charles-perrault","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/366","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=366"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/366\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2874,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/366\/revisions\/2874"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}