{"id":364,"date":"2015-10-07T10:55:29","date_gmt":"2015-10-07T08:55:29","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=364"},"modified":"2025-12-15T13:30:27","modified_gmt":"2025-12-15T12:30:27","slug":"die-drei-federn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-drei-federn\/","title":{"rendered":"Die drei Federn"},"content":{"rendered":"<p>Gebr\u00fcder Grimm<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Es war einmal ein K\u00f6nig, der hatte drei S\u00f6hne; davon waren zwei klug und gescheit, aber der dritte sprach nicht viel, war einf\u00e4ltig und hie\u00df nur der Dummling. Als der K\u00f6nig alt und schwach ward und an sein Ende dachte, wusste er nicht, welcher von seinen S\u00f6hnen nach ihm das Reich erben sollte. Da sprach er zu ihnen: \u201eZiehet aus, und wer mir den feinsten Teppich bringt, der soll nach meinem Tod K\u00f6nig sein.\u201c Und damit es keinen Streit unter ihnen gab, f\u00fchrte er sie vor sein Schloss, blies drei Federn in die Luft und sprach: \u201eWie die fliegen, so sollt ihr ziehen.\u201c Die eine Feder flog nach Osten, die andere nach Westen, die dritte flog aber geradaus und flog nicht weit, sondern fiel bald zur Erde. Nun ging der eine Bruder rechts, der andere ging links, und sie lachten den Dummling aus, der bei der dritten Feder, da, wo sie niedergefallen war, bleiben musste.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Dummling setzte sich nieder und war traurig. Da bemerkte er auf einmal, dass neben der Feder eine Fallt\u00fcre lag. Er hob sie in die H\u00f6he, fand eine Treppe und stieg hinab. Da kam er vor eine andere T\u00fcre, klopfte an und h\u00f6rte, wie es inwendig rief:<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u201eJungfer gr\u00fcn und klein,<br \/>\nHutzelbein,<br \/>\nHutzelbeins H\u00fcndchen,<br \/>\nhutzel hin und her,<br \/>\nlass geschwind sehen, wer drau\u00dfen w\u00e4r.\u201c<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die T\u00fcre tat sich auf, und er sah eine gro\u00dfe, dicke Itsche (Kr\u00f6te) sitzen und rings um sie eine Menge kleiner Itschen. Die dicke Itsche fragte, was sein Begehren w\u00e4re. Er antwortete: \u201eIch h\u00e4tte gerne den sch\u00f6nsten und feinsten Teppich.\u201c Da rief sie eine junge und sprach:<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u201eJungfer gr\u00fcn und klein,<br \/>\nHutzelbein,<br \/>\nHutzelbeins H\u00fcndchen,<br \/>\nhutzel hin und her,<br \/>\nbring mir die gro\u00dfe Schachtel her.\u201c<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die junge Itsche holte die Schachtel, und die dicke Itsche machte sie auf und gab dem Dummling einen Teppich daraus, so sch\u00f6n und so fein, wie oben auf der Erde keiner konnte gewebt werden. Da dankte er ihr und stieg wieder hinauf.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die beiden andern hatten aber ihren j\u00fcngsten Bruder f\u00fcr so albern gehalten, dass sie glaubten, er w\u00fcrde gar nichts finden und aufbringen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u201eWas sollen wir uns mit Suchen gro\u00df M\u00fche geben\u201c, sprachen sie, nahmen dem ersten besten Sch\u00e4fersweib, das ihnen begegnete, die groben T\u00fccher vom Leib und trugen sie dem K\u00f6nig heim. Zu derselben Zeit kam auch der Dummling zur\u00fcck und brachte seinen sch\u00f6nen Teppich, und als der K\u00f6nig den sah, erstaunte er und sprach: \u201eWenn es dem Recht nach gehen soll, so geh\u00f6rt dem j\u00fcngsten das K\u00f6nigreich.\u201c Aber die zwei andern lie\u00dfen dem Vater keine Ruhe und sprachen: unm\u00f6glich k\u00f6nnte der Dummling, dem es in allen Dingen an Verstand fehlte, K\u00f6nig werden, und baten ihn, er m\u00f6chte eine neue Bedingung machen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Da sagte der Vater: \u201eDer soll das Reich erben, der mir den sch\u00f6nsten Ring bringt\u201c, f\u00fchrte die drei Br\u00fcder hinaus und blies drei Federn in die Luft, denen sie nachgehen sollten. Die zwei \u00e4ltesten zogen wieder nach Osten und Westen, und f\u00fcr den Dummling flog die Feder geradeaus und fiel neben der Erdt\u00fcre nieder. Da stieg er wieder hinab zu der dicken Itsche und sagte ihr, dass er den sch\u00f6nsten Ring brauchte. Sie lie\u00df sich gleich ihre gro\u00dfe Schachtel holen und gab ihm daraus einen Ring, der gl\u00e4nzte von Edelsteinen und war so sch\u00f6n, dass ihn kein Goldschmied auf der Erde h\u00e4tte machen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die zwei \u00e4ltesten lachten \u00fcber den Dummling, der einen goldenen Ring suchen wollte, gaben sich gar keine M\u00fche, sondern schlugen einem alten Wagenring die N\u00e4gel aus und brachten ihn dem K\u00f6nig. Als aber der Dummling seinen goldenen Ring vorzeigte, so sprach der Vater abermals: \u201eIhm geh\u00f6rt das Reich.\u201c Die zwei \u00e4ltesten lie\u00dfen nicht ab, den K\u00f6nig zu qu\u00e4len, bis er noch eine dritte Bedingung machte und den Ausspruch tat: der sollte das Reich haben, der die sch\u00f6nste Frau heimbr\u00e4chte. Die drei Federn blies er nochmals in die Luft, und sie flogen wie die vorige Male.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Da ging der Dummling ohne weiteres hinab zu der dicken Itsche und sprach: \u201eIch soll die sch\u00f6nste Frau heimbringen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u201eEi\u201c, antwortete die Itsche, \u201edie sch\u00f6nste Frau! Die ist nicht gleich zur Hand, aber du sollst sie doch haben.\u201c Sie gab ihm eine ausgeh\u00f6hlte gelbe R\u00fcbe, mit sechs M\u00e4uschen bespannt. Da sprach der Dummling ganz traurig: \u201eWas soll ich damit anfangen?\u201c Die Itsche antwortete: \u201eSetze nur eine von meinen kleinen Itschen hinein.\u201c<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Da griff er auf Geratewohl eine aus dem Kreis und setzte sie in die gelbe Kutsche, aber kaum sa\u00df sie darin, so ward sie zu einem wundersch\u00f6nen Fr\u00e4ulein, die R\u00fcbe zur Kutsche und die sechs M\u00e4uschen zu Pferden. Da k\u00fcsste er sie, jagte mit den Pferden davon und brachte sie zu dem K\u00f6nig. Seine Br\u00fcder kamen nach, die hatten sich gar keine M\u00fche gegeben, eine sch\u00f6ne Frau zu suchen, sondern die ersten besten Bauernweiber mitgenommen. Als der K\u00f6nig sie erblickte, sprach er: \u201eDem j\u00fcngsten geh\u00f6rt das Reich nach meinem Tod.\u201c Aber die zwei \u00e4ltesten bet\u00e4ubten die Ohren des K\u00f6nigs aufs Neue mit ihrem Geschrei: \u201eWir k\u00f6nnen&#8217;s nicht zugeben, dass der Dummling K\u00f6nig wird\u201c, und verlangten, der sollte den Vorzug haben, dessen Frau durch einen Ring springen k\u00f6nnte, der da mitten in dem Saal hing.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie dachten: Die Bauernweiber k\u00f6nnen das wohl, die sind stark genug, aber das zarte Fr\u00e4ulein springt sich tot. Der alte K\u00f6nig gab das auch noch zu. Da sprangen die zwei Bauernweiber, sprangen auch durch den Ring, waren aber so plump, dass sie fielen und ihre groben Arme und Beine entzweibrachen. Darauf sprang das sch\u00f6ne Fr\u00e4ulein, das der Dummling mitgebracht hatte, und sprang so leicht hindurch wie ein Reh, und aller Widerspruch musste aufh\u00f6ren. Also erhielt er die Krone und hat lange in Weisheit geherrscht.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr\u00fcder Grimm<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[87,85],"tags":[],"class_list":["post-364","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gebr-grimm","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/364","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=364"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/364\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":365,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/364\/revisions\/365"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=364"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=364"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=364"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}