{"id":358,"date":"2015-10-07T10:51:41","date_gmt":"2015-10-07T08:51:41","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=358"},"modified":"2026-01-24T22:49:38","modified_gmt":"2026-01-24T21:49:38","slug":"der-faule-heinz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-faule-heinz\/","title":{"rendered":"Der faule Heinz"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der faule Heinz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gebr. Grimm<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Heinz war faul, und obgleich er weiter nichts zu tun hatte, als seine Ziege t\u00e4glich auf die Weide zu treiben, so seufzte er dennoch, wenn er nach vollbrachtem Tagewerk abends nach Hause kam. &#8218;Es ist in Wahrheit eine schwere Last\u2019, sagte er, &#8218;und ein m\u00fchseliges Gesch\u00e4ft, so eine Ziege Jahr aus Jahr ein bis in den sp\u00e4ten Herbst ins Feld zu treiben. Und wenn man sich noch dabei hinlegen und schlafen k\u00f6nnte! aber nein, da muss man die Augen aufhaben, damit sie die jungen B\u00e4ume nicht besch\u00e4digt, durch die Hecke in einen Garten dringt oder gar davonl\u00e4uft. Wie soll da einer zur Ruhe kommen und seines Lebens froh werden!&#8216; Er setzte sich, sammelte seine Gedanken und \u00fcberlegte, wie er seine Schultern von dieser B\u00fcrde frei machen k\u00f6nnte. Lange war alles Nachsinnen vergeblich, pl\u00f6tzlich fiel&#8217;s ihm wie Schuppen von den Augen. &#8218;Ich wei\u00df, was ich tue\u2019, rief er aus, &#8218;ich heirate die dicke Trine, die hat auch eine Ziege und kann meine mit austreiben, so brauche ich mich nicht l\u00e4nger zu qu\u00e4len.&#8216;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Heinz erhob sich also, setzte seine m\u00fcden Glieder in Bewegung, ging quer \u00fcber die Stra\u00dfe, denn weiter war der Weg nicht, wo die Eltern der dicken Trine wohnten, und hielt um ihre arbeitsame und tugendreiche Tochter an. Die Eltern besannen sich nicht lange, &#8218;gleich und gleich gesellt sich gern\u2019, meinten sie und willigten ein. Nun ward die dicke Trine Heinzens Frau und trieb die beiden Ziegen aus. Heinz hatte gute Tage und brauchte sich von keiner andern Arbeit zu erholen als von seiner eigenen Faulheit. Nur dann und wann ging er mit hinaus und sagte &#8218;es geschieht blo\u00df, damit mir die Ruhe hernach desto besser schmeckt: man verliert sonst alles Gef\u00fchl daf\u00fcr.&#8216;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Aber die dicke Trine war nicht minder faul. &#8218;Lieber Heinz\u2019, sprach sie eines Tages, &#8218;warum sollen wir uns das Leben ohne Not sauer machen und unsere beste Jugendzeit verk\u00fcmmern? Ist es nicht besser, wir geben die beiden Ziegen, die jeden Morgen einen mit ihrem Meckern im besten Schlafe st\u00f6ren, unserm Nachbar, und der gibt uns einen Bienenstock daf\u00fcr? den Bienenstock stellen wir an einen sonnigen Platz hinter das Haus und bek\u00fcmmern uns weiter nicht darum. Die Bienen brauchen nicht geh\u00fctet und nicht ins Feld getrieben zu werden: sie fliegen aus, finden den Weg nach Haus von selbst wieder und sammeln Honig, ohne dass es uns die geringste M\u00fche macht.&#8216; &#8218;Du hast wie eine verst\u00e4ndige Frau gesprochen\u2019, antwortete Heinz, &#8218;deinen Vorschlag wollen wir ohne Zaudern ausf\u00fchren: au\u00dferdem schmeckt und n\u00e4hrt der Honig besser als die Ziegenmilch und l\u00e4sst sich auch l\u00e4nger aufbewahren.&#8216;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Nachbar gab f\u00fcr die beiden Ziegen gerne einen Bienenstock. Die Bienen flogen unerm\u00fcdlich vom fr\u00fchen Morgen bis zum sp\u00e4ten Abend aus und ein, und f\u00fcllten den Stock mit dem sch\u00f6nsten Honig, so dass Heinz im Herbst einen ganzen Krug voll herausnehmen konnte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie stellten den Krug auf ein Brett, das oben an der Wand in ihrer Schlafkammer befestigt war, und weil sie f\u00fcrchteten, er k\u00f6nnte ihnen gestohlen werden oder die M\u00e4use k\u00f6nnten dar\u00fcber geraten, so holte Trine einen starken Haselstock herbei und legte ihn neben ihr Bett, damit sie ihn, ohne unn\u00f6tigerweise aufzustehen, mit der Hand erreichen und die ungebetenen G\u00e4ste von dem Bette aus verjagen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der faule Heinz verlie\u00df das Bett nicht gerne vor Mittag: &#8218;wer fr\u00fch aufsteht\u2019, sprach er, &#8217;sein Gut verzehrt.&#8216; Eines Morgens, als er so am hellen Tage noch in den Federn lag und von dem langen Schlaf ausruhte, sprach er zu seiner Frau &#8218;die Weiber lieben die S\u00fc\u00dfigkeit,&#8216; und du naschest von dem Honig, es ist besser, ehe er von dir allein ausgegessen wird, dass wir daf\u00fcr eine Gans mit einem jungen G\u00e4nslein erhandeln.&#8216; &#8218;Aber nicht eher, \u2018 erwiderte Trine, &#8218;als bis wir ein Kind haben, das sie h\u00fctet. Soll ich mich etwa mit den jungen G\u00e4nsen plagen und meine Kr\u00e4fte dabei unn\u00f6tigerweise zusetzen?&#8216; &#8218;Meinst du\u2019, sagte Heinz, &#8218;der Junge werde G\u00e4nse h\u00fcten? heutzutage gehorchen die Kinder nicht mehr: sie tun nach ihrem eigenen Willen, weil sie sich kl\u00fcger d\u00fcnken als die Eltern, gerade wie jener Knecht, der die Kuh suchen sollte und drei Amseln nachjagte.&#8216; &#8218;O, \u2018 antwortete Trine, &#8218;dem soll es schlecht bekommen, wenn er nicht tut, was ich sage. Einen Stock will ich nehmen und mit ungez\u00e4hlten Schl\u00e4gen ihm die Haut gerben. Siehst du, Heinz, \u2018 rief sie in ihrem Eifer und fasste den Stock, mit dem sie die M\u00e4use verjagen wollte, &#8217;siehst du, so will ich auf ihn losschlagen.&#8216; Sie holte aus, traf aber ungl\u00fccklicherweise den Honigkrug \u00fcber dem Bette. Der Krug sprang wider die Wand und fiel in Scherben herab, und der sch\u00f6ne Honig floss auf den Boden. &#8218;Da liegt nun die Gans mit dem jungen G\u00e4nslein\u2019, sagte Heinz, &#8218;und braucht nicht geh\u00fctet zu werden. Aber ein Gl\u00fcck ist es, dass mir der Krug nicht auf den Kopf gefallen ist, wir haben alle Ursache, mit unserm Schicksal zufrieden zu sein.&#8216; Und da er in einer Scherbe noch etwas Honig bemerkte, so langte er danach und sprach ganz vergn\u00fcgt &#8218;das Restchen, Frau, wollen wir uns noch schmecken lassen und dann nach dem gehabten Schrecken ein wenig ausruhen, was tut\u2019s, wenn wir etwas sp\u00e4ter als gew\u00f6hnlich aufstehen, der Tag ist doch noch lang genug.&#8216; &#8218;Ja\u2019, antwortete Trine, &#8218;man kommt immer noch zu rechter Zeit. Wei\u00dft du, die Schnecke war einmal zur Hochzeit eingeladen, machte sich auf den Weg, kam aber zur Kindtaufe an. Vor dem Hause st\u00fcrzte sie noch \u00fcber den Zaun und sagte &#8218;eilen tut nicht gut.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[87,85],"tags":[],"class_list":["post-358","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gebr-grimm","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/358","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=358"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/358\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4336,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/358\/revisions\/4336"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=358"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=358"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=358"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}