{"id":327,"date":"2015-10-07T00:09:21","date_gmt":"2015-10-06T22:09:21","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=327"},"modified":"2025-12-27T23:02:56","modified_gmt":"2025-12-27T22:02:56","slug":"das-eselein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-eselein\/","title":{"rendered":"Das Eselein"},"content":{"rendered":"<p>Gebr\u00fcder Grimm<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Es lebte einmal ein K\u00f6nig und eine K\u00f6nigin, die waren reich und hatten alles, was sie sich w\u00fcnschten, nur keine Kinder. Dar\u00fcber klagte sie Tag und Nacht und sprach: &#8222;Ich bin wie ein Acker, auf dem nichts w\u00e4chst.&#8220; Endlich erf\u00fcllte Gott ihre W\u00fcnsche; als das Kind aber zur Welt kam, sah&#8217;s nicht aus wie ein Menschenkind, sondern war ein junges Eselein. Wie die Mutter das erblickte, fing ihr Jammer und Geschrei erst recht an, sie h\u00e4tte lieber gar kein Kind gehabt als einen Esel und sagte, man sollt ihn ins Wasser werfen, damit ihn die Fische fr\u00e4\u00dfen. Der K\u00f6nig aber sprach: &#8222;Nein, hat Gott ihn gegeben, soll er auch mein Sohn und Erbe sein, nach meinem Tod auf dem k\u00f6niglichen Thron sitzen und die k\u00f6nigliche Krone tragen.&#8220; Also ward das Eselein aufgezogen, nahm zu, und die Ohren wuchsen ihm auch fein hoch und gerad hinauf. Es war aber sonst fr\u00f6hlicher Art, sprang herum, spielte und hatte besonders seine Lust an der Musik, so dass es zu einem ber\u00fchmten Spielmann ging und sprach: &#8222;Lehre mich deine Kunst, dass ich so gut die Laute schlagen kann als du.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ach, liebes Herrlein&#8220;, antwortete der Spielmann, &#8222;das sollt Euch schwerfallen, Eure Finger sind nicht allerdings dazu gemacht und gar zu gro\u00df; ich sorge, die Saiten halten&#8217;s nicht aus.&#8220; Es half keine Ausrede, das Eselein wollte und musste die Laute schlagen, war beharrlich und flei\u00dfig und lernte es am Ende so gut als sein Meister selber. Einmal ging das junge Herrlein nachdenksam spazieren und kam an einen Brunnen, da schaute es hinein und sah im spiegelhellen Wasser seine Eseleinsgestalt. Dar\u00fcber war es so betr\u00fcbt, dass es in die weite Welt ging und nur einen treuen Gesellen mitnahm. Sie zogen auf und ab, zuletzt kamen sie in ein Reich, wo ein alter K\u00f6nig herrschte, der nur eine einzige, aber wundersch\u00f6ne Tochter hatte. Das Eselein sagte: &#8222;Hier wollen wir weilen&#8220;, klopfte ans Tor und rief: &#8222;Es ist ein Gast drau\u00dfen, macht auf, damit er eingehen kann.&#8220; Als aber nicht aufgetan ward, setzte er sich hin, nahm seine Laute und schlug sie mit seinen zwei Vorderf\u00fc\u00dfen aufs lieblichste. Da sperrte der T\u00fcrh\u00fcter gewaltig die Augen auf, lief zum K\u00f6nig und sprach: &#8222;Da drau\u00dfen sitzt ein junges Eselein vor dem Tor, das schl\u00e4gt die Laute so gut als ein gelernter Meister.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;So lass mir den Musikant hereinkommen&#8220;, sprach der K\u00f6nig. Wie aber ein Eselein hereintrat, fing alles an \u00fcber den Lautenschl\u00e4ger zu lachen. Nun sollte das Eselein unten zu den Knechten gesetzt und gespeist werden, es ward aber unwillig und sprach: &#8222;Ich bin kein gemeines Stalleselein, ich bin ein vornehmes.&#8220; Da sagten sie: &#8222;Wenn du das bist, so setze dich zu dem Kriegsvolk&#8220;.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Nein&#8220;, sprach es, &#8222;ich will beim K\u00f6nig sitzen.&#8220; Der K\u00f6nig lachte und sprach in gutem Mut: &#8222;Ja, es soll so sein, wie du verlangst, Eselein, komm her zu mir.&#8220; Danach fragte er: &#8222;Eselein, wie gef\u00e4llt dir meine Tochter?&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Das Eselein drehte den Kopf nach ihr, schaute sie an, nickte und sprach: &#8222;Aus der Ma\u00dfen wohl, sie ist so sch\u00f6n, wie ich noch keine gesehen habe.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Nun, so sollst du auch neben ihr sitzen&#8220;, sagte der K\u00f6nig.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Das ist mir eben recht&#8220;, sprach das Eselein und setzte sich an ihre Seite, a\u00df und trank und wusste sich fein und s\u00e4uberlich zu betragen. Als das edle Tierlein eine gute Zeit an des K\u00f6nigs Hof geblieben war, dachte es: Was hilft das alles, du musst wieder heim, lie\u00df den Kopf traurig h\u00e4ngen, trat vor den K\u00f6nig und verlangte seinen Abschied. Der K\u00f6nig hatte es aber liebgewonnen und sprach: &#8222;Eselein, was ist dir? Du schaust ja sauer wie ein Essigkrug; bleib bei mir, ich will dir geben, was du verlangst. Willst du Gold?&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Nein&#8220;, sagte das Eselein und sch\u00fcttelte mit dem Kopf.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Willst du Kostbarkeiten und Schmuck?&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Nein.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Willst du mein halbes Reich?&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ach nein.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Da sprach der K\u00f6nig: &#8222;Wenn ich nur w\u00fcsste, was dich vergn\u00fcgt machen k\u00f6nnte; willst du meine sch\u00f6ne Tochter zur Frau?&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ach ja,&#8220; sagte das Eselein, &#8222;die m\u00f6chte ich wohl haben&#8220;, war auf einmal ganz lustig und guter Dinge, denn das war&#8217;s gerade, was es sich gew\u00fcnscht hatte. Also ward eine gro\u00dfe und pr\u00e4chtige Hochzeit gehalten. Abends, wie Braut und Br\u00e4utigam in ihr Schlafk\u00e4mmerlein gef\u00fchrt wurden, wollte der K\u00f6nig wissen, ob sich das Eselein auch fein artig und manierlich betr\u00fcge, und hie\u00df einem Diener sich dort verstecken. Wie sie nun beide drinnen waren, schob der Br\u00e4utigam den Riegel vor die T\u00fcre, blickte sich um, und wie er glaubte, dass sie ganz allein w\u00e4ren, da warf er auf einmal seine Eselshaut ab und stand da als ein sch\u00f6ner, k\u00f6niglicher J\u00fcngling.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Nun siehst du&#8220;, sprach er, &#8222;wer ich bin, und siehst auch, dass ich deiner nicht unwert war.&#8220; Da ward die Braut froh, k\u00fc\u00dfte ihn und hatte ihn von Herzen lieb. Als aber der Morgen herankam, sprang er auf, zog seine Tierhaut wieder \u00fcber, und h\u00e4tte kein Mensch gedacht, was f\u00fcr einer dahinter steckte. Bald kam auch der alte K\u00f6nig gegangen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ei&#8220;, rief er, &#8222;ist das Eselein schon munter! Du bist wohl recht traurig&#8220;, sagte er zu seiner Tochter, &#8222;dass du keinen ordentlichen Menschen zum Mann bekommen hast?&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ach nein, lieber Vater, ich habe ihn so lieb, als wenn er der Allersch\u00f6nste w\u00e4re, und will ihn mein Lebtag behalten.&#8220; Der K\u00f6nig wunderte sich, aber der Diener, der sich versteckt hatte, kam und offenbarte ihm alles. Der K\u00f6nig sprach: &#8222;Das ist nimmermehr wahr.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;So wacht selber die folgende Nacht, Ihr werdet&#8217;s mit eigenen Augen sehen, und wisst Ihr was, Herr K\u00f6nig, nehmt ihm die Haut weg und werft sie ins Feuer, so muss er sich wohl in seiner rechten Gestalt zeigen.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Dein Rat ist gut&#8220;, sprach der K\u00f6nig, und abends, als sie schliefen, schlich er sich hinein, und wie er zum Bett kam, sah er im Mondschein einen stolzen J\u00fcngling da ruhen, und die Haut lag abgestreift auf der Erde. Da nahm er sie weg und lie\u00df drau\u00dfen ein gewaltiges Feuer anmachen und die Haut hineinwerfen und blieb selber dabei, bis sie ganz zu Asche verbrannt war. Weil er aber sehen wollte, wie sich der Beraubte anstellen w\u00fcrde, blieb er die Nacht \u00fcber wach und lauschte. Als der J\u00fcngling ausgeschlafen hatte, beim ersten Morgenschein, stand er auf und wollte die Eselshaut anziehen, aber sie war nicht zu finden. Da erschrak er und sprach voll Trauer und Angst: &#8222;Nun muss ich sehen, dass ich entfliehe.&#8220; Wie er hinaustrat, stand aber der K\u00f6nig da und sprach: &#8222;Mein Sohn, wohin so eilig, was hast du im Sinn? Bleib hier, du bist ein so sch\u00f6ner Mann, du sollst nicht wieder von mir. Ich gebe dir jetzt mein Reich halb, und nach meinem Tod bekommst du es ganz.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;So w\u00fcnsch ich, dass der gute Anfang auch ein gutes Ende nehme&#8220;, sprach der J\u00fcngling, &#8222;ich bleibe bei Euch.&#8220; Da gab ihm der Alte das halbe Reich, und als er nach einem Jahr starb, hatte er das ganze, und nach dem Tode seines Vaters noch eins dazu und lebte in aller Herrlichkeit.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr\u00fcder Grimm<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[87,85],"tags":[],"class_list":["post-327","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gebr-grimm","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/327","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=327"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/327\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":328,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/327\/revisions\/328"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=327"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=327"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=327"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}