{"id":325,"date":"2015-10-07T00:07:44","date_gmt":"2015-10-06T22:07:44","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=325"},"modified":"2025-12-27T23:03:19","modified_gmt":"2025-12-27T22:03:19","slug":"die-erloeste-schlange","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-erloeste-schlange\/","title":{"rendered":"Die erl\u00f6ste Schlange"},"content":{"rendered":"<p>Johann Wilhelm Wolf<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEin Bauer ging eines Morgens in aller Fr\u00fche ins Feld zur Arbeit. Die Sonne stieg auf und es wurde immer hei\u00dfer, da legte er sein Wamms ab und neben sich auf die Erde. Als die Glocke Elf schlug, wollte er es wieder anziehen um nach Hause zu gehen, da sah er zu seinem Schrecken, dass eine Schlange darauf lag. Er sch\u00fcttelte das Wamms, doch sie war nicht wegzubringen, sie war wie angezaubert. Schon wollte der Bauer einen derben Fluch aussto\u00dfen, da sprach die Schlange: \u00bbIch weiche nicht von deinem Wamms und von dir, bis du mir versprochen hast, mich zu heiraten. \u00ab Das schien dem Bauer doch bedenklich und er sprach: \u00bbDas Heiraten ist eine wichtige Sache, welche man nicht also ohne Weiteres abmacht. Ich muss mich dar\u00fcber besinnen und will dir Antwort sagen. \u00ab<\/p>\n<p>Er ging ins Dorf und zum Pfarrer, frug ihn, was er in der Sache zu tun habe? Der Pfarrer besann sich lange, las in einem gro\u00dfen Buche und sprach: \u00bbGehe zur\u00fcck und versprich der Schlange sie zu heiraten. Sie wird alsdann heute Nacht zu dir kommen und hast du Muth, so ist dein Gl\u00fcck gemacht. Du musst sie mit dem Schlage Zw\u00f6lf mit beiden H\u00e4nden fassen und \u00fcber deinen Kopf in die H\u00f6he halten, darfst sie aber nicht los lassen, komme, was da wolle.\u00ab Rasch kehrte der Bauer in das Feld zur\u00fcck und sprach zur Schlange: \u00bbIch will dich heiraten. \u00ab Da war sie ganz au\u00dfer sich vor Freude und zappelte lustig, dann machte sie einen sch\u00f6nen Ring und war verschwunden.<\/p>\n<p>Kaum hatte sich der Bauer abends zu Bette gelegt, da kam die Schlange in die Kammer und legte sich zu ihm. Er lag ganz ruhig bis zw\u00f6lf Uhr, da packte er sie fest und hielt sie hoch \u00fcber seinen Kopf. Sogleich flog die T\u00fcr auf und sechs gro\u00dfe dicke Schlangen schnellten herein und auf das Bett zu. Da wurde es dem Bauern warm und kalt, aber er fasste sich ein Herz und hielt aus, auch als die Schlangen sich an dem Bett heraufringelten und ihn mit ihren doppelten Zungen umzischten, als wollten sie all ihr Gift auf ihn speien. Das dauerte bis es Eins schlug, da waren sie pl\u00f6tzlich verschwunden. Die Schlange aber sprach: \u00bbIch danke dir, mein Erl\u00f6ser, dass du mich so treulich besch\u00fctzt hast. Halte nur noch zwei N\u00e4chte also aus, dann bist du gl\u00fccklich und ich noch mehr. \u00ab Damit verschwand sie und war keine Spur mehr von ihr zu sehen.<\/p>\n<p>Als der Bauer am folgenden Abend zu Bette ging, war die Schlange wieder bei ihm. Um zw\u00f6lf Uhr fasste er sie abermals und hielt sie hoch empor. Da flog die T\u00fcr auf und zw\u00f6lf dicke schwarze Schlangen wanden sich herein und an seinem Bett herauf und ringelten sich um ihn, bissen nach ihm und seiner Schlange. Obwohl er diesmal mehr Muth hatte, wurde ihm doch fast schlecht, als er das kalte Gew\u00fcrm an sich f\u00fchlte, aber er nahm sich doch zusammen, so gut er konnte und hielt aus bis die Glocke Eins schlug, da waren die Schlangen wie weggeblasen. Seine Schlange aber sprach: \u00bbIch danke dir, mein Erl\u00f6ser, dass du so treulich ausgehalten hast, jetzt ist nur noch eine Nacht \u00fcbrig, dann bin ich erl\u00f6st und du bist gl\u00fccklich auf Lebenszeit. \u00ab Als sie das gesagt hatte, war sie verschwunden.<\/p>\n<p>Abends lag sie wieder bei ihm und sah ihn so recht flehentlich an mit ihren klugen Augen. Da schwoll ihm der Muth und er sprach zu sich selbst: \u00bbEhe ich sie dem garstigen Gez\u00fccht preis gebe, lasse ich mich lieber selbst von ihm fressen. \u00ab Als es zw\u00f6lf Uhr schlug fasste er sie und hielt sie hoch empor. Da sprang die T\u00fcr auf und in einem Augenblick war die ganze Kammer voll von den h\u00e4sslichsten Schlangen, die zappelten und zischten und ringelten sich unter einander, dass es nicht zum Ansehen war. Der Bauer dr\u00fcckte die Augen zu und tat als h\u00f6re und sehe er nicht. Sie wanden sich ihm um Leib und Arme und Hals, zischten ihm ins Gesicht und bissen nach seiner Schlange, aber er lie\u00df sich das Alles nicht anfechten. So dauerte es bis ein Uhr, da tat es einen schweren Schlag in dem nahen Walde und die Ungeheuer waren verschwunden. Auch die Schlange war ihm aus der Hand entschl\u00fcpft, daf\u00fcr aber lag eine wundersch\u00f6ne K\u00f6nigstochter neben ihm in seinem harten Bett, die sprach mit freundlichen Blicken. \u00bbIch danke dir tausendmal, mein lieber und getreuer Erl\u00f6ser, dass du mich gerettet hast. Nun w\u00e4hle dir, willst du mein Gemahl werden, oder hundert Wagen Gold haben. \u00ab Der Bauer rieb sich die Augen, denn er glaubte nicht anders, als das m\u00fcsse ein Traum sein. Endlich sprach er: \u00bbWenn ihr mich zum Gemahl haben wollt, allersch\u00f6nste Prinzessin, dann m\u00f6chte ich das lieber, als alles Gold auf der ganzen Welt. \u00ab Da bot sie ihm die Hand und er umarmte und k\u00fcsste sie. Am folgenden Morgen, als er die Fensterl\u00e4den \u00f6ffnete, da stand sein H\u00e4uschen in einem pr\u00e4chtigen Garten mit den sch\u00f6nsten Blumen und B\u00e4umen und nicht weit davon lagen ein K\u00f6nigsschloss und eine gro\u00dfe Stadt. Er wusste nicht, wo er stand und ob er wiederum seinen Augen trauen k\u00f6nne. Da sprach die Prinzessin: \u00bbWas du da siehst, ist alles dein, dein Schloss und dein Garten und dein K\u00f6nigreich. \u00ab Und sie f\u00fchrte ihn in das Schloss und Beide wohnten darin und waren gl\u00fccklich auf Lebenszeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johann Wilhelm Wolf<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[92,85],"tags":[],"class_list":["post-325","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-johann-wilhelm-wolf","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/325","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=325"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/325\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":326,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/325\/revisions\/326"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=325"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=325"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=325"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}