{"id":323,"date":"2015-10-07T00:06:16","date_gmt":"2015-10-06T22:06:16","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=323"},"modified":"2025-12-27T23:05:28","modified_gmt":"2025-12-27T22:05:28","slug":"wie-das-elefantenkind-seinen-ruessel-bekam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wie-das-elefantenkind-seinen-ruessel-bekam\/","title":{"rendered":"Wie das Elefantenkind seinen R\u00fcssel bekam"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Rudyard Kipling<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Es gab einmal eine Zeit &#8211; aber das ist schon sehr lange her &#8211; da hatte der Elefant noch keinen R\u00fcssel. Er hatte nur eine schwarze, knollige Nase, die war so gro\u00df wie ein Stiefel und lie\u00df sich hin und her schwenken; doch er konnte mit dem kurzen Ding nichts vom Erdboden aufheben. Nun lebte da einmal ein Elefant, ein ganz besonderer Elefant, ein Elefantenkind.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Das platzte beinahe vor uners\u00e4ttlicher Neugierde, das hei\u00dft, es hatte immerfort Fragen zu stellen. Es lebte in Afrika, und Afrika war bis zum Platzen mit seinen uners\u00e4ttlichen neugierigen Fragen gef\u00fcllt. Es fragte seinen langbeinigen Onkel, den Vogel Strau\u00df, warum seine Schwanzfedern gerade so und nicht anders gewachsen seien; und sein langbeiniger Onkel Strau\u00df zog ihm eins \u00fcber mit seinen langen Beinen. Es fragte seine schlanke Tante, die Giraffe, warum sie so viele Flecken auf der Haut h\u00e4tte; und seine schlanke Tante, die Giraffe, zog ihm eins \u00fcber mit ihrem harten Huf. Aber trotzdem blieb seine Neugierde uners\u00e4ttlich! Es fragte seinen fetten Onkel, das Nilpferd, warum seine Augen so rot w\u00e4ren; und sein fetter Onkel, das Nilpferd, zog ihm eins \u00fcber mit seinem fetten Fu\u00df. Dann fragte es seinen wolligen Onkel, den Pavian, warum die Melonen nicht anders schmeckten; und sein wolliger Onkel, der&nbsp; Pavian, zog ihm eins \u00fcber mit seiner wolligen Pfote.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Aber trotzdem und immer noch blieb die Neugierde des Elefantenkindes uners\u00e4ttlich! Es stellte Fragen \u00fcber alles, was es sah und h\u00f6rte, roch oder sp\u00fcrte oder anfasste, und alle seine Onkel und Tanten zogen ihm eins \u00fcber.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Eines sch\u00f6nen Morgens, als gerade Tag- und. Nachtgleiche war, stellte das neugierige Elefantenkind eine sch\u00f6ne neue Frage, die es noch niemals gestellt hatte. Es fragte: &#8222;Was speist das Krokodil zu Mittag?&#8220; Da riefen alle laut und erschreckt: &#8222;Pst! pst!&#8220; und zogen ihm auf der Stelle eins \u00fcber. Und es dauerte sogar ziemlich lange, bis sie alle mit dieser Besch\u00e4ftigung fertig waren. Als alles vor\u00fcber war, ging das Elefantenkind zu dem Kolokolo Vogel; der sa\u00df mitten in einem Dornbusch, den er &#8222;zur guten Stube&#8220; getauft hatte. Das Elefantenkind sagte: &#8222;Mein Vater und meine Mutter, meine Tanten und meine Onkel, alle haben mir eins \u00fcbergezogen, weil ich so uners\u00e4ttlich neugierig bin; aber trotzdem m\u00f6chte ich wissen, was ein Krokodil zu Mittag speist!&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da kr\u00e4chzte der Kolokolo Vogel betr\u00fcbt: &#8222;Geh zum gro\u00dfen graugr\u00fcn-schlammigen Limpopostrom; an dessen Ufern stehen hohe Fieberb\u00e4ume. Dort such dir die Antwort auf deine Frage selbst!&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Am n\u00e4chsten Morgen, als von der Tag- und Nachtgleiche nichts mehr \u00fcbriggeblieben war, weil der Tag schon nicht mehr gleich war &#8211; an diesem Morgen packte sich das uners\u00e4ttliche Elefantenkind f\u00fcnfzig Kilogramm Bananen und Zuckerrohr und siebzehn Wassermelonen auf und sagte zu all seinen lieben Verwandten: &#8222;Lebt wohl! Ich gehe jetzt zum gro\u00dfen graugr\u00fcn-schlammigen Limpopostrom, an dessen Ufer hohe Fieberb\u00e4ume stehen, denn ich muss herausfinden, was das Krokodil zu Mittag speist!&#8220; Und so zogen ihm alle noch eins \u00fcber und w\u00fcnschten ihm dabei &#8222;Gl\u00fcckliche Reise&#8220;, obwohl das Elefantenkind sie sehr h\u00f6flich bar, lieber aufzuh\u00f6ren.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Darauf ging das Elefantenkind eilig davon, mit etwas brennender Haut, aber durchaus nicht verstimmt. Es a\u00df seine Melonen und warf die Schalen beiseite, denn wie h\u00e4tte es sie ohne R\u00fcssel sammeln k\u00f6nnen?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Es marschierte von S\u00fcdafrika nach S\u00fcdostafrika, von S\u00fcdostafrika nach Mittelafrika und von Mittelafrika immer weiter nord\u00f6stlich. Es a\u00df die ganze Zeit \u00fcber Melonen, bis es schlie\u00dflich zum gro\u00dfen graugr\u00fcn-schlammigen Limpopostrom kam, an dessen Ufern hohe Fieberb\u00e4ume wachsen, genau wie der Kolokolo Vogel gesagt hatte. Bis zu jener Woche, jenem Tag, jener Stunde und Minute hatte das uners\u00e4ttliche Elefantenkind noch niemals ein Krokodil gesehen, und es wusste auch nicht, wie eins aussieht. Aber seine Neugier war eben uners\u00e4ttlich.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Das erste, was ihm zu Gesicht kam, war eine doppeltgescheckte klappernde Riesenschlange, die sich um einen Felsen geringelt hatte. &#8222;Entschuldigung&#8220;, sagte das Elefantenkind sehr h\u00f6flich, &#8222;hast du nicht etwas wie ein Krokodil in dieser fremden Gegend gesehen?&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ob ich ein Krokodil gesehen habe?&#8220; fragte die doppeltgescheckte klappernde Riesenschlange mit f\u00fcrchterlich w\u00fctender Stimme, &#8222;was wirst du mich noch alles fragen?&#8220;<br>\n&#8222;Entschuldigung&#8220;, bat das Elefantenkind, &#8222;aber k\u00f6nntest du so freundlich sein und mir mitteilen, was es zu Mittag speist?&#8220; Da ringelte sich die doppeltgescheckte klappernde Riesenschlange wie der Blitz von ihrem Felsen herunter und zog dem Elefantenkind mit ihrem schl\u00fcpfrigen Schwanz eins \u00fcber.<br>\n&#8222;Seltsam&#8220;, meinte das Elefantenkind, &#8222;mein Vater und meine Mutter, mein Onkel und meine Tante, nicht zu vergessen meine andere Tante, die Giraffe, und meinen anderen Onkel, den Pavian &#8211; alle haben mir eins \u00fcbergezogen, weil ich so uners\u00e4ttlich neugierig bin &#8211; und ich vermute, hier liegt der Fall ebenso.&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">So sagte das Elefantenkind der doppelgescheckten klappernden Riesenschlange sehr h\u00f6flich Lebewohl und half ihr noch, sich wieder um den Felsen zu ringeln; es ging seiner Wege, mit etwas brennender Haut, aber durchaus nicht verstimmt, a\u00df Melonen und warf die Schalen fort, weil es sie ohne R\u00fcssel ja nicht sammeln konnte. Pl\u00f6tzlich trat es dicht am Ufer des gro\u00dfen graugr\u00fcn-schlammigen Limpopostroms, wo die Fieberb\u00e4ume stehen, auf einen harten Gegenstand; es hielt ihn f\u00fcr einen Baumstamm. Aber es war in Wirklichkeit ein Krokodil, das mit einem Auge zwinkerte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Entschuldigung&#8220;, sagte das Elefantenkind sehr h\u00f6flich, &#8222;hast du vielleicht ein Krokodil in dieser Gegend gesehen?&#8220; Da zwinkerte das Krokodil mit dem anderen Auge und hob seinen Schwanz halb aus dem Schlamm; das Elefantenkind trat sehr h\u00f6flich zur\u00fcck, weil es nicht w\u00fcnschte, schon wieder eins \u00fcbergezogen zu bekommen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Komm her, mein Kleines&#8220;, rief das Krokodil, &#8222;warum fragst du nach solchen Sachen?&#8220;<br>\n&#8222;Entschuldigung&#8220;, sagte das Elefantenkind sehr h\u00f6flich, &#8222;mein Vater hat mir eins \u00fcbergezogen, und meine Mutter hat mir eins \u00fcbergezogen, nicht zu vergessen meinen langbeinigen Onkel, den Strau\u00df, und meine schlanke Tante, die Giraffe, die so furchtbar stark treten kann, oder meinen fetten Onkel, das Nilpferd, oder meinen wolligen Onkel , den Pavian, und schlie\u00dflich die doppelgeschekcte klappernde Riesenschlange mit dem schl\u00fcpfrigen Schwanz, die nicht weit von hier auf dem Felsen liegt und die st\u00e4rker zuschl\u00e4gt als alle anderen. Dies sage ich nur &#8211; falls es dir nicht unangenehm ist -, weil ich jetzt nichts mehr \u00fcbergezogen haben m\u00f6chte.&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Komm her, mein Kleines&#8220;, knurrte das Krokodil, &#8222;ich bin das Krokodil&#8220;, und es weinte Krokodilstr\u00e4nen, um zu beweisen, dass es nicht log.<br>\nDa stockte dem Elefantenkind der Atem, und keuchte vor Aufregung; es kniete am Ufer nieder und rief freudig: &#8222;So bist du das Wesen, das ich in all den langen tagen gesucht habe? W\u00fcrdest du die Freundlichkeit haben, mir zu sagen, was du zu Mittag speist?&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Komm hierher, mein Kleines&#8220;, erwiderte das Krokodil, &#8222;ich sage es dir ins Ohr.&#8220;<br>\nDa legte das Elefantenkind seinen kopf dicht an den speckigen, dreckigen Rachen des Krokodils. Doch das Krokodil packte es bei seiner kleinen Nase, die bis zu diesem Augenblick nicht gr\u00f6\u00dfer war als ein Stiefel, aber viel, viel n\u00fctzlicher. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ich denke&#8220;, sagte das Krokodil, und es sprach dabei durch die Z\u00e4hne, ungef\u00e4hr so: &#8222;Ich denke, heute kommt zuerst das Elefantenkind dran.&#8220;<br>\nDar\u00fcber war das Elefantenkind sehr entsetzt, und es bat mit bebenden Nasenfl\u00fcgeln: &#8222;Lass los, du tust mir ja weh!&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da rutschte die doppeltgescheckte klappende Riesenschlange von ihrem Felsen herunter und zischelte: &#8222;Mein junger Freund, wenn du nicht augenblicklich so kr\u00e4ftig ziehst wie du nur kannst, wird dich meiner Ansicht nach dein neuer Bekannter im kostbaren Ledermantel&#8220; &#8211; damit meinte sie das Krokodil &#8211; &#8222;in den nassen Strom schlenkern, ehe du auch nur um Hilfe rufen kannst.&#8220;<br>\nDies ist die Art, in der sich die doppelgescheckten klappernden Riesenschlangen immer ausdr\u00fccken.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da setzte sich das Elefantenkind auf seine kleinen Schinken und fing an zu ziehen und zu zerren und zu rei\u00dfen, und seine Nase wurde lang und l\u00e4nger. Das Krokodil platschte ins Wasser und schlug es mit seinem Schwanz, dass es sch\u00e4umte: und das Elefantenkind zog und zerrte und riss.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Seine Nase wurde l\u00e4nger und l\u00e4nger, und es stemmte sich mit seinen vier kleinen dicken Beinen fest gegen den Boden; es zog und zerrte und riss, <i>und <\/i>seine Nase wurde immer noch l\u00e4nger. Das Krokodil wirbelte seinen Schwanz herum wie einen Windm\u00fchlenfl\u00fcgel; aber das Elefantenkind zog und zerrte und riss, und bei jedem Ruck wurde seine Nase unweigerlich ein St\u00fcckchen l\u00e4nger &#8211; und das tat furchtbar weh!<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Das Elefantenkind f\u00fchlte, wie seine Beine nachgaben und rutschten, und es sagte durch seine Nase, die nun schon fast anderthalb Meter lang war:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Das wird zuviel!&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da kroch die doppeltgescheckte klappernde Riesenschlange wieder von ihrem Felsen herunter, schlang sich mit einem doppelten Kreuzknoten um die Hinterbeine des Elefantenkindes und sagte: &#8222;Du tollk\u00fchner und unerfahrener Fremdling, wir wollen uns jetzt gemeinsam zu einer ernstlichen Anstrengung aufraffen. Wenn wir das nicht tun, so habe ich den bestimmten Eindruck, dass jener Dreschflegel mit dem gepanzerten Oberdeck&#8220; &#8211; damit meinte sie das Krokodil &#8211; &#8222;dir f\u00fcr immer deine Zukunft verderben wird.&#8220; Dies ist die Art, in der sich alle doppelgescheckten klappernden Riesenschlangen auszudr\u00fccken belieben.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Das Krokodil zerrte, und das Elefantenkind zerrte. Das Krokodil zerrte wieder, aber das Elefantenkind und die doppeltgescheckte klappernde Riesenschlange zerrten noch st\u00e4rker; schlie\u00dflich musste das Krokodil die Nase des Elefantenkindes loslassen, und dabei gab es einen Plumps, dass man es oben und unten am Limpopostrom h\u00f6ren konnte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Das Elefantenkind fiel sehr pl\u00f6tzlich und hart hinten\u00fcber, aber sein erster Gedanke war, der doppeltgescheckten klappernden Riesenschlange sehr h\u00f6flich: &#8222;Danke vielmals&#8220;, zu sagen. Dann versorgte es seine arme langgezogene Nase mit einem Verband aus k\u00fchlen Bananenbl\u00e4ttern und h\u00e4ngte sie in den graugr\u00fcn-schlammigen Limpopostrom, um sie zu k\u00fchlen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Warum tust du das?&#8220; fragte die doppeltgescheckte klappernde Riesenschlange.<br>\n&#8222;Entschuldigung&#8220;, erwiderte das Elfantenkind, &#8222;aber meine Nase hat sich scheu\u00dflich ver\u00e4ndert, und ich warte, ob sie nicht wieder kleiner wird.&#8220;<br>\n&#8222;Da kannst Du lange warten&#8220;, h\u00f6hnte die doppeltgescheckte klappernde Riesenschlange. &#8222;Mancher wei\u00df nicht, was gut f\u00fcr ihn ist.&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Das Elefantenkind blieb sitzen und wartete drei Tage, dass seine Nase wieder kleiner w\u00fcrde.<br>\nAber sie wurde nicht kleiner, und vom vielen Hinsehen schmerzten bereits die Augen. Das Krokodil hatte die Nase des Elefantenkindes zu einem wirklichen R\u00fcssel ausgezerrt, so wie ihn heutzutage jeder Elefant tr\u00e4gt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">An Ende des dritten Tages kam eine Fliege und stach das Elefantenkind in die Schulter; ehe es noch wusste, was es tat, hob es seinen R\u00fcssel und schlug die Fliege damit tot.<br>\n&#8222;Vorteil Nummer eins!&#8220; erkl\u00e4rte die doppelgescheckte klappernde Riesenschlange. &#8222;Das h\u00e4ttest du mit deiner Knollennase niemals gekonnt. Versuche jetzt ein wenig zu essen.&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Bevor das Elefantenkind wusste, was es tat, hatte es seinen R\u00fcssel ausgestreckt und ein gro\u00dfes B\u00fcndel Gras abgerissen. Es staubte es an seinen Vorderbeinen ab und stopfte es in sein Maul.<br>\n&#8222;Vorteil Nummer zwei!&#8220; lobte die doppeltgescheckte klappernde Riesenschlange. &#8222;Das h\u00e4ttest du mit deiner Knollennase niemals gekonnt. Findest Du nicht, dass die Sonne sehr hei\u00df brennt?&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Richtig&#8220;, gab das Elefantenkind zu; und bevor es wusste, was es tat, hatte es eine Ladung Schlamm von den Ufern des gro\u00dfen graugr\u00fcn-schlammigen Limpopostromes in seinen R\u00fcssel geladen und klatschte sie sich auf den Kopf, machte sich so eine k\u00fchle&nbsp; Schlamm\u00fctze, aus der es hinter seinen Ohren herabtr\u00f6pfelte.<br>\n&#8222;Vorteil Nummer drei!&#8220; pries die doppelgescheckte klappernde Riesenschlange. &#8222;Das h\u00e4ttest Du mit deiner Knollennase niemals gekonnt. M\u00f6chtest du nicht einmal wieder eins \u00fcbergezogen bekommen?&#8220; &#8222;Entschuldigung!&#8220; sagte das Elefantenkind, &#8222;aber das m\u00f6chte ich ganz und gar nicht.&#8220; &#8222;Aber w\u00fcrdest du vielleicht jemand anderem gern eins \u00fcberziehen?&#8220; fragte die doppelgescheckte klappernde Riesenschlange. &#8222;Das w\u00fcrde ich von Herzen gern tun!&#8220; antwortete das Elefantenkind. &#8222;Sch\u00f6n&#8220;, meinte die doppelgescheckte klappernde Riesenschlange, &#8222;deine neue Nase wird dir sehr n\u00fctzlich sein, wenn du jemandem eins \u00fcberziehen willst,.&#8220; &#8222;Danke sehr&#8220;, sagte das Elefantenkind, das will ich mir merken &#8211; und jetzt will ich nach Hause gehen zu all meinen teuren Verwandten und will es gleich ausprobieren.&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">So wanderte das Elefantenkind heim durch ganz Afrika und schwenkte lustig seinen R\u00fcssel. Wenn es Appetit auf Fr\u00fcchte hatte, riss es sich die Fr\u00fcchte vom Baum, statt wie fr\u00fcher zu warten, bis sie herabfielen. Wenn es Lust bekam Gras zu fressen, rupfte es sich das Gras vom Boden ab, statt wie fr\u00fcher sich m\u00fchselig niederzuknien. Wenn die Fliegen&nbsp; es stachen, brach es sich eine&nbsp; Zweig ab und benutze ihn als Fliegenwedel. Das Elefantenkind machte sich eine neue, k\u00fchle, matschig-klebrige Schlafm\u00fctze, so oft ihm die Sonne zu hei\u00df wurde. Wenn es sich einsam f\u00fchlte bei seinem Spaziergang&nbsp; durch Afrika, sang es sich eins durch seinen R\u00fcssel, und es dr\u00f6hnte lauter als viele Milit\u00e4rkapellen zusammen. Es macht absichtlich Umwege, um ein fettes Nilpferd zu treffen &#8211; aber eins, das mit ihm nicht verwandt war -, und es zog ihm sehr kr\u00e4ftig eins \u00fcber, um sicher zu sein, dass die doppelgescheckte klappernde Riesenschlange \u00fcber die F\u00e4higkeiten des neuen R\u00fcssels die Wahrheit gesprochen hatte. In der \u00fcbrigen Zeit sammelte das Elefantenkind die Melonenschalen ein, die es auf der Reise zum gro\u00dfen graugr\u00fcn-schlammigen Limpopostrom weggeworfen hatte, denn es hielt sehr auf Ordnung.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">An einem dunklen Abend traf das Elefantenkind all seine teuren Verwandten wieder, und es rollte seinen R\u00fcssel ganz dicht zusammen und rief: &#8222;Wie geht&#8217;s, wie geht&#8217;s&#8220; Alle waren erfreut, es wiederzusehen, und sagten sogleich: &#8222;Komm her, wir wollen dir f\u00fcr deine uners\u00e4ttliche Neugier eins \u00fcberziehen.&#8220;<br>\n&#8222;Pah&#8220;, prahlte das Elefantenkind, &#8222;ihr habt keine Ahnung! Das k\u00f6nnt ihr ja nicht, aber ich kann es, und ich will es euch zeigen.&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da machte es seinen R\u00fcssel lang und warf zwei seiner lieben Br\u00fcder zu Boden. &#8222;Bananen und Melonen!&#8220; riefen alle, &#8222;wo hast du diesen Kniff gelernt! Und was hast du mit deiner Nase gemacht?&#8220;<br>\n&#8222;Ich habe vom Krokodil an den Ufern des gro\u00dfen graugr\u00fcn-schlammigen Limpopostroms eine neue Nase bekommen&#8220;, erwiderte das Elefantenkind; &#8222;ich fragte es, was es zu Mittag speist, und es gab mir dies hier als Andenken.&#8220;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Es sieht h\u00e4sslich aus&#8220;, meinte sein wolliger Onkel der Pavian. &#8222;Das ist wahr&#8220;, gab das Elefantenkind zu, &#8222;aber es ist sehr n\u00fctzlich&#8220;, und es packte mit dem R\u00fcssel seinen wolligen Onkel, den Pavian, an einem seiner wolligen Beine und schlenkerte ihn in ein Hornissennest. Darauf zog das unartige Elefantenkind all seinen lieben Verwandten etwas Ordentliches \u00fcber, bis ihnen die Haut brannte und sie h\u00f6chst erstaunt waren. Es riss seinem langbeinigen Onkel, dem Strau\u00df, die Schwanzfedern aus; und es erwischte seine schlanke Tante, die Giraffe, beim Hinterbein und schleppte sie durch Stachel- und Dornb\u00fcsche. Auch trompetete es seinen fetten Onkel, das Nilpferd, an und spritzte ihm Wasser ins Ohr, wenn er gerade sein Mittagsschl\u00e4fchen hielt &#8211; aber niemals erlaubte es, dass jemand den Vogel Kolokolo anr\u00fchrte<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Schlie\u00dflich wurde die Lage f\u00fcr all seine teueren Verwandten so gef\u00e4hrlich, dass einer nach dem andern sich eilig aufmachte nach dem gro\u00dfen graugr\u00fcn-schlammigen Limpopostrom, an dessen Ufern \u00fcberall Fierb\u00e4ume stehen, um sich vom Krokodil neue Nasen zu holen. Nachdem die Elefanten zur\u00fcckgekehrt waren, lie\u00df einer den anderen in Ruhe. Und warum wohl? Seit jener Zeit haben alle Elefanten auch einen solchen R\u00fcssel wie das uners\u00e4ttlich neugierige Elefantenkind<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,113],"tags":[],"class_list":["post-323","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-rudyard-kipling"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/323","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=323"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/323\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2859,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/323\/revisions\/2859"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=323"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=323"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=323"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}