{"id":321,"date":"2015-10-07T00:04:48","date_gmt":"2015-10-06T22:04:48","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=321"},"modified":"2025-12-27T23:05:48","modified_gmt":"2025-12-27T22:05:48","slug":"der-eisenhans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-eisenhans\/","title":{"rendered":"Der Eisenhans"},"content":{"rendered":"<p>Gebr. Grimm<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Es war einmal ein K\u00f6nig, der hatte einen gro\u00dfen Wald bei seinem Schlosse, darin lief Wild aller Art herum. Zu einer Zeit schickte er einen J\u00e4ger hinaus, der sollte ein Reh schie\u00dfen, aber er kam nicht wieder. &#8222;Vielleicht ist ihm ein Ungl\u00fcck zugesto\u00dfen&#8220;, sagte der K\u00f6nig und schickte den folgenden Tag zwei andere J\u00e4ger hinaus, die sollten ihn aufsuchen, aber die blieben auch weg. Da lie\u00df er am dritten Tag alle seine J\u00e4ger kommen und sprach: &#8222;Streift durch den Wald und lasst nicht ab, bis ihr sie alle drei gefunden habt.&#8220; Aber auch von diesen kam keiner wieder heim, und von der Meute Hunde, die sie mitgenommen hatten, lie\u00df sich keiner wieder sehen. Von der Zeit an wollte sich niemand mehr in den Wald wagen, und er lag da in tiefer Stille und Einsamkeit, und man sah nur zuweilen einen Adler oder Habicht dar\u00fcber hinfliegen. Das dauerte viele Jahre; da meldete sich ein fremder J\u00e4ger bei dem K\u00f6nig, suchte eine Versorgung und erbot sich, in den gef\u00e4hrlichen Wald zu gehen. Der K\u00f6nig aber wollte seine Einwilligung nicht geben und sprach: &#8222;Es ist nicht geheuer darin; ich f\u00fcrchte, es geht dir nicht besser als den anderen, und du kommst nicht wieder heraus.&#8220; Der J\u00e4ger antwortete: &#8222;Herr, ich will&#8217;s auf meine Gefahr wagen; von Furcht wei\u00df ich nichts.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der J\u00e4ger begab sich also mit seinem Hund in den Wald. Es dauerte nicht lange, so geriet der Hund einem Wild auf die F\u00e4hrte und wollte hinter ihm her; kaum aber war er ein paar Schritte gelaufen, so stand er vor einem tiefen Pfuhl, konnte nicht weiter, und ein nackter Arm streckte sich aus dem Wasser, packte ihn und zog ihn hinab. Als der J\u00e4ger das sah, ging er zur\u00fcck und holte drei M\u00e4nner, die mussten mit Eimern kommen und das Wasser aussch\u00f6pfen. Als sie auf den Grund sehen konnten, lag da ein wilder Mann, der braun am Leib war, wie rostiges Eisen, und dem die Haare \u00fcber das Gesicht bis zu den Knien herabhingen. Sie banden ihn in Stricken und f\u00fchrten ihn fort in das Schloss. Da war gro\u00dfe Verwunderung \u00fcber den wilden Mann, der K\u00f6nig aber lie\u00df ihn in einen eisernen K\u00e4fig auf seinen Hof setzen und verbot bei Lebensstrafe, die T\u00fcr des K\u00e4figs zu \u00f6ffnen, und die K\u00f6nigin musste den Schl\u00fcssel selbst in Verwahrung nehmen. Von nun an konnte ein jeder wieder mit Sicherheit in den Wald gehen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der K\u00f6nig hatte einen Sohn von acht Jahren, der spielte einmal auf dem Hofe, und bei dem Spiele fiel sein goldener Ball in den K\u00e4fig. Der Knabe lief hin und sprach: &#8222;Gib mir meinen Ball heraus.&#8220; &#8211; &#8222;Nicht eher&#8220;, antwortete der Mann, &#8222;als bis du mir die T\u00fcr aufgemacht hast.&#8220; &#8211; &#8222;Nein&#8220;, sagte der Knabe, &#8222;das tue ich nicht, das hat der K\u00f6nig verboten&#8220;, und lief fort. Am anderen Tag kam er wieder und forderte seinen Ball. Der wilde Mann sagte: &#8222;\u00d6ffne meine T\u00fcr&#8220;, aber der Knabe wollte nicht. Am dritten Tag war der K\u00f6nig auf die Jagd geritten, da kam der Knabe nochmals und sagte: &#8222;Wenn ich auch wollte, ich kann die T\u00fcr nicht \u00f6ffnen, ich habe den Schl\u00fcssel nicht&#8220;. Da sprach der wilde Mann: &#8222;Er liegt unter dem Kopfkissen deiner Mutter, da kannst du ihn holen.&#8220; Der Knabe, der seinen Ball wiederhaben wollte, schlug alles Bedenken in den Wind und brachte den Schl\u00fcssel herbei. Die T\u00fcr ging schwer auf, und der Knabe klemmte sich den Finger. Als sie offen war, trat der wilde Mann heraus, gab ihm den goldenen Ball und eilte hinweg. Dem Knaben war Angst geworden, er schrie und rief ihm nach: &#8222;Ach, wilder Mann, geh&#8216; nicht fort, denn wenn meine Eltern bemerken, dass ich dich freigelassen habe, werden sie mich schlagen.&#8220; Der wilde Mann kehrte um, hob ihn auf, setzte ihn auf seinen Nacken und ging mit schnellen Schritten in den Wald hinein. Als der K\u00f6nig heimkam, bemerkte er den leeren K\u00e4fig und fragte die K\u00f6nigin, wie das zugegangen w\u00e4re. Sie wusste nichts davon, suchte den Schl\u00fcssel, aber er war weg. Sie rief den Knaben, aber niemand antwortete. Der K\u00f6nig schickte Leute aus, die ihn auf dem Felde suchen sollten, aber sie fanden ihn nicht. Da konnte er leicht erraten, was geschehen war, und es herrschte gro\u00dfe Trauer an dem k\u00f6niglichen Hofe.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als der wilde Mann wieder in dem finsteren Wald angelangt war, setzte er den Knaben von den Schultern herab und sprach zu ihm: &#8222;Vater und Mutter siehst du nie wieder, aber ich will dich bei mir behalten, denn du hast mich befreit, und ich habe Mitleid mit dir. Wenn du alles tust, was ich die sage, sollst du&#8217;s gut haben. Sch\u00e4tze und Gold habe ich genug und mehr als jemand in der Welt.&#8220; Er machte dem Knaben ein Lager von Moos, auf dem er einschlief, und am anderen Morgen f\u00fchrte ihn der Mann zu einem Brunnen und sprach: &#8222;Siehst du, der Goldbrunnen ist hell und klar wie Kristall. Du sollst dabeisitzen und achthaben, dass nichts hineinf\u00e4llt, sonst ist er verunehrt. Jeden Abend komme ich und sehe, ob du mein Gebot befolgt hast.&#8220; Der Knabe setzte sich an den Rand des Brunnens, sah, wie sich manchmal ein goldener Fisch, manchmal eine goldene Schlange darin zeigte, und er hatte acht, dass nichts hineinfiel. Als er so sa\u00df, schmerzte ihn einmal sein Finger so heftig, dass er ihn unwillk\u00fcrlich in das Wasser steckte. Er zog ihn schnell wieder heraus, sah aber, dass er ganz vergoldet war, und wie gro\u00dfe M\u00fche er sich gab, das Gold wieder abzuwischen, es war alles vergeblich. Abends kam der Eisenhans zur\u00fcck, sah den Knaben an und sprach: &#8222;Was ist mit dem Brunnen geschehen?&#8220; &#8211; &#8222;Nichts, nichts&#8220;, antwortete er und hielt den Finger auf den R\u00fccken, dass er ihn nicht sehen sollte. Aber der Mann sagte: &#8222;Du hast den Finger in das Wasser getaucht. Diesmal mag&#8217;s hingehen, aber h\u00fcte dich, dass du nicht wieder etwas hineinfallen l\u00e4sst.&#8220; Am fr\u00fchesten Morgen sa\u00df der Knabe schon bei dem Brunnen und bewachte ihn. Der Finger tat ihm wieder weh, und er fuhr damit \u00fcber seinen Kopf, da fiel ungl\u00fccklicherweise ein Haar hinab in den Brunnen. Er nahm es schnell heraus, aber es war schon ganz vergoldet. Der Eisenhans kam und wusste schon, was geschehen war. &#8222;Du hast das Haar in den Brunnen fallen lassen&#8220;, sagte er, &#8222;ich will dir&#8217;s noch mal nachsehen, aber wenn&#8217;s zum dritten Mal geschieht, so ist der Brunnen entehrt, und du kannst nicht l\u00e4nger bei mir bleiben.&#8220; Am dritten Tag sa\u00df der Knabe am Brunnen und bewegte den Finger nicht, wenn er ihm noch so weh tat. Aber die Zeit ward ihm lang, und er betrachtete sein Angesicht, dass auf dem Wasserspiegel stand. Und als er sich dabei immer mehr beugte und sich recht in die Augen sehen wollte, da fielen ihm seine langen Haare von den Schultern herab in das Wasser. Er richtete sich schnell in die H\u00f6he, aber das ganze Haupthaar war schon vergoldet und gl\u00e4nzt wie eine Sonne. Der Knabe erschrak, nahm sein Taschentuch, und band es um den Kopf, damit es der Mann nicht sehen sollte. Als er kam, wusste er schon alles und sprach: &#8222;Binde das Tuch auf!&#8220; Da quollen die goldenen Haare hervor; und der Knabe mochte sich entschuldigen, wie er wollte, es half ihm nichts. &#8222;Du hast die Probe nicht bestanden&#8220;, sprach der Mann, &#8222;und du kannst nicht l\u00e4nger hierbleiben. Geh&#8216; hinaus in die Welt, da wirst du erfahren, wie die Armut tut. Aber weil du kein b\u00f6ses Herz hast und ich&#8217;s gut mit dir meine, so will ich dir eins erlauben: wenn du in Not ger\u00e4tst, so geh&#8216; zu dem Wald und rufe &#8218;Eisenhans&#8216;, dann will ich kommen und dir helfen. Meine Macht ist gro\u00df, gr\u00f6\u00dfer als du denkst, und Gold und Silber habe ich im \u00dcberfluss.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da verlie\u00df der K\u00f6nigssohn den Wald und ging \u00fcber gebahnte und ungebahnte Wege immer zu, bis er zuletzt in eine gro\u00dfe Stadt kam. Er suchte da Arbeit, aber er konnte keine finden und hatte auch nichts erlernt, womit er sich h\u00e4tte forthelfen k\u00f6nnen. Endlich ging er in das Schloss und fragte, ob sie ihn behalten wollten. Die Hofleute wussten nicht, wozu sie ihn brauchen sollten, aber sie hatten Wohlgefallen an ihm und hie\u00dfen ihn bleiben. Zuletzt nahm ihn der Koch in den Dienst und sagte, er k\u00f6nnte Holz und Wasser tragen und die Asche zusammenkehren. Einmal, als gerade kein anderer zur Hand war, hie\u00df ihn der Koch die Speisen zur k\u00f6niglichen Tafel tragen; da er aber seine goldenen Haare nicht wollte sehen lassen, so behielt er sein H\u00fctchen auf. Dem K\u00f6nig war so etwas noch nicht vorgekommen, und er sprach: &#8222;Wenn du zur k\u00f6niglichen Tafel kommst, musst du deinen Hut abziehen.&#8220; &#8211; &#8222;Ach Herr&#8220;, antwortete er, &#8222;ich kann nicht, ich habe einen b\u00f6sen Grind auf dem Kopf.&#8220; Da lie\u00df der K\u00f6nig den Koch herbeirufen, schalt ihn und fragte, wie er einen solchen Jungen h\u00e4tte in seinen Dienst nehmen k\u00f6nnen; er sollte ihn gleich fortjagen. Der Koch aber hatte Mitleiden mit ihm und vertauschte ihn mit dem G\u00e4rtnerjungen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun musste der Junge im Garten pflanzen und begie\u00dfen, hacken und graben und Wind und b\u00f6ses Wetter \u00fcber sich ergehen lassen. Einmal im Sommer, als er allein im Garten arbeitete, war der Tag so hei\u00df, dass er sein H\u00fctchen abnahm und die Luft ihn k\u00fchlen sollte. Wie die Sonne auf das Haar schien, glitzerte und blitzte es, dass die Strahlen in das Schlafzimmer der K\u00f6nigstochter fielen und sie aufsprang, um zu sehen, was das w\u00e4re. Da erblickte sie den Jungen und rief ihn an: &#8222;Junge, bring mir einen Blumenstrau\u00df.&#8220; Er setzte in aller Eile sein H\u00fctchen auf, brach wilde Feldblumen ab und band sie zusammen. Als er damit die Treppe hinaufstieg, begegnete ihm der G\u00e4rtner und sprach: &#8222;Wie kannst du der K\u00f6nigstochter einen Strau\u00df von schlechten Blumen bringen? Geschwind hole andere und suche die sch\u00f6nsten und seltensten aus.&#8220; &#8222;Ach nein,&#8220; antwortete der Junge, &#8222;die wilden riechen kr\u00e4ftiger und werden ihr besser gefallen.&#8220; Als er in ihr Zimmer kam, sprach die K\u00f6nigstochter: &#8222;Nimm dein H\u00fctchen ab, es ziemt sich nicht, dass du es vor mir aufbeh\u00e4ltst.&#8220; Er antwortete wieder: &#8222;Ich darf nicht, ich habe einen grindigen Kopf.&#8220; Sie griff aber nach dem H\u00fctchen und zog es ab, da rollten seine goldenen Haare auf die Schultern herab, dass es pr\u00e4chtig anzusehen war. Er wollte fortspringen, aber sie hielt ihn am Arm und gab ihm eine Handvoll Dukaten. Er ging damit fort, achtete aber des Goldes nicht, sondern brachte es dem G\u00e4rtner und sprach: &#8222;Ich schenke es deinen Kindern, die k\u00f6nnen damit spielen.&#8220; Den anderen Tag rief ihm die K\u00f6nigstochter abermals zu, er sollte ihr einen Strau\u00df Feldblumen bringen, und als er damit eintrat, grapste sie gleich nach seinem H\u00fctchen und wollte es ihm wegnehmen, aber er hielt es mit beiden H\u00e4nden fest. Sie gab ihm wieder eine Handvoll Dukaten, aber er wollte sie nicht behalten und gab sie dem G\u00e4rtner als Spielwerk f\u00fcr seine Kinder. Den dritten Tag ging&#8217;s nicht anders, sie konnte ihm sein H\u00fctchen nicht wegnehmen, und er wollte ihr Gold nicht.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nicht lange danach ward das Land mit Krieg \u00fcberzogen. Der K\u00f6nig sammelte sein Volk und wusste nicht, ob er dem Feinde, der \u00fcberm\u00e4chtig war und ein gro\u00dfes Heer hatte, Widerstand leisten k\u00f6nne. Da sagte der G\u00e4rtnerjunge: &#8222;Ich bin herangewachsen und will mit in den Krieg ziehen, gebt mir nur ein Pferd.&#8220; Die anderen lachten und sprachen: &#8222;Wenn wir fort sind, so suche dir eins; wir wollen dir eins im Stall zur\u00fccklassen.&#8220; Als sie ausgezogen waren, ging er in den Stall und zog das Pferd heraus; es war an einem Fu\u00dfe lahm und hinkte. Dennoch setzte er sich auf und ritt fort nach dem dunklen Wald. Als er an den Rand des Waldes gekommen war, rief er dreimal &#8222;Eisenhans!&#8220; so laut, dass es durch die B\u00e4ume schallte. Gleich darauf erschien der wilde Mann und sprach: &#8222;Was verlangst du?&#8220; &#8211; &#8222;Ich verlange ein starkes Ross, denn ich will in den Krieg ziehen.&#8220; &#8211; &#8222;Das sollst du haben und noch mehr als du verlangst.&#8220; Dann ging der wilde Mann in den Wald zur\u00fcck, und es dauerte nicht lange, so kam ein Stallknecht aus dem Walde und f\u00fchrte ein Ross herbei, das schnaubte aus seinen N\u00fcstern und war kaum zu b\u00e4ndigen. Und hinterher folgte eine gro\u00dfe Schar Kriegsvolk, ganz in Eisen ger\u00fcstet, und ihre Schwerter blitzten in der Sonne. Der J\u00fcngling \u00fcbergab dem Stallknecht sein dreibeiniges Pferd, bestieg das andere und ritt vor der Schar her. Als er sich dem Schlachtfeld n\u00e4herte, war schon ein gro\u00dfer Teil von des K\u00f6nigs Leuten gefallen, und es fehlte nicht viel, so mussten die \u00fcbrigen weichen. Da jagte der J\u00fcngling mit seiner eisernen Schar heran, fuhr wie ein Wetter \u00fcber die Feinde und schlug alles nieder, was sich ihm widersetzte. Sie wollten fliehen, aber der J\u00fcngling sa\u00df ihnen auf dem Nacken und lie\u00df nicht ab, bis kein Mann mehr \u00fcbrig war. Statt aber zu dem K\u00f6nig zur\u00fcckzukehren, f\u00fchrte er seine Schar auf Umwegen wieder zu dem Walde und rief den Eisenhans heraus. &#8222;Was verlangst du?&#8220; fragte der wilde Mann. &#8222;Nimm mein Ross und deine Schar zur\u00fcck und gib mir mein dreibeiniges Pferd wieder.&#8220; Es geschah alles, was er verlangte, dann ritt er auf seinem dreibeinigen Pferde heim. Als der K\u00f6nig wieder in sein Schloss kam, ging ihm seine Tochter entgegen und w\u00fcnschte ihm Gl\u00fcck zu seinem Siege. &#8222;Ich bin es nicht, der den Sieg davongetragen hat&#8220;, sprach er, sondern ein fremder Ritter , der mir mit seiner Schar zu Hilfe kam.&#8220; Die Tochter wollte wissen, wer der fremde Ritter w\u00e4re, aber der K\u00f6nig wusste es nicht und sagte: &#8222;Er hat die Feinde verfolgt, und ich habe ihn nicht wiedergesehen.&#8220; Sie erkundigte sich bei dem G\u00e4rtner nach seinem Jungen; der lachte aber und sprach: &#8222;Eben ist er auf seinem dreibeinigen Pferde heimgekommen, und die anderen haben gespottet und gerufen: &#8222;Da kommt unser Hinkebein wieder an!&#8220; Sie fragten auch: &#8218;Hinter welcher Hecke hast du gelegen und geschlafen?&#8216; Er aber sprach: &#8222;Ich habe das Beste getan, und ohne mich w\u00e4re es schlecht gegangen.&#8220; Da ward er noch mehr ausgelacht.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der K\u00f6nig sprach zu seiner Tochter: &#8222;Ich will ein gro\u00dfes Fest ansagen lassen, das drei Tage w\u00e4hren soll, und du sollst einen goldenen Apfel werfen; vielleicht kommt der Unbekannte herbei.&#8220; Als das Fest verk\u00fcndet war, ging der J\u00fcngling hinaus zu dem Walde und rief den Eisenhans. &#8222;Was verlangst du?&#8220; fragte er. &#8222;Dass ich den goldenen Apfel der K\u00f6nigstochter fange.&#8220; &#8211; &#8222;Es ist so gut, als h\u00e4ttest du ihn schon&#8220;, sagte der Eisenhans; &#8222;du sollst auch eine rote R\u00fcstung dazu haben und auf einem stolzen Fuchs reiten.&#8220; Als der Tag kam, sprengte der J\u00fcngling heran, stellte sich unter die Ritter und ward von niemand erkannt. Die K\u00f6nigstochter trat hervor und warf den Rittern einen goldenen Apfel zu, aber keiner fing ihn als er allein; sobald er ihn aber hatte, jagte er davon. Am zweiten Tag hatte ihn der Eisenhans als wei\u00dfen Ritter ausger\u00fcstet und ihm einen Schimmel gegeben. Abermals fing er allein den Apfel, verweilte aber keinen Augenblick, sondern jagte damit fort. Der K\u00f6nig ward b\u00f6s&#8216; und sprach: &#8222;Das ist nicht erlaubt, er muss vor mir erscheinen und seinen Namen nennen.&#8220; Er gab den Befehl, wenn sich der Ritter, der den Apfel gefangen habe, wieder davonmachte, so sollte man ihm nachsetzen, und wenn er nicht gutwillig zur\u00fcckkehrte, auf ihn hauen und stechen. Am dritten Tag erhielt er vom Eisenhans eine schwarze R\u00fcstung und einen Rappen und fing auch wieder den Apfel. Als er aber damit fortjagte, verfolgten ihn die Leute des K\u00f6nigs, und einer kam ihm so nahe, dass er ihm mit der Spitze des Schwertes das Bein verwundete. Er entkam ihm jedoch, aber sein Pferd sprang so gewaltig, dass ihm der Helm vom Kopfe fiel, und sie konnten sehen, dass er goldene Haare hatte. Sie ritten zur\u00fcck und meldeten dem K\u00f6nig alles.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am anderen Tag fragte die K\u00f6nigstochter den G\u00e4rtner nach seinem Jungen. &#8222;Er arbeitet im Garten; der wunderliche Kauz ist auch bei dem Feste gewesen und erst gestern abend wiedergekommen; er hat auch meinen Kindern drei goldene \u00c4pfel gezeigt, die er gewonnen hat.&#8220; Der K\u00f6nig lie\u00df ihn vor sich fordern, und er erschien und hatte wieder sein H\u00fctchen auf dem Kopfe. Aber die K\u00f6nigstochter ging auf ihn zu und nahm es ihm ab, und da fielen seine goldenen Haare \u00fcber die Schultern, und er war so sch\u00f6n, dass alle erstaunten. &#8222;Bist du der Ritter gewesen, der jeden Tag zu dem Feste gekommen ist, immer in einer anderen Farbe, und der die drei goldenen \u00c4pfel gewonnen hat?&#8220; fragte der K\u00f6nig. &#8222;Ja&#8220;, antwortete er, &#8222;und da sind die \u00c4pfel&#8220;, holte sie aus seiner Tasche und reichte sie dem K\u00f6nig. &#8222;Wenn Ihr noch mehr Beweise verlangt, so k\u00f6nnt Ihr die Wunde sehen, die mir Eure Leute geschlagen haben, als sie mich verfolgten. Aber ich bin auch der Ritter, der Euch zum Sieg \u00fcber die Feinde verholfen hat.&#8220; &#8211; &#8222;Wenn du solche Taten verrichten kannst, so bist du kein G\u00e4rtnerjunge: sage mir, wer ist dein Vater?&#8220; &#8211; &#8222;Mein Vater ist ein m\u00e4chtiger K\u00f6nig, und des Goldes habe ich die F\u00fclle und so viel ich nur verlange.&#8220; &#8211; &#8222;Ich sehe wohl&#8220;, sprach der K\u00f6nig, &#8222;ich bin dir Dank schuldig, kann ich dir etwas zu Gefallen tun?&#8220; &#8211; &#8222;Ja&#8220;, antwortete er, &#8222;das k\u00f6nnt Ihr wohl, gebt mir Eure Tochter zur Frau.&#8220; Da lachte die Jungfrau und sprach: &#8222;Der macht keine Umst\u00e4nde, aber ich habe schon an seinen goldenen Haaren gesehen, dass er kein G\u00e4rtnerjunge ist.&#8220; Dann ging sie hin und k\u00fcsste ihn. Zu der Verm\u00e4hlung kamen sein Vater und seine Mutter und waren in gro\u00dfer Freude, denn sie hatten schon alle Hoffnung aufgegeben, ihren lieben Sohn wiederzusehen. Und als sie an der Hochzeitstafel sa\u00dfen, da schwieg auf einmal die Musik, die T\u00fcren gingen auf, und ein stolzer K\u00f6nig trat herein mit gro\u00dfem Gefolge. Er ging auf den J\u00fcngling zu, umarmte ihn und sprach: Ich bin der Eisenhans und war in einen wilden Mann verw\u00fcnscht, aber du hast mich erl\u00f6st. Alle Sch\u00e4tze, die ich besitze, sollen dein Eigentum sein.&#8220;<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. 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