{"id":303,"date":"2015-10-06T23:49:28","date_gmt":"2015-10-06T21:49:28","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=303"},"modified":"2026-01-24T02:28:24","modified_gmt":"2026-01-24T01:28:24","slug":"wie-dummhans-fuer-ein-gerstenkorn-ein-koenigreich-bekam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wie-dummhans-fuer-ein-gerstenkorn-ein-koenigreich-bekam\/","title":{"rendered":"Wie Dummhans f\u00fcr ein Gerstenkorn ein K\u00f6nigreich bekam"},"content":{"rendered":"<p>Volksm\u00e4rchen aus Pommern und R\u00fcgen<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs war einmal ein Junge, der war so einf\u00e4ltig, dass ihn das ganze Dorf nur den Dummhans nannte. Als er eingesegnet war, ging er als Knecht zu einem Bauern in den Dienst und hielt dort sieben Jahre treu aus, ohne einen Pfennig zum Lohn zu erhalten. Da bekam er Lust, in die Welt zu gehen und St\u00e4dte und L\u00e4nder kennen zu lernen. \u00bbBauer,\u00ab sprach er darum am Martinstage, \u00bbzahl mir den Lohn aus, welcher mir f\u00fcr sieben Jahre Dienst zukommt; mach&#8217;s aber nicht zu schwer, dass er mich dr\u00fcckt und mir die Tasche zerrei\u00dft.\u00ab Der Bauer dachte: \u00bbDas willst du schon besorgen!\u00ab ging in die Kammer und tat ein Gerstenkorn in ein T\u00fcchlein und band einen seidenen Faden darum, trat dann vor Dummhans hin, steckte ihm das Tuch in die Tasche und hie\u00df ihn recht Obacht geben, dass es ja nicht verloren ginge. Dummhans dankte dem Bauer, dass er ihm seinen Siebenjahrslohn so leicht gemacht, und wanderte vergn\u00fcgt und guter Dinge in die weite Welt hinaus.<\/p>\n<p>Am Abend kam er in ein Wirtshaus und bat um ein Nachtlager. \u00bbDas sollst du haben,\u00ab entgegnete der Gastwirt, \u00bbund wenn du Geld oder Geldeswert bei dir hast, so gib&#8217;s mir in Verwahrung, dass es dir nicht gestohlen wird.\u00ab \u2013 \u00bbUnd ob ich etwas bei mir h\u00e4tte!\u00ab rief Dummhans, \u00bbEinen ganzen Siebenjahrslohn sogar!\u00ab und damit griff er in die Tasche, zog das T\u00fcchlein mit dem Gerstenkorn heraus und \u00fcbergab es dem Herbergsvater; dann legte er sich auf die Streu und schlief fest ein. Dem Wirt lie\u00df aber die Neugier keine Ruhe. \u00bbEin Siebenjahrslohn soll in dem T\u00fcchlein enthalten sein?\u00ab dachte er bei sich, \u00bbDas ist wohl gar ein Diamant!\u00ab Und wenn ihm auch sein Gewissen zurief: \u00bbGastwirt, Gastwirt, lass das T\u00fcchlein in Ruh, was geht dich des Dummhans Siebenjahrslohn an!\u00ab er konnte der Neugier nicht widerstehen und l\u00f6ste den Knoten. Nachdem er jedoch das Tuch auseinander gefaltet, war nichts weiter darin zu sehen, als ein einziges Gerstenkorn. Dar\u00fcber bekam der Wirt einen solchen Schreck, dass er es fallen lie\u00df, und ehe er&#8217;s sich versah, war der Hahn herbei gesprungen und hatte das Gerstenkorn gefressen.<\/p>\n<p>Am andern Morgen stand Dummhans zeitig auf und verlangte sein T\u00fcchlein. \u00bbDer Schatz ist fort,\u00ab lachte der Wirt, \u00bbder Hahn hat das Gerstenkorn gefressen.\u00ab \u2013 \u00bbDann gib mir den Hahn,\u00ab sprach Dummhans, \u00bboder ich gehe zum Richter, weil du mich um meinen Siebenjahrslohn betrogen hast.\u00ab Vor dem Richter hatte aber der Wirt eine Himmelangst, und so gab er dem Dummhans den Hahn mit auf den Weg und freute sich obendrein, dass er den Jungen so leichten Kaufs los geworden war.<\/p>\n<p>Den n\u00e4chsten Abend kehrte Dummhans wiederum in einer Herberge ein und \u00fcbergab dem Wirt seinen Hahn; er solle ihn aber ja nicht aus den Augen lassen, denn er sei ihm \u00fcber die Massen wert, weil er ihn erhalten habe statt eines Lohnes von sieben Jahren. Der Herbergsvater kehrte sich aber nicht an des Dummhans Gerede, sondern sperrte den Hahn in den Pferdestall. Als nun Dummhans am andern Morgen weiter ziehen wollte und den Hahn zur\u00fcckforderte, lag der Vogel tot in der Ecke, der Hengst im Stalle hatte ihn mit seinen Hufen erschlagen und ganz breit getreten. Dummhans schrie Mord und Zeter und wollte den Wirt verklagen, weil er ihn um seinen Siebenjahrslohn gebracht, und er ruhte auch nicht eher, als bis ihm der Mann f\u00fcr den erschlagenen Hahn den Hengst abgetreten hatte. Das war ein herrliches Tier mit goldener M\u00e4hne und goldenem Schweif, dass es eine Lust war, ihn anzublicken. Au\u00dferdem hatte der Hengst die wundersame Gabe, dass jedes Wesen, welches ihn ber\u00fchrte und zu dem sein Herr sprach: \u00bbBleek an!\u00ab dem Pferd auf den R\u00fccken springen musste und dort fest sitzen blieb, bis er es wieder heruntersteigen hie\u00df. Und damit er ja nichts \u00fcbers\u00e4he, wieherte der Hengst jedes Mal hell auf, wenn jemand seinem Goldhaar zu nahe kam.<\/p>\n<p>Auf diesen Hengst schwang sich Dummhans, gab ihm die Sporen, und hoch zu Ross ging es nun die breite Landstrasse entlang, dass die Pappeln zur Rechten und zur Linken vorbei flogen und die Wandersleute halt machten und dem stolzen Reiter nachblickten. Endlich wurde es dunkel, und Dummhans langte in dem dritten Gasthofe an. Nachdem er gegessen und getrunken, legte er sich zu dem Goldhengst in den Stall neben die H\u00e4ckselkiste und schlief fest ein. Den drei T\u00f6chtern des Wirtes hatte aber das goldene Haar keine Ruhe gelassen, und es dauerte gar nicht lange, so klinkte die \u00e4lteste leise die Stallt\u00fcre auf und trat an den Hengst und zupfte ihm ein Goldhaar aus der M\u00e4hne. In demselben Augenblick wieherte der Hengst hell auf; Dummhans erwachte, rief: \u00bbBleek an!\u00ab und auf dem R\u00fccken des Pferdes sa\u00df das M\u00e4dchen und konnte nicht wieder herunter.<\/p>\n<p>Kaum war Dummhans wieder eingeschlafen, so \u00f6ffnete sich die Pforte von neuem, und die zweite Tochter schlich sich auf Str\u00fcmpfen herein. Als sie ihre Schwester auf dem R\u00fccken des Hengstes erblickte, schalt sie zornig: \u00bbDu habgieriges Ding, kannst du nicht hier unten pfl\u00fccken? Schau, mach&#8217;s, wie ich!\u00ab Und damit riss sie dem Tier ein paar Haare aus dem Schweife. Hell wieherte der Hengst auf, Dummhans erwachte, rief: \u00bbBleek an!\u00ab und schnarchte weiter; das M\u00e4dchen aber sa\u00df oben auf dem R\u00fccken des Pferdes hinter der Schwester, und sie verw\u00fcnschten ihr Geschick. Indem stahl sich die j\u00fcngste Tochter des Wirtes herein, um auch f\u00fcr ihren Teil von den Goldhaaren zu nehmen. Wie sie ihre Schwestern auf dem R\u00fccken des Pferdes sah, sprach sie: \u00bbIhr seid wohl ganz und gar nicht klug, was habt ihr denn auf dem Gaule zu suchen?\u00ab Die beiden M\u00e4dchen winkten ihr jedoch zu, sie solle stille sein, und machten ihr darauf leise klar, dass sie nicht wieder herunter k\u00f6nnten. Das tat der j\u00fcngsten Schwester leid, und sie fasste die beiden \u00e4lteren frisch bei den Beinen, um sie herab zu ziehen; doch es gelang ihr nicht, und ehe sie&#8217;s sich versah, wieherte der Goldhengst hell auf, Dummhans rief: \u00bbBleek an!\u00ab und oben sa\u00df sie, als die dritte im Bunde, und konnte ihre Schwestern nach Herzenslust knuffen und puffen, weil sie von ihnen mit in das Ungl\u00fcck gebracht war.<\/p>\n<p>Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als Dummhans sich von der Streu erhob, seinen Goldhengst l\u00f6ste und zum Stalle heraus f\u00fchrte. Auf dem Hof standen der Wirt und die Wirtin und alle Knechte und M\u00e4gde und weinten und jammerten, weil die drei Jungfern verschwunden waren. Als sie dieselben auf dem Rosse erblickten, wurden sie froh, dass sie wiedergefunden seien; die drei M\u00e4dchen waren aber gar nicht vergn\u00fcgt, sondern riefen immerfort: \u00bbVater, Mutter, helft uns von dem verw\u00fcnschten Tier!\u00ab Aber so viel sie auch zogen, die Jungfern blieben fest an dem Hengst kleben und r\u00fcckten und r\u00fchrten sich nicht. \u00bbAch, lass sie doch wieder herab steigen!\u00ab bat nun der Wirt den Dummhans; doch der hatte taube Ohren und sprach: \u00bbIch habe sie nicht stehlen hei\u00dfen, und wenn sie selbst hinaufgeklettert sind, m\u00f6gen sie auch selbst herabsteigen!\u00ab Dann ergriff er den Hengst am Z\u00fcgel und f\u00fchrte ihn zum Thore hinaus.<\/p>\n<p>Vor dem Schulhause stand der K\u00fcster. Kaum sah er die wunderbare Gesellschaft, so rief er zornig; \u00bbDrei gro\u00dfe, schwere M\u00e4dchen auf einem Pferd! Ist das Zucht und gute Sitte? Und lasst ihr euch von einem wildfremden Kerl aus dem Dorfe f\u00fchren? Wartet nur, ich werde euch kriegen!\u00ab Sprachs und lief auf den Goldhengst zu, um die M\u00e4dchen herabzureissen. \u00bbH\u00fch\u00fch\u00fc!\u00ab wieherte der Hengst, \u00bbBleek an!\u00ab sagte Dummhans, und hinter der j\u00fcngsten Tochter des Gastwirts sa\u00df der K\u00fcster und musste mit auf die Reise, er mochte wollen oder nicht.<\/p>\n<p>Der Zug kam an der Kirche vorbei. Da stand der Herr Pastor in Schlafrock und Pantoffeln und sah nach, ob die b\u00f6sen Buben wieder eins von den kleinen Fensterchen eingeworfen h\u00e4tten. Wie erschrak er aber, als er des K\u00fcsters und der drei Jungfern auf dem Hengst ansichtig ward! Er lie\u00df die kleinen Fenster kleine Fenster sein und schrie aus vollem Halse: \u00bbHei\u00dft das Kinder lehren und ehrbaren Wandel f\u00fchren? Sch\u00e4mt er sich denn nicht, mit drei leichtsinnigen Jungfern aus dem Dorfe zu reiten und noch dazu alle vier auf einem Pferde? Herunter mit ihm!\u00ab Und schon hatte er den langen Rockschoss des K\u00fcsters in der Hand, um ihn herabzuziehen. \u00bbH\u00fch\u00fch\u00fc!\u00ab wieherte der Goldhengst; \u00bbBleek an!\u00ab sagte Dummhans, und der Pastor sa\u00df hinter dem K\u00fcster und wusste nicht, wie er hinauf gekommen war.<\/p>\n<p>Er hatte auch gar nicht Zeit, lange dar\u00fcber nachzusinnen, denn mittlerweile waren sie an den Ausgang des Dorfes gekommen, wo die Gro\u00dfb\u00e4uerin mit der kleinen Magd an dem Backofen hantierte. Die B\u00e4uerin hatte gerade den Schieber in der Hand, um damit in den Ofen zu fahren, als sie die f\u00fcnf Menschen auf dem Rosse erblickte. \u00bbKinnerl\u00fcd!\u00ab rief sie ergrimmt, \u00bbwas ist das f\u00fcr ein Teufelswerk? Und, du mein Schrecken, da sitzt ja auch der Herr Pastor! Das hei\u00dft also den Leuten mit gutem Beispiele vorangehen? Heda, Kathrine, komm schnell, dass wir die gottlose Gesellschaft auseinander bringen!\u00ab Und sie st\u00fcrzte mit dem Schieber, Kathrine aber mit dem Besen auf den Goldhengst zu, und dann schlugen sie gemeinsam auf den Pastor ein. \u00bbH\u00fch\u00fch\u00fc!\u00ab wieherte der Goldhengst; \u00bbBleek an!\u00ab sprach Dummhans, und die B\u00e4uerin und die Kleinmagd sprangen auf das Ross und sa\u00dfen fest; doch es war nicht mehr viel Platz da, so dass Kathrinchen auf dem \u00e4u\u00dfersten Schwanzende zu sitzen kam.<\/p>\n<p>Kathrinchen war nun b\u00f6se auf die Gro\u00dfb\u00e4uerin und schlug sie mit dem Besen; die B\u00e4uerin schob die Schuld auf den Pastor und stie\u00df ihn mit dem Schieber; der Pastor hielt sich an den K\u00fcster und knuffte ihn in die Seiten; der K\u00fcster schalt auf die j\u00fcngste Wirtstochter und raufte sie an den Haaren; die j\u00fcngste Wirtstochter lie\u00df das ihre zweite Schwester entgelten und kniff sie in die Arme; die zweite Schwester r\u00e4chte sich an der \u00e4ltesten und zwickte ihr die Ohren; die \u00e4lteste aber sa\u00df stille und weinte, denn sie hatte das ganze Unheil angerichtet. Dummhans allein war vergn\u00fcgt und heiter, zog seinen Goldhengst am Zaume hinter sich her und zeigte seinen Himphamp in den D\u00f6rfern und auf den H\u00f6fen und erhielt viel Geld daf\u00fcr von den Leuten; denn einen solchen Himphamp hatten sie ihr Lebtage noch niemals zu Gesichte bekommen.<\/p>\n<p>Nun f\u00fchrte den Dummhans sein Weg durch eine gro\u00dfe Stadt. Da kam ein feingekleideter Herr auf ihn zu und bot tausend blitzblanke Taler, wenn er ihm den Himphamp verkaufen w\u00fcrde. Dummhans stach das viele Geld in die Augen, und er ging auf den Handel ein; der fremde Herr war aber ein Prinz und wollte durch den Himphamp ein K\u00f6nig werden. Der alte K\u00f6nig n\u00e4mlich, dem die Stadt geh\u00f6rte, besa\u00df eine Tochter, die noch niemals in ihrem Leben gelacht hatte. Weil ihm das nicht gefiel, so lie\u00df er ein Gebot ergehen, wer seine Tochter zum Lachen br\u00e4chte, der solle sie heiraten. Das hatten schon viele versucht, aber noch keinem war es gelungen. Auch der Prinz war in die Stadt gereist, um die Prinzessin zum Lachen zu bewegen, und da kam ihm gerade Dummhans mit seinem Himphamp entgegen. Jetzt, als er ihn gekauft hatte, glaubte er, gewonnenes Spiel zu haben, und richtig, als er den Himphamp vor dem Schlosse vorbeif\u00fchrte, sah die K\u00f6nigstochter zum Fenster hinaus und lachte \u00fcber den sonderbaren Aufzug.<\/p>\n<p>Die Sache ward sogleich dem K\u00f6nig gemeldet, der sprach: \u00bbGrifflachen ist auch ein Lachen; wenn nicht binnen drei Tagen ein anderer kommt, \u00fcber den die Prinzessin ordentlich lacht, so soll sie den Prinzen nehmen und ihm angetraut werden.\u00ab Die Rede des K\u00f6nigs ward bald ruchbar in der Stadt, und auch Dummhans h\u00f6rte davon, welches Gl\u00fcck durch seinen Himphamp der fremde Prinz erreicht habe. Das ging ihm zu Herzen, und traurig schlich er mit gesenktem Haupte seiner Strasse; au\u00dferdem dr\u00fcckten ihm die harten Talerst\u00fccke das Fleisch wund, und er seufzte von ganzem Herzen: \u00bbO! w\u00e4re ich doch die tausend Taler los und h\u00e4tte meinen Himphamp wieder, dass ich die Prinzessin damit zum Lachen br\u00e4chte und K\u00f6nig w\u00fcrde in dieser Stadt!\u00ab<\/p>\n<p>Diese Rede h\u00f6rte ein steinaltes M\u00fctterchen, welches schon mit dem Kopfe wackelte, das sprach: \u00bbIst es dein Ernst mit den tausend Talern, so will ich dir etwas geben, dass die K\u00f6nigstochter noch hundert Mal mehr dar\u00fcber lachen soll, als \u00fcber den allerbesten Himphamp!\u00ab Dummhans ward froh, als er diese Worte h\u00f6rte, und versprach der alten Frau das Geld, wenn sie ihm daf\u00fcr die K\u00f6nigstochter zum Lachen br\u00e4chte. \u00bbLauf morgen fr\u00fch, ehe die Sonne aufgeht, vor die Stadt auf den Kreuzweg,\u00ab sagte das M\u00fctterchen, \u00bbund was du dort findest, heb auf und tu&#8217;s in einen Kasten, mag es auch noch so klein sein.\u00ab Dummhans tat, wie die Alte ihm befohlen hatte, und fand am andern Morgen auf dem Kreuzweg einen Bussbunk (Mistk\u00e4fer), der lag auf dem R\u00fccken und streckte die Beine in die Luft und konnte sich nicht wieder umdrehen. Dummhans ergriff ihn, tat ihn in eine Schachtel und brachte ihn dem alten M\u00fctterchen.<\/p>\n<p>\u00bbDas hast du gut gemacht,\u00ab sagte die Alte, \u00bbund morgen gehst du zur selben Stunde noch einmal vors Thor und bringst wieder, was du findest, es mag sein, was es wolle.\u00ab \u2013 Dummhans folgte ihrem Gehei; aber so sehr er auch umherguckte, er konnte weiter nichts auf dem Kreuzweg entdecken, als eine einzige kleine Ameise. \u00bbErst ein Bussbunk und dann eine Ameise, das wird dir viel helfen,\u00ab dachte er bei sich, \u00bbdoch wer wei\u00df, wozu es gut ist. Alte Leute wissen mehr, als die jungen.\u00ab Damit tat er die Ameise in eine Schachtel und kehrte zur Stadt in das Haus des alten M\u00fctterchens zur\u00fcck. \u00bbRecht, mein Sohn,\u00ab rief die Alte vergn\u00fcgt, \u00bbnun geh morgen noch einmal auf den Kreuzweg, sei aber flink und beh\u00e4nde, dann wird dir die K\u00f6nigstochter nicht entgehen.\u00ab<\/p>\n<p>Am dritten Morgen erblickte Dummhans weiter nichts im Sande, als eine kleine Maus. Die lief \u00e4ngstlich hin und her und suchte zu entwischen; er nahm jedoch seine Beine in die Hand, und so sehr das M\u00e4uschen auch lief, er holte es ein und steckte es in eine Schachtel; dann kehrte er seelenvergn\u00fcgt in die Stadt zur\u00fcck und \u00fcbergab der Alten seine Beute. Die kramte ein kleines W\u00e4gelchen aus dem Kasten und spannte den Bussbunk, die Ameise und die Maus davor. Der Bussbunk ging unterm Sattel, die Ameise vorn in der Leine und die Maus hinter der Handseite; Dummhans aber bekam eine allm\u00e4chtig lange Hetzpeitsche in die Hand und schritt gegen auf und knallte, dass es eine Lust war.<\/p>\n<p>Schon auf der Strasse scharten sich Leute \u00fcber Leute um ihn, als sie das Gef\u00e4hrt sahen, und lachten aus vollem Halse. Mit jedem Hause wurde die Menschenmenge gr\u00f6\u00dfer, und als er vor dem Schlosse anlangte, war die ganze Stadt auf den Beinen, und alles lachte, so laut, dass es die Prinzessin h\u00f6rte und neugierig zum Fenster lief. Als sie den Wagen mit dem Bussbunk, der Ameise und der Maus und daneben den Dummhans mit der langen Hetzpeitsche erblickte, da war es mit ihrem Ernste aus, sie lachte, dass sie auf den R\u00fccken fiel und dass ihr der Leib wackelte.<\/p>\n<p>\u00bbDummhans wird K\u00f6nig! Dummhans wird K\u00f6nig!\u00ab schrie das Volk, und der alte K\u00f6nig musste zugeben, dass die Leute recht hatten; aber ihm w\u00e4re der Prinz als Schwiegersohn lieber gewesen, wie der schmutzige Bauernjunge; darum lie\u00df er die beiden vor seinen Thron rufen und sprach zu ihnen: \u00bb\u00dcber des Prinzen Himphamp hat meine Tochter nur gegrifflacht und \u00fcber des Dummhans Gef\u00e4hrt hat sie gelacht, dass ihr der Leib wackelte; aber daf\u00fcr ist der Prinz drei Tage fr\u00fcher zum Ziele gekommen. Kurz und gut, die Sache ist unentschieden! Und damit sich keiner von euch beklagen kann, so soll die Prinzessin einen Schlaftrunk bekommen; der Prinz legt sich zur Rechten und Dummhans zur Linken, und wem sie am andern Morgen zugewandt ist, der soll sie zur Frau haben.\u00ab Er dachte n\u00e4mlich, weil ein Prinz lieblich, ein Bauernjunge aber nach K\u00fchen und Schweinen riecht, seine Tochter w\u00fcrde sich jenem zukehren und von diesem abwenden.<\/p>\n<p>Aber Dummhans durchschaute des alten K\u00f6nigs R\u00e4nke; er kaufte sich Mandelkern und Zuckerbrot und a\u00df davon zu Abend, dass ihm ein s\u00fc\u00dfer Atem aus dem Munde ging. Als es Schlafenszeit war, legte er sich zur Linken der K\u00f6nigstochter nieder, w\u00e4hrend der Prinz, als ein K\u00f6nigssohn, seinen Platz an ihrer rechten Seite eingenommen hatte. Nachdem jener fest eingeschlafen war, lie\u00df Dummhans den Bussbunk aus der Schachtel. Der setzte sich vor des Prinzen Mund; und da ein Mistk\u00e4fer gemeiniglich nicht sch\u00f6n zu riechen pflegt, so wendete die Prinzessin im Schlafe ihr K\u00f6pfchen von dem Prinzen ab und drehte es dem Dummhans zu und blieb auch die ganze Nacht \u00fcber so liegen.<\/p>\n<p>Am andern Morgen sah der alte K\u00f6nig selber nach; und als er befand, dass seine Tochter ihren Kopf dem Bauernsohn zugekehrt hatte, konnte er nichts mehr gegen ihn einwenden. Es ward eine gro\u00dfe Hochzeit angerichtet, und Dummhans heiratete die Prinzessin und lebte mit ihr gl\u00fccklich und zufrieden sein Leben lang; und wenn sie nicht gestorben w\u00e4ren, lebten sie heute noch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Volksm\u00e4rchen aus Pommern und R\u00fcgen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,185,133],"tags":[],"class_list":["post-303","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-maerchen-aus-ruegen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/303","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=303"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/303\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":304,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/303\/revisions\/304"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=303"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=303"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=303"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}